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Der Israelit · 1908-11-12 · Heft 45 (12.11.1908) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 45 (12.11.1908)
Date
1908-11-12
Page
– (sequence 21)
Language
German
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\£il Nodtznbtt tttzK. ■ v ** :■ .. ' Der JSraelit. NctztLMns. Jaffa, 30. Ökt. Währenddes letzten Laubhüttenfestes fand das Fest der Gründung der neuen Kolonie „Ain-Ganim" (Gartenquelle) statt. Diese Kolonie grenzt an die Kolonie Pethach- Titwah, von der sie nur zwanzig Minuten entfernt ist, und stellt einen neuen Typus unter den jüdischen Kolonien Palästinas dar. Begründet wurde Ain-G.inim vom Odeffaer Komitee mit Hilfe einer Anleihe vom jüdischen Nationalfond auf Anregung einer Gruppe von Arbeitern als Arbeiterkolonie, deren Mitglieder durch Arbeit auf fremdem Boden (in Pethach-Tikwah) und Bewirtung ihres eigenen kleinen Grundstückes ihren Lebensunterhalt finden sollen. Der Besitz eines jeden einzelnen beträgt 15 Dunam, von denen vier für Straßen, Wege und gemeinsame Kvlonieplätze abgehen, ein Dunam für das Haus und 10 Dunam am Hause zum Anbau von Gemüse dienen sollen. Der Boden wird in 18 Scchren abgezahlt werdenfür Errichtung eines auses hatte jeder Arbeiter aus eigenen Mitteln zu. sorgen. Der Brunnen (von 19 m Tiefe) ist vor einigen Wochen fertig geworden - durch einen Motor wird das Waffer in ein hochgelegenes, großes Bassin geleitet und soll später, wenn eine Wasserleitung angelegt wird, von dort aus durch Röhren in die Häuser geführt werden. Die Kolonie liegt auf einer Anhöhe mit einer hübschen Aussicht auf die Berge Judas und 'Ephraims. Tunis. Tunis, 15. Oktober. Seitdem die französischen Truppen und besonders die Tirailleurs von Tunis nach Marokko abgerückt sind, haben die Juden vor den Angriffen der Soldaten weniger als früher zu leiden. Man hofft, daß auch wenn das Regiment wieder zurückkehren wird, die militärischen Behörden, besonders an die Tirailleurs das strenge Verbot ergehen lassen werden, die Juden mit den Bajonetten anzugreifen. Diesem bisher geduldeten Unfug sind sehr viele Juden zum Opfer gefallen. Leider sind die Tirailleurs nicht die einzigen Judenfeinde hier. Auch die Malteser haben ihre Feinseligkeiten nicht aufgegeben. So zogen vor kurzem die Mitglieder des „Englischen Club", der aus lauter Maltesern zusammengesetzt ist, unter Rufen „Nieder mitden Juden" mit Messern gegen Juden. Es entstand ein Handgemenge, in welchem der Präsident des Jüdischen Sportklubs, A. Cohen einen gefährlichen Messerstich erhalten hat. Hauptschuld an der gehässigen Haltung der Bevölkerung gegenüber den Juden trägt der Umstand, daß die französische Jurisdiktion "sich auf die Juden von Tunis nicht erstreckt und diese daher der Willkür der muselmännischen Behörden ausgeliefert sind. Einer der Vorkämpfer für die volle Gleichstellung der Juden in Tunis ist der Redakteur der Zeitschrift „La Justice", Mardoche Smadja, der als Mitglied des jüngst in Paris abgehaltenen nordafrikanischen Kongresses grosses unter großer Aufmerksamkeit der Kongreßmitglieder in längerer Abhandlung auf die Unhaltbarkeit der Zustände in Tunis hinwies und für die Erstreckung der französischen Jurisdiktion auf die Juden plaidierte. Tripolis, 30. Okt. Der hier herrschende Judenhaß, zeitigt, begünstigt durch die grenzenlose Korruption in den hiesigen Beamtenkreisen, zuweilen sonderbare Blüten, von denen unsere Brüder im Westen doch noch keine rechte Vorstellung haben. Im nahen Quasie wurden durch Feuersbrunst