Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 46 (19.11.1908)
- Date
- 1908-11-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr. 46. Der Israelit 19. November 1908. sollte, vernehmen wir Stimmen der Verachtung un des wirklichen Haffes in der Literatur. Blickt man jedoch tiefer, so erscheinen diese Stimmen hervorgerufen durch eine dumpfe Besorgnis um die Zukunst Roms, und gerade die Verzweiflungskämpfe, welche das jüdische Bott für die Erhaltung seiner nationalen Selbständigkeit geführt hat, haben der römischen Welt die ungeheure sittliche Kraft geoffenbart, die dem Judentume innewohnt. Jetzt beginnt das Wort des Seneca sich in buchstäblichem Sinne zu erfüllen, daß die Besiegten den Siegern Gesetze gegeben haben, und gewaltig hat sich in -er Zeit, die wir durchmefsen haben, die Verkündigung des Jesajas bewahrheitet: Ich werde an ihnen ein Zeichen tun und schicke von ihnen Flüchtlinge zu den Nationen, in die fernen Gegenden, welche die Kunde von uns nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen baben, da werden sie meine Herrlichkeit verkünoen unter den Vöttern. Sprecbsaal. Ein „Aaülenarbäude" In dem literarischen Teil der Nr. 44 des „Israelit" finde ich die Besprechung eines Buches von O. Goldberg, das fich betitelt „Die fünf Bücher Moses ein Zählengebäude". Dieser Besprechung, die sich ziemlich wohlwollend dem Buche aegenüderstellt, entnehme ich — die Schrift selbst habe ich nicht gelesen — daß durch Wiederkehr einer bestimmten Anzahl von Wörtern, oder Anzahl von Sätzen m gewissen Gruppen ein Zahlensystem, das durch den Pentateuch hindurchgeht, fich ermitteln läßt. Der Verfasser hat Satze, Wörter und Buchstaben mit veißem Bemühen gezählt, muß also eine enorme Zeit aufgewendet haben, und ist zu Resultaten gekommen, die überraschend erscheinen. Querzahlen, Erundfaktorcn müsien Helsen, um die Resultate zu erzielen, und da ergibt sich dann, daß das Gammatrton drS *»777 2V 26 und die heilige Zahl 7 eine große Rolle spielencs macht fich das alles, wenn man nur zu kombinieren versteht. Da findet fich z. B. bisweilen eine Zahl, in der 26 enthalten ist, wie in der Genealogie Sems die Anzahl der Worte 4.26, die der Buchstaben allerdings nicht das Produkt von 26 mit einem Coefficienten, die Zahl 36 aber als Advitionsziffer zu gebrauchen ist, so daß wir durch die Formel 26 -j- 733 . 7 die Anzahl der Buchstaben 25 868 erzielen. Man fleht, <s geht, wenn man's nur geschickt macht, d h. wenn man Shstemlofigkeit zum System machtwcnn's nötig ist, addiert man, kloppt'S besser mit dem Multiplizieren, multipliziert man usw. Welche Willkürlichkeiten der Berfaffer fich erlaubt, steht man deutlich an dem Beispiel auS ,-p'2 DtSHS: siebenmal kommt das Wort WHS darin vor, das ist jedenfalls von großer Bedeutungnatürlich wenn man nicht beachtet, daß auch mehrmals dort vorkommt. Den Wechsel in der Zahl (5. M. 4, 25—40) weiß -er Berfaffer geistreich als Notwendigkeit zu deutm, damit die 2. Vers. plur. perf. fiebenmal vorkomme - wie gut har sich ' doch N"2VN zu helfen gewußt! — Daß im Gesetz über die Ehescheidung (5. M. 24, 1—4) das Berbum fiebenmal in der 3. Pers. fing. mase. fich findet, ist gewiß von tiefer geheimnisvoller Bedeutung, und, wie impomerend, daß oaS maßgebende Wort HiWl in der Mitte, d. h. an vierter Stelle steht. Großartig, wenn man.auch nicht weiß, was es bedeuten sollaber — wenn schon, dann schon — was berechtigt den Zähler dann, mitten im Vers die Zählung zu beginnen undie zwei vorhergehenden Wörter *77) und nnpbl nicht mttzuzahlen, wenn fie fich auch nicht auf die Scheidungs-Handlung beziehen? — Um seine Sieben zahl herauSzuvekommen, macht der Verfasser in V'vLVv eine ganz willkürliche Einteilung. Ex. 21, 1—1/ ist ihm die Grupp", die fich mit dem Schutze oer Person befaßt, und 18—36 mit dem Schutze