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Der Israelit · 1908-11-26 · Heft 47 (26.11.1908) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 47 (26.11.1908)
Date
1908-11-26
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 18 Der JSraeltt. Nr. 47. 26. November 1908. gänzend hinzu, daß Geldschaden nieder gut zu machen sei, aber nicht die Verletz) ng der Gefühle. Tritt doch überall die schonende Rücksicht auf den Armen hervor, dessen Vogelopfer mit Federn verbrannt wird, (III 1,17) obwohl brennende Federn übel riechen, nur darum, um d,em Armen die Freude und die Genugtuung zu gewähren, daß von seinem Opfer nichts verschmäht wird, „damit der Altar," wie es im Talmud (Sabb. 108) heißt, „gesättigt und geschmückt dastehe mit dem Opfer des Armen." Im wahrhaft jüdischen Heiligtum bestimmt nicht die Aesthetik, sondern dieEthik denSchmuck. Im wahrhaft jüdischen Heiligtum gilt die Rücksicht nicht dem Reichen, sondern gerade dem Armen. Im wahrhaft jüdischen Heiligtum wird auf dieFurcht vor Gott, nicht auf die vor den Menschen hingewiesen. Schonung des Empfindens kennzeichnet den Geist der biblischen Sozialgesetzkennzeichnet den Geist der biblischen Sozialgesetz gevung. Rücksichtnahme aus die äußeren Gebensbedingungen ergibt sich als natürliche Folge daraus. Arbeiter von Rabbah bar Raw Hunah hatten bei der Arbeit ein Faß Wein zerbrochen (B-M.83a). Da sie es nicht zahlen konnten, nahm er ihre Kleider als Pfand. Sie beschwerten sich bei Raw, und dieser forderte den Freund auf, den Arbeitern ihre Gewänder wieder zurückzugeben. Da fragte Rabbah: Muß ich das nach dem Gesetz? lind Raw bejahte die Frage, heißt es doch in den Sprüchen Solomons 2,20: „Du sollst wandern den Pfad der Guten". Rabbah gab den Armen ihre Kleider zurück, wollte ihnen aber keinen Lohn zahlen, da der Schaden, den sie ihm zugefügt, größer war, als der Dienst, den sie ihm geleistet hatten. Sie aber sprachen: Wir sind arme Leute und mühen uns den ganzen Tag und hungern und besitzen nichts. Da legte Raw wiederum ein Utes Wort für sie ein und verlangte vom Freunde, aß er den Lohn auszahle. Und Rabbah fragte wieder: Ist das Gesetz? Und Raw erwiderte: Ja, denn also heißt es (ibid.) „Die Wege Pflichtgerechter sollst du beobachten". Wenn gleichwohl weder nach dem in Frage kommenden Rechtsgrundsatz der Torah, noch nach der Rechtspraxis der Halachah die Entscheidung im Sinne der von Raw ausgestellten Forderungen entschieden wird (Maim. III 2 riTTJDtP 'Sn), so mag doch dieses Vorkommnis uns den Weg zeigen, wie wir im Sinne des biblischen Schrifttums in ähnlichen Fällen uns unseren Dienstboten gegenüber zu verhalten hätten. Rücksicht muß durch Rücksicht erzeugt werden. Die Erziehung der Güte und nicht der Strenge wird die Arbeitsfreudigkeit erhöhen. Das Verantwortlichkeitsgefühl wird durch die Ehre, nicht durch die Schande gemehrt, l Die Treue wird durch die Güte gefestigt. Die Anteilnahme muß das Interesse erwecken. Und indem unsere Weisen diesen Geist uns einhauchen wollen, machen .sie uns als Psychologen ersten Ranges, die sie nun einmal sind, aus eine unscheinbare Sache aufmerksam. Das Bedienungspersonal an der Tafel sollen wir nicht zusehen lassen. Bei allen Gerichten die durch den Duft das Verlangen reizen, dürfen wir den Diener nicht bis nach der Mahlzeit der Herrschaft warten lassen (Kessuwoth 61a). Diesen Rat bekräftigen Männer an der betreffenden Talmudstelle, die an sich die Wirkung erfahren hatten, Speisen die uns locken, zu sehen und .als Diener nicht genießen zu dürfen. Es werden Männer namhaft gemacht, die es sich zur Pflicht gesetzt, von jeder Speise — und vor allem gerade von den Leckerbissen des Nachtisches — dem Diener nicht nur zu geben, sondern ihm zuerst zuzuteilen. Wir wüßten unsere Ausführungen nicht bester zu schließen als mit den Worten von Maimonides (IX 8 'Sn): Frömmigkeit und