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Der Israelit · 1908-11-05 · Heft 44 (5.11.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 44 (5.11.1908)
Date
1908-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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5. November 1908. Der Israelit. Nr. 44. Seite 7. Feftanstellung nur dann erfolgen kann, wenn die Betreffenden das fünfundzwanzigste Lebensjahr vollendet und das zweite Examen bestanden haben. Nach kurzer Debatte wurden dann auch die Kommissionsanträge genehmigt. Eine längere Debatte rief alsoann der folgende Punkt der Tagesordnung „Interpellation betreffs der Vorgänge auf dem Ohlsdorser Friedhof am 4. Oktober" hervor. Es handelt sich um einen angeblichen Mißgriff des Friedhofsinspektors, der zwei fremde Durchreisende, die am Friedhof die Besucher um Almosen angesprochen, verhaften ließ. Zur Beantwortung der Interpellation sind als Kommissare des Gemeindevorstandes die Herren Alfred Levy und M. Beith erschienen, die betonen, daß der Gemeindevorstand selbst den Vorfall bedauere und sofort nach Bekanntwerden einen eingehenden Bericht des Friedhofsinspektors eingefordert habe. Auf Antrag des Herrn Fraustädter erfolgte die Besprechung der Interpellation. Es gelangte schließlich eine Resolution zur Annahme, in der das Repräsentantenkollegium seine Entrüstung über die Handlungsweise des Friedhofsinspektors ausspricht, -rnd bittet die Mitglieder der Begräbniskommission, Maßnahmen zu treffen, die eine Gewähr dafür bieten, das gleichartige oder ähnliche Vorkommnisse sich nicht wiederholen." Diese Resolution wird der Begräbniskonnnission zur weiteren Veranlassung überwiesen. Würzburg, 1. November. Herr Distrikts- Rabbiner Bambermr dahier erließ an die Gemeinden seines Rabbinats - Bezirks das nachfolgende Zirkular: „Nachdem, es während der jüngsten Weizenernte fast in allen Orten unserer Gegend stark und anhaltend regnete, naßgewordener Weizen aber zu Mazzos religionsgesetzlich nicht verwendet werden darf, wird darauf aufmerksam gemacht, daß man nur solchen Weizen zu Mazzos rauchen soll, der aus Gegenden bezogen, von denen man mit Sicherheit weiß, daß dort obiges Bedenken nicht vorhanden ist." Dem Rundschreiben wird noch die Bemerkung hinzugefügt, daß auch hinsichtlich des Bezuges von gebackenen Mazzos Vorsicht geboten sei und solche nur von da bezogen werden dürfen, wo über obigen Punkt völlige Gewißheit herrscht. (toefkeweidj. Wien, 30. Oktober. Die öffentliche Vorstandssitzung vom 25. ds. begann mit einem unerquicklichen Zwischenfall. Als der Präsident zu Beginn seiner Eröffnungsrede darauf aufmerksam machte, daß die Opposition eine liebevolle Unterstützung bei der antisemitischen Publizistik genieße, dermaßen, daß alle von den oppositionellen Führern unternommenen Angriffe gegen die Kultusgemeinde schon am zweiten Tage in der antisemitischen Presse zu lesen sind, da schrie der als Gast anwesende Dr. Michael Egon Zweig: „Das ist eine Lüge". Der .Präsident rief den Störer in strengen Worten zur Ordnung und verfügte schließlich die Entfernung des Ruhestörers aus dem Saale. Nachdem die Erregung sich einigermaßen gelegt hatte, wurde die Sitzung fortgesetzt. Im Einlaufe befindet sich eine Entscheidung des Magistrats, bezüglich deren der Präsident Folgendes bekannt gibt: -Mit Bezug auf die bevorstehenden Wahlen werden seitens der Opposition, vertreten durch die Herren Dr. Zipfer, Margulies, Dr. Egon Zweig-, Lanzer und Konsorten, und zwar bald durch die einen, bald durch die anderen 'Beschwerden beim Magistrat und bei der Statthalterei eing-ebracht. Die letzte enthält das Verlangen.. dgß die Wahllokale und Wahlkomrniffionen