der Gesundheit - in jeder Gruppe begegnen wir 2 X 7 Gesetzen, was fich, nebenbei bemerkt, noch bestreiten läßt. Unter den Gesetzen für den Schutz der Person begreift der Berfaffer also das Gesetz über 12V mit seinen Bestimmungen, das mag hingehen, wie auch die Einreihung des Gesetzes über 'nstf .1»K- Aber B'tWK JWT» '21 zahlt zur zweiten Gruppe, zu -er, die vom Schutz der Gesundheit handelt, also wenn einer ein Bein bricht, oder in einer Rauferei ein Ohr verliert, so schützt das Gesetz, das ihm für einen solchen Fall Entschädigung zuspricht, nur die Gesundheit, aber nicht die Person! Oder subsumiert der berfaffer vielleicht deshalb dieses Gesetz unter die Schutzbestimmungen für die Gesundheit, weil der Tob nicht infolge der Verwundung eintritt, wie ist es dann mit der mi NVtt, die verletzt wird und die an den Folgen dieser Benetzungen stirbt (DJO 'VF pDK)/ wovon das in der angeblich zweiten Gruppe stehende Gesetz spricht, ist daS auch Gesundheitsschutz? DaS Merkwürdigste des Merkwürdigen ist aber das Zuzählen der Bestimmungen über die Haftpflicht des Besitzers eines TierS, das einen Menschen getötet hat, zu den Gesetzen zum Schutz der Erhaltung oer Gesundheit - daS spricht Bände über das ganze Verfahren des Verfassers. Ob Sinn oder Unsinn, die Siebenzahl muß gefunden werden, gehe darauf, was will. Unwozu die Versuche? Welcher Gewinn soll uns auS solchen Untersuchungen, wie fie der Berfaffer anstellt, werden, selbst wenn» manche Resultate frappieren sollten? Die Göttlichkeit der Thora beweisen? Wer nicht von ihr durchdrungen ist und den Beweis ihres göttlichen Ursprungs nicht in ihr selbst findet, der läßt fich durch solche Kinkerlitzchen und Spielereien doch gewiß nicht überzeugen. Aber noch mehr! Geradezu gefährlich, ist solches Tun. Nicht allein, daß eine solche Behrmdlung der Thora geradezu die Köpfe zu verwirren geeignet ist und zur Nachahmung reizen kann, zu einer Spielerei, über die die ernste Beschäftigung mit der Thora oernachläsfigt wird, weil man ja glaubt, auch so „lernen" zu können, sondern fie kann zu Resultaten gegenteiligen Effekts führen. Da mit dieser Zahlenfpieleret alles, was man wünscht, herbeigezaubert werden kann, wer will es verhindern, daß auch einmal einer kommt und durch solche Kombinationen Namen und Personen herausrechnet, um uns die Wahrheit — meinetwegen -er KonftltiuS-Religion zu beweisen? Ich stelle dem Berfaffer, indem ich mich an die Art und Weise seiner Kombinationen hatte, bas, was ich ohne Mühe gefunden, kostenlos zur Verfügung, nämlich daß in dem Namen upj? die höchste JTOHp enthalten ist. np# im Zahlenwert — 376, besteht aus 26 mal 3 mal 7 + 12. Man denke 2 mal die heilige 7, und 12 die Anzahl der Stämme - der Bruder Jakobs präsentiert also die höchste Heiligkeit. Nein, die Thora ist viel zu heilig, daß man fie als Tummelplatz solch müßiger Spielereien gevrauchm sollte. Frankfurt a. M. Prof. Sulzbach. Im Anschluß an die Besprechung -es BucheS „Die fünf Bücher Moses ein Zahlengebäude" in diesem Blatte möchte ich angefichts des unentschiedenen Standpunktes, den der verehrte Referent einnimmt, ein pofltwes Urteil mir zu äußern erlauben, da eine entschiedene Stellung mir in diesem Fall notwendig scheint. Die originelle Idee deS Berfaffers mit ihren anscheinend frappierenden Ergebnissen ist in -er Tat geeignet, den ernsten und erhabenen Charakter -er heiligen Schrift zu verdrängen und an ihre Stelle ein Buch von Zahlenspielet eien und Geheimniskrämereien zu setzen. Nichts weniger als dies steht meines Erachtens aus dem Spiele. Ich kann es verstehen, daß fich Leute finden, die vermittelst eines Zahlenschlüssels aus den Werken Shakespeares herausdeuten wollen, baß diese Schriften jemand anders zum Verfasser haben oder auf die gleiche Weise Goethe im Faust Gedanken unterschieben, an