Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 47 (26.11.1908)
- Date
- 1908-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Set Israelit. Nr. 47 Seite 4 26. November 1906_ Pforte mit Volksaufständen und Blutvergießen gedroht, wenn der unbequeme „Reaktionär" Panifel nicht beseitigt würde. Wer hinter diesen phantasiereichen Rapporten steckt, ist umso leichter zu erraten, als der Gouverneur von Jerusalem die Vermutung entschieden zurückweist, als habe er die Initiative zur Absetzung Panisels ergriffen. Wichtiger noch als die Jerusalemer Ereignisse ist die bevorstehende Chacham-Baschi-Wahl in Konstantinopel. Hoffen wir, daß man den Ernst der Lage dort erkennt, wo es nur an rechtem Mut und rechtem Willen zur Gegenwehr fehlt : im Kreise der Konstantinopäer Chachamim. Von ihrer Einsicht und Entschiedenheit hängt das .Geschick der türkischen Judenheit ab. Möchte der große Augenblick kein allzu kleines Geschlecht finden. Die ..dogmatische kindeit" der ungarisctKM Zudeidett. Bon Rabbiner PH. Fischer in Tövavänja. „Sind doch die jüdische Orthodoxie »nd die jüdische Neologie-sich einander völlig ausschlteßende Gegensätze. Was die eine bejaht, vernetm die andere, und umgekehrt.^ (S. R. Hirsch «Der Austritt aus der Gemeinde" in Ges. Schriften. 4. B, S. 398.) Wir halten es nicht für unrichtig, die in dem, bereits in dem Artikel „Das neueste Toleranzedikt der Neologie in Ungarn" in Nr. 43 b. Bl. besprochenen Memorandum der neologen Landeskanzlei in Ungarn als Hauptschlachtruf gegen die hierländische Orthodoxie erhobene Phrase von der „Glaubenseinheit" des ungarischen Israel hiermit einer kritischen Beleuchtung zu unterziehen. . Ja, hier in diesem in allen Weltteilen gelesenen Zentralorgane der Orthodoxie, oder wie es Herr Szabölsi*) zu nennen beliebt: dem Zentralorgan der internationalen *) Zur Kennzeichnung dieses UnifikattonSmärthrerS sei hier zur Orientierung unserer ausländischen Gesinnungsgenossen erwähnt, daß dieser Herr nicht immer UnifikationSritter gewesen ist. So hat er im Jahre 1884 seine publizistischen Dienste sür — gute Worte dm separattonSsüchttgen Orthodoxen angetragen. Auch hat derselbe zu daumltger Zeit dem Herrn Jakob Sabel, Mittelschuldireklor in Großwardein, anläßlich eines von demfelbm im Blatte „Nemzet" veröffentlichten Artikel, worin dieser, die «dogmatischen" Unterscheidungen zwischen Orthodoxie und Neologie Vormächte, wärmstenS gratuliert. Noch im Jahre 1888 bat Szabolst Herrn Jakob Gabel, eine die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Organisation der Orthoboxm mit den Neologen Veweisende Arbeit in seinem Wochmblalt „Egyenlösbg" erscheinen lassen zu wollen. — All diese Facta find bereits im Jahre 1893 von Herrn I. Gabel dem Herrn Szabolst ins Gesicht geschleudert wordm, und Salbathgäste die stehende Regel um für alle Fälle versorgt zu sein. „Es waren heute uur zwei Fremde hier", sagte Koppel zu seiner Frau nach dem Schabbosgruß bei seinem Eintritt in die behagliche Schabbosftube. „Ten habe ich Jtzig Hochhausen überlassen müssen. Sie kommen heute Wend nach Tisch noch zu uns, aus Erkenntlichkeit dafür, daß ich ihnen einen Orach (Gast) ,abgetreten habe. Wir haben dadurch zwar nur einen Gast, aber einen gelernten Mann, der drei andere auftoiegt. „Seid in meinem &rufe nod) einmal will* kommen, Reb David," sprach er zu dem Fremden gewandt, indem er ihm herzlich die Hand drückte. Auch die Hausfrau, der Sohn und der Kommis hießen den Fremden Willkommen. Ter