nach dem rein territorialen Prinzip eingeteilt, für einzelne Bezirke (ohne Rücksicht auf deren Wählerzahl) separate Wahlkommissionen bestimmt werden. Der Magistrat hat diese Beschwerde abgewiesen, mit Rücksicht darauf, daß aus Grund des Statutes die diesfälligen Bestimmungen dem Ermessen des Präsidentenanheimgegeben sind. Auch hat der Magistrat darauf hingewiesen, daß ohnehin bereits durch Anordnung des Präsidenten 15 Wahlkommissionen (gegen 13 im Jahre 1906) für die Gesamtheit der Wähler gebildet und die Wähler der Brigittenau einem in unmittelbarer Nähe gelegenen Wahllokale in der Malzgasse zugewiesen werden. Hieran knüpft der Präsident noch die Bemerkung, daß die Gemeinde über eine .darüber hinausgehende Anzahl von Kommissionen und Wahllokalen nicht verfügen känne. Die Einberufung öffentlicher Sitzungen bemerkt der Präsident, sei insbesondere auch das halb für notwendig zu erachten, weil über verschiedene, in der Oeffentlichkeit verbreitete Un Wahrheiten öffentlich die Richtigstellung erfolgen soll und unberechtigte Angriffe gegen die Kultusgemeinde, ohne sich in Zeitungspolemiken einzulassen, am besten in öffentlichen Sitzungen des Vorstandes zurückzuweisen seien. Zur Frage der Bethausvereine übergehend, erklärt der Präsident, die in der Presse verbreiteten .Gerüchte als unzutreffend und bemerkt gegenüber dem Vorwurf, daß die Knltusgemeinde von den verschiedenen Bethausvereinen, welchen die Abhaltung temporärer Gottesdienste gestattet wird, 10 o/o des Erträgnisses verlange, daß noch niemals die Wiener Kultusgemeinde von einem Vereine irgend eine Zahlung verlangt oder erhalten hätte. Wohl verlange die Kullusgemeinde von den temporären Bethäusern den 10. Teil der behördlich bewilligten Sitzplätze für .Arme. Diese für Arme bestimmten Sitzplätze sind aber nur ein kleiner Teil der von der Kultusgemeinde an Arme unentgeltlich verabfolgten Betplätze, da außerdem noch alljährlich für mehrere tausend Kronen Sitzplätze für Arme durch die Kultusgemeinde den Bethausvereinen abgekauft und sohin unentgeltlich, ebenso wie derartige Armenplätze in dem von der Gemeinde selbst errichteten Minjamrn, an Arme verteilt werden. Sarajewo, 1. November. Von den Festgottesdiensten der hiesigen Gemeinde, bei welchen sich die Juden mit ganzem Herzen als Bürger Österreichs bekannten, ist hier bereits berichtet worden. Nun herrscht doch einige Unruhe unter den Inden der Landeshauptstadt Sarajewo, die wohl den vierten Teil der Bevölkerung ansmachen. Die hiesigen Juden sind intelligent und gelten als ein Element der Ordnung und der Ruhe. In jeder Stadt der Provinz sind Inden stark vertreten und das Judentum im Lande stellt der Zahl, dem Vermögen, der Bildung und Steuerkrast nach ein bedeutendes Kontingent des bosnisch-herzegowinischen Bürgertums har. Trotzdem hat es der gemeinsame Finanzminister Baron Burran in seinem vor der Delegatton gehaltenen Exposee unterlassen, die Juden mitzuerwähnen, als er die Religionen aufzählte, unter welchen die Mandate in jeder Wahlkurie ausgeteilt werden sollen Ob dies mit Absicht geschehen ist, oder infolge eines aus Geringschätzung stammenden Versehens, soll hier nicht untersucht werden. Aber es soll daran erinnert werden, daß die Spaniolen in Bosnien, die an konfessionelle Gleichberechtigung .noch aus der Türkenzeit gewöhnt sind, es schmerzlich empfinden und als eine Einschränkung ihrer bisherigen Stellung betrachten werden, wenn sie jetzt in der neuen Aera zurückgesetzt würden. Die Juden haben sich bei wiederholter Gelegenheit verwaltungsfieundlich gezeigt und mußten deswegen mehr als einmal einen schädlichen Boykott Andersgesinnter über sich ergehen lassen. Sie hoffen