Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 47 (26.11.1908)
- Date
- 1908-11-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Herr Dr. Loewe hatte die Pekidim der bewußten Täuschung des Publikums beschuldigt auf Grund der Behauptung, daß die Reorganisation der Amsterdamer Chaluka „Blendwerk" sei, und daß unter dem" „Scheine der geschehenen Sanierung" alles beim alten bleiben solle. Den e i nzigen Beleg"für diese öffentliche Ehrenkränkung bildete die angebliche Tatsache, daß die von Dr. Loewe veröffentlichte Liste eine Berteilungsliste der „nunmehr reformierten" Chaluka sei, und Herr Dr. Loewe hatte auch nicht ermangelt, diesen - als un w ahr erwiesenen — Umstand gehörig hervorzuheben. Stammte dagegen die Lifte aus einer Zeit, in der die Reorganisation noch gar nicht durchgeführt sein konnte, einerlei ob 5666, 5667 oder 5668, so war der ganze Loewe'sche Angriff völlig bodenlos, die Ehrenkränkung eine — Verleumdung. Das ist so sonnenklar, daß man sich erstaunt fragt, wie Herr Dr. Loewe erneut den Mut findet, nicht nur in höchst deplazierter Weise von „Ketzerverbrennungen", „Geruch der Heiligkeit" und „Mainzer Israelit" zu phantasieren, sondern sogar — in dunklen Andeutungen — weitere grundlose Verdächtigungen gegen die Pekidim ins Publikum zu schleudern. Der Modus, nach dem die für ''it DDD gesammelten Gelder verteilt werden, liegt seit Jahrzehnten klar und offen vor Aller Augen. Man kann der Meinung sein, daß es besser wäre, diesen Modus zu ändern, man kann den Wunsch hegen, nicht nur, wie heute, die Hälste der Gesamtsumme, sondern den ganzen Betrag ohne Unterschied des Kolel zu vertülen oder zu zersplittern (obgleich dein deutschen Kolel kein Pfennig aus Rußland, Ungarn, Galizien, Amerika, England zufließt) — das alles sind diskutable Dinge, und kein Mensch würde es Herrn Dr. Loewe verübeln, wenn er in den unter gesitteten Menschen üblichen Formen seine.-Ansichten über diese Dinge verträte und zur Geltung brächte. Allein, wie es Herr Dr. Loewe tut, den Schein erwecken, als ob auf Seiten der Chalukaverwaltung au ch nur ein Psennig anders verwendet würde. Wie es den Spendern zngesagt und berichtet wird, von „versteckten" und „verständlichen" „Eingeständnissen" sprechen, wo nichts zu verstecken und nichts einzugestehen ist — das kann nicht mehr Resormeifer, auch nicht Liebe zum heiligen Lande heißen, sondern muß als antisemitische Taktik gebrandmarkt werden. Im klebrigen wiederholen wir: wenn Herr Dr. Loewe an der Lösung der gar nicht so sehr einfachen Chaluka-Probleme Mitarbeiten will, so möge er sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung setzen, die kein anderes Interesse kennen, als das Wohl unserer armen Brüder im heiligen Lande. Das dürfte sogar bei zahlreichen zionistischen Parteifreunden des Herrn Dr. Loewe angenehmer empfunden werden, als seine Campagne in der ^Rundschau." Fulda, 16. Nov. Nach § 40, Absatz 1 des neuen Volksschulunterhaltungsgesetzes ist, wo eine israelitische Volksschule besteht, von Seiten der Kommune zu den Kosten der Schule eine Beihilfe zu leisten, die nach § 67 Nr. 3 des Gesetzes vom 23. Juli 1848 bemessen werden muß. Ueber den Beitrag, der der hiesigen israelitischen Volksschule von der Stadt zu zahlen ist, schwebten Verhandlungen zwischen der Stadtverwaltung und der jüdischen Gemeinde, zu denen in der heutigen Sitzung die Stadwerordneten-Versammlung Stellung genommen hat. Da die Kosten des städtischen Schulwesens 112 600 Ji ausmachen, die Juden aber 10% Der Israelit._ der gesamten städtischen Steuern zahlen so beläuft sich der Beitrag der letzteren zu den Kosten des Ortsschulwesens