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Der Israelit · 1908-11-19 · Heft 46 (19.11.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 46 (19.11.1908)
Date
1908-11-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette L Nr. 46 Der Israelit 19 November 1968 so müssen mich alle die Strafen treffen, welche mir in der. geschehenen Vormahnung angedeutet find." Bei den anderen Confessionen fehlte die Vermahnung und demgemäß auch die Fluchformel' zum Schluffe, ueberdies bestimmte noch ein Min- Rescript vom 20. April 1833, daß, „die Bürgereide der Juden ,unter Zuziehung eines Rabbiner oder Assessors auf dem auf dem Rathause unter gewiffen, vorgeschriebenen Formen erfolgen können." Die Frage ob die Befreiung von den Kommunalsteuern, die nach § 57 Abs. 9 Alinea ff. den Schullehrern zustehe, auch für die Mischen Religions- und Schullehrer gelte, wurde erst durch Rescript des Min. d. Jun. vom 12. Jan. 1825 zu Ungunften derselben entschieden, „weil die Juden-Gemeinen bloß toleriert werden und eben deshalb nicht als privilegierte Korporationen zu betrachten stnd und keine öffentlichen, noch weniger aber bevorrechtete Beamte haben können." M) trägt die Städteordnungsgesetzgebung, soweit die 'Faden in Betracht kommen, allerorten den Stempel kleinherziger Aengstlichkeit, die vor jedem entschiedenen Bruch mit der bis dahin gütenden Zurücksetzungs- und Verfolgungspolitik zurückbebt und uur die ersten Rudimente einer neuen, fortgeschritteneren und gerechten Behandlung der Juden aufweist. Allein, man täte unrecht zu übersehen, daß selbst diese Konzesfionen einer übermächtigen, vom Judenhaß durchfreffenen Hofkamarilla förmlich abgerungen werden mußten, und daß überdies die Einschränkungen der gewährten Rechte nicht in der St. O. begründet, sondern das Werk der bald darauf emsetzenden Reaktion find, die den Staat der Revolution von 1848 entgegenführte. So bleibt denn auch für uns Juden an dem Gesetz vom 19. November 1808. genug des Verdienstlichen und dankbar Anzuerkennenden, um auch uns diesen Tag als einen denkwürdigen Markstein in der Geschichte des Preußischen Judentums erscheinen und seine hunderste Wiederkehr aLS einen geschichtlich wichtigen Gedenktag begehen zu lassen. E. B. Mochenrrrrröscha«. Die Wiener StudenfenhramaUe. * In Wien haben Studentenkrawalle ftattgeftmdckr, Zusammenstöße zwischen deutschen und jüdischen oder, wie man des Gleichklanges wegen lieber sagt, deutschnationalen und jüdischnationalen Studenten. Den Anlaß dazu gaben die ersteren, die letzteren aber schlugen sich tapfer und mußten schließlich mit blutigen Köpfen der antisemitischen Uebermacht weichen. So ungefähr lauten die Berichte in den jüdischen Blättern Oesterreichs. Die antisemitische Presse weiß von der Sache weit mehr zu erzählen. Sie spricht — da fich hier von jüdischer Feigheit schlechthin nichts sagen läßt — von jüdischer Frechheit, von jüdischer Herausforderung, von der Notwendigkeit judenreiner Universitäten und dergleichen mehr. Wir sind gewiß nicht geneigt die antisemitische Darstellung des Sachverhaltes als die zutreffende zu erachten. Die Antisemiten sind die einzigen, die ihre wahre Freude an den Vorgängern haben können und auch haben/»und in ihrem Freudentaumel naturgemäß mit Worten und Bildern nicht kargen, um die Sache möglichst auszuschmücken und auszunutzen. Umso mehr ist es aber die Pflicht der jüdischen Presse ohne Beschönigung, und Vertuschung die Sache klar zu stellen und gegen Fortsetzung öder Widerholung solcher jüdischen Heldentaten, wie sie in gewiffen Blättern so rühmend hervorgehoben werden, die warnende Stimme zu erheben. Wir vermögen uns, um es gleich zu sagen, für solches Hewentum nicht zu begeistern und alle Einsichtigen, selbst in den zionistischen Kreisen, werden es mit großen Befremden vornehmen, daß die jüdischnativnale akademische Jugend in Wien das „schlagen" für eine jüdische Nationaltugend hält. Ein jüdischer Student fordert wegen einer Anrempelung einen deutschnationalen Studenten, von dem