Fremde war ein Mann in den vierziger Jahren mit langem Rock, tief herabwallendem schwarzen Bart und langen Schläfenlocken. Unter seiner hohen Stirne funkelten ein paar tiefschwarze Augen, aus welchen eben eine große Träne floß, die er rasch zu unterdrücken bestrebte, oie aber der besorgten Aufmerksamkeit des gastlichen Wirtes nicht entgangen war. „Fehlt euch was, Reb David?" fragte er sein Lied unterbrechend, mit dem er den Sabbath zu begrüßen im Begriff war. „Nein, mir fehlt Boruch Haschem (Gott sei Tank) nichts, singt nur ruhig weiter. Es sind Freudetränen, die ich weine. Acht Monate sind es her, daß ich mein Haus in Polen verlassen habe und in Deutschland umherwandre und ihr und eure Hausleute sind die ersten, die mir Scholeum (der jüdische Willkommsgruß) gegeben haben. Ein solcher Gruß tut einem wohl, wenn man ihn so lange entbehrt hat." „Ich freue mich, daß es sonst nichts ist," erwiderte der Wirt und sang sein Sabbatlied wetter. Mer die gehobene, andächtige Stimmung war von der Träne Rr. Orthodoxie, der „Schwarzen", wollen wir das Vorgehen der ungarischen Orthodoxie, die von einer gemeinschaftlichen Organisation mit der Neologie nichts wissen will, nichts wissen darf, rechtfertigen 'niD D"p: Dfl"m* Bor allem wollen wir hier die in der Phantasie der neologen Memorandum-Fabrikanten (jedes 2., 3. Jahr wird von den neologen Herren ein um die gewaltsame Vereinigung der Orthodoxen mit den Neologen bittendes Memorandum an den jeweiligen Kultusminister eingereicht, natürlich ohne Erfolg) lebende Glaubenseinheit der ungarischen Juden ein bischen näher betrachten. Hierbei dürfen wir ein freudiges: 0 tempora nmtantnr — oder jüdischer ein freudiges: BTOn 71wv “JT"Q — ausrufen. Die Herren reden nänilich in ihren letzten zwei Denkschriften (der jetzigen und der vom Jahre 1906) davon, daß zwi chen Orthodoxie und Neologie gar kein „dogmatischer Unterschied" bestehe, und daß die gegenteilige Aeußerung sämtlicher orthodoxer Rabbiner des Landes pure Erfindung sei. D es ist schon eine Wendung zum Besseren, wenn man bedenkt, daß die Herren Neologen zurzeit gegen den einstimmig gefaßten Beschluß des ungarischen Reichstages vom 18. März des Jahres 1870, den wir bereits in unserem vorigen Artikel brachten und in welchem es u. a. heißt, daß „die Beschlüsse des israelitischen Kongresses mit den Grundlehren der jüdischen Glaubensgesetze rc. kollidieren", daß die Neologen gegen diesen, die Orthodoxen von den Sklavenfesseln der neologen Kongreßbeschlüsse befreienden Beschluß damit opponierten, daß das Judentum gar keine — Grundlehren, Dogmen kennt! namentlich für das erste, die Anbietung seiner publizistischen Dienste für die Orthodoxie, wurden die Herren Oberrabbtner Fuchs in Großwardein und der inzwischen verstorbene orthodoxe Kanzleipräses Rabbiner Lipschttz s. A. als Ohrenzeuaen genannt. Der Herr Sz. hat es aber für gut befunden, diese diskredltterenden Angaben deS Herrn Gabel bis zum heutigen Tage mit keinem, auch nicht dem leisesten Dementi zu erwidern. (Stehe Zfidö Hirado 1893, Nr. 28, S. 5 und 6.) Wir hätten all dies nicht erwähnt, denn wir haben eS mit der Sache und nicht den Personen zu tun. Angefichts deS — wie wir glauben, in den Annalen einer ehrlichen jüdischen Publizistik vielleicht beispiellosen — Falles aber, daß Herr Sz. den traurigen Mut besaß, im Leitartikel der Nr. 43 seines Blattes die Führer der ungarischen Orthodoxie mit dem — Kosetttel: „tolle Berbrecheröande" benamsen zu lassen, halten wir es für unsere Pflicht, den Herrn Sz. daran zu erinnern, daß nur das Verweigern eines gewissen nervu8 rerum seitens der Orthoboxm daran schuld ist, daß er heute nicht für die „tolle Berbrecherbande" der Orthodoxen kämpft. — Wir glauben, baß die werten Leser d. Blattes nur Verachtung für eine solche Kampfesweise und solche — Kämpfer hegm werden, und dies ohne Parteiunterschied!