auf 11200 J& Die Ereichterung die der Kommune aus dem Vorhandenein der israelitischen Volksschule erwächst, beträgt, ja ein Schulkind der Stadt 51 Jl Kosten verursacht und die israelitische Volksschule von 75 Kindern besucht wird, 51X75—3825 M Für die Beihilfe ergibt sich also 7512 M In Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen beanspruchte dementsprechend die jüdische Gemeinde, die für ihre Schule 6734 Jt aufzubringen hat, von der Stadt einen Beitrag in Höhe von 6000 Ji. Die Stadtverordneten beschlossen heuteden Maaistratsantrag anzunehmen, wonach der hiesigen Volksschule eine jährliche kommunale Beihilfe von 3828 JC gewährt wird. Stuttgart, 18. Nov. Die Bolksschulkommisfion der Abgeordnetenkammer erledigte gestern die vielumstrittene Frage der Leitung des Religionsunterrichts. Es wurde ein Antrag Haußmann (Vp.) angenommen, wonach die Vornahme von Visitationen des Religionsunterrichts, deren Anordnung den Oberkirchenbehörden zustehen soll, dem Bezirksfchulaufseher mitzuteilen ist. Die israelitischen Volksschulen sollen nach den Beschlüssen der Kommission dem Oberschulrat unterstellt, die näheren Bestimmungen über ihre Beaufsichtigung im Wege der Verordnung getroffen werden. Die Ministeralverfügung vom 8. Mai 1851 betr. die Anordnung und Beaufsichtigung des israelitischen Religionsunterrichts in der Schule soll entsprechend den für die anderen Konfessionen getroffenen Vorschriften revidiert werden. Kehniet, Sonnfagsruhe-öefeb in Bafel. (Bon unserem Korrespondenten.) Basel, 25. Nov. In seiner letzten Sitzung setzte der Große Rat die Beratungen über das neue Sonntagsruhegesetz fort. Im § 10 stellt Fritz Arnstein, Redakteur der freisinnigen National Zeitung den Antrag eine Bestimmung aufznnehmen, daß denjenigen jüdischen Geschäftsinhabern, die nachweisbar am Sabbat ihren Geschätsbetrieb einstellen, die Erlaubnis gegeben werde, ihre Angestellten jüdischen Glaubens am Sonntag von 10—12 Uhr zu beschäftigen. Er begründet den Antrag damit, daß die Israeliten, die, wie es ihnen durch ihr Religionsgesetz vorgeschrieben ist, am Sabbat keine Arbeiten verrichten, für die Beobachtung dieser Gesetzesvorschrift zwei materielle Opfer bringen. Durch das neue Sonntagsruhe-Gesetz werden sie gezwungen 48 Stunden nacheinander zu ruhen und ihren Angestellten von Freitag Abend bis Montag früh freizugebeu. Dies würde ihnen das Ruhen am Sabbath erschweren und fast unmöglich machen. Das kann aber unmöglich im Sinne des Gesetzgebers liegen. In England dem klassischen Lande der puritanischen Sonntagsruhe, in Holland und in den Bereinigten Staaten weroen den Israeliten, die ihr Gesetz beobachten, die weitgehendsten Zugeständnisse gemacht. Es ist gewiß nur recht und billig, wenn auch wir den Israeliten, die eben erst 24 Stunden geruht haben, erlauben ' am Sonntag vormittag durch ihre Angestellten die nötigsten Bureauarbeiten vornehmen zu lassen.. Die Controlle wird sehr leicht ausgettbt werden können, da nur eine kleine Zahl von Geschäften in Betracht kommt. Dr. E. Feigenwintjer (Kathol. Bolks-Z.) stimmt diesem Antrag zu und findet es gewiß nur gerecht, wenn die Regierung denjenigen Israeliten, die ihr Religionsgesetz halten und die es ohnehin schwer genug haben, möglichst entgegenkomme. Dr. Kuly (B. Z.) befürchtet, es könnten Mißbräuche Vorkommen, während Dr. Kern(lib.) den Antrag auch befürwortet und es es bgrüßen würde, wenn auch den Sabbathisten diese Vergünstigung gewährt würde. Der Vorsteher des Departement des Innern, Regierungsrat Mullschleger (Soz.) kann sich jedoch mit diesem Antrag nicht befreunden. Eine frühere Rr. 47. Sette 7 . Petition der Israeliten