welche er niemals gedacht hat. Die nämliche Analyse mit der nill vornehmen, heißt von vornherein jede halachische Erklärung ausschließen, die fich aus einer Wortverschiedcnheit oder aus einem einzelnen Buchstaben ergibt, um fie umsoeher zu einem menschlichen Produkt zu degradieren. . Wenn uns beispielsweise als Grund ,für den Namen J)2S angegeben wird ")21 VÖ'S '2, so entdeckt der Bersafier, daß diese Person so heißen mußte, damit in dem BerS, welcher dieses berichtet, die Addition der Buchstabenwerte eine Pluralzahl von 13 ergibt. Ich will nunmehr an einem Fall zeigen, wie man mit Zahlenoperationen alles fertig bringen kann. Wir finden in der -Hin den n2i6ö "ID'« für rOtf 13 mal, die Anzahl der ist 39. 3 X 13, der Zaylenwert von 712V ist 702 54 X IS von 7l'V«12, das dem 712V als Beiwort dient, ist 517 (5 + 1 + 7) — 13, die 22V 712DJ2 beginnt mit dem Worte 771-t'L', Zahlenwert 517 (5 -}- l + 7) =»13 . . . endigt mit dem Worte K2K, Zahlenwert 52 4 X 13, und wenn ich nun dem Drucker der ersten **122 etwas EHpfl 111 zusprechen will, mag auf die Anzahl der pal hingewiesen sein «= 157 und es ergibt'sich (1 + 5 -f 7) die Schlüsselzahl 13. Es liegt mir sehr fern, den auftichtigen Ernst und die wahrhaft ftomme Gesinnung des Autors nur im geringsten anzutasten, und da er ficherlich im Interesse der Anerkennung von p"l7i sich bemüht, wird ihm ein offenes Wort nur willkommen sein. Es ist nicht zu wünschen, daß das Werk weiter in diesem Sinne ausgearbeitet wird, vielmehr möge der Verfasser das Opfer bringen, diese ihm lieb gewordene Idee aufzugeben und man wird ihm dakbar zurufen: bis -12V ^2271 -|2 ,112111,1 bis 12V 71^2,1V 2V2 ..IV'IL.1 I- S. Bezugnehmend auf eine Rezension Ihres geschätzten Blattes erlaube ich mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß fich nach den bekannten Regeln ber unbestimmten Gleichungen ersten Grades eine jede beliebige Zahl als „Kombrnationszahl" aus den Zahlen 36 und 17, sowie auch irgend welchen anderm willkürlichen Zahlen darstellen laßt, und dies sogar auf unendlich viele Weisen. Reimen wir die ftagliche Zahl 1, so können wir immer x und y so bestimmen, daß die Gleichung, x . 26 + 17 * t besteht. Dies ist nämlich her Fall, wenn wir x — 2 t + 17 m und y ----- 3 t — 26 m setzen, wo m eine jede Zahl bedeutet. Nehmen wir z. B. die Buchstabenzatl 449 des Amalekberichtes, wir setzen m — — 52 und haben also (da x — 2 . 449 — 17 . 52 und y ---- - 3 . 449 + 26 . 52) 14 . 26 + 17 449 (wie der Rezension)- wählen wir dagegen z. B. m — 50, so finden wir 48 : 26 — 47 . 17 449, welches gleichfalls stimmt. Ich bitte Sie Höst., dieses in Ihr gesch. Blatt aufzuaehmen, da der Berfaffer, sowie vielleicht auch andere, fich wahrscheinlich viele unnütze Mühe mit Auffindung der sogenannten „KombiNattonSzahlen" machen-. auch glaubeich, daß derartige „Beweise" für die Wahrheit der Bibel nur schAllich wirken können. .Hochachtungsvoll Kopenhagen. N. Cohn canb. Phil. & Hcherschav. Moses den Maimon- Sein Leben, seine Werke und sein Einfluß. Bon Bacher, Braun, Stmonsen und Guttmann. I. Band. Leipzig 1908, Gustav Fock. VIII und 495 S. °. Preis 10 Mk. „Zur Erinnerung an den stebenhundertsten Todestag, des Maimonides" hat die G. f. d. W. b. I. ein Gedenkbuch herauszugeben beschlossen, das denjenigen Kreisen, die einer solchen Erinnerung bedürfen, die einzigartige Persönlichkeit und die Bedeutung deS großen Lehrers' in Israel bekannt machen soll, das aber auch denjenigen, die dessen nicht bedürfen, sondern bei denen der „Rambam" noch heute wie vor 700 Jahren lebt und nach dem bekannten Talmudworte noch heute seine Lippen alltäglichsagenöringend fich regen, manches Jntereffante bietet. — Ob mit dem Werke eine erschöpfende, zur wahren Erkenntnis des Wesens und der Wirksamkeit des Maimvnides führende Darstellung