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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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r' " - ‘ > - - - -" v-'- ' /-'"- ' '■ r ‘ - ‘ c^eWarfc erai^s Eine interessante MiSraschstelle. Bon Rabbiner Dr. 8. Dünner, in Rogafen. Wenn man das Kaddischgebet auf feine Entstehung und Grundbedeutung einer genaueren Betrachtung unterzieht, so wird man finden, daß bereits die frühesten Talmudkommentatoren und Dezisoren schon hinsichtlich der Sprache dieses Gebetes verschiedener Meinung sind. Obschon nämlich dieses Gebet eine der wichtigsten Stellen in unserer Gebetordnung einnimmt, ist es im Gegensätze zu fast allen anderen Gebeten in aramäischer Sprache gehalten. Den Grund hierfür erwähnen rum ersten Male die Tossaphot zu Berachoth 3s (fWl fi"“?)/ und zwar wird daselbst die Bemerkung gemacht, daß man annahm, daß die himmlischen Wesen die Menschen ob des schönen Inhaltes dieses Gebetes, gleichsam beneiden könnten, da sie aber der aramäischen Sprache nicht mächtig seien, so habe man diesen Dialekt für das den Ruhm Gottes preisende Kaddischgebet gewählt, um jedes Aergernis von den Engeln fern zu halten. Wie kam man nur zu einer solchen Auffassung, von der die Quellen nichts berichten? Wenn wir in unserer Quellenliteratur nach einer Parallelstelle suchen, in der ebenfalls von dem Neide der himmlischen Wesen, dem Menschen die Rede ist, so kommt hier in erster gegenüber Reihe eine leihe eine Midraschstelle in Debarim-Nabba zu 6, 4 in Betracht, die erzählt, daß Mose während seines Aufenthaltes im Himmel den Engeln das Gebet im nbirb ini2bö 1122 rw 7112 ablauschte und dieses dann später dem Volke heimlich mitteilte. Deshalb beten wir diese Einschaltung während des ganzen Jahres mit leiser Stimme, um uns nicht durch die laute Rezitation dieses herrlichen Gebetes den Zorn der himmlischen Heere zuzuziehenda aber am Bersöhnungstage die Sterblichen den Engeln gleichgestellt find, so darf an diesem Lage das 1*l,"2"2"E?"2 laut gesprochen werden. Sehen wir nun in diesem Midrasch die Grundlage für die divergierende Rezitation des 1//b"2"2//V"2 am Versöhnungstage im Vergleich zu den übrigen Tagen des Jahres, so dürfen wir uns nicht verhehlen, daß diese Stelle die einzige in der ganzen Talmud- und Midraschltteratur ist, die auf jenen Gebrauch hinweift. Dagegen finden wir noch eine andere Stelle in Sisre (Deutron 6,4), Midrasch (Bereschtt-Rabba) 38, Debarim-Rabba 6,4) und Drlrnud (Pesachim 38»), die uns nur allgemein über den Ursprung des erwähnten Satzes Aufschluß gießt. MS unser Stammväter Jakob, so lautet dieser Bericht, tu seiner Sterbestunde seine Kinder um sich versammelt hatte und ihnen gegenüber dir Äefürchtttttg aussprach, sie könnten vielleicht irgend einen hinsichtlich des Weltenschöpfers in ihrem jmtem hegen, da antworteten sie einmütig: Höre Israel, unser Vater/ so wie Du über jeden Zweifel an dem Bestehen eines Gottes erhaben bist, so wuselt auch in unserm Herzen eine feste Ueberzeugung, die uns sagt: Der Ewige unser Gott der Ewige ist einzig. Hierauf habe Jakob gesprochen: l"b*!2"2"V"2. Diese Stelle, die mit geringen, für unser Thema unwichtigen Abweichungen an mehreren Parallelstellen der einschlägigen Literatur zu finden ist, hat jedoch im Vergleich zu zwei anderen Parallelen im palästinensischem Targum, die in einer Fußnote von Baers N'2.11113# (Rödelheim 1901 Seite 82) gebracht werden, einen großen, wenn auch nicht inhaltlichen, so doch sprachlichen Unterschied aufzuweisen. Während nämlich in den erstgenannten Quellen dieser Bericht in dem diesen Literaturzweigen eigenen hebräischen Dialekt geschrieben ist, führt ihn der Targum in seiner Sprache, der aramäischen vor, wobei der hebräische Satz 1"b"2"2"E?"2 mit pöbP 'öbrb -p3ö K21 STDtt KTT wiedergegeben ist- Diese aramäische Uebersetzung des vb'ö'2'tP'2 enthält aber für uns mehrere intereffante Winke. Denn wenn wir nunmehr die oben erwähnte Midraschstelle, die den Ursprung des l'b'ö'D'ttf'S in den Himmel versetzt