Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 48 (3.12.1908)
- Date
- 1908-12-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449347--65083-2507704- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6 mqen )an Dr. »er der rtszu idjt onttes hier esen ches mch, und Das »len, cage idan berichte hier eder harlNNt die rnmist, giert Tlecden tüc »wer , soibernlen er nur enso Zude urch, üver »knutscht, elbst c sie Vürlnen cgerrgs- Herr und eten, freut f nie tiften : des Verende eilt »cm ägt die Witt, Ich i die lahn- und ungg t den wie Mt. sraeestevsnt- Lalzdaß fflUC und t gctb 2; i 50; D-lgibt ubeh, üben, Stelle ieb-;n je Stlei n, lieber :ünber- :ctn( K. MWYWM! y^rri'v.rrv’ 3. Dezember 1908. Der Israelit. Nr. 48. Sette 7. glaube, daß niemand, der die.Konsequenzen übersieht, sich wird entschließen könne», für Mugoan zu stimmen. DaK ist ein Standpunkt, von dem ich weiß, daß er auch bei sehr vielen Nichtjuden durchaus Verständnis findet." Dem ist nichts Hinzuzufügen als der Wunsch, daß die Kreiie, an deren Adresse die Worte gerichtet find, sich dieselben auch merken möchten. Breslau, 2. Dez. Die Stadtverordnetenwahlen, die heute zu Ende gingen, haben den rechtsstehenden Parteien eine Schwächung bereitet. Der Antisemitismus, mit welchem die Wahlkampagne ein klein wenig einzusetzen schien, wollte nicht mehr ziehen/ im weiteren Verlauf ließ sich nichts mehr davon hören. Im übrigen ist die Zahl der jüdischen Stadtverordneten unverändert geblieben. Herr Geh. Justizrat Dr. Freund, der, langjährige Stadtvcrordneten-Vorstehw ist fast einstimmig wie)er gewählt worden, auch die anderen jüdischen Kandidaten haben die Stimmen der Gegner erhalten. In der zweiten Abteilung wurden zwei jüdische Kandidaten gewählt; in der 3. Abteilung kandidierte überhaupt kein Jude. Außer diesen erwähnten Stadtverordneter gehören der Versammlung noch aus früheren Wahlperioden 13 jüdische Stadtverordnete an. Die Zahl der jüdischen Stadtverordneten beträgt demnach 18, wie seit langen Jahren. München, 28. November. Bei den hiesigen Gemeinderatswkrhlen, die am 23. d. M. stattfanden, gingen die Christlichsozialen, die sich „unbeirrt" durch ihre bisherigen ständigen Mißerfolge mit einem großen Geschrei über die Korruption und Unfähigkeit aller anderen Parteien in den Wahlkampf gestürzt hatten, wiederum vollkommen leer aus. Es werden die ausscheidenden 20 Mitglieder ersetzt werden durch 7 Liberale, 6 Sozialdemokraten, 6 Zentrum und 1 Mitglied der Hausbesitzergruppe, das zum großen Schmerz der Antisemiten, Jude ist. Mit der Niederwerfung der bisherigen liberalen Rathausmehrheit nach .Wiener Muster, die sich die Christlichsozialen in ihrem Flugblatt prophezeiten, war es also wieder einmal nichts. Den exces- 'siven antisemitischen Hoffnungen ist eine grausame Enttäuschung gefolgt. Dabei haben es die Christlichsozialen an Aufreizungen demagogischer Art wahrlich nicht fehlen lassen. volle Worte. Die Audienz währte ungefähr eine halbe Stunde. Die dem Kaiser überreichte Huldigungsadreffe . hat folgenden Wortlaut: Euere kaiserliche königliche apostolische Majestät! Allergnädigster Kaiser Und Herr! In den tausendstimmigen Jubelchor, der heute an dem weihevollen Gedenktage des Regierungsjubiläums Euerer Majestät, durch die weiten Gauen unseres Vaterlandes brauset, stimmen auch wir aus vollstem Herzen, aus dem Tiefinnersten unserer Seele :in, wir, die israelitischen Untertanen Euerer Majestät, deren Repräsentanz, die israelitischen K'ultusgemeinden Oesterreichs, allen voran die israelitische Kultusgemeinde Wien. Als Euere Majestät vor sechs Tezennien den glorreichen Thron Allerhöchst Ihrer Ahnen bestiegen, da — es war dies Allerhöchst Ihre erste Regierungshandlung — lösten Euere Majestät Millionen Ihrer Untertanen die knechtischen Bande. Tas kostbare Gut des gleichen Rechtes, entsprechend der Gleichheit der Pflicht, verliehen Euere Majestär allen Ihren Untertanen, ohne hievon, wie es in trüben, vergangenen Tagen geschah, unsere Glaubensgenossen auszuschließen. Ein kaiserliches Machtwort, ein herrliches