gegeben wird, kann ber bis jetzt vorliegende!. Band allein naturgemäß noch nicht völlig entscheiden. Dieses abschließende Urteil muß umsomehr bis nach ' dem Erscheinen des II. Bandes aufgeschüben werden, als ber Plan zu diesem Ergänzungsband noch nicht feststeht oder wenigstens noch nicht mitgetellt ist. Bis zu einem gewissen Grade allerdings rechtfertigt der I. Band bereits ein Urteil, nämlich das, daß die einzelnen Arbeiten nicht gleichwertig und nicht einheitlich in ihrer Auffassung des behandelten Stoffes find, sondern zum Teil mehr die subjektiven Ansichten ihrer Autoren, als objektive Darstellungen enthalten. Die Gesellschaft über» läßt den Verfassern die Verantwortung für die in ihren Arbeiten vorgetragenen wissenschaftlichen Meinungen, und die Herausgeber unterlassen es daher, selbst bei direktem. Widerspruch zwischen einzelnen Mitarbeitern Stellung zu nehmen. Infolgedessen kann, wenn bet der Auswahl der Mitarbeiter die nöttge Unparteilichkeit obgewaltet hat, der noch ausstehende Band noch manche andere wissenschaftliche Meinungsverschiedenheit bringen und so dem Leser die Möglichkeit schaffen, ein richtiges Urteil zu gewinnen. Ohne eine solche Korrektur würde meines Erachtens dem Werk der Borwurf der Einseitigkeit und der Tenömz. nicht erspart werden können. Wenn z. B. Ziemlich in der sehr interessanten und lehrreichen Abhandlung über Plan und Anlage des Mischna Thora auS Maimonides* Angaben über die Veranlassung zur Abfassung dieses feines Hauptwerkes dessen Feindschaft gegen die talmudische Behandlung der Halacha herausliest, so bedarf für denjenigen, der Maimonides' Art der Durcharbeitung und Verwertung der talmudischen DiSkusston bei seiner Halacha-Erörterung und Entscheidung kennt, diese Behauptung kaum einer Widerlegung. Subjektiv dürste auch manche andere Einzelheit gerade in dieser — wie gesagt — sonst sehr lesenswerten Arbeit seinich verweist auf die Polemik mit Schwarz über die Berechtigung einer Unterscheidung zwischen den Jfcl2 x^V 7112,112.1 11260 HOI und denen, die an den Bestand des Tempels gebunden find, als „praktischer" und „theoretischer" Halacha. (S. 308-318). Im einzelnen werden die meisten Hauptwerke deS Maimonides nach ihrem Plan und ihrem Inhalt behandelt, dem Mischne Thora find außer der genannten Abhandlung der.Aufsatz von Schwarz über „das Ber» hältnis Maimunis zn den Gaonen" und ein kleinerer Artikel Elbogens über den Ritus im Mischne Thora gewidmet. Die Resultate gerade dieser Arbeit find bei der vom Verfasser selbst erwähnten Lückenhafttgkeit desMerliefer« ten Quellenmatertals mir besonderer Vorficht aufzuNehmen. Ueber das „Buch ber Gesetze" als solches hemdelt Peritz, Rosenthal beschäftigt fich mit der att dieses Werk fich knüpfenden Krittk des NachmaniveS. Die ersten und umfangreichsten Arbeiten deS Bandebehandeln Maimonides als Philosophen. Bloch zeichnet „Charakteristik und Inhaltsangabe des Moreh", Cohen untersucht die Ethik des MaimonideS' und prüft ms» besondere die Frage seiner Abhänaikett von Aristoteles, während Guttmann den „Einfluß der maimontdischen Philosophie aus das christliche Abendland" feststellt. Maimonides als medizinischen Schriftsteller würdigt Pagel, Eppenstetn bietet interessante Einzelheiten über Maimonides' Exegese an der Hand debald zu veröffentlichenden Pentateuch-KommentarS von Abraham MatNlvNt. — Wie Maimonides schreibt, in welchem Verhältnis sein Arabisch zum klassischen und zur zettgenösfischen Sprache steht, darüber wie über seinen Sttl im allgemeinen erhalten wir feinsinnige, wenn auch nicht erschöpfende und keineswegs unanfechtbare Betrachtungen von Friedländer. Ueber den Mischna-Kommentar wird wohl der zweite Band Näheres bringm, für den auch eine Biographie versprochen ist und dessen Erscheinen wir bald aNzeigen zu können hoffen. 2"0tP°