sei vom Regierungsrat auch nicht berücksichtigt worden. Es' würden allmählich, wenn man1 diese Ausnahmebestimmung in das Gesetz aufnehme, eine „Reihe konfessioneller Ruhetagssystem'e" entstehen and außerdem würde sich die Kontrolle schwierig gestalten. Aus dieser: und anderen (!!) Gründen empfiehlt er unbedingt Ablehnung des Antrages. In der Ubstinrmung wird der Antrag mit 67 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Es zweifelt wohl Miner daran, daß nicht die angeführten, sondern die „anderen" Gründe, nämlich antisemitische Motive, den Regierungsrat (obgleich er ein Sozialdemokrat ist), wie den großen Rat dazu bewogen haben, den Antrag, der für die Israeliten nur ein Minimum forderte, abzulehnen. Die Sympathien für das Sonntagsruhegesetz sind hierdurch nicht gewachsen und es bleibt nur zu wünschen und zu hoffen, daß das Gesetz vom Volk verworfen werde, i fflählerDersammlungen. Wien, 20. November. Die erste von der israelitischen Kultusgemeinde am Samstag, den 14. d. Mts. ins Restaurant Guth einberufene Wählerversammlung wurde in Verhinderung des 1. Präsidenten Dr. Alfred Stern vom 1. Vizepräsident Landesschulrat Dr. Gustav Cohn eröffnet. Er widmete einen warmen Nachruf den verstorbenen Borstandsmilgliedern und erwähnte, daß unter den Herren, die diesmal zur Neuwahl gelangen, sich zwei Herren befinden, die aus eine Wiederwahl verzichten. Es sind dies die Herren Hofrat Oberbaurat Sigmund Taussig und Herr Dr. Adolf Stein. Des Ferneren erwähnte er, daß es diesmal nicht möglich war, einer sehr geschätzten Gruppe von Wählern, die bisher durch sehr tüchtige Männer im Vorstande vertreten war, neuerdings einen Vertreter zu designieren/ es ist dies die Gruppe des polnischen Tempels, aber es ist zu hoffen, daß es bald gelingen werde, die berechtigten Wünsche dieser Gruppe zu erfüllen. Zum Gegenstand der Tagesordnung übergehend, beantragte der Redner von der Verlesung des Rechenschaftsberichts abzuseben und sofort den zweite Punkt: Rechenschaftsbericht der ausscherdenden Vorstandsmitglieder, vornehmen. Zu diesem Zwecke erteilte er Herrn Salo Cohn da- Wort mit dem Bemerken, daß mit Rücksicht auf die zahlreichen Redner nur jeder 10 Minuten sprechen soll, damit den Kandidaten der Opposition ebenfalls Gelegenheit gegeben werde, sich den Wählern vorzustellen. Die Herren Dr. Zipser und Dr. Margulies wünschen vorerst Wahl eines Bureaus durch die Versammlung, dann daß nach jedem Vorsteher sofort ein Mann der Opposition das Wort ergreife. Demgegenüber betonte der Vorsitzende, daß die Versammlung einberusen sei, um den abtretenden Vorstehern Gelegenheit zu geben, über ihr bisheriges Wirken den Wählern Rechenschaft zu erstatten. Die Führer der Opposition beharrten aus ihren Wünschen und es entstand ein solcher Tumult, daß sich die Polizei veranlaßt sah, einzuschreiten und den Saal zu räumen. , Die zweite von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde am Montag, den 16. d. Ms. im „Hotel Savoy" abgehaltene Wählewersammlung wurde von dem Präsidenten der Gemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern geleitet. Es gelang ihm auch nach einiger Zeit, sämtliche Kandidaten zu Worte kommen zu lassen und auch die Opposition konnte sich Gehör verschaffen. Noch weitere Wahlversammlungen fanden am 17. und 18. Nov. statt, die alle teilweise recht stürmisch, aber im Großen Ganzen ungestört verliefen. Ueber die- Wahlresultate das nächste Mal. ~~ Die IBahl-RefuHafe. lDon unserem Korrespondenten.) ,, Wien, 23. Nov. Heller Jubel herrscht im Kultusvorstande, der-als Sieger aus dem Wahlkampfe hervorgmg. Vier Fünftel der Wähler haben für die altr