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Der Israelit · 1908-11-12 · Heft 45 (12.11.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 45 (12.11.1908)
Date
1908-11-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'r* ■«■_v - «r. 45. Der JSraeM. Grundprinzip des Judentums mit dürren Worten verleugnen, und den Bekenn ern deS historischen Judentums! Wir fragen ferner: Ist es nicht ein Hohn auf die Wahrhaftigkeit jeder religiösen Ueberzeugung, wenn angesichts s o lch er Gegensätze ein einheitlicher jüdischer Lehrerverband jüdisch-religiöse, pädagogische oder methodische Kragen — hier handelt es sich um einen Beitrag zur Methodik — einheitlich lösen und den Behörden und der Welt gegenüber vertreten soll? Und wir fragen endlich: Wie soll angesichts der traurigen Perspektiven, die der Falkenbergsche Bortrag auf die religiöse Entwicklung der Lehrerschaft eröffnet, jemals von einer Zentralkasse für Zwecke des Religionsunterrichts die Rede sein können? Kann man vom Standpunkte der Gewissenfreiheit einem gewissenhaften Juden zumuten, mit seinen materiellen Mitteln — wie gering sie auch seien — zur Besoldung von Männern beizutragen, die in ihrer Eigenschaft als Jugendbildner die jüdische Jugend der vollendeten Leugnung der jüdischen Religion in die Arme treiben? , Es ist schmerzlich, diese Fragen stellen zu müffen, schmerzlicher noch, daß ihre Tragweite nicht in allen Kreisen mit genügender Klarheit erkannt wird. Um so mehr ist die Presse verpflichtet, bei jedem Anlaß auf diese Grurrdprobleme unserer innerjüdischen Politik hinzuweifen. .'W 'EWI 'W Von Bar Menachem. Der Tischrimonat ist längst dahin. Einen Kranz herrlicher Festtage brachte er uns, die ganze Leiter menschlichen FühlenS und Empfindens berühren-, vom tiefsten Lebensernst bis zur Heidersten Daseinsfreude. Nu« find wir nn düsteren Spätherbst mit feinen Nebeln und Schatten angrlarmt, den sicheren Borboten des nahen Winters. Da treffen wiederum jene Töne unser Ohr, die wir in den frühen Morgenstunden der NIN^O-Tage verntchstlell. Wir begehen die n! 'isrttfn 'rv. Wir erfahren über nordnung her Weifen f. A. Folgendes : »Nach Hem Pefüchwie nach dem Laubhutter'' yüt man den Gebrauch, an einem MvUtage, darauffolgenden Donnerstage und Mpdernüchsten Montage zü saften. Am ersten Sabbat nach ftattgehabtem Neumonde werden die Fasttage „?? . . . Ist Ihre Schwester Jüdin geworden?" „Nein! Aber mein Schwager ist Vorsteher der Sischeu Gemeinde in Sundsvall . . . . llebrigens en wir hier nichts „Juden", sondern „israelitischen mbeys"-- „Juden" sind nur die, die auf dem Lande hernmgehen und Sachen verkaufen. . . — Wie klein ist doch bi« Welt! Ms wir bei den Strählen der untergehenden Sonne in den Hafen von Sundsvall eirtfuhren, rvar mir's, als wehte Berliner Luft Herüber..." (Einwanderungsstatistik.) Bon Januar bis September 1908 wanderten in Newyork ein: 1908 1907 Januar 4889 gegen 6366 Februar 3685 „ 5802 März 4095 „ 6741 April 2920 „ 3215 Mai 2485 „ 16337 Juni 3448 „ 1180? Juli 4349 „ 12025 August 3737 „ 13526 zusammen 29638 gegen 75886 Die Auswallderung im laufenden Jahre hat somit bis 1. September nur 40 Prozent der Auswanderung im gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen. (Eine jüdische Abteilung im amerikanischen Aationalmnfenm,) Das Nationalmufeum der Bereinigten Staaten besitzt eine große Sammlung jüdisGr Kultusobjekte, die jetzt gesichtet und in einer eigenen Abteilung des Museums untergebracht wurden. .Das Museum ließ über diese Gegenstände von den Mischen Gelehrten Dr. Eyrus Adler mrd I. N. "-sanomcz einen separaten Katalog anfertigen, in Mb - - längere Zeitdauer, in der wir uns der Festesfreude Hingaben, leichter zu Gesetzesübeistretungen kommen konnten. Ist doch für uns' schwache Menschen — wie ein geflügeltes Wort es ausspricht — „nichts schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen." In der Freude, wie im