Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 44 (5.11.1908)
- Date
- 1908-11-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 14 Der JSraeltt. Nr. 44. 5. Nohember 1908. Hambra durchfließen, die Springbrunnen und Weiher speisen und ein reiches Leben von Tieren und Pflanzen erstehen laffen sollte. Oben innerhalb der Mauern der Al-Hambra hatte er eine tiefe Zisterne graben lassen, die nunmehr den Grana dinern das beste, kälteste und klarste Trinkwasser lieferte Solange die Sonne scheint, kamen die Wasserträger, die entweder einen großen Schlauch aus der Haut eines ganzen Tieres geformt auf dem Rücken tragen, oder aber ein geduldiges kleines Grautier vor sich hertreiben, das mit zwei Schläuchen und einen» irdenen Füßchen beladen ist. Täglich machte König Chabbus mit seinem Vezier einen Rundgang um die Feste, um sich von den Fortschritten der Arbeiten zu überzeugen. Am Ende ihres Rundganges setzten sie sich an das Gerichtstor, „Baba el misla" nach dem sowohl Arabern wie Juden heiligen Spruche: „Richter und Beamte sollst du dir setzen in all deinen Toren, die der Ewige, dein Gott, dir giebt Recht zu sprechen." Hierher konnte jeder kommen und seine Klagen Vorbringen und sofort wurde das Urteil gesprochen und meist auch gleich vollzogen. Langwierige Prozesse, Kosten, jahrelanges Warten auf Entscheidungen gab es nicht, und wenn es bei dieser einfach und summarischen Art des Rechtsprechens auch nicht immer richtig zugehen mochte, so läßt sich dasseche doch auch von den Gerichtsverfahren anderer BöÜer sagen, die langwierig, teuer und verwickelt sind. Auch heute saßen Chabbus und Samuel vor dem mit Stufen versehenen Tore, dessen über dem Eingang befindliche'steinerne Hand auf den Spruch hinwies: „Die Hand der Zeugen sei zuerst an ihm und die Hand alles Volkes nachher," als der Araber Abdalmelik ben Omaija erschien. Der Kinig saß vor einem gelbblumigen Feigenkaktus während Samuel vor einer rot blühenden Grana:e Platz nahm „Bringe deine Beschwerde vor" rief der König. „Was ich jetzt sage," antwortete Abdalmelik, „sage ich nicht nur in meinem Namen, sondern im Namen aller echten und rechtgläubigen Araber, denen es ein unauslöschlicher Greuel ist, daß die vertrautesten Freunde und Ratgeber unserer Fürsten Juden sind. Namentlich Dein Vezier Samuel ist uns allen ein Dorn im Auge, ein i ebenso schlechter wie niedriger Mensch, bereichert er sich auf Kosten des Landes und wenn Du ihn noch lange in seinem Amte belässest, wirst Du und das Land dem Untergange geweiht sein." „Was hast du darauf zu erwidern?" fragte der König seinen Vezier. Samuel erzählte in einfach schlichter Weise den Hergang der Sache. Chabbus, der sich durch die Beschuldigungen des Fanatikers selbst aufs schwerste verletzt fühlte, indem dieser ihn wegen seiner berberischen Abstammung gering schätzte, geriet in die höchste Wut. „Lasse ihm seine lästerliche Zunge herausschneiden" befahl der König. Abdalmelik wurde ergriffen, in den Kerker der Festung geworfen und zur Verfügung Samuels gehalten, der nach der Sitte die Ausführung des Urteils selbst zu veranlassen hatte. Nach der Gerichtssitzung begab sich Samuel in den Kerker. Abdalmelik umklammerte wimmernd seine Knie und bat um Gnade. „Steh auf," gebot Samuel, „und sage mir, wieviel du wohl an den Hölzern verdient haben würdest." „Mein Verdienst" sagte jener, „würde sich wohl auf tausend Goldstücke belaufen haben." „Geh nach Hause und laffe dir von meinem Schatzmeister tausend Goldstücke auszahlen, hüte aber in Zukunft deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden, denn Leben und Glück des Menschen liegen auf der Spitze seiner Zunge." Als nach acht Tagen der Kalif und sein Ratgeber wieder am Tore der Gerechtigkeit saßen, erschien zum Erstaunen des Fürsten der Araber wieder. „Großer Herr", sprach er, „ich habe geirrt, ich habe gefehlt, ich habe gesündigt. Samuel ist der beste, dcr edelste Mensch, denn je die Sonne beschienen, alle meine Flüche gegen ihn mögen in Segen verwandelt werden, der Segen feiner und meiner Vorfahren, der Segen Ibrahims und Ismails mögen an ihm in Erfüllung gehen." „Warum hast Du meinen Befehl nicht ausgeführt," fragte der Fürst seinen Minister. „Ich habe ihn ausgeführt," antwortete Samuel, „ich riß ihm die böse Zunge aus und gab ihm dafür eine gute." Der Kalif lachte und Samuel stieg immer höher in der Gunst seines Herrn. (Fortsey. folgt) lamiMnsWcdlen. Geburten: Einen Sohn: Dr. L. Warszaws ki (Gutmann) Fürth i. B. Verlebte: Gisela Simon, Jacob Schnelling, Frankfurt a. M., Seilerstraße 5-Hannover. Verm&hlte: David Fortuhn, Bette geb. Wormser, Groenko (Hlld.)-Frankfurt a. M. — Maurice Kr enge l, Selma geb. Roth chlld, Antwerpen-Frankfurt a. M. Verstorbene: Veilchen Kaufmann, geh. Levi» Frankfurt a. M.. 66 Ir. — Amalie Grünebaum, Frankfurt a. M., 46 Ir. Sabbat-Anfang u. Ausgang. 1^ iV ORT: Anfang Datum Ausgang Uhr iMin. 1908 | 5669 UKr IMin. 7.Nov.!3.Cheschwon gfraatfaH n. M 4 25 5 40 OerlHt ... - - 5 11 München . . 4 40 5 29 Strakbrrrg 5 — 5 45 Stuttgart. . 4 80 5 35 Pose« . . . — — 5 15 Starnberg — — 5 28 Hamburg. - - 5 45 Prag. .... — — 5 10 Für den Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist eS ansfchliehlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen , itueller Ware« oder sonstige Slngabe» religionsaesenliehe« EharakterS auf ihre Zuverlässigkeit w tttüftu Wallende Nebel bedecken das Feld und die schlimmste Zeit des Jahres, der November, ist gekommen. Da sind die Menschen mehr krank als gesund und immer ist's dasselbe: Katarrhe, Husten, rauher Hals, Schlingbeschwerden, Atemnot rc. 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