Klugheit verbinden sich, wenn der Mensch Barmherzigkeit mit pflichttreue vereint. Er erschwere dem Diener das Joch nicht und kränke ihn nicht. Von jeder Speise und jedem Trank reiche auch ihm. Die früheren Weisen gaben dem Diener von allem mit und setzten sich nicht zu Tisch, bevor sie dem Diener zuerst die Mahlzeit bereitet und auch den Haustieren zuvor die Nahrung gereicht. Sind doch die Augen der Diener auf ihren Herrn gerichtet, wie die Augen der Magd auf ihre Herrin. Man kränke den Diener nicht handgreiflich und nicht mit Worten; denn nur zur Bedienung, nicht zur Kränkung ist der Mensch dem Menschen zugesellt. Nicht anfahren und nicht mit Zorn überschütten ist gestattet, mit Ruhe soll man mit ihm sprechen und seine Entgegnung in Ruhe hinnehmen. Also rühmt sich Hiob seiner guten Wege: Nicht verachtete ich das Recht meines Dieners und meiner Magd, wenn sie mit mir stritten, denn mich hat geschaffen, der auch sie geschaffen. In einem Schoß sind wir alle gebildet. Jsts doch, soll es doch die Stammeseigentümlichkeit der Nachkommen Abrahams sein, denen das Kleinod der Torah gespendet ward, denen Gott gerechte- Satzungen und Gesetze gegeben, mit Liebe alle Wesen zu umfangen. Gott ähnlich sollen wir zu werden streben. Und von Ihm heißt es: Seine Liebe waltet über all seinen Werken. Wer Liebe säet, wird Liebe erntendenn also heißt es: Er wird dir geben ein liebendes Herz, das Gegenliebe erweckt in reicher Fülle. UPo beginnt die Erziehung? Ueber Erziehung wird viel geschrieben und noch mehr genagt. Sind all die Ratschläge, die man darüber lesen kann, noch nicht erprobt oder bewähren sie sich nicht? Der Mittel und Mittelchen sind wahrlich nicht wenig. Das Angebot ist groß genug, und die Nachfrage nicht klein. Und doch ist man weiter ungehalten über die Jugend, und doch ringen hilflos" die Väter über die enU fremdeten Söhne die Hände, und rinnt bitterlich die Thräne über der Mutter Wangen ob des tiefgehenden Zwiespaltes zwischen ihr und der Tochter. Die Eltern haben ihr Bestes getan und bei alledem solche Mißernte nach der fleißigen Aussaat? Wenn ein Kapitel der Thora geeignet ist, einen Blick in das Wesen der Erziehung zu tun, so ist es der Wochenabschnitt mSin. Wie er beginnt und wie er schließt und was er mit seinem ganzen Inhalt uns bietet, reicht uns eine Fülle von Gedanken, und, was weit mehr ist, gewährt uns einen tiefen Einblick in ein inttmes Familienleben von Geschlechtern. Wir hören nicht nur, wir erleben Erfolge und Mißerfolge. Wir könnten ja immer von denr Leben am meisten lernen, der Außenwelt werden aber nicht immer die internen Momente bekannt. Es fehlt die Grundlage für das Urtell. Die biblische Geschichte schafft uns dieselben. Die wesentlichen Einzelheiten erzählt sie uns. Wir gewinnen ein lückenloses Bild und haben Muster vor uns zur Nachahmung und zur Vermeidung. Gleich der erste Satz ist vielsagend. Als wenn wir nicht wüßten, daß Awrohom Jizchoks Vater gewesen sei, wenn Jizchok Awrohoms Sohn war! Wozu brauchte der ersten Satzhälfte die weite zu folgen? Wozu bedarf es der Hervorebung: „Dieses ist die Geschichte Jizchoks, des Sohnes Awrohoms, Awrohom erzeugte den Jizchok?" Vielleicht aus demselben Grunde, aus dem die Thora am Schlüsse des Wochenabschnittes mip ”n es für nötig befunden hatte daran zu erinnern, daß Jsmaels Mutter Hagar, die Aegypterin, Sarahs Magd, gewesen. Eine Aegypterin und eine Magd dazu schenkt dem Hause Abrahams nicht die Träger seiner Aufgabe. Schon auf Awrohoms bescheidene Bitte hin, „möchte nur Jsmael für Deine Ziele leben", wurde ihm bedeutet: „Nur Sarah, deine (ebenbürtige) Frau kann dir einen Sohn gebären", mit dessen Nachkommen ich > für ewige Zeiten meinen Bund errichten werde. So kam es. Nur Sarahs Enkel ehren das abrahamittfche Testament. Die Erziehung der Kinder beginnt bei der Wahl der Gefährtin für die Erziehungsarbeit. Die