einige Häuser verwüstet, darunter auch das Haus des jüdischen Kaufmanns Chachman ben David, das zufällig, im Gegensätze zu denen der völlig sorglosen Muselmanen, versichert war. Einer der Betroffenen, namens Ragab machte es sich zur Aufgabe den Brandstifter ausfindig zu machen. Er lenkte zunächst den Verdacht auf einen Christen italienischer' Nationalität, der aber mit gutem Erfolge die tilfe seines Konsuls anrief, so daß er von den ehöroen ungeschoren blieb. Nun beschuldigte Pstaüb deft genannten Chchhman und noch zwei Juden, die bei der Katastrophe ebenfalls ihre Habe emgebüßt, der Brandstiftung. Sofort fanden sich einige muselmanische Zeugen, die alles haarklein gesehen und gehört haben wollten. Eine Gruppe von Muhammedanern, die dieBestechung und Bearbeitung der Zeugen mit angesehen hatten, erhoben dagegen lauten Protest. „Sie sollen ja nur gegen Juden zeugen!" beruhigte sie Ragab und sie gaben sich zufrieden. Bor Gericht konnte nun Chachman in einer dem Kadi befriedigenden Weise sein Alibi Nachweisen, die anderen zwei Juden wurden ins Gefängnis geworfen. Die jüdische Gemeinde hat telegraphisch in Konstantinopel um Hilfe ersucht. vermkcbm. Frankfurt a. M., 10. Nov. Gegenwärtig weilt hier der Vertreter der Jasfaer Handwerkerschule „Schaare Thora", über die wir wiederholt Rühmliches berichten konnten. Wir möchten denselben auch jetzt dem Wohlwollen unserer Glaubensgenossen bestens empfehlen.“*v' s. Berlin, 5. Nov. Die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem hat Kollektionen ihrer Erzeugnissewelche Filigran-Arbetten in Silber, DamaSMs-Arbetten in Bronze, Btlderrahmen, kleine Teppiche oder Kissenplatten enthalten, zum Preise von 25,50 Mk. zusammen gestellt, welche sich besonders zum Verkauf oder zu Verlosungen bet Bereinsfeiern eigncn.'D ja* _ ' { «Straßbürg, 3. Nov. Das israelitische Konsistorium hielt gestern nachmittag eine Sitzung ab, in welcher an Stelle des zurückgetretenen Prästdenten Lazare Lantz aus Mülhausen Bankdirektor Laeien Mannheimer aus Colmar zum Prästdenten des O. erelsäsfischen Israelitischen Konststoriums gewählt wurde. Hamburg, 2. Nov. Das israelitische Hilfskomitee hat 20 Rückwanderer unter seinen Schutz genommen, die mit dem Hamburger Dampfer „Portia" von London hier zurückgekommen find.A Breslau, 2. Novbr. Am Sonnabend nachmittag entstand im Israelitischen Krankenhause durch Explosion ein Brand, bei welchem die Lehr-Schwester Ucko, die löschen wollte, so schwere Brandwunden erlitt, daß fie in der Nacht zu Sonntag ihren Verletzungen erlag _ « Memmingen, 3. Novbr. In Anwesenheit des Bürgermeisters Hofcat Scherer, des Landtagsadgeordneten Hofstätter, Vertreter der städtischen Kollegien, sowie eines zahlreichen Publikums fand gestern die feierliche Grundsteinlegung zur hiesigen neuen Synagoge statt. Die Festrede hielt Distriktsrabbtner Dr. Cohn von Jchenhausen. Hb "Prag. 4. Novbr.PDer Borstand der israelittschen Beerdigungs-Brüderschaft hat beschlossen, um der Feier des sechzigjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers würdigen Ausdruck zu verleihen, vom 3. Dezember 1908 angefangen, alljährlich an diesem Tage 100 Kronen an würdige, bedürftige Beretnsmitglieder zu verteil«». W Noaogrodsk (Gouv. Minsk), 1. Nov. Am Jomktppu r entstand währendes Gottesdienstes hier durch eine Wachskerze in einem Hause Feuer. Die Synagoge leerte fich, als dort die Krmde eintras, ohne Zwischenfall. Bald standen aber zwei Häuserreihen in hellen Flammen, denen gegenüber die herbetgeeilte Feuerwehr fich als ganz