Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1908)
- Date
- 1908-11-12
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israeli». «r. 45. Bette 10. 12.' November 19C8 let. Mit einem warmen Apell zur tatkräftigen Unzung der BerbandeS schloß der Redner fette Ausführungen, die mit, großem Beifav^aufgenommen wurden. Königsberg t. Pr., 29. Ott. Das hiefige OrtEkomitee der „Freien Bereinigung für die In trressen des orthodoxen Judentums" veran- Siltete am 25. d. M. eine öffentliche Versammlung, die folge der regen Beteiligung — eS waren gegen 400 Personen erschienen — einen imposanten Verlauf nahm. Nach den Eiöffnungsworten deS Borfitzenden, Herrn KonnnerztenraL Marx begann Herr Rabbiner Dr. Munk- Berlin, der einer Einladung seitens des Vereinsvorstandes Folge gegeben, feinen groß angelegten Bortrag über „Die f enwärtige Kulrurcpoche im Lichte deS gesetzeötreuen bentumS". Jedes Volk und jedes Zeittllter — so rte der Redner aus — hat seine besondere Kulturform, r den Charakter einer Epoche find diejenigen Kulturelemente bezeichnend, die im Vordergründe deS religiösen, wiffenschastlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens stehen. Daneben find auch stets Elemente aus anderen Kulturcpochen vertreten - durch eine bestimmte Konstellation wird die eine oder die andere Strömung vorherrschend. Als die wesentlichen Charakterzeichen der gegenwärtigen Kulturepoche könnte man den Naturalismus und den Nationalismus anfehen. Redner führte dann in meisterhafter Darlegung den Kantschen Gedanken von -er Unmöglichkeit der absoluten Erkenntnis der Dinge vor und warnte eindringlich davor, fich durch Halbwiffm und halbe Erkenntnis, die von gewiffer Sette als „geficherteS Resultat" der Forschung aui gegeben wird, von der Bahn der die Wahrheit enthaltenden Thauro ablenken zu lassen. — In einem Schlußwort wies Herr Rabbiner Dr. Lieb ermann auf die inneren Widersprüche hin, an -enm das „liberal-jüdische" Programm laboriert. — Es ist der Bereinigung wiederum eine Reihe von neuen Mitgliedern Veigetretm. Hannover, 30. Ott. Der 9. Rechenschaftsbericht beS „Israelitischen Vereins für Altersversorgung und Krankenpflege zu Hannover" Sr die Jahre 1906 und 1007 ist erschienen und dm iitgliedern zugesteüt worden. DaS AlterSversorgungshaus, bas zur Aufnahme von 12 Jnsaffm eingerichtet ist, war in dm Berichtsjahren unverändert mit 10 Personm belegtder Gesundheitszustand war Sei dm Alten ein recht günstiger gewesm. Eine Anzahl Aufnahme-Anträge mußten abgelehnt werden, teils auS Mangel an Platz, teils aus Mangel an Mitteln und öfters auch, weil die Statuten es nicht zulaffen, sieche Altersschwache aufzunehmen. Die Frequenz im Krankenhaufe des Vereins, daL zur Aufnahme von 28 Krankm eingerichtet ist, hat wiederum eine Vergrößerung erfahrendas HauS war während des größten Teiles der Berichtsjahre ' stets voll besetzt. Diese Anstalt erireut fich auch in nichtjüdischen Kreisen einer derartigen Beliebtheit, daß unter den ca. 450 Patienten des letzten Jahres ca. ein Drittel Juden und zwei Drittel Christen Ausnahme gewährt wurdeauch unter dm letzteren befand fich eine große Anzahl Krankenkassen - Patienten. Auch mehrere Nlchtjüdische Aerzte bringen mit Vorliebe ihre Privat-Patienten im BereinSkrankenhause unter, das fich eines ebenso Men Rufes bei Judm als bei Ehristm erfreut. DaS Ergebnis der Jahresrechnungen läßt leider zu wünschen übrig, indem die Rechnung — trotz Berücksichtigung größerer Schenkungen im Bettage von ca. 14000 Mk. — mtt einem Defizit von ca. 4000 Mk. abschlteßt. Pose«, 1. Nov. Der Verein dahier, versendet seinen Rechenschaftsbericht pro 1007/08. Achtzehn Jahre sind nunmehr verslosim, seit eine Anzaül strebsamer junger Leute fich zusammengetan, um unter bewährter Führung gemeinsam aus den ehrwürdigen Quellen unserer