-- Natürlich wurde den Herren gar stark auf die Finger geklopft, und zwar von keinem anderen, als dem hervorragendsten — neologen Rabbiner in Ungarn: Leopold Löw, der wohl Mitglied der Reformrabbiner-Synode in Augsburg gewesen ist, aber doch die Gewalttätigkeit*) und die Spiegelfechterei der neologen Matadoren nicht stillschweigend mitansehen konnte, und so schrieb er denn in seinem Buche: Zur neueren Geschichte der Juden in Ungarn, S. 144 u. f.: „Diese subjektive Erklärung kann aber das Judentum, d. i. das objektive, nicht unterschreiben, ohne seine reiche dogmatische Literatur zu verleugnen, welche die Wortführer der Dogmenlosigkeit nicht kennen oder unbeachtet lassen. S. D. Luzzatto rc. hat an dem Rabbinerkollegium zu Padua ein ganzes Menschenalter hindurch die dogmatische Theologie des Judentums faktisch gelehrt, und Zunz rc. kann es dem Kirchenhiftoriker Gsrörer nicht verzeihen, daß derselbe behauptet, das Judentum habe keine Dogmengeschichte. Wie käme aber das Judentum zu einer Geschichte der Dogmen, wenn es überhaupt gar keine Dogmen besäße?" Wie es scheint, hat die derbe Zurechtweisung Löws Früche getragen. Schade nur, daß nicht auch die anderen Ermahnungen Löws an die wackeren Kongreßritter ohne Tadel, die wir in Nr. 6 d. Bl. auszugweise pro memoria brachten, von unseren Neologen beherzigt werden. Denn dann herrschte Friede in beiden Lagern. Bevor wir aber unser eigentliches Pensum beginnen, wollen wir noch zwei unseren Gegenstand betreffende Aeußerungen vorausschicken. In der dem Kongreß vorangehenden Konferenz der vom Kultusminister mit der Ausarbeitung der dem Kongresse vorzulegenden Slatutenentwürfe betrauten Notablenversammlung**) richtete der Wortführer der Orthodoxen, Sigmund Kraus s A. eine Ansprache an den der Konferenz präsidierenden Kultusminister Eötvös, in welcher er den Minister auf den tiefen, unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Orthodoxie und Neologie aufmerksam machte. Er sagte darin dem von den Großneolgen in Pest ins Schlepptau der einheitlichen Organisation genommenen Eötvös ganz offen ins Gesicht: „So stehen sich die Parteien gegenüber. Wir wissen aus der Geschichte, daß ein ähnlicher Kampf zwischen den christlichen Konfessionen 30 Jahre *) S. m. Artikel' Ein Bcrbammunasurtel des rc. Leopold Löw rc. „Israelit" 1908, Nr. 6. **) Am 17. Febr. 1868. Die Einberufung dieser Konferenz aber geschah auf daS Betteiben der as Ohr des Kultusministers besitzenden Großneologen in Pest so einseitig, daß 28 Neologen und nur S Orthodoxe in diese Konferenz einberufen worden find! Trotzdem daß 7i» der Judenheit des Landes der Orthodoxie angehörte. Ein düsteres Omen für den Kongretzverlauf! und beit Worten des Fremden getrübt worden. Er schämte sich seiner „gebildeten" deutschen Landsleute, die nicht verächtlich genüg über den ungebildeten „Pollack" die Nase rümpfen konnten und nun ging ihm ein ganz unheimliches Licht darüber auf, wie turmhoch die Herzensbildung dieses fremden armen Mannes ihn über seine Verächter hob. Als sie schon bei Tische saßen, wo die armen