machtlos erwies. In wenigen Stunden waren 35 Hauser urrd Läden mit ihrem ganzen Inhalte, die die ganze Habe der Betroffenen ausmachte, bis auf den Grund eingeäschert. Es ist bas zweite Mal in diesem Jahre, daß das Städtchen von verheerendem Brandunglück betroffen wirb. Uerein$we$eii. Araukfurt o. M., 12. November. Ter dritte Vortragsabend der Vereinigung zur Pflege jüdischer Lebensanschauung am Mittwoch, 11. ds. nahm einen sehr animrerten Verlauf. Redakteur S. Schachnowitz referierte über das Thema: „Der Jargon und seine Litera tur". Von der gewaltigen einigenden Kraft der hebräischen Sprache und ihrem Einfluß auf das Volk in der Zerstreuung ausgehend, verbreitete sich der Redner über die Entstehung und Entwicklung des Jargons. An Hand von Proben und Beispielen suchte er die Eigentümlichkeiten dieses Tialektes zu charakterisieren, um aus manche urwüchsige Schönheiten desselben aufmerksam zu machen. Die Vertreter der heutigen Jargon-Literatur schildert der Referent als äußerst talentvolle Männer, deren Wirken trotzdem nichts weniger als ein beilbringendes war. Jnsbesoirdere die Schriftsteller und Dichter P e r e z, Reisen, Asch und Rosenseld, deren Werke der Redner einer eingehenden Kritik, unterzog, hätten ^urch ihre geist- und .gemütsvolle Schöpfungen dem Ghetto wenig Erhebendes und Erquickendes gebracht, ihm dagegen vieles genommen, Glauben Und Hoffnung, Licht und Sonnenschein, und alles, was den alten Ghetto- Sette 9 Ro. 45 sasaasssasscssassssssssssssss i, ' ... juden Jahrtausende hindurch Halt und Stütze bot. Der Redner protestierte gegen den Beschluß der Konferenz in Czernowitz, der den Jargon als „N a t i o n a 1sp rache der Juden erklärte; und trat für die Schaffung einer gesunden BolKliteratur im Jargon ein. Sache der Gesetzestreuen in Rußland müßte es fein, jetzt an die Lösung dieser Aufgabe herarysutreten ur»d Pflicht der deutschen Orthodoxie, ihr die nötige moralische Unterstützung angeoeihen zu lassen. Ter Vortrag, der mit gespannter Aufmerksam^ keit angehört wurde, rief eine sehr lebhafte Diskussion hervor. Eine Reihe von Fragen wurde gestellt und viele Anregungen und Ergängungen zeitigte die Debatte, an der sich die Herren A. M. Sch war zs ch i l d, Leopold Oppenheimer, Julius L e v t n, H. Eisenmann, Perlmutter und Kohn eifrig beteiligten. , Mit dem Beginne des Wintersemesters haben rmn auch die periodischen Lehrkurse der Bereintgung angefangen. Am letzten Sabbat nahm nun Herr Dr. Bondi seine Vorlesungen über die Neunzehn Briefe wieder auf, die nach dem Besuch des ersten Bortrages zu urteilen, sich auch diesen Winter einer regen Beteiligung erfteuen werden. Herr Redakteur Schachnowitz hat seinen Kvmmentarkursus bereits am Sabbat nj 'S begonnen. Es kann unseren lehrbegierigen jungen Leuten nicht genug ans Herz gelegt werden, auch diesem Kursus, der vielversprechend begonnen hat, das nötige Interesse zuzuwenden. Frankfurt a. M., 9. Nov. Am Montag ben 8. d fand aus Veranstaltung der hiesigen Zionistischen Bereinigung in der Llederhalle eine imposante Versammlung statt. Die Tagesordnung lautete: Aktuelle Fragen aus dem jüdischen Gemetndeleben und der Referent, Herr Martin Levigard verstand es, seine Zuhörer, auch dir in großer Zahl erschienenen Ntchtzionisten zu fesseln. Der Redner ging besonders auf die neugegründete Liberale Bereinigung ein und beleuchtete ihr widerspruchsvolles Programm an der Hand v eler Beispiele. Er verbreitete sich -arm über die unfüdische und allen Begriffen der Toleranz und des wahren Liberalismus Hohn sprechenden Tendenzen, die besonders bei der jüngsten Phtlantropin-Feicr zu Tage traten. Der Redner hob noch ganz besonders die anl.