Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1908)
- Date
- 1908-11-12
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449344--65033-2507651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Nr. 45. Der JSraelit 12. November 1906. so viel zitierten Eisenbahnnachtwächters heranreichte. Das heißt, um es recht zu sagen, es fand sich ein Bewerber, nämlich ein ehrsamer, »unftgemäß gebildeter Schuhmacher mit Gesellen- und vielleicht auch Meisterprüfung. Daß die Bewerbung eine durchaus ernstgemeinte war, zeigt die Befürwortung derselben bei der Kgl. Regierung seitens des zuständigen Rabbiners. Aus der nächsten Konferenz wird der, Rabbiner wohl eine „glänzende" Rede über die hohe Bedeutung des jüdischen Lehrerstandes halten und wir werden wütend Beifall Katschen! Sein Handwerk wird der neugebackene Lchrer selbstver-!ländlich an den Nagel hängen. So ist die ehrame Schumacherzunft um einen Genossen ärmer, ier jüdische Lehrerstand Bayerns aber um ein Mitglied, um ein ein geprüftes sogar, reicher. Doch bei uns gleicht sich alles wieder aus. Amtierte da nämlich in einer Stadt an der Donau ein Lehrer in einer noch jungen Gemeinde feit ihrer vor ca. 15 Jahren erfolgten Gründung. Me notorische Beliebtheit und Wertschätzung, deren er sich bei der gapzen Gemeinde erfreute, veranlaßten den Verwendeten, nach so langem Provisorium um das Desimtivum nachzusuchen. Der Erfolg war ein negativer/ die vorsichtige wohllöbl. Kultusverwaltung konnte sich nicht entschließen, einem Mcmne, der seine ganze Kraft in den Menst der Gemeinde stellte, die an sich nur geringen Rechte eines definitiv ängestellten Lehrers zuzubilligen. Der Kollege, der diesen Gemeindebeschluß als ein Mißtrauensvotum aufftchte, legte fein Amt nieder und sagte dem Lehrerberuf Valet. Das latere war sehr unrecht van dem Betreffendenstolz darf der jüdische Lehrer nicht sein. Demut und Bescheidenheit sind d«8 Lehrers schönstes Kleid. Stolz ziemt sich nur für die Gemeinden. Da ist z. B. die Gemeinde O. in Mitteffranken, auch „leistungsunwiAg", wie so manche anderefür das höhe Gehalt von 600 Mk. verlangt sie aber einen gut qualifizierten, mit guten Stimmitteln begabten Lehrer. Der Glückliche, der diese Stelle bekommt, kann sogar bis 350 Mk. steigen, wenn er feine Gemeinde durch feine Leistungen zufriedenstellt, was chm gar nicht fo leicht fallen dürfte. In Rochenburg drohte «in akademisch gebildeter Kollege solchen Gemeinden mit dem Boykott and ein Nachbarkollsge «einte jüngst sehr weif«, man müßte bei solchen Ausschreiben in den jüdischen Zeitungen vor warnen, so wie es die Arbeiter bei «Indifferenzen machen. Ach, das find alles nur stampfe Mqfen, oder vielmehr zweischneidige, denn wenn die veröhrliche Kultusverwaltung in O. keine qualifizierte Krsstt findet, dann nimmt sie eben einen Schneidergesellen zur Abwechslung und dann werden vidlleichst gleich zwei andere Lehrer auS Mißmut über solche ZPftMcke Berpf apfgeben. Wenn aber die bayerische Lehrerversammliyrg einmal in O. tagt, wird der betreffende Mtvsttznd auch eine „glänzende" Rede halten und wir, wir werden auch Beifall Katschen. über die XXIX. GeneralversammluLg des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern am 20. Juli 1908. (Schluß.) Diese Antwort besagt uns, daß die Denkschrift mit Recht die Gesamtheit der jüdischen Gemeinden zu gemeinsamer Aktion anruft. Als Mittel zur Beseitigung der Rechtslosigkeit und zur materiellen Besserstellung wird vorgeschlagen: 1) Umwandlung der ReligionssH ulen in Volksschulen. 2) Definitive Anstellung der Religionslehrer, 3) Errichtung einer Rechts - Zentralk a s s e' für die israel, Kultusßkmeinden. 