er weiß, daß er nach den Grundsätzen seiner Verbindung Juden keine Satisfaktion gibt. Das war der erste taktische Fehler, die böse Tat, die sörtzeugend Böses gebären mußte. Der feige Deutschnationale, der unter dem Schutze seines Vereinsstatutes einen Juden ungestraft beleidigen zu können glaubt, konnte, soweit unsere Ehrbegriffe reichen, ohne jeden Schaden für das Ansehen des Beleidigten oder seiner Verbindung mit Verachtung gestraft werden. War aber die Beleidigung so, daß man sie nicht ungeahndet hinnehmen, konnte, so gibt es doch jedenfalls im Rechtsstaate Oesterreich noch andere Mittel und Wege, seine Ehre zu wahren als eine blutige Maffenmensur. Haben die jüdischen Studenten die Dinge, die da kommen mußten, nicht vorausgesehen, zu einer Zeit, da die christlich-sozialen Demagogen Herren der Situation find und eine Resolution Schmid auf der Tagesordnung steht? Sie haben ihre Niederlage voraussehen müffen. Mer nicht davon soll die Rede sein. Die Wunden, die die jüdffchen Akademiker im ehrenvollen Kampfe davongetragen, iverden bald vernarben, doch der Schlag, der damit der Judenheit und dem Judentum versetzt wird, sitzt tiefer und ist von unheilvoller Nachwirkung. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß die Aeltern und" Besonnenen im nationalen Lager das heißblütige unkluge Vorgehen ihrer jungen Gesinnungsgenossen mißbilligen und auf dieselben beruhigend und aufklärend einwirken, damit sich solche Vorgänge, unter denen das ganze Volk zu leidem hat, nicht wiederholen. __ »* Vom jüöifdien Kulturkämpfe. ' Unter den Juden Rußlands herrscht einige Aufregung. Die Hooligans haben zwar ihre Tätigkeit vorerst eingestellt. Neue Gesetze sind nicht erlassen worden und auch die jetzt begonnene zweite Session der Duma ist noch nicht dazu gekommen, auf die Juden zu schimpfen. Aber ein Attentat ist'versucht worden. Ein Attentat auf die jüdische Religion, auf ein Grundgesetz derselben, auf die heiligsten Gefühle der Juden, aller Länder, und zwar von einem Juden, von einem Mischen Schriftsteller. Schalom Asch tritt anläßlich eines konkreten Falles, in dem die Warschauer Rabbiner ganz korrekt im Sinne des Schulchan Aruch verfuhren, mit einem geharnischten Artikel gegen die Miloh-Jnstitution auf. Er nennt sie ein wildes Gesetz, einen überlebten barbarischen Brauch, der für die heutige Zeit weder Sinn noch Bedeutung hätte. 'Und Herr Asch begnügt sich keineswegs damit, diese Offenbarung in seiner jargonischen „Nationalpreffe", zu verkünden, sondern er benutzt auch die polnischen, judenseindlichen Blätter, um mit den „fanattschen" Rabbinern, die hartnäckig auf alten Bräuchen beharren, gründlich abzurechnen. Was ihn betreffe, sagt Herr Asch, so sei er ein bewußter Jude, ein würdiger Nachkomme Abrahams, der oas Judentum im Sinne von Moses, Hillel, Maimonides, Juda Halevy auffaffe" und betätige. Mit dem veralteten und überlebten Judentum der heutigen Rabbiner habe er nichts gemein. Wir haben wiederholt Gelegenheit gehabt, Herrn Asch und Konsorten an dieser Stelle gebührend zu kennzeichnen. Eingeweihte Landsleute und Kollegen der Herrn Asch sagen ihm auch Bornirtheit und kraffe Unwissenheit nach. Wir hielten das für eine aus einem Gefühle des Neides entsprungene Uebertreibung. Nun aber müffen wir doch den Worten seiner- Kritiker Glauben schenken. Er selber hat sie bestätigt, so klar und unwiderleglich, wie es seine erbittertsten Feinde gewiß nie vermocht hätten. Herr Asch tritt gegen die Mil oh auf und vet Morgentau. . Ein Skizze nach Mtörasch-rabba. Die wette Wüstenebene liegt wie schlaftrunken in dichten Nebel gehüllt. Der nasse Tau berührt behutsam hm heißen Wüstensand, hier und da steht eine einzelne grauumflorte Palme und in der Ferne schauen aus dem Nebelflor lange Hügelrethen schwer und düster Nur langsam bewegt fich im dichten Nebel ein kleiner Trupp. Durch die dickm Aste zittern scharfe Klänge der Herben und wehmütig blöken die Schafe, von bärtigen Hirten getriebendienstbereite Knechte und Mägde vewegmstch