und der zufolge die Engel es den Sterblichen verübeln würden, wenn sie aus deren Munde das schöne hebräische 1"b"ö"2l0"2 hören würden, mit der hier zitierten Targumstelle in Verbindung bringen, so ist unsere Frage hinsichtlich des Ursprungs jener Auffassung, die von den Tossaphot erwähnt wird, leicht gelöst. Man kannte nämlich die Identität zwischen tf"1"b"tt‘1 V"' und I und übertrüg nun die Vorstellung von dem Neid erregenden lVa"2"V"2 ----- r V'yö'lV* auch auf das diesen letzten Satz als speziellen Teil enthaltende Kaddischgebet. Infolgedessen befürchtete man, daß dieses schöne Gebet im Munde der Erdenbewohner den Niüd der himmlischen Wesen erregen würde, und beschloß daher dasselbe in der den Engeln unbekannten aramäischen Sprache zu . beten. Jedoch schon der Anonymus der Tossaphot, R. Jsak den Samuel (Ri) weist diesen mystischkabbalistischen Grund mit Entschiedenheit zurück, indem er mit Recht behauptet, es gäbe ja noch so viele andere schöne Gebete, die doch alle in hebräischer Sprache geschrieben, sind. Er glaubt vielmehr die Ursache für die Abfassung des Kaddischgebetes sin aramäischen Dialekt dem Umstande zuschreiben zu müssen, daß dieses Gebet ursprünglich gewöhnlich im Anschluß an einen öffentlichen Bortrag gesprochen werde, und da bei dieser Gelegenheit viele Personen zugegen waren, die das Hebräische nicht verstanden mnKI ’OT), so habe man wohl aus diesem Grunde das Kaddischgebet in einer für alle verständlichen Sprache, in der derzeitigen Umgangssprache festgesetzt. R. Joseph Karo, der in seinem Kommentar zum ersten Teile des Schulchän-Aruch des R. Jakob ben Ascher (Kap. 56) diese Toffaphotstelle zitiert, führt zum Beweise für die Richtigkeit dieser Auffassung noch eine Stelle aus dem „Sohar" des Moses de Lion an, der in seinem midraschischen Kommentar zum Wochenabschnitt nvlin einen ähnlichen Grund bringt. Andere Dezisoren wie Abudraham unb Kol-Bo erwähne« beide von Tossaphot genannten Gründe, ohne dem einen oder dem anderen das größere Recht einzuräumen. Und dennoch dürste die von Ri aufgestellte Erklärung die allein richtige sein. Denn abgesehen von dem Grunde, den er selbst angibt, und der an und für sich stichhaltig genug ist, dürfte eine Midraschstelle des Jalkut Schimeoni den besten Beweis für die Richtigkeit seiner Ausführungen liefern. Wir lesen nämlich daselbst zu Proverb. 14,28: R. Jsmael sagt: Wenn daS Volk die Borträge eines Gelehrten gehört und darauf das Gebet p'l'Vö'l'W*' spricht, so wendet sich der Allmächtige hocherfreut zu seiner himmlischen Umgebung und ruft: sehet hier das Volk, das ich mir geschaffen, wie eS mich ehret und preiset. Wir ersehen also aus dieser Midraschstelle, daß sie nicht nur den Beweis der Tossaphot erhärtet, sondern auch der von Tossaphot Merten allgemeinen Annahme widerspricht. Denn R. Jsmael erklärt hier deutlich, daß der Ewige die himmlischen Wesen aus dieses erhabene und schöne Kaddischgebet (pars pro toto) hinweist, mithin war ihnen das aramäische Kaddisch nicht fremd - dann aber sagt unser Midrasch auch ausdrücklich, daß dieses Gebet am Schluffe eines öffentlichen Vortrages rezitiert wurde. Wie aber verhält sich nunmehr dieser Bericht des Jalkut zu der Stelle des erwähnten Midrasch in Debarim-Rabba? Nachdem wir auS der Uebersetzung des palästinensischen Targum erkannt haben, daß 1*b"ö"2'#"3 und p 1 b"3"1"V"' identisch sind, rönnen wir doch aus dieser Uebereinstirmnung entnehmen, daß laut Jalkut die Engel wußten, daß die Sterblichen das l"b"2*2"E7"2 kennen, wozu brauchte es also (aus dem oben genannten Grunde wenigstens) leise gebetet werdenwurde doch in der Tat daS die Uebersetzung des fb'ü'D'tP'n laut, ja nach einer Ansicht sogar mehr als laut (1N3 222) gesprochen. Wie steht eS also mit der angeblichen Verheimlichung durch Mose? 'Wenn man in Betracht zieht, daß dftft' Quelle, die den Ursprung des 1*y&"2'E^2 üh ernatürlicher Weise in den Himmel versetzt, ganz vereinzelt dasteht, während die Erzählung von 4

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