Kinder erben doch nicht " „Und selbst wenn er noch älter wäre, würde ich eine Ohrfeige auch nicht verwerfen, natürlich eine so wohlverdiente nnd rechtzeittge, wie unsere liebe Frau Mayer sie ihrem Sprößling verabreicht hat", antwortete Herr Dorff gutgelaunt. „Aber glauben Sie nicht, daß das Ehrgefühl abgestumpft wird durch Schläge?", fragte Frau Bernstein schüchtern. . „Unsere modernen Pädagogen übertreiben ein bißchen", erwiderte der Lehrer, „gewiß, allzuviel Prügel dürften keinen erzieherischen Wert haben, /un Gegenteil, aber jeden Schlag zu verwerfen halte ich für fast ebenso verkehrt. Eine Ohrfeige zur rechten Zeit hat schon manches Gute gestiftet,' nicht wahr Frauchen?" Ein lustiger Blick flog zur Gattin hinüber. Sie errötete lächelnd. „Nun haben Sie vielleicht selbst Erfahrung in diesem Punkte gemacht?", fragte der Schneider Hirschberg pfiffig. „Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen" „Wollen Sie uns nicht damit belehren, damit ich von dieser modernen Uebertriebenheit des Verwerfens der Prügel geheilt werde", fragte Frau Bernstein etwas gekränkt. „Na darum keine Feindschaft nicht, Frauchen", lachte chr Gatte,- „wenn Gott Dir erst Gelegenheit gibt, Kinder zu erziehen, wirst. Du schon ‘om Ich will werriaswns kaum mal Mal solchen Tugenbold zum Sohn haben, der nicht ordentlich eine Zucht mal braucht". Alles lachte. „Also, Herr Dorff, geben Sie die Geschichte mal zum besten". „Meinetwegen. Du bist doch einverstanden?", wendete er sich zn seiner Frau. „Gewiß" lächelte sie freundlich. „Also, hören Sie zu", begann der Lehrer. „Nachdem ich mein Examen bestanden hatte, bekam ich eine Hauslehrerstelle bei einem Fabrikanten auf dem Lande." Es war eine sehr angenehme Stelle, ich hatte ztoei Jungen von 7 und 8 Jahren zu unterrichten, brave und begabte Kinder, die Hausfrau war eine nette, gebildete Dame, und der Herr von wirklicher Freundlichkeit gegen mich. Das kam nur zum Teil daher, weil er meine Mutter gut kannte, mein Vater lebte schon damals nicht mehr. Auch Gehalt bekam ich so reichlich, daß ich meiner Mutter ein schönes Sümmchengeben konnte. Ziemlich einsam war es dort, das Leben ging einförmig dahin. Die Beamten der Fabrik gingen von Zeit zu Zett in die benachbarte Großstadt, um sich zu amüsieren, sie forderten mich öfters zur Begleitung auf, aber es schien dem Fabrikanten nicht recht zu fein. Lust hatte ich schon, ich hatte noch nie eine Großstadt gesehen, so gab ich doch endlich den Einladungen nach und fuhr mit. Der Lärm der Straßen hatte etwas Betäubendes für mich und ich war froh als wir wieder auf dem Lande waren. Das nächste Mal gefiel es mir schon besser, und bald kam es, daß ich jeden freien Tag zur Reise dotthin benützte. Meinen Gefährten machte es großen Spaß, mir alle möglichen Großstadtvergnügungen zu zeigen, und ich fing an, ihre Kleidung und ihr Benehmen nachzuahmen, nicht gerade zum Vorteil meines Portemonnaies. So kam es, daß ich eines Tages genöttgt war, meinen Prinzipal um Vorschuß anzusprechen. Es war mir etwas schwül zu Mute. Der Fabrikant bkickte mich durchdringend an, als er mir das Geld gab. „Sie scheinen doch sonst reichlich auszukommen." . Ich stammelte verlegen von nöttgen größeren Anschaffungen. „Nun, das ist ja Ihre Sache. Ich hoffe doch nicht, daß Sie sich durch einige hiesige junge Leute mitreißen lasten." Er wattete keine Antwort ab und verließ das Zimmer. Ich nahm mir fest vor, daß es das erste und letzte Mal sein sollte. Aber der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert und so dauerte es nicht lange, bis ich mich wieder in Begleitung meiner sogenannten Freunde in der Großstadt befand. Ichwollte ein klassisches Stück im Theater sehen) das war doch sicher Dein. Unrecht! Nun kämen wir aber unglücklicherweise einige Stunde» vor-Begirm des

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