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Der Israelit · 1908-11-12 · Heft 45 (12.11.1908) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 45 (12.11.1908)
Date
1908-11-12
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Crzid^ung and Etel? Pid^go^iscf^c.ficii Die sonderbare Triedenspfeife. P Unser verehrter Herr Kollege in Magdeburg hat sich endlich bewogen gefühlt, aus der Briefkastenecke, von wo aus er seine Partherpfeile gegen uns gesandt, hervorzukommen und auf unsere früheren Ausführungen sachlich zu antworten, soweit es ihm eben möglich ist, sachlich zu bleiben. Er gibt die ehrenwörtliche Erklärung ab, daß ihm die beiden Rezensionen über bas Lehrbuch des Herrn Dr. Coblenz von den Verfassern aus eigener Initiative zugesandt worden seien und daß der „Verfasser des N. ll'.-Artikels einen persönlichen Grund habe, seine Anonymität zu wahren." Das Ehrenwort eines Kollegen, auch wenn uns derselbe soeben erst einer niedrigen Gesinnung geziehen und unsere persönliche Ehrenhaftigkeit bezweifelt at, genügt uns, und wenn auch unsere Behauptung, aß beide Rezensionen von „liberalen" Männern verfaßt seien, durch die ehrenwörtliche Versicherung des Herrn Steinhardt keineswegs widerlegt ist, so nehmen wir doch keinen Anstand zu erklären, daß nach obiger Darlegung von einem Manöver und einer absichtlichen Täuschung keine Rede sein kann. Wir begreifen jetzt auch recht gut, warum er mit seiner Erklärung so lange gezaudert. Die Tatsachen, die sie enthält, sind nämlich im höchsten Maße beschämend. Zuerst das eine, daß ihm die Rezensionen von den beiden Verfassern aus eigener Initiative zugesandt worden sind. Das ist, mit Verlaub gesagt, nichts anderes als eine Verfeinerung der mit Recht so übel beleumundeten Waschzettelinstitution. Der reguläre und einzig richtige Weg ist doch der, daß die Redaktion die Werke an Männer ihres Vertrauens zur Besprechung sendet. Das von unserem Kollegen eingeschlagene Verfahren -erinnert gar zu sehr an die Praktiken der Winkelblatter und steht einem Blatte mit den Prätentionen der „Bl. f. Erz. u. 11." recht schlecht an. Rezensionen müssen immer bestellte Arbeiten sein und gar bei einem Lehrbuch, bei dem zwei Seminardirekt'oren, der frühere und der jetzige Direktor des Seminars in Münster Gevatter gestanden, hätten wir eine sorgfältige und ringehende Prüfung als ganz selbstverständlich vorausgesetzt und nun diese leichtfertige und oberflächliche Behandlung einer solch wichtigen Angelegenheit! - ' * Wir begreifen, wie ^gesagt, daß es Herrn Steinhardt schwer fallen mußte, ein solches Eingeständnis zu machen. Konnten wir aber denn ahnen, daß solch blamable Zustände in her Redaktionsstube des Berbandsoraans herrschen und waren unsere Annahmen nicht berechtigt, solange Herr Steinhardt Alleinbesitzer des Geheimnisses von der seltsamen Herkunft der beiden Rezensionen war? Und in welchem Lichte erscheinen jetzt die Briefkastenanwürfe! Doch halt! Er bietet ja am Schluß seines Artikels „Keine neue Methode" die Hand zum Frieden! Das ist freilich auch eine recht seltsame Art, den Frieden einzuleiten. Er stellt sich als die verfolgte Unschuld hin. Nur zweimal — wenn ihn sein Gedächtnis nicht im Stiche lasse — habe er angreifen müssen — der Gute muß — sonst seien wir stets die Angreifer gewesen. Sein Gedächtnis, hat ihn wirklich im Stich gelassen und wir können Nachweisen, daß unsere polemischen Artikel fast alle der Abwehr galten. Ein Angriffsmonöpol können wir natürlich unserem Gegner nicht zugestehen. Als ferneren Beweis seiner Friedensliebe führt er an,, daß er die Vorzüge der Broschüre Dingfelders — seines Freundes! — neidlos anerkannt — der Brave! — und die Bestrebungen der Bayern unterstützt habe, trotzdem sie außerhalb des Verbandes ständen. Wir dagegen haben das schwere Verbrechen begangen, an dem Referate Andorns Kritik zu üben, eine sehr zahme nach unserer Ansicht, nach der des Herrn Steinhardt war sie äußerst gehässig. Auch sonst haben wir den Letzteren bei jeder Gelegenheit angegriffen, bis er endlich „deutlich" geworden sei. Wie man