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Der Israelit · 1908-11-05 · Heft 44 (5.11.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 44 (5.11.1908)
Date
1908-11-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Ihr habt das nur diesem kleinen jüdischen Mädchen zu verdanken, mit dem blendend weißen Antlitz und dem rabenschwarzen Haare, mit dem Geiste eines Mannes, der in der Vollkraft seiner Jahre sich befindet, und mit dem Gemüte und der Unschuld eines dreijährigen Kindes." „Es ist nicht das erste mal, daß ein kleines, schönes, jüdisches Mädchen die Retterin ihres Volkes geworden und als eine Retterin Israels mag sich diejenige betrachten, die ihm seine großen Lehrer zurückgiebt," sagte einer der Scholarchen. Ein Wink des Emir und die sieben Resche Kallah entfernten sich unter tiefen Dankesbezeugung'en und guten Wünschen für den Herscher. Als die Gelehrten sich entfernt hatten, sprach der Emir zu Fatima: „Nun mein Kind, habe ich meine Sache gut gemacht? Ich verlange aber auch nun von Dir, daß Du mir endlich einen lang gehegten Wunsch erfüllest." „Und der wäre?" sprach Fatima. „Sage uns nunmehr den wirklichen Grund deiner Traurigkeit. Die Sehnsucht nach deiner Heimat allein kann dich -auf die Dauer so tief nicht verstimmen, die Freiheit habe ich dir längst gegeben, du kannst jeden Tag gehen, wohin es Dir beliebt. Jeder deiner Wünsche ist mir und meiner Gattin Befehl. Wir umgeben Dich mit Reichtum und allen schönen Dingen dieser Welt. Nun sage, was dir fehlt." „Es ist das Verlangen nach meinem Geliebten, dem herrlichsten, besten, geistvollsten und gelehrtesten Mann, der je auf dieser Erde gewandelt, nach Samuel Jbn Josef Nagdela aus Kordöba." Neuntes Kapitel. Die Zeit, innerhalb welcher die Begebenheiten, von denen wir hier berichten, sich zutrngen, war für die herrliche iberische Halbinsel eine unheilvolle. Das Land war von Bürgerkriegen zerrissen, Parteikämpfe rüttelten an allen gesellschaftlichen Einrichtungen und Blut stoß in so mancher Straße, in der früher nur der fröhliche Ruf der Limonen- und Kastanien Verkäufer erscholl. Führer der berberischen Partei waren, freilich nur dem Namen nach, die Chammuditen. Sie behaupteten, von Rechtswegen den ganzen arabischen Teil der Halbinsel beanspruchen zu können; in Wirklichkeit aber besaßen sie nur die Stadt Malaga mit ihrem Gebiet. Die mächtigsten unter ihren Vasallen waren die Fürsten von Granada, Zawi, welcher Granada zur Hauptstadt machte, nachdem die seitherige Hauptstadt dieser Provinz Elvira zu viel durch den Bürgerkrieg zu leiden gehabt hatte, und sein Neffe Chabbus, der ihm in der Regierung folgte, und der, wie wir gesehen haben, soeben Samuel zu seinem Vezier erhob. Kurz vorher hatte Chabbus em Bündnis mit dem einzigen slavisch-f panischen Fürsten Zohair von Auneira geschlossen. Dieser letztere suchte die Freundschaft des Granadensischen Fürsten, als er sich vom Kadi von Sevilla bedroht sah, und als darauf die sevillanische Armee sich auf den Marsch begeben hatte, zog er ihr mit seinen eigenen Truppen und denen seines Verbündeten entgegen und zwang sie zum Rückzug. Chabbus, der König von Granada, war ein Emporkömmling, der sich bemühte, sich das Ansehen von Vornehmheit zu geben,- noch ein halber Barbar, verwendete er großen Eifer darauf, es nicht zu scheinen. Er tat sich viel darauf zugute, mit der Literatur bekannt zu sein, und