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Der Israelit · 1908-12-03 · Heft 48 (3.12.1908) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 48 (3.12.1908)
Date
1908-12-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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3. Dezember 190'f. Der Israelit Teile 9. No. 48 Kerr Wbbiner Panisel unter die 5 Kandidaten aufgenWmen, so ist seine Wahl wahrscheinlich. Aus dichvn Grunde ist die Taktik Antebi's lratürlich darauf gerichtet, Panisel von der Kandidatur auszuschtießen. Ausdrücklich muß bemerkt werden, daß die sefardische Gemeinde-Verwaltung schon vor Wochen sich ausdrücklich bereit erklärt hat, zur Neuwahl zu schreiten und den Vorschlag aeceptierte, daß zur Vorbereitung dieser Wahlen jede der beiden Parteien 4 Wahlleiter ernennen solle. Antebi und seine Freunde schlugen das aus, weil ihr ganzes Treiben einfach darauf gerichtet ist, ihre persönlichen Rachegesühle zu.befriedigen und Panisel zu stürzen. Das ist ihnen vorläufig gelungen, aber aus ihrer gewissenlosen Politik wird auch für sie selbst kein Segen, sondern nur Unheil erblühen. Arnevkka. New-Aork, 20. Nov. In einem Schreiben Roosevelts an mehrere Wähler, das erst jetzt zur Veröffentlichung gelangt, heißt es u. a.: „Im öffentlichen Leben war ich gar häufig in der glücklichen Lage, Männer kennen zu lernen, die für politische Stellen gewählt und konstant wiedergewählt wurden, in Distrikten, in denen die Majorität der Bevölkerung einer anderen Religion angehört. Ich kenne Katholiken, die fast ganz protestantische Distrikte vertreten, und Protestanten, die Vertreter katholischer Bezirke find, und Unter den Kongreßmitgliedern, zu denen ich in besonders nahen Beziehungen stand, befand sich auch ein Jude, der einen Distrikt vertrat, in welchem es fast keine Juden gibt.' Alle diese Männer sind lebendige Widerlegungen der konfessionellen Verleumdungen. Ich habe den festen Glauben, daß diese Republik viele Jahrhunderte bestehen wird und dann werden sich unter ihren Präsidenten Protestanten und Katholiken und wahrscheinlich zeitweise auch Juden befinden. Ich habe mich während meiner Präsidentschaft bestrebt, die Andersgläubigen zu behandeln, wie ich hoffe, daß ein künftiger Präsident, der zufällig einer anderen Kirche angehört, seine protestantischen Mitbürger behandeln möge. Hätte ich einen anderen Kurs eingeschlagen, so hätte ich das Gefühl gehabt, ungeeignet zu sein, bas amerikanische Volk zu vertreten. In meinem Kabinett sitzen jetzt Seite an Seite Christen und Juden, von denen jeder erwählt wurde, weil ich die Ueberzeugung hatte, baß er meinem Volke auf dem Posten, auf welchen er gesetzt wurde, nützlich sein könne. In keinem Falle wird ein Mann von seinem religiösen Glaubensbekenntnisse in der Richtung einer Entlastung von seinen Pflichten beeinflußt. Dieselben Grundsätze, die bei der Ernennung der Mitglieder meines Kabinetts, der höchsten Beamten unter mir, denen die Ausführung aller wichtigen politischen Handlungen meiner Administration maßgebend waren, sollten allen amerikanischen Bürgern bei der Auswahl der Männer — sei es im Wege der Abstimmnng oder der Ernennung — für den kleinsten oder für' den höchsten Posten im Lande richtunggebend bleiben." Seit der großen Brandkatastrophe im April d. I. befindet sich laut Meldung des „Boston Herald" die Bevölkerung von Chelsea in aufgeregter Stimmung. Erst neulich wieder wütete in dieser verrufenen Vorstadt von Boston ein großes Feuer, dem Werte von 1 Million Dollar zum Opfer fielen. In allen diesen Fällen waren Juden die Hauptbeschädigten und in allen Fällen -handelt es sich um Brandlegung. Vorige