geschäftig, mit der Habe ihrer Herren beladen. Allen voran geht der ehrwürdige Patriarch, ernst und nachdmMch. Fünmndstebmzig Führe hatte er bereits auf Erden gelebt. War das ein Leben? Ein Leben in fremder Umgebung mitten tm'heimatlichen Kreise. Ein Leben ohne Gott und ohne Wahrheit? Und mm war der Ruf ön den SsteiS ergangen, sein Amd, seinen Geburtsort, IrMBatzrhauS aufzugebM rmd allein, von der großen Masse losgelöst, einem anderen Lande zuzustreben, einem Lande, oas in weiter, unbestimmter und wolkenumflorter Ferne liegt.. Allew. nicht dieses vermag den Patriarchen mit schweren Gedanken und tiefen Sorgen zu erfüllen, nicht die Absage an Nationalität, an Heimat, an Vaterhaus siel ihm schwerseine Gedanken find anderer Art. Er soll Vater eines großm Volkes werden und schwere Batersorgen erfüllen sein großes Herz. Wie möchte er wohl in die Zukunst dieses Volkes sehen, sein Schicksal M der Zeiten Flucht überschauen! — Doch rings umher nichts als dichter grauer Nebel, der die Aussicht verstellt und die Zukunft mit dichten Schleiern verhüllt. Und Abraham denkt nun auch an seine eigene Vergangenheit, an seMe Jugend im Baterhause, dem er entftemdet ward. Er denkt mit Wehmut und Schmerz an die Tage, die nutzlos ohne Wahrheit, ohne Glück und Lebensinhalt verflossen waren. War nicht auch er nahe daran, von der Nacht des HeidenMmS' umfangen zu werden, unrettbar zu versinken? Wie nun diese Vergangenheit auSlöschen, restlos tilgen? Und durch die Lüste zittern leise Klänge, die leicht unscharf die schwüle Luft burchschneioen, und dumpfe heisere Stimmen ertönen. Die Schafe blöken ängstlich und ungeduldig und die Hirten sckreien und lärmen durcheMander. Zank und Steit und Kleinmut, ihr Sinn ist auf- Irdische gerichtet. Sie haben das Ewige und Große tm Weltall noch nicht erfaßt. Sie streiten um Brot, daS reichlich für alle da ist, um einen besseren Weideplatz für ihre Tiere, während Glück und Zukunft und die höchsten Ideale eines werdenden Volkes auf dem Spiele stehen. Ist nicht auch dieser leidige Streit noch eM Rest jener finsteren Vergangenheit, ein nachetlender Schatten aus jener heidnischen Nacht?- Und am W^e mht der KanaanM, schadenfroh rmd hohnlachend. — „Siehe — spottet er — da find sie, die „Separatisten", die „Bevorzugten" und „AuSerwähttm". Auch m ihrer Mitte wütet der Streit, das Leben ist stärker als ihre Ideale. Und Unzufriedenheit herrscht in ihren Rethen." — Wie schmerzlich berühren diese Spottreben des FeinüeS AbrahamS Herz und halb entmutigt und enttäuscht senkt er das Haupt. Da steht er plötzlich, wie die Nebelhülle stch langsam lüftete, der Tau zerrann und verschwand, und die Sonne in schimmernde Pracht Vers goldete die steinige Ebene.- Der graue Sand war in Licht gehüllt und in der Ferne leuchtete die weite Hügelkette. Mutig sprang eine Gazelle über den Weg, den Sonnenstrahlen zujuvelnb. Wie ein großes schimmerndes Golbmeer lag die weite Ebene, von den einzelnen zurückgebliebenen Tautropfen wie von leuchtenden Perlen besäet. DeS Patriarchen Augen verttefe» stch ganz in den wunderbaren Anblick. Mächtig schlägt sein, Herz, und sein Ohr vernimmt eine Stimme, die weich und kosend zu ihm spricht *\b töS “WÖ DPHÖ* „Dieser Morgentau^ eS ist der Tau deiner Jugend." Er verfliegt, zerrinnt und vergeht, dieser Tcm, um die Sonne in ihrer ganzen Ltchtgestcut erscheinen At lassen. Auch deM Jugendtau ist zerronnen und spurlos verschwunden. War auch deM GotteSvewußtseM eM getrübtes, so war es nicht von der flnstern Rächt des Heidentums geborm. SS war eM frischer Tau, der nur zeitweilig die Sonne verstellte. Er schwand für immer. Klar und hell, von kewer Wolke getrübt soll die -Sonne deines neum Lebens, erstrahlen, und wer ihren Blick nicht ertragen kann, wer als Glied dieser harmonische Welteinhett fich nicht zu fühlen vermag, der wende sich ab und scheide «US diesem gottMveihterr Kreise aus. — — Der.neu erwachte SomMtag sah Harm elfte tzttm Groppe sich von AvrahamDennen

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