behauptete sogar, daß das Volk, dem er angehörte, das der Kinhedscha's, nicht berberischen, sondern arabischen Ursprungs sei. Daher bedurfte er notwendig eines Ministers, welcher in nichts gegen die seiner Nachbarn zurückstand. Aber wo war ein solcher zu finden? Seine Berber verstanden sehr gut, sich zu schlagen, Städte einzunehmen, zu plündern und niederzubrennen, aber sie waren nicht imstande, auch nur eine Zeile richtig in der Sprache des Korans zu schreiben. Und was die Araber anbelangt, welche sein Joch, bebend vor Wut und Scham ertrugen, so konnte er sich auf sie nicht verlassen. Sie hätten es sich zur Ehre angerechnet, ihn zu hintergehen und zu verraten. Unter solchen Umständen mußte ein Jude, wie Samuel, welcher sogar nach dem Zeugnis der arabischen Gelehrten mit allen Feinheiten ihrer Sprache vertraut war, welcher, obgleich ein begeisterter bis in den Tod ergebener Anhänger der Lehre Mosches und der sogar den Mut fand, als Vezier eines Moslim eine polemische Schrift gegen den Koran als Grundlage des Islam zu verfassen, sich dennoch, oder eben deshalb kein Gewissen daraus machte, so oft er an Moslims schrieb, die religiösen Formen anzuwenden, die bei ihnen gebräuchlich waren, — ein solcher Mann mußte ein wahrer Schatz für den König sein. Er brauchte nicht darüber zu erröten, daß er ihn zum Range eines ersten Ministers erhoben hatteseine Wahl wurde selbst von den Arabern gebilligt. Trotz ihrer Unduldsamkeit und ihrer Vorurteile gegen die Kinder Israels waren sie gezwungen, einzugestehen, daß Samuel ein ganz hervorragendes Genie sei. In der Tat hatte sich sowohl das Wissen Samuels, nachdem er sowohl in Malaga, wie auch zur Zeit, da er Schreiber des Veziers war, die nötige Muße fand, nach allen Seiten hin ausgebreitet und vertieft. Auf dem Gebiete der Mathematik, der Philosophie und der Astronomie tat es ihm, dem scharfen Denker kaum einer gleich. Nicht weniger als sieben Sprachen beherrschte er in vollkommenem Maße. Dabei war er höchst freigebig gegen die arabischen Dichter und überhaupt gegen alle Gelehrten: es ist daher nicht zu verwundern, daß alle, welche er mit seinen Gunstbezeigungen überschüttete, seines Lobes kein Ende fanden und daß der Dichter Monfatil sogar folgende Verse an ihn richtete, welche von den moslemischen Schriftstellern nur mit heiligem Schaudern angeführt werden: „Der du in deiner. Person alle guten Eigenschaften vereinigst, welche andere nur zum Teil besitzen, der du der gefangenen Großherzigkeit die Freiheit wieder gegeben hast, du bist ebenso erhaben über die fteigebigsten Männer des Morgen- und des Abendlandes, wie das Gold erhaben ist über das Kupfer. Daß doch die Menschen die Wahrheit vom Irrtum unterscheiden könntendann würden sie ihre Lippen nur auf deine Finger drücken. Anstatt des Ewigen Wohlgefallen darin zu suchen, daß si.e den schwarzen Stein zu Mekka küssen, würden sie Deine Hände küssen, denn sie sind es, welche das Glück svenden. Durch dich habe ich hienieden Erfüllung meiner Wünsche gefunden und ich hoffe, daß ich durch Dein Verdienst auch droben erhalten werde, was ich wünsche. Wenn ich bei dir und den deinigen bin, bekenne ich offen, die Religion, die mir vorschreibt, den Sabbat zu heiligen, und wenn ich bei meinem eigenen Volke bin, bekenne ich sie wenigstens heimlich." Was aber die Araber nicht nach dem ganzen Werte schätzen konnten, das waren die Dienste, welche