ß ich der Gründung der Bereinigung gemachten Ausführungen der Herren Justizrat Dr. Auerbach urw Rabbiner Dr. Selig mann hervor, um dar zutun, wohin die Bestrebungen der Herren zielen, und weiche Schäden und Gefahren dem Judentum von denselben drohten, nicht dem gesetzestreuen Judmtum, das dadurch nur an Kraft und Befestigung gewinne, sondern der jüdischen Gesamtheit, in deren Namen der Zionismus sauten Protest erheben müsse. Die Ausführungen der Redners entsprachen den Tatsachen und seme I arstellung war durchwegs wahrheitsgetreu, lieber die Schlüsse, die er aus denselben zog, liehe fich allerdings noch streiten. Doch war der Eindruck des Ganzen ein vorzüglicher. Eine Di kusfion schloß fich, trotz der wiederholten Aufforderung des Borfitzenden, Herrn Goitein, nicht an. , Hamburg, 3. Nov. Am Dienstag, 27. Oktober fand die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des „BeröandeS der Sabbatfreunde" statt. Der Borfitzende, Herr M. Jacobsen, berichtete zunächst über das abgelaufene Geschäftsjahr rmd über das Programm des letzten Delegiertentages in Berlin. Aus der vielseitigen Tätigkeit des Verbandes seien nur einige Punkte hier hervorgehoben. Ein sehr wichtiges Arbeitsfeld ergab fich gelegentlich der geplanten Neuordnung der Sonntagsruhe. Der Zentralverband wurd' bet den in Betracht kommenden Behörden vorstellig, während die hiesige Ortsgruppe zusammen mit dem JSiaelitischen Stellenvermittlungs-Verein mehrfach ihre Tätigkeit entfaltete, indem fie bei Senat und Bürgerschaft Eingaben um besondere Berückstcktigung der Geschäfte machte, die am Sormabend geschloffen halten. Wenn nun auch die retchsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhe vorerst vertagt ist, so »otrd über kurz oder lang diese für alle Sabbaifreunde so wichtige Frage doch wieder zur Sprache kommen und unsere evt. Aufmerksam! ett erfordern. Die ziemlich komp izierten Borarbeiten für daS geplante Kreditinstitut find nun soweit gediehen, daß dessen Gründung vor einigen Woch.n vor sich gehen konnte. Die schon seit einigen Monaten schwebenden Verhandlungen wegen Errichlune einer Brockensammlung (Peah) werdm voraussichtlich in nächster Zett zum Abschluß gelangen, nachdem ähnliche Institutionen des Verbandes in anderen Großstädten bereits gute Resultate aufzuweisen Haber». Der von dem Schatzmeister erstattete Kassenbericht wurde genehmigt und die statutengemäß ausscheidenden Herren A Auerbach, C. Kleve, M. Flörsheim jr. wurden einstimmig w ledergewählt. Nach Erledigung dieser Tagesordnung referierte Herr Dr. Arthur Kahn a»»s Berlin in einstündigem Bortrage über das Thema: „Ardettsaufgaben in der Stadt und auf dem Lande." Der Redner führte aus, wie sehr die „Lan stuckt" speziell der gesetzestreuen Judenheit zum Schaden gereiche und hält es für notwendig daß auf dem Lande eme Jugend im Sinne des Verbandes herangezogen werde. Auch für die Heranbildung eines leistungsfähigen jüdischen Handwerkerstandes müsse mehr getan w rden. Eingehend berichtet der Redner sodann üder seine Erfahrungen bei der Berliner „Peah", die schon nach kurzem Bestehen gute Erfolge zeittge, ohne mit den bestehenden drei nt r-tjüdiichen Brockensammlunge» zu kollidieren. Er ist der Anficht, daß auch für Hamburg fich ähnliche Resultate erzielen lasten und daß fich auch hier ein ausfichtsreicheS Arbeitsfeld für die Ortsgruppe

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