Ruhmesblatt in der Regierungsgeschichte Euerer Majestät, in der Geschichte Oesterreichs, bannte den Glaubens- und Gewissenszwang, der schwer auf den Gemütern unserer Vorfahren lastete, ihre Lebenswege nach allen Richtungen durchkreuzte. Dank, innigsten herzlichsten Dank darob unserem erhabenen Monarchen, dem gütigen Vater atter seiner Völker, unserem Kaiser Franz Josef dem Gerechten; Dank, den wir bestätigen, indem wir gleich allen Landeskindern, Blut und Leben freudig hin geben für unseren Kaiser, unser Vaterland. Dank der Vorsehung, die uns in der geheiligten Person Euerer Majestät einen Herrscher gab, erfüllt von Weisheit, Milde und Gerechtigkeit. Und so erheben wir heute in heißer Bitte unsere Seele zu Gott empor: Es möge die göttliche Vorsehung das Leben unseres Kaisers in voller Kraft und Gesundheit, in Glück und Frieden verlängern, bis an die äußerste Grenze menschlichen Daseins. Unö in weihevoller Stille lauschen wir dem Priestersegen, der über das gesalbte Haupt unseres Herrn, in allen Gotteshäusern in Oesterreich und weit über dessen Grenzen hinaus gesprochen wird: „Es segne Dich der Herr und er behüte Dich, „Es lasse Gott leuchten sein Angesicht über Dich, „Und sei Dir gnädig. Es wende Gott fein „Angesicht Dir zu und gebe Dir Frieden." Heil, Glück, Segen unserem edlen, weisen, gerechten Monarchen, unserem Kaiser Franz Josef bem Ersten! Festgottes, ienfte finden Mittwochs den 2. Dezember, in allen Synagogen der Monarchie statt. Oesterreich. 3um Kaiserjubiläum. W ien, 27. Nov. Am Donnerstag, den 26. d. Mts., wurde im Anschluß an die anderen Deputationen auch die Huldigunasdeputatton jüdischen Kultusgemeinden in Oesterreich, beder stehend aus Vertretern der Gemeinden Wien, Prag, Brünn, Tropau, Lemberg, Krakau, Czernowitz, Linz, Graz, Jnsbnrck und Trieft, von Sr. Majestät dem Kaiser tn besonderer Audienz empfangen. Oberrabbiner Dr. Güdemann bat den Monarchen, den Segensspruch über ihn sprechen zu dürfen, was der Kaiser huldvoll bewilligte, wobei der Kaiser und sämtliche Mitglieder der Deputation das Haupt bedeckten. Dann hielt Dr. Alfred Stern eine Ansprache, in der er den Dank und die Ergebenheit der österreichischen Judenheit ausdrückte, worauf der Kaiser folgendes erwiderte: „Für die Huldigung der israelittschen Kultusgemeinden sage Ich Ihnen Meinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Genmung, Ergebenheit für Mein Haus und An- »änglichkeit an Meine Person bekundet. Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude mt Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihre Nlückwünsche Meinem Herren wohlgetan haben md daß' Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines Schutzes gewiß sein können." Der Kaiser ließ ch sämtnche Mitglieder der Deputation vor- \ Men nnd an jeden einzelnen richtete er huld- Wien, 1. Dez. Sonntag 29. November fand in der Schiffschul eine Kaiserfeier statt. Das glänzend erleuchtete, prachtvoll dekorierte Bethaus war gedrängt voll und bot mit seiner festlich gekleideten und noch festlicher gestimmten Menge von Andächttgen einen imposanten Anblick. ' Kantor Löwy trug das Minchahgebet und die Königspsalmen in seiner bekannten tief zu Herzen dringenden Weise vor. Herr Rabbiner Fürst feierte alsdann in schwungvollen, ergreifenden Worten die hohen Tugenden des geliebten Herrschers, seine Güte und Gerechtigkeit, die er in gleichem Maße auch seinen jüdischen Untertanen zuwendet, schilderte die Verehrung der Judenschaft für ihren Kaiser und schloß mit heißen Dankesworten an den Allgütigen, der uns unseren Monarchen 60 Jahre erhalten und mit dem Gebet um langes Leben in Glück und Gesundheit für Höchstdenselben. Als Herr Rabbiner Fürst alsdann bei geöffneter Bundeslade ein für diese Gelegenheit verfaßtes Gebet sprach erreichte die weihevolle Stimmung ihren Höhenpunkt. Darauf sang Oberkantor Wittmann mit seinem Chor das nywn jrmn. Die zahlreichen Anwesenden äußerten einstimmig ihre Anerkennung für den besonders würdigen und andächtigen Verlauf der Feier, die zu den glänzendsten jüdischen Veranstaltungen