4) Ausreichende Besoldung Religionslehrer, sowie ErrichtiW^Wüi' Pensions- und Reliktenkassen für^WWwett: Die Debatte sollte sich an diese Thesen halten und darüber Ausschluß geben, ob die im jüdischen Lehrerverein geeinten Lehrer mit den in der Denkschrift aufgestellten Zielen einverstanden seien. Mit der Aufforderung schloß der Redner: „Nun gilt es aufzurütteln und aufzuwecken, den nicht Sehenden und nicht sehen Wollenden die Wahrheit zu zeigen! Dazu brauchen wir Mitstreiter! Wir brauchen einen Stab sreigemuter Kämpfer, die mit uns ringen um unsere Stellung, um unser Recht. Jeder an seinem Platze, jeder nach seiner Kraft, die Jungen, die eben voll froher Hoffnungen das Seminar verlassen, die Alten, die schon nimmer zu hoffen wagen! Ein neuer Gemeinschaftsgeist muß durch die Lehrerschaft fluten und muß sie verbinden. Er muß übergcehn auf andere, die still und unberührt bei Seite stehen oder gar bewußt sich abschließen oder indolent, müde und lässig geworden sind. Die Freunde des Lehrerftandes, die geistlichen und weltlichen Führer der Gemeinden, sie alle rufen wir zu einem Werke und zu einer Aufgabe, wie sie gleich wichttg und groß noch nicht an Bayerns Judenheit herangetreten ist: Gleichstellung der jüdischen Lehrer mit den Volkss chullehrern! Ein wahrhaft stürmischer und wohlverdienter Beifall wurde dem Redner von allen Seiten gezollt. Wie vorauszusehen war, schloß sich an das Referat eine ausgedehnte und lebhafte Debatte. Sachlich ergab sich aus derselben, daß die gegenwärtigen Zustände unmöglich weiter so bestehen können, und daß alle Mittel zur Besserung derselben versucht werden müssen. Dazu sei vor allem eine Organisation der jüdischen Gemeinden Bayerns nöttg, die sich lediglich mit finanziellen Fragen unter Ausschluß der religiösen zu befassen habe, des ferneren^sei bei der Staatsregrerung die Erhöhung des Minimalgehaltes von 200 fl. auf mindestens 1200 Mark zu beantragen. Es sei ja richtig, daß viele Landgemeinden an der Grenze ihrer Leistungsfähig-? keit angelangt seien, aber sehr viele: könnten sicherlich bei gutem Willen mehr leisten; bei diesen soll in geeigneter Weise die Leistungsfähigkeit festgestellt werden. .Bei den übrigen können danndurch den in Aussicht gestellten Zirschuß der Staatsregierung sowie durch ZuschHe des Landesvereinrs helfend Angegriffen werden. Me Lehrer sollten dahin wirken, daß sämtliche Gemeinden für den Landesberein gewonnen werden und bl demselben Vertretung finden. Folgerte Resolution wurde nun einstimmig angenommen: Die heute in Rothenb urg a. T. versammelte 29. Ge ne r a l v e rs a in mlnng des isral. Lehrervereins für das Königreich Bayern ersucht im Anschluß an einen Bortrag des Herrn Lehrers Dingfelder-Mjkn- Hen, welcher im wesentlichen Erläuterungen zu der ^Denkschrift über die soziale Lage der israelitischen Lehrer insbesondere der Religionslehrer Bayerns und Vorschläge zu deren Bess erstellung" gab, ihre Verwaltung an den „Landesverein" eine Kundgabe zu übermitteln, welche deutlich zum Ausdruck bringt, daß 1. der gesamte Lehrerverein sich mitdeninderDenkschriftniedergelegten Erwägungen und Forderungen einverstanden erklärt; 2. Der gesamte Lehrerverein in der Beseitigung der in der Denkschrift geschilderten Mißstände eine Notwendigkeit für den Bestand der Gemeinden und für-die A u f r e ch t e r h a l t u n g i h r e r i d e a l e n und religiösen Aufgaben erblickt; 3. der gesamte Lehrerverein die in der Denkschrift vorgesehene Lösung des Problems jeder andyrrr vorzieht. . Die Verwaltung wurde nun beauftragt, bei der am 9. September et. stattfindenden Ausschuß- Sitzung des „Landesvereins" die Interessen der jüdischen Lehrer und damit der jüdischen Schule im Sinne der Denkschrift zu vertreten. Der Referent ergriff nun das Schlußwort. Dieses klang in den begeisterten Worten aus: „Vertrauen wir darauf, daß wir erreichen werden, was erreichbar ist; glauben wir an das Recht und die Billigkeit unserer Sache. Es ist recht und billig und eine Pflicht der Judenheit^ uns zu helfen! In diesem Glauben werden wir siegen! Nach fünf arbeitsreichen Stunden vereinigsich nun die Teilnehmer zu ftohem Mahle. Fröhliche Toaste, gewürzt von Ernst und Scherz, wechselten in bunter Reihe. Der Unterzeichnete Schriftfüher hat