daher von der Regierung auch in jeder Hinsicht berücksichtigt zu werden. Ungarn. Sonntagsruhe. (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 29. Oktober. Bei der am Anfang d. M. im Handelsministerium inbetress des neuen Sonntagsruhegesetzes abgehaltenen Enquete wurden leider die bereits in unseren vorigen Berichten dargestellten Wünsche der sabbathaltenden Kaufleute nicht berücksichtigt. Leider haben auch geborene Juden gegen die von Desider Korein und Alexander Ullmann vertretenen Wünsche der sabbathaltenden Kausleute Stellung genommen. So unter anderen ein gewiffer Alexander Pfeifer, der sich ausdrücklich darauf berief, daß auch er Jude sei, aber trotzdem gegen eine Rücksichtnahme auf die Sabbatheiligung Stellung nehme, da das Sabbathalten bereits — aus der Mode gekommen sei! Doch wird von gesetzestreuer Seite mit großem Eifer dafür agitiert, daß die Gesetzesvorlage eine für die orthodoxe Judenschaft einigermaßen erträgliche Textierung erhalte. Zu diesem Zwecke hat der Kanzleipräses Frankl und der Vorsitzende der Aktion zu Gunsten der Sabbathaltenden Dr. Schächter vorige Woche beim Handelsminister Kossuch und Staatssekretär Sterenyi und bei noch einem einflußreichen Mitgliede des Kabinets vorgesprochen, von welcher Unterredung eine günstige Wendurg für die raE7 'HöW zu erwarten ist.! ITeologe 6egner Ser einheitlichen Organisation. (Von unserem Korrespondenten.) Budapest, 30. Oktober. In der Nummer 39—40 des neologen Wochenblattes befindet sich ein Arttkel des Rabbiners in Steinamanger Dr. Bernstein, worin derselbe die Neologen zur Gründung eines Internats für die Zöglinge des Rabbinerseminars in Pest aussordert, denn — könnte der ehrwürdige Herr mit einem Heineschen Verse ausrufen — „es sei unwürdig eines Rabbi" in der Volksküche der jüdischen Gemeinde in Pestzu speisen. Aber außer diesem mehr moralisch-ästhetischen Gesichtspunkte macht der ehrwürdige Herr auch noch ein anderes Moment geltenb, daß von außerordentlichem Interesse für uns ist. Der ehr« würdige Artikelschreiber, der selber Zögling der genannten Anstalt war und demzufolge gewiß ein unparteischer Gewährsmann ist, schreibt klipp und klar: „In die Volksküche dürfen die Zöglinge des Rabbinerseminars schon deßwegen nicht ehen, weil dieselbe keinesfalls unter olcher rituellen Aufsicht steht, wie sie für eine Kost für RabbinatSzöglinge sein muß!" Diese „für einen Rabbinatszögling nicht entsprechende „rituelle" Kost" genießen aber die Zöglinge des Pester Rabbinerseminars, dieser in der Phantasie der Pester neol. Kanzlei-Herren und ihrer werten Anhänger, auch für die Orthodoxie bestimmten „gemeinsamen" Anstalt, schon sett Errichtung der erwähnten Anstalt, das find etwa 3 Jahrzehnte, und werden dieselbe noch — in aller Zukunft zu genießen die Gelegenheit habe«. Dieser für den ehemaligen Sewinarzögling Herrn Dr. Bernstein solch große Gewissensskrupel verursachende Umstand hielt aber den ehemaligen Lehrer des Herrn Dr. Bernstein, nicht zumck, an etwa hundert mtt solcher „den Anforderungen eines Rabbinatszöglings nicht entsprechenden rituellen Kost" genährte Seminarzöglingen, die „rabbinische" Antorisatton riK^in lYWT au erteilen! Fürwahr, ein treffliches Charakteristik-« für den Wert eines von diesem Herrn ertellten Rabbinerdiploms, und zugleich ein neuer Beweis für die „Einheit der Orthodoxen mtt dm Neologen! Schade nur, daß die Herren Neologen diesen Einheitsbeweis in ihrem famosen Memorandum nicht aufgeführt haben. ... Allmählich scheint es unter unseren neologen Brüdern tagen zu wollen. So hält der oben erwähnte Dr. Bernstein, der allem Anscheine - nach an einem bei manchen seiner neologen Gesinnungsgenossen in