religiösen Nattonalltteratur zu schöpfen. Daß der Verein, für deffm Lebensfähigkeit selbst seine Begründer bange Befürchtungen hegten, nach Ablauf dieser Zeit noch besteht und, trotz mancher Verkennung seines Lohen Wertes, regeS Leben und heilsames Wirken entfaltet, daß er eS verstanden hat, die Anerkmnung und Beachtung wettester und angefehmer Kreise fich zu erringen, genügt, um seine Existenzberechtigung zu beweisen. Daß der Verein ein iebenSkräftiges Prinzip verfolgt, beweist die ttme Anhänglichkeit der Mttglieüer, und die stets fortschreitende Mttgliederzahl, die, ttotzdem nur attive d. h. regelmäßig mitternen de Herren angenommm werben, auf 63 angewachsen ist. Der Protettor des Vereins ist Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. W. Feilchenfeld- Ehrenmitglieder find die Herrm Rabbiner Dr. Silberberg in Schrimm und Diftttttsrabbiner Dr. S. Mannes in Schwabach. Auch das Inter esse an den Lehrstunden weist eine ständige Steigerung auf. Im Berichtsjahre wurden die 735 Stunden von insgesamt 5244 Teilnehmern besucht. Aber auch über diesen Kreis hinaus erstreckt fich daS segensreiche Wirken des Vereinsso wurde einerseits ein Baalei-Batttm-Schiur mit einer Durchschnitts - Beteiligungsziffer von 10 Herren eingerichtet, andrerseits ein KreiS von jungen Damen mit der erfreulichen Zahl von 30 Teilnet.mertnnen gebildet, die im Anschluß an die Organisatton der Beschäftigung mtt unsem an Gedanken und Form so herrlichen Lueraturschätzen obliegen. ES sind auch bereits in einigen Städten auf Anregung und nach dem Muster des pfl?^ O’Tlöb ähnliche Vereine entstanden. Auch die vom Vereine veranstalteten Vortragsabende wurden von einer stattlichen Anzahl Gemeindemitglieder — Damen und Herren — besucht. Die Beteiligung war so stark, daß vielfach der von dem Gemeinde-Vorstand zur Verfügung gestellte alte Sitzungssaals stch als zu klein erwies, un» dafür der neue Repräsentanten-Sitzungssaal gewähtt werden mu6te. Mit besonderem Beifall wurde der eingerichtete Kursus: «Grundgedanken und Bestimmungen der jüdischen Pflichtenlehre" unter der Lettung deS Herrn Rabtiyer Dr. Wiefchner-?amter, ausgenommen. Die BiereinLbiblivthek ist im BeriätSjahre auf 896 Bände, meist wissenschaftlichen Inhalts angewachsen. Sie erfreut sich einer regen Beteiligung auch von Setten der Nichtmitglieder. Die Zahl der Cntleihungen ist im Berichtsjahre l.uf 286 gestiegen. Personalien. Grostzimmer«, 1. Nov. Unter außerordentlich großer Beteiligung der Etnwohnerfthast Großzimmerns und der Nachbargemeinden fand am Samstag, den 24. Ottober, die überaus wohlgelunzene Feier des 25 jährigen AmtsjublläumS des Herrn Zehrers Spier statt. Den GlanUmnkr bildete die Feier in ber Synagoge, in der dem Jubilar, der reich beschentt worden war, durch den Borstand eine kostbare Adresse überreicht wurde, wobei der letztere die Verdienste des Lehrers, um die Gemein e rühmend hervorhob. Darauf folgte eine längere Ansprache des Herrn Schulrat Gunderloch aus Dieburg, der seine Glückwünsche darbrachte und auf bas selten innige Verhältnis zwischen Gemeinde und Beamten hinwies. Mit dem Wunsche, daß der Jubilar noch lange in gleicher Weise der Gemeinde erhalten bleiben möge, schloß er. Tiefbewegt bettat hierauf der so Geehrte die Kanzel, wo er zuerst seine Gefühle deS innigsten Dankes zum Ausdruck brachte und dann in einem Rückblick auf die 25 Jahre seiner Amtterung betonte, wie er mit der Gemeinde in der seine Bemühungen so viel Entgegenkommen gefunden härten, verwachsen sei. Am Abend ergriff u. A. auch Herr Beigeordneter Michel das Wort und feierte die Verdienste des Herrn Spier um den konfessionellen Frieden in Großzimmern und schloß mit einem Hoch auf den Jubilar. Hervorzuheben ist noch, daß Herr Rabbiner Dr. Marx in Darmstadt in einem Glückwunschschreiben den Jubilar