mit seinem Danke an die gastliche Kultusgemeinde, welche die schön dekorierten Säle zur Verfügung gestellt, an die christlichen Kollegen, welche s» brüderlich an unserer Tagung sich beteiligt, an die Gäste von nah und fern und nicht zuletzt an den unermüdlichen Ordner der schönen Verfdirnitlirog, unseren sieben Kollegen HWrann, Nßr das ausgesprochen, was jeder im Herzen sich gesagt: Unter den 29 Versammlungen, welche rn bf« verschiedensten Städten unseres Bayernlandes getagt, war die Rothenburger eine der denkwÄrwürdigsten, unter allen aber die gemütlichste. Aron Mandelbaum, Würzburg,. Die konstituierende Generalversammlung dtK jPerews Aesevestrenerl Lehrer und KEnsVe» amter in Oftprerrtze«. Am Sonntaff, 25. Oktober, fand in Mnigbetg in Epsteins Hotel die erste Versammlung Öe8 „Vereins- ' ' ~' ‘ ~ " pn auS A Teilen 5er Provinz anwesend. Einige PtWieder waren leider durch KrarPheit am Erscheinen vrrhwbert. Auch viele Gäste wohnten den Verhandlungen bet. Der provisorische Vorsitzende, Herr Lehrer Wott, Königsberg, begrüßte die Versammlung und Wt« auf die Tendenzen des Vereins hin, der den Zweck vÄcfokße, unser überliefertes Judentum auch in OHrerchrn zuerhalten Hezw. wieder zur Geltung zu bringen. Upt di ' ° hohe Ziel zu erreichen, sei eS notweMg, Laß W »efimiungsgenoffey, in erster Linie die mtaiJJfert T" Gemeinden, sich zusamweNschließen, sich geg'i lehren und beraten, ermuntern und ermutigen. In Weiteren Berichte stellte der Borsttzache mir Bekriodigung fest, daß dem', Verein bereits 20 Mstalleöer b^getrtten Md. Herr Rabbiner Dr. Lieö^rmlmrWönigsbevg Mte auf Grund reichen Materials eingehend dffr, w«he Gefahren den religiösen Gemeindeinstttmivnen in heUtiKer Zettdrohen. Pur eine auf positiv-religiösen Pripztmm basierende und pofitiv-reltgim? Ziele versolgenhe MreiNtgNng von Lehrern und KultusbeaMteri vermag 'im Einvernehmen mit den GemeindevorftÄSm dett das wahre religwse hnmnAtdett^SVSvuMMM S*.7 ICIICU WC» uuywv^ll VWVII Grüßte ,i». geistreicher Weste erklärte er eine schwierige MidraschMle zum Btbelvers mkn indem er darauf tttwies^daß daS Wunderbare kan der ProduktionSktzaft der Erde viele zur Vergötterung der Naturkräfte versehet,, die durch die Thora Erleuchteten jedoch zur währerr Gottesetkenntnts und zur ttefstm Gottesverehrung ge hat. In jeder' Hinsicht bleibt UNS die Thöra die zuverlässige Führertn. Die Auftechterhaltung Ustd gung dieser jüdischen Ueberzeugung ist das vorne . Lebensziel eines jeden Jehudi, insbesondere das des jüdischen ReUgionslehrers. Ferner hielten Begrüßungsreden die Herren A. Aron,. S. M. Rabbinowitz und namens des „Verbands der Sabbathfreunde" Herr S. Kälbl. Der Vorsitzende verlas mehrere Begrüßungstelegramme. Hierauf folgte dys Referat des Herrn Wolkowski-Köntgsberg über Fortbildungskurse. Der Referent führte aus, daß derartige Kurse, die sich anderwärts bewährt haben, in Ostpreußen jedoch nicht existieren, dem jüdischen Lehrer, der Gemeinde und der Schule in jeder Hinsicht von hohem Nutzen seien. Unser Verein betrachtet es daMals eine feiner vornehmsten , Ausgaben, eine Fortbildung zu ermöglichen, die sich auf alle kulturelle, insbeßondhre rtttVTC? und kantorale Funktionen, sowie aus die pAagogische Tätigkeit des Rettgtonslehrers erttreckt. Der Vorsitzende teilte noch mtt, daß die erforderlichen Kräfte für die gute Sache bereits gewonnen find und derMrsus demgemäß schon in nächster Zeit eingerichtet werden soll. Diese- Mitteilungen fanden begeisterte Zustimmung. Es folgten Besprechungen über interne Angelegenheiten. Eine jj A! erfuhr Geltet um dc zu bri Unter durch befreit wiffen Schon hatte, ersten er ab« ihm e Rabbi in Ka Lehrer wechse den i Andal scheidr bandei denn babylc größte fand, Halack präzisi diese Dieser ersehet Berlol Höchst zwei r talmu! dann, bedeut Gefan war,r dort x Gaon Emir, er der höchste daß ei auserr möge ihr nr Gelieb schickt« ihm s fragen — er von l siedeln er erk! des G D« Fatim A er zu wieder