sieht, das Bild der Gracchen, die über Gewalt schreien. Dann bequemt er sich zu dem oben erwähnten Geständnis, gibt es uns anheim, unsere beleidigenden Verdächtigungen*) zurückzunehmen und erklärt sich dann auch seinerseits bereit, seine beleidigende Antwort zurückzunehmen. Fürwahr, eine sonderbare Friedenspfeife! Und nun unsere Antwort. Wir haben nach Kenntnisnahme des wahren Sachverhalts vorbehaltslos alles zurückgenommen, was Herrn Steinhardt kränken konnte, aber wir verzichten auf den Widerruf der schweren Ehrenkränkungen, die er sich uns gegenüber zu schulden kommen ließ. Der Leiter des Berbandsorgans kennt sich nämlich noch immer nicht aus in dem ABC der anständigen Journalisten, er weiß nicht zu unterscheiden zwischen kommentmäßigen und unerlaubtenWaffen. Ausdrücke wie „einseitige und gehässige Kritik, hämische Glossen, Intrigieren und Kulissenschieberei" und dergl. nehmen wir hm, ohne mit der Wimper zu zucken. „Wo man Holz haut, da fliegen die Späne". Ja, selbst „das religiöse Mäntelchen, das vorgeschoben (!) wird, um Zwietracht zu säen",' läßt uns kalt, obwohl darin eine bittere Kränkung liegt. Aber nie und nimmer werden wir unserem Gegner gemeine Motive wie „niederen Mammonismus" unterschieben, ihn niedriger Gesinnung ziehen, oder seine persönliche Ehrenhaftigkeit antasten, wie es Herr Steinhardt *) Das wären fie doch nur gewesen, wenn wir den Sachverhalt gekannt, oder wenn er klar zu tage gelegen hltte. uns gegenüber getan, getan unter stillschweigender Billigung des Verbandsvorstandes. Dieses Denkmal der Schande des Verbandes aus der Welt zu schaffen, haben wir absolut kein Bedürfnis. Wohl wissen wir, daß den Streit der Führer die Argiver zu büßen haben, aber das ist nicht der Weg zum Frieden. Wenn Herr Steinhardt nicht eine so große Scheu vor einem Schiedsgericht hätte — siehe die Breslauer Tagung — so würden wir Vorschlägen, unsere beiderseitige Tätigkeit als Schriftleiter einem solchen zur Beurteilung zu unterbreiten und von ihm ftststellen zu lassen, wer von uns beiden in der Regel der angreifende'Teil ist, wer die Standesehre schädigt und wer das zulässige Maß von Kritik überschreitet. Da aber leider noch keine Aussicht vorhanden ist, daß das Kriegsbeil endgültig begraben werden kann — um bei dem BUde zu bleiben — und unser Gegner anscheinend gewillt ist, noch viel „deutlicher" zu werden, so müssen wir uns bei Zeiten vorseyen. In einem Abwehrartikel ist uns in der Hitze des Gefechts die Wendung ent* schlüpft: „Uns persönlich mag er nachsaaen, wir hätten silberne Löffel gestohlen" (Israelit, Jahrgang 1906, Nr. 49); das war sehr unklug einem solchen Gegner gegenüber. Wir müssen deshalb mit Papa Wrangel sprechen: „Ick dementtere mir" und wir erklären aufs nachdrücklichste, daß wir jeden verklagen müssen, der uns ähnliche Dinge nachsagt. Das sind wir unsere rEhre schuldig. Discite moniti! Bilder aas dem dunkelsten Bayern. Unter diesem Titel schreibt uns ein Kollege: Sie haben es jüngst aufs schärsste verurteilt, wenn sich jüdische Lehrer bei ihrer Flucht in die Oeffentlichkeit an nichtjüdische Zeitungen wenden. Da müssen Sie uns wohl oder übel die Spalten Ihres gesch. Blattes öffnen.*) Es gibt des Interessanten so vieles aus Bayern zu berichten, keider ist es fast stets etwas Unerfreulichesnur zuwellen entbehrt es nicht eines komischen Beigeschmacks, oder vielmehr eines tragikomischen, wie gleich unser erstes Bild. Ist da in Oberftanken eine Religionslehrerstelle, die durch Versetzung des seit langen Jahren dort amtierenden Lehrers vakant wurde. Trotz mehrfachen Ausschreibens fand sich kein Bewerber, weil das Gehalt, das man dem Lehrer bot, lange nicht an das eines Briefboten, oder des.bei uns *) Das geschieht recht gern, auch auf die Gefahr hin, daß die Erörterungen über bayerische Verhältnisse für die nächste Zeit einen unverhältnismäßig großen Raum einnehmen, da eS fich hier um abnorme Zustände handelt, die nur durch eine freimütige und emgehende Besprechung beseitigt werden können. Die Redaktion.

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