Glück überschreitet mancher umso leichter die Schranken des Erlaubten. Die Weisheit der Altvorderen ließ darum auf das Paffa- und Hüttenfest ein dreitägiges Fasten zur Sühne folgen. Eine Analogie für diese Bußetage wird zudem,in der Geschichte Jjobs gefunden. Die Bibel* erzählt uns von dem frommen Dulder, daß er jedesmal seinem Gotte Sühnopfer dargebracht, nachdem seine Kinder große und prunkvolle Gastmähler abgehalten. Hiob hegte die Befürchtung, bei solch freudigen Fammenfesten könnte der sittlich-religiöse Ernst verletzt worden sein, den Gottes Wort allezeit von seinen Bekennen fordert. — Wieder andere begründen unsere Fasttage mit dem Hinweis auf den dermaligen Wechsel der Jahreszeiten. Die Uebergangsjahreszeiten — Frühling, Herbst ■*— in welche ja rrofi und jtdid fallen, bringen mehr Krankheiten mit sich, als Sommer und Winter selbst. „Das Ende des Sommers ist nachteiliger als der Sommer selbst." (Talmud Joma 29.) Halten wir einmal die erste und allgemeiner rezipierte Ansicht fest: „Durch länger sich Umziehende Freudentage könnte unser rttigiöser Sinn getrübt, die gesetzliche Treue geschwächt worden sein." Welch hohe Auffassung unserer jüdischen Lebenspflichten spricht sich doch in dieser Befürchtung aus! Welch strenge Selbstzucht wird da von uns gefordert, mit welch tiefer Menschenkenntnis unser Tun und Lassen betrachtet! Man bedenke doch das Eine, daß NOS und ttdid Feste sind, an denen die Freude einen durchaus religösen Charakter trägt. Sprechen wir es doch im Gebete aus: stlDI EMöTi ömtt rrnöt^ a’wa irpS* 'n „Du gabst uns, Ewißer, unser Gott, Festtage zur Freude, Feiertage und Zetten zur Woüste." Und gar das Hüttenfest, döffen chmeakteristjftHe Bezeichnung 12NNVV joi „Freuvenzeit" 'kauüet. Unsere frohen GefWe wurzelst hier so gstnz im Boden unserer hMgen Welißlvn, und trotz stlledtzm — wieder fflfrbti* ürch BüMage. We jüdische LebenDanjchauung tritt hiMei; iit her vorteilhaftesten Meise in die Erscheinung. rtttf-O! Frohlocket — unter Zittern! Die *) Nach deutschem Mtuhag übrigens nur tot Frühjahr so. lchem sdst bW Abbildungen dev interessanteren Objekte, mich das Historicum derselben gegeben wird. Die Herausgeber beä Katalogs sagen in ihrem Vorworte, daß diese Sammlung des amerikanischen Nationalmnseums eine der wertvollsten und bedeutendsten in der ganzen Welt ist nnd' ihre Katalogisierung und Beschreibung den Forschern dieses Faches hervorragende Dienste leisten könne». (Die Immunität" -er Fade« -ege« Araukhetten.) Auf dem internationalen Tuberkulose-Kongreß in Washington hat kürzlich Dr. Maurice Fsthberg (Newyork) einen höchst interessanten Bortrag über die „Tuberkulose bei den Juden" gehalten. Er weist auf die erstaunliche Tatsache hin, daß trotz schlechtester Wohn-, Arbetts- und Lebensbedingungen, die bekanntlich unter den ärmeren Klassen der Juden vorherrschen, statt einer größeren eine viel geringere Sterblichkett der Juden an Tuberkulose nachzuweisen ist. Es sterben jährlich ay Tuberkulose .pro 10000 Seelen: In Berlin „ Wien „ Budapest „ Krakcm „ Lemberg „ Rumänien „ London „ Newyork 9,81 17,9 21,98 20,29 30,64 25,6 13,3 17,24 21,66 36.7 46,01 66,41 63,51 38.7 17,9 23,94 Fishberg stimmt anderen Forschern darin bei, daß die jüdischen Speisegesetze einen wesentlichen Anteil an dieser verhältnismäßigen Immunität der Juden haben, meint aber ferner, daß der Grund auch darin liegt, daß die Juden — wenigstens die europäischen und amerikanischen Juden — ihrer überwältigenden Mebrhett nach seit sechzig Generationen' Städtebewohner 12. November. Seite 5 Freude ist uns durchaus nicht verboten, der Lebensgenuß nicht untersagt. Wozu auch hätte der himrttlische Bater uns alle die Güter und Gaben der Erde gereicht? Des Juden Weltanschauung ist eine optimistische, er erhofft, ersehnt und erbittet die Helleszukunft der ganzen Menschheit. Aber er vermählt mit dieser Weltanschauung den Ernst) er ist ihm