Woche wurde wieder der Versuch gemacht, mehrere große Stallungen, die zufällig gleichfalls Juden gehören, in Brand zu stecken. Da die Juden Nunmehr sahen, daß die Brandlegungen sich hauptsächlich gegen ihr Eigentum richten und haß die Feuerwehr, so oft es sich um die Rettung f discherk Gutes handelt, gewöhnlich zufällig" zu ät kommt, organisierten die Juden des veohten Mertels eine eigene Feuer-Selbstwehr, welche Tag und Tag in Permanenzdienst ist und burch die Straßen patrouilliert. Der jüdischen Feuerwehr gehören angesehene jüdische Persönlichkeiten an, die sowohl durch Beiträge als auch durch aktive Dienstleitung die Organisatton fördern. llermiscdtes. Frankfurt a. M.» 2. Dezember. Bei den hiesigen Stabtverorbneten-Wahlen wurde im Ostend Herr Josef Fromm, Lohn des bekannten früheren Hamburger Rabbiners R. ßetigmamt Fromm s. A., mit großer Mehrheit gewählt. Er war von seiten der Mittelständler aufgestellt worden. Tie Wahl dürste für gewisse jüdisch-neologe Heißsporne innerhalb der liberalen Parteimaschinerie ein recht beherzigenswerter Fingerzeig sein. Flieden, 32. Nov. In wetten Kre sen ist man der Meinung, daß die von Bauern bezogene sog. Landbutter rein und unverfälscht sei, und daß solche wAN EltP '^2 im Hausbalte verwendet werden dürfte. Wie irrtümlich diese Auffassung ist, dürfte folgende Gerichtsverhandlung ergeben. Bor dem Scl öffengertchte in Neuhof mußte fich die Bäuerin Kraus aus B. wegen Nahrungsmittelverfälschung verantworten. Die Angeklagte war geständig, in mehreren Fällen Butter mit minderwertigem Feile Vermischt zu haben. Nachdem es ihr anfangs gelungen war, die Händler zu täuschen, trieb fie die Sache immer bunter, AS daß die Betrügereien schließlich an den Tag kamen. Der Amtsanwalt beantragte gegen die Angeklagte drei Wochen Gefängnis. Nur aus Rücksicht auf ihre bisherige Unbescholtenheit und weil die Angeklagte ein reumütiges Geständnis abgelegt hatte, ließ es das Gericht bei einer Woche Gefängnis bewenden. Das sollte jedem Jehudi, der Anspruch auf einen "lV2'Haushalt macht, zur Warnung dienen. F. Hamburg, 37. Nov. Das Israelitische Hilfskomitee hat wiederum 21 mittellose Rückwanderer, die mir dem Hamburger Dampfer „Creffida" von London hier eintrafen, in seine Obhut genommen. Wallertheim, 28. November. Im Zeitraum einiger Jahre dienten aus unserer Gemeürde sechs jüdische junge Leute beim Militär, die alle den Familiennamen I s a a c führen. Alle sechs wurden trotz diesem kaum förderlichen Namen zu Unteroffizieren befördert. Hannover, 20. November. In Verbindung mit der hier bestehenden Simon-Siftung beabsichtigt der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands in hiesiger Gegend ein Landgut mittlerer Größe anzukaufen. Das Gut soll ausschließlich von Juden, in erster Linie von Zöglingen der jüdischen Ackerbau- und Gartenbauschule in Ahlem, bewirtschaftet werden. Budapest, 23. Nov. Das von einem Status-quo- Rabbiner herausgegebene ungarisch-jüdische Monatsblatt „Magu r Rabik" bringt in seiner letzten (12.) Nummer folgende höchstcharakteristtsche und — wohlverbür te Neuigkeit. Die Zöglinge eines hauptstädtischen Gymnasiums hatten einen Ausflug veranstaltet. In Btsegräö erwarteten dieselben ein gutes Mittagsmahl. Doch war auch ein gesetzestreuer, jüdischer Student unter denselben, der auf das Mahl natürlich Verzicht leistete und fich zwei Eier bestellte. Als dieses von dem die Ausflügler überwachenden Profefior bemerkt wurde, herrschte derselbe unseren Studenten barsch an: '„Warum essen Sie nicht das, was die übrigen genießen?" — „Weil ich Jude bin," war die Antwort. „So," replizierte der Herr Profi stör, „NUN, Ich