durch die Verleihung des *"DIT Titels ehrte. Kitzinge«, 4. Nov. Herrn Rabbiner Adler wurde anläßlich seines 40jährigen Amlsjublläums, worüber wir bereits ausführlich berichteten, seitens des Magistrats und des Gemeindekollegiums der Stadt Kitzingen ein prachtvolles Bild, darstellend die Stadt Kitzingen mit besonderer Hervorhebung der Synagoge, nebst einem sehr ehrenden Begleitschreiben überreicht. A. S. Cannstatt, 8. Nov. Am jüngsten rOtP feierte Herr Privatier Jakob Kops mit seiner Gattin in geistiger und körperlicher Frische das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar war lange Jahre Synagogendiencr in hiesiger Gemeinde. Durch Pfltchttteue, Fleiß und Bescheidenheit hat er es verstanden, fich eine geachtete Stellung zu erwerben, dafür war auch die Anteilnahme der ganzen Gemeinde an ihrem Ehrentage ein beredtes Zeugnis. Djc Söhne des Jubelpaares feierten den Tag durch Anlegung einer Stiftung von 4«.00 Mk., deren Zinsen Armen und Bedürftigen zufallen. Mögen dem Jubelpaare noch recht viele Jahre ungettüblen Glückes gegönnt sein. Wiesenfeld, b. München 5. Nov. Am Mittwoch iTOftTD 'Ö entschlief hier nach kurzem, aber schwerem Leiden eme mp* NVK, Frau Flora Adler geb. Hanauer im Alter von 36 Jahren, nach 0 jähriger, glücklicher Ehe. Die Verstorbene war eine St! NVA im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr ganzes Leben war eine fortgesetzte Betätigung von flTXtt- Aus echt altjüdis em Hause stammend, hielt ste auch alS Frau, die ihr im Elternhause etngepflanzten jüdischen Grundsätze hoch. Kein Armer verließ ungettöstet ihre gastliche Schwelle. Welcher Wertschätzung die edle Heimgegangene fich in weitem Umkreise zu erfteuen hatte, zeigte fich bei der Beerdigung, die eine Beteiligung aufwies, wie es Jahre vorher nicht mehr der Fa t war. Den 2LON hielt Herr Lehrer Becholer aus Aschbach, ein Schwager der Verblichenen. ♦n"3aun Prag, 5. November. Am 2. Novemberß^verschied hier die wegen ihrer fast sprichwörtlich gewordenen Wohltätigkeit hochgeschätzte Frau Charlotte Angel, Witwe des bekannten Menschenfreundes, Herrn S. Angel. Sie war nicht nur durch eine Reihe von Jahren Vorsitzende deS israel. Frc.uenvereines „Noschim ZtdkoniauS", sondern auch teils Mitglied, teils Vorstandsmitglied der meisten hiesigen jüdischen Wohltätigkeitsvereine. Die Beliebtheit, deren sich die Verewigte in allen.Kreisen eifreute, fand ihren Ausdruck in der großartigen Beteiligung, bei der am Donnerstag den 5 stattgesundenen Beerdigung. Nicht nur alle Rabbiner und Kantoren, sondern auch Vertreter der Gemeinde und der jüdischen Vereine und eine nach Tausenden zählende tief bewegte Menschenmenge begleiteten die edle Frau zu ihrer letzten Ruhestätte. Im Badhofe ttug Oberkantor Herr Leo Mirsky die üblichen Trauerpsalmen vor, worauf der Rabbiner Herr Dr. Schwarz in ergreifender Rede ein Lebensbild der Entschlafenen entioute. Auf dem Friedhofe hielt der Oberrabbiner Herr Dr. Ehrenfeld, ferner Herr Dr Duschenes namens des iSrael. Nächstenlietevereines und H. David Lieben namens der BeeidigungLbrüderschast warm empfundene Nachrufe. Ehre ihrem Andenken 1 Sprecbraal. Jüdische Studeutenverbirrdrmge«. Zu dem Leitartikel „Jüdische Studentenverbindungen" in Nr. 42 fei mir folgende Bemerkung gestattet. Der Verfasser h.t in interessanter und leicht verständlicher Weise die verschiedenen Korporationen der jüdische» UniverfitätSstudenten geschildert und mit Recht ausgeführt, daß für gesetzestteue Herren nur der Etuttttt in den 8. 1. A. empfehlenswert fei. Für diesen sollten alle orthodoxen Kreise werben und ihren Einfluß geltend machen. Ergänzend erlaube mir nun anzufügen, baß zur Hebung und Erstarkung dieser Bereinigung nicht erst bet der Akademie begonmn werden darfsondern schon im Gymnasium. darauf hingearbeitet werden muß. Wie sollten die Abiturienten warmeS Interesse und Verständnis für die hohen und heiligen Ziele des 6. 