Gäste immer den ersten Platz neben dem Wirte hatten, glaubte dieser noch einmal auf die Sache zurückkommen zu sollen. „Rab David, ihr dürft das nicht fo ernst nehmen, wenn euch in Deutschland wirklich noch keiner Scholaum Altchen gegeben hat, das ist so der deutsche Mrnhag (Brauch). Das ist keine Zurücksetzung für euch, weil ihr etwa als durchreisender Gast aus weit entferntem Lande kommt, in Deutschland grüßt man auch selbst einen eingeborenen Deutschen nicht, wenn man ihn tticht kennt. Nach dem deutschen Derech Erez (Anstand^ redet man mit einem fremden Menschen kein Wort, wenn er uns nicht vorgestellt ist, noch weniger reicht man einem fremden Menschen die Hand, Deswegen können sie es doch gut meinen und man darf deshalb noch nicht schlecht von ihnen denken." „Ich bin euch sehr dankbar für diese Belehrung/" entgegnete bescheiden der Fremde. „Mer ich habe auch ohnedies nicht schlecht über die Deutschen gedacht und noch weniger ein Wort in diesem Sinne gesprochen. Selbst als ich mich über euere herzliche Aufnahme gefreut habe, hätte ich euch nichts gesagt, Wenns meine Träpe nicht verraten hätte und ihr mich nicht zur Erklärung darüber aufgefordert hättet. Aber ich bin euch doch für euere Erklärung dankbar, denn durch sie kann ich ein Erlebnis milder beurteilen, das mir auf meiner Reife vor einigen Monaten begegnet ist." „Darf man fragen was das war?" fragte teilnehmend die gastliche Wirtin. „Gewiß," erwiderte der Gefragte. „Als ich auf meiner Reise nach Mainz kam, ging ich einmal über die Rheinbrücke und sah wie vom Ufer eben ein Kahn abstietz, den ern etwa zwölfjähriger Junge führte. Der Kahn schlug um und der Knabe kam unter sein Fahrzeug zu liegen. Wenige Schritte von der Stelle entfernt, standen zwei Herren, die .den ganzen Vorgang mit ansahen. Sie sprachen und gesttkulierten eifrig ohne sich von der Stelle zu rühren. Ich eilte über die Rheinbrücke warf meinen langen Rock ab sprang ins Wasser zu dem treibenden, umgestürzten Nachen und hatte in wenigen Minuten den Knaben befreit und ans Land gebracht. Die beiden Herren — es waren Engländer — sprachen mir in gebrochenem Deutsch ihre Anerkennung aus; ich war aber in dem Augenblick gar nicht in der Stimmung Komplimente hinzunehmen. „Wenn sie die Erfüllung dieser simplen Menschenpflicht für so was Großes halten," fragte ich etwas unwirsch, nicht um sie zu beleidigen, sondern um mich ihrer Anerkennung zu erwehren, „warum haben sie denn nicht selber etwas zur Rettung des Knaben getan? Sie standen doch so nahe dabei, daß sie kaum mehr als die Hand auszustrecken brauchten?" „Da hatte ich nun in ein böses Wespennest gestochen. Tie Herren sahen mich mit ihren blauen Wasserangen einen Augenblick groß an, und mnrntelteit etwas von Unbildung uird jüdischer Frechheit hinauf in ihren wohlgepflegten Schn urbart, um mich verdutzt stehen zu lassen, während sie eilig den Rückzug über die Rheinbrücke antraten. Damals wußte ich nicht, wieso ich für mein Tun den Borwurf der Frechheit und Unbildung verdient haben Ohme. Jetzt weiß geben zwisö baue) nich Dift war da zur C Jahr ordru rühm oder? Funi feffto größ, zwisck Unv dittor erke lichl Gesei S. 2 ff wid ob bi doxie wahr berül nicht wend zweck „daren muli< , S das Funi Stell ja r mrö der" leugr Tho, Vers allen ich ei Hand ( über' mit „Der, das mit i nach wieoe den ' nach kuchel so gi auch feine heim« Karte uns verhe sagte Schal wird Händ Zeit alle ebens Bahr helfe; Krön ganz« und Schir führ« ätt