nichts weiter als das Salz, um jene Lebensauffassung ftisch und gesund zu erhalten. Nicht feige Weltstucht und klösterliche Abgeschiedenheit ist das erstrebenswerte Ideal. Unsere Maxime lautet: die M'AN weilt bei der mxo nnött, die Gottesnähe ist unmittelbar mit gottgefälligem Tun und Leben verknüpft. Und der Jude möchte den rechten Lebensernft selbst in der gottgebotenen Festesfreude um kein Haar sich verkümmern zu lasten. pöK’ üb p, Wie Gott „selbst Seinen Helligen nicht traut," so ist der wahre Jude überaus strenge in der Selbstbeurteiluna, ün Urteil siber sich selbst, er hält feine Bußtage nach dem Ueberfchreitungsünd Hüttenfeste! — Wie könnte man doch gerade anläßlich dieser zwei Feste das schlummernde Gewissen in dm tiefen Schlaf der vollen und unbedingten Selbstzufriedenhett einlullen. Haben wir nicht Opftr an Zett, Kraft und Vermögen genug gebracht, wenn Peßach oder Sukkos bei uns eingekehrt r Das Peßachftst greift ttef in das jüdische Har^- wesen ein. Mit peinlicher Gewissenhaftigkeit wird unser Heim sozusagen umgewanoelt, dtzn rituellen Anforderungen inbezng auf Chomtz zu genügen. Äm Hüttenftste verlassen wir gar die behagliche Wohnstube, um trotz herbstlich VWÜrr Mtterung sieben Tage unter leichter Lauboecke zu wellen. Um eine den Anforderungen bös Religionsgesetzes und des rntfba nfp nW$fT entsprechende Sukka zu erlangen, ailt es manche pekuniäre Opfer, zu bringen, uno in gftiDr Welfe ist dies beim Erwerb der Ü'H'D Feststraußes der Fall. Solche unp dergleichen mähr Beredungskünste sind allzuleicht.tei\f“1^ die Stimme des Gewissens und der hafttgkeit zu ersticken. Allein Religion Md schichte halten Ms wach, schärftu unfern für die wahre Bewertung unseres inm scheu, und was wir auch getan und gz soll und härf uns nicht daMhex MwtzMs Wie West Mr noch von der Grmze. mV j „ komrneuen entfernt, wie auch die PnerkmnMa des relativ Güten, eine SWstdHchönihüng in nch bttgt, hie deüi' weiteren EÄtzotstreben zur lähmmden. FeM - werden kann. So beugt unftr der Pefahr der fittttcheu Sessm- Samkett, dem D'ünxÄ des „Ferftgftstw" m vor. (GchW sind. .Hierdurch hätten sie sich «rw Gen OrgimiSiM fern P&tMes bam patzt, daß alle die Schreiben der Mervötteryng t£$ unsanitären Zustäyde, die ber miydergcwÜwttey Organismen SchwinÄucht und aridere Krankyetten zeitigen, für die Juden fast ihre Bedeutung verloren haben! (Geschäfts - Autiscmitismus.) Der Warenhändler I. Bahr in Karlsruhe hat anfangs Jahres zwei feiner Angestellten, die dem Deütfchnattoi Hanblungsgehilfenverbande angehören, aufgefordert, auS ihrem Verein oder aus stimm Geschäft auszuschetden. Darauf erschien am 1. Mai in der Deutschen Hcuchttswacht, dem hier erscheinenden Organ des Deutschnationmai Handlungsgehilfen - Verbandes, eine Notiz folgenden Inhalts: „Die jüdische Firma I. Bähr, Etsenwarar» Handlung, Karlsruhe, hat mehrere Angestellten vor die Wahl gestellt, aus unserem Verbände aus-rutreten oder die Stellung zu verlasien. Unsere Mitglieder habm Mit Vergnügen die Stellungen aufgegeben. Firmen, die quf diese Weise gegen die guten Sitten verstoßen, find meistens auch in anderen Beziehungen nicht zu empfehlen. B. fühlte stch durch die Nottz beleidigt und strmgte gegen den Redakteur W. der Deutschen HanbelSwacht eii e Mage an. Dr. Samson führt als Vertreter des Klägers ayS, daß eS besten gutes Recht sei, nur solche Leute in seinem Geschäft zu bchatten, die ihm sympathisch seieneinen unmoralischen Druck habe er auf die in Frage kommenden Angestellten nicht ausgeübt. Der Vertreter des Beklagttn, Dr. Blechwedel, war cec Ansicht, baß das Berhaltm hes Klägers unsittlich sei, und stellt den Antrag, dm Kläger kostenpflichtig abzuwetstn. Das Gericht sprach dm Beklagten stet und verurteilt dm Kläger zu den Kostm deS Berfahrmö, da eS in der Notiz eine strafbare Beleidigmig nicht gu finden vermoihte. .? -Oft U;

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