werde Ihnen schon geben. Wenn Ihnen das Mittagsmahl nicht gefällt, so fasten Sie. Aber Absonderlichkeiten dulde ich nicht!" Spruchs und nahm die zwei Eier und warf sie weit weg. Unser Student aber batte bis Abends 7 Uhr nur Brot und Waffer zur Verfügung. Kurze Zeit hierauf mußte unser Student wieder an einem Ausfluge tetlnehmew Diesmal aber führte ein anderer Profefior die Ausflügler aus. Unser Student erbat fich nun von dem Herrn die Erlaubnis, fich — da er als Jude an dem Mahle nicht tellnehmen könne — zwei in Wasser gekochte Eier bestellen zu dürfen. La schlug fich nun der Professor an die Sttrne und bat unseren Studenten um Verzeihung, daß er hieran vergessen habe. Und nun lief der Professor selber und ließ unserem Studenten Brot, Eier und Bier eben. Derselbe ging nun auch zu den anderen jüdischen Schülern und ersuchte ste, wenn fie an dem nichtkoscheren Mahle nicht tetlnehmen möchten, es ihm nur ungeniert zu sagen. Und nun folgt der Schlager der ganzen Neuigkeit. Der duldsame, Professor war ein braver Christ, und der unduldsame, intolerante, ja inhumane Herr ein — Jude! 'Ja, ein Jude! Und sogar ein von der Pester neologen Gemeinde defignierter „jüdischer" Reltgionsiehrer, ein Zögling deS Pester sogenannten „Rabbiner"seminars! Der betreffende Mitarbeiter des erwähnten Blattes dient auch gerne mit Namen. Und doch herrscht tm ungarischen Israel kein SchtSma. So wollen eS wenigstens unsere ne logen Gernegroßen. Prag, 29. November. Die Huldigungsfeier des Zentralvereins zur Pflege jüdischer Angelegenheiten fanb am 26. ds. Mts. im festlich dekorierten großen Saale der Wilhelm Wertheimerschen Handelsschule statt. Der 1. Obmannstellvertreter Herr Siegfried L i e b e r s entrollte in feiner Festrede an der Hand der Geschichte der letzten 60 Jahre ein ausführliches Bild der bewegten Geschehnisse während der Regierungszeit unseres Kaisers, berührte die mannigfachen der Zmanzipation der Juden gewidmeten Gesetzgebungsakte, wtes auf die bekannten Züge von Seelengröße des Monarchen hin, und pries dessen Herzensgüte und Weisheit, insbesondere seine sich stets. gleichbleibende Gerechtigkeit, sowie sein sichtbares Wohlwollen gegenüber den Juden. Der Redner schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, in das die zahlreich Anwesenden in Begeisterung einstimmten. — Sodann wurde über Ausschußantrag die Erhöhung des an der Vereinshandwerkersektion bestehenden Regierungsjubiläumsfondes auf den Betrag von 10,000 Kronen und der Verwendung des Erträgnisses zu Zwecken der Ausbildung und (Förderung von aus der Lehre austretenden Lektionsschützlingen faU bau ernte Erinnerung an ben Jubeltag beschlossen. Mit der Absendung eines Huldigungstelegrammes an die kaiserliche Kabinettskanzlei fand die Feier ihren Abschluß. vereivrwrrr«. Frankfurt a. M., 1. Dez. Es war ein Kunstgenuß sondergleichen für den, der dm ruffischen Ghettojuden kennt, ihn in feinem Leben und Leiden, Lachen und^ Weinen schon belauscht, was der Jargonabend des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" am Montag, 30. Nov. bot. Das jüdische Volkslied war es, das wir zu hören bek men, und zwar nicht jenes blutrünstige oder boffnungslöfe Lied, das in der Phantasie der Modernen entstanden ist und im Ghetto nie gesungen wurde, sondern das echte jüdische Volkslied, aus der Volksseele herausgesungen, das Lied, das oft wehmütig und tränenreich doch in seinem Grundtone voll von Lebensmut und Lebenslust, seit Jahrhunderten im Munde von Millionen Juden lebt. Es waren aber auch auserlesene Künstler, die die Gesänge zum Borttage brachten und die Auswahl der Lieber war so glücklich getroffen, daß