dieser Art zählt. Der greise Präsident der Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern, hatte es sich nicht nehmen lassen, der Feier persönlich beizuwohnen. Vertreten waren ferner die communaleBezirksvorstehung, die Aemter der Kultusaemeinde, zahlreiche Bethausvereine nnd die freie Bereinigung durch ihren Obmann Herrn Bernhard Hofbauer. Nach der Feier fand eine Festsitzung des Vorstandes der Adaß Jisroel statt, von dem ein Huldigungs- Telegramm an Se. Majestät abgesandt wurde. Krakau, 20. Nov. Die Schankwirte Galiziens hielten am 10. November in Przemysl eine Konferenz ab. Es erschienen 570 Schankwirte, in der überwiegenden Majorität Juden. Die wichtigsten Verhandln» gspunkte waren die gesetzliche Regelung der Propinationsfrage und die von der Volkspartei und den Antialkoholikern geforderte Sonntagssperre. Der Referent Herr Moses Frostig meinte, die Sonntagssperre wäre eher dazu angetan 35000 Seelen, die vom Schankgewerbe leben, zugrunde zu richten als den Alkoholismus zu vernichten. Eine Resolution, die gegen die Sonntagssperre, die alle jüdischen Schankwirte ernstlich bedrohte, Stellung nimmt und die Herabsetzung der Landeskonsumsteuer von 8 auf 6 Kronen verlangt, wurde angenommen. Ungarn. Die üuöen unö die löahlrefonn. Budapest, 20. Nov. In den letzten Tagen haben einige Mitglieder der Bolkspartei, denen man nicht mit Unrecht anttsemittsche Neigungen nachsagt, einen Versuch unternommen, um die Wahlgesetzvorlage in einer ganz eigenarttger Weise zu modifizieren. Die betreffenden Politiker haben nämlich herausgefunden, daß das von dem Grafen Julius Andraffy geplante Pluralitätswahlrecht den Juden in Ungarn eine große polittsche Einstußnahme bei den Wahlen gewährt, die in einzelnen wichtigen Wahlbezirken sogar die Bedeutung einer Entscheidung erlangen kann. Das Pluralitätswahlrecht gewährt zirka vier Millionen Stimmen in Verhältnis zu den gegenwärtigen 1,000,000 Sttmmen der gesamten Wählerschaft. Je eine Sttmme erhalten 1,000.000 Wähler, die lesen und schreiben können, was fast ausnahmslos bei der jüdischen Bevölkerung Ungarns der Fall ist. Jedoch nicht nur diese eine Stimme, sondern auch zwei und drei Stimmen werden die meisten der jüdischen Wähler auS dem Grunde haben, weil bei jenen 886.000 Wählern, die je zwei Sttmmen erhalten, dieses Doppelstimmrecht an die folgende Qualifikation gebunden ist: entweder hat oer betreffende Wähler die vier unteren Klaffen einer Mittelschule absolviert oder hat er einen. Angestellten, oder beim Militär gedient oder aber er besitzt drei Kinder. Diese Bestimmungen, ebenso wie jene, die 218.000 Wählern drei Sttmmen verleihen (die eine Mittelschule absolvierten oder eine direkte Besteuerung von 100 Kronen jährlich bezahlten), weisen viele der jüdischen Wähler auf, die Aerzte, Advokaten, Kaufteute, ja selbst viele Beamte in größeren Etablissements und Unternehmungen, auch Angestellte in Warenhäusern usw. und zwar so, daß der Einfluß der Juden bei den Wahlen auf Grund der Andrassyfchen Wahlreform ein sehr wesentlicher wäre. Dies gibt den antisemitischen Polittkern in Ungarn viel zu denken und man wollte nun den Grafen Andraffy zu einer Modifikatton des Pluralwahlrechts bewegen. Diese Bewegungen scheiterten aber an der schroffen Ablehnung des ungarischen Ministers des Inneren, der betonte, daß es nicht nur eine Pflicht des Lieberalismus sei, allen Konfessionen gegenüber gleiche Rechte walten zu lassen, sondern daß auch die Intelligenz, der Patriotismus der Juden . sowie die höhere Steuerleistung derselben jene Vorzugsstellung durchaus berechtigt erscheinen lassen, die sie, wie alle anderen Wähler, denen die Pluralttät eine Bevorzugung gewährt, unbedingt verdienen und an der das ungarische Kabinett nicht das geringste zu ändern gewillt sei. R«Ma«r». Petersburg, 15. Nov. In beständwer Sorge um das Wohl ihres Vaterlands bemühen sich .jetzt die „echt-russischen Leute", als gute Patrioten, das russische Volk vor der „Ausbeutung" durch die jüdischen Kaufleute zu retten. So entfallen sie gegenwärttg überall eine lebhafte