Samuel der hebräischen Literatur leistete. Davon soll in späteren Kapiteln ausführlich die Rede sein. Zehntes Kapitel. Ebenso wie der verstorbene Vezier Abul Kasim ibn al-Arif merkte der König Chabbus bald, welche in jeder Hinsicht schätzenswerte 5krast er in Samuel erworben und nicht das geringste Staatsgeschäft wurde unternommen, ohne daß Samuel seine Meinung abgab, die auch stets befolgt wurde und sich als die richttge erwies. So sollte die rote Feste und Königsburg, das herrlichste Denkmal arabischer Baukunst in Europa, das unter dem Volke nur unter dem Namen „die Rote", al-Hambra, bekannt war, erneuert und erweitert werden. Die ersten Bauanlagen, die aus dem neunten Jahrhundert stammten und die Gärten und Parkanlagen, die die Anhöhe umgaben, waren während der zahlreichen Bürgerkriege beinahe dem Erdboden gleich gemacht worden. Chabbus wollte etwas besonders Schönes und Kunstvolles schaffen, die kleinen Nachbarfürsten, namentlich sein Verbündeter Zohair von Almeria sollte, wenn er seinen für nächstes Frühjahr angekündigten Besuch machen wollte, vor Neid um die herrliche Residenz vergehen. Deshalb beriet der König Abend für Abend mit seinem Vezier, welche,r der vielen vorliegenden Pläne wohl zur Ausführung gebracht werden sollte. Samuel, der noch die herrlichen Bauwerke Kordobas vor dessen Zerstörung genau kannte,der die überraschendstengeometrischenFiguren mit freier Hand auf das Papier zu werfen verstand, entzückte den König allabendlich durch neue phantasievolle Ausführungen, die dann den Baumeistern zur Ausarbeitung von Entwürfen gegeben wurden. Endlich mußte aber eine Entscheidung getroffen werden, wenn man bis zum Besuch des Nachbarfürsten fertig werden wollte. Man beschloß die Anlegung von zwei mit Bassins, Fontänen und Säulenhallen geschmückten offenen Höhen, wie sie Samuel in verschiedenen schon zerstörten Pavillons in Kordoba vielfach gesehen hatte. Die Säulen sollten aus besonders wertvollen mehrfarbigen Hölzern, die aus Afrika bezogen werden, hergestellt werden. Zur Lieferung waren zwei Kaufleute, ein Araber und ein Berber, die in der Nähe des Schlosses wohnten, ausersehen worden. Da kam eines Tages der Araber, Abdalmelik ibn-Omaija mit Namen, zu Samuel. Mit scheinbarer Unterwürfigkeit, aber mit dem Haß des mohammedanischen Fanatikers in den Augen bat er Samuel ihm die ganze Lieferung der Hölzer zu übertragen und den verhaßten Berber leer auSgehen zu lassen. Zum Danke hierfür bot er dem Vezier ein größeres Geldgeschenk an. Mit Entrüstung wies Samuel dieses Ansinnen zurück, indem er ihm mit den Worten des biblischen Joseph antwortete: „Siehe, mein Herr kümmert sich um nichts bei mir, was im Hause ist und all das Seine hat er in meine Hand gegeben. Niemand ist angesehener in diesem Hause als ich, und er enthält mir nichts vor, und wie sollte ich begehen diese große Uebeltat und sündigen gegen Gott?" Bebend vor Wut entfernte sich Abdalmelik. „Warte Jude", rief er, „das tatest Du nicht umsonst." Die Erneuerungs- und Erweiterungsbauten der Al Hambra schritten rüstig vorwärts. Samuel fand immer wieder neue Wege, um den Bau prächtiger zu gestalten. Bon den Schneegipfelu der Sierra Nevada, deren Häupter die Hügel der Feste grüßen, hatte Samuel den Bach hergeleitet, der in tausend kleinen und kleinsten Armen die Gärten und Jnnenräume der Al-

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