eine wahre Kunstanhacht von An ang bis zu Ende das Publikum, welches den-roßen Saal der Frankfurt- Loge bis auf den letzten Platz ausfüllte, beherrschte. Fräulein Vera Goldberg sang ihren „Gruß aus Sibirien", ihr „Ales Beiß" ufw. so hinreißend, daß fie fich immer und immer wieder zu Wiederholungen undneuen Dareingabcn entschließen mußte. Herr Leo Soll anin verstand es unübertroffen den armen, im Leiden ernarkten, hoffnungdollen und lebensfrohen Juden im Liede darzustellen. Es war eine echte jüdische Kunst, die fpackte und begeisterte auch diejenigen, die sonst dem Jargon nur wenig Verständnis und Wohlwollen entgegenbringen. Frankfurt a. M., 2. Dez. Die Chanuka-Feier des „Montefiore-Bereins" findet am 19. d. MS. in den . estlälen des neuen Kaufmännischen BereinshauseS statt. Den ersten Teil des Programms bilden neben der Festrede des Herrn Dr. I. Heincmann „lebende Bilder aus d.r Makkabäerzett" mit verbindendem Text von I. B. Levy, zu denen her Theatermaler am hiefigen Opernhaus, Max Walter die Bühneneinrtchtung gemalt hat. Für den zweiten Teil des Programms find erste Solisten vom Opern- und Schauspielhause gewonnen worden. Königsberg i. Pr., 1. Dez., In einer öffentlichen Versammlung der Ortsgruppe derBeretnigung für daS liberale Judentum in Deutschland, die am Sonn-, tag Bor > ittag im Saale des Artushofes stattfand, hielt Dr. Karpeles aus Berlin einen Borttag über das Thema „Ausgaben und Ziele des liberalen Judentums." Der Redner pries zunächst die Opferwilligreit der Liberal« für das Judentum und suchte dann die bekannte Fabel vom prophetischen Judentum gegen daS talmudifche auSzuipielen. Nach einigen Liebenswürdigkeiten an die Adresse der Orthodoxie meinte er, daß gegenwärtig innerhalb des Judentums ein krankhafter Zustand des Jndtff.rmtismus herrsche, der viel gefährlicher sei für das Judentum als aller Kampf zwischen Orthodoxen und Liberalen. Die Mehrzahl der Gebildeten ständen der Synagoge vollständig fern und würden nicht eher wieder herangezogm werden, ehe das Judentum fich mit den Kulturfortschritten auSeinandersötze. Als Mittel zur Abhilfe des UrbelS empfiehlt der Redner weitere Reformen in Synagoge und Schule. Man solle alles das aus der Lehre, des Judentums auSmerzen, was mit dem heutigen Staute der Wissenschaft fich nicht m hr vereinigen lasse. So sei das Gebet auSzuschalten, baß Gott die Toten belebe-ufw. Eine Diskussion war nicht vorgesehen, da man einen Meinungsaustausch nicht für nötig hielt. Wie sehr aber fich die Zuhörer von dem Schönredner der Reform überzeug« ließen, beweist folgende Erklärung eines hervorragenden Mitglieds und Funktionärs der hiesig n Reformgemeinde, die in ten hiefigen Tageszeitungen zu lesen ist: Erklärung. Sett länger als SV Jahren auf dem Boden des liberalen Judentums stehend, als Schüler von Abraham Geiger, lege ich hierdurch entschieden Verwahrung gegendie von Herrn Dr. Karpeles in der gestrig« öffentlichen Versammlung gemacht« Ausführung« ein. Zu dieser Erklärung bin ich dadurch veranlaßt, well eine DiSk ffion ausgeschlossen war. Königsberg, dm 30. Rbvember 1908. Obersekretär M. Klein. Herr Klein steht nicht allein mit seiner Anficht über die liberale BolkSbeglückung dadaS mußten die Herr« schon tm Voraus gewußt haben, die eine Diskussion nicht für opportun hielt«. Hamburg» 31. Ncvember. Der „Verband der Sabbathfreunde, Ortsgruppe Hamburg", htslr eine Versammlung unter Vorsitz deS Herrn Sk. Jokobfen ab Der Borfitzende wteS darauf hin, daß die htestge Ortsgruppe zufcamnm mit hem Israelitisch« Stellmvermtttlungsveretn in Sach« der Ewführung der

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