1. A. empfinden, wenn ihnen während ihrer ganzen Gymnafialzett die geeigne Vorbereitung hiezu mangelt? Wie kann ste der offizielle Bereinöschiur fesseln, wenn ihnen die unbedingt nötigen Borkenntnisse hiefür fehlen? Zwei Stunden Religionsunterlicht in der Woche, was vermögen die für» „Thoralehren und -lernen" zu erreichen? In ganz Bayern ist mir nur eine einzige Mittelschule bekannt, in der neben den Pflichtstunden noch gediegener Unterricht in HStPÖ KlpÖ und tflöJ erteilt wird. Es ist dieS da» unter vortrefflicher Leitung bei Herrn DistriktSrabbtner» Dr. Mannes stehende Talmud-2Hora-Institut zu Schwabach, das sämtlichen dortigen Gymnastasien einen reichen Sämtz von Thorakenntnis übermittelt und außerdem, was Hauptsache ist, die Schüler mit ernster religiöser Gesinnung und Charakterfestigkeit ausstattet. Geradezu ttaurig muß man es nennen, daß in keiner andern Trabt eine ähnliche.. Vorsorge getroffen ist, wodurch den Zöglingen der Mittelschüler Gelegenheit zu.TIIFH gegeben wäre. Selbst in dem „alten" Würzburg, wo es an nicht fehlte find die Gymnastasien und Realschüler in dieser Beziehung verwaist. Hier liegt meines Erachtens de» Uebels Wurzel und da müßte in erster Lmie verbessernde Hand angelegt werden. Dann besäße man die wirkungsvollste und lebendigste Werbetrommel für den 6. J. A. und die jungen Leute würden fich sehnen, dieser Körperschaft beizutreten als einer 2'VV DET? KVTtP JTDÄ3 D^prirn NL1O1. L. e. Qereinskalender. Verein Mekor-Chajim, Samstag, 14. Novvr., Nachmittags 3'/« Uhr, Mikro-L>orttag des Herrn Gustav Ansbacher. — Sonntag, 15. Novb.r, Nachmittags 6 Uhr, Vorlesung des Herrn Julius Hirsch aus „JefajaS". Jüdischer Frauenverein e. B. Montag, 16. Nov., abends 8% Uhr, im Hörsaale ber Israelitischen Religionsgesellschaft, Schü enstr.12: „Einiges ausderPsycholo^ie und Pädagogik" III., aus Grund von Kanketett „Unsere Lieblinge in Schule und Haus." Herr Dr. med. Alb. Feuchtwanger. — Mittwoch, 18. Nov., abends 9 Uhr, in der Realschule: „Lektüre und Erläuterung de» Buches Hiob". Dir. Dr. Lange. Vereinigung zur Pflege jüdischer Letbensanschauung '22k Mittwoch, 18. November, abends 9 Uhr, im Vereinslokale Schützenstr. 2, Borttag des Herrn Prof. Dr. A. Sulzbach: „Bettachtungen über Pädagogik des Talmud". — Samstag, 14. Nov., mtttag» 12—1 Uhr, tat Hörsaale bet Synagoge Friedberger Anlage: Kommentar-Kurfu» unter Leitung des Herrn L. Schachnowitz. Briefkasten. S. R in F. Wir find für den Inseratenteil nicht verantwortlich. Ein Mizwos-Jäger. ES handelt fich natürlich nm einen Druckfehler. Es wird unS jedoch auch dieses Gebot, wohl mit anderen Worten, oft genug ans Hergelegt. Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit. S. D. in '. Sie erhalten Brief. A. E. in H. Ihre Bemerkung ist durchaus berechtigt und findet eine Bestätigung im Kommentar zum Pentateuch von S. R. Hirsch y'jfl. Montefiore Schwab ach. 3 Mk. durch Herrn Rabbiner Bamberger, Sennhetm, ihrer Bestimmung überwiesen. B. F. in Pr. Die Entscheidung wird demnächst getroffen. A. S. in C. DaS Gedicht ist leider für uns unverwendbar. S> P. in Pr. Es ist uns unmöglich, noch näher auf die Sache einzugehen und einer Polemik rein persönlicher Na ur in unserem Blatte Raum zu gewähren. B. M. in K. Die Karaiten gehören der jüdischen BoltSgemeinschast nicht an. Sie hab.n fich auch, wie unser russischer Korrespondent wider ivlt mitteilte, bei gegebener Gelegenheit nichts weniger als judenfreunblich gezeigt. Ihr Hauptsttz ist in Südrußland und auf der Krim-Halbinjel. Näheres über daS Leben und die Bräuche der Karaiten finden Sie in JHiÖ PDD von E.Detnar d und in dem jüngst erschienenen hebräischen Werke "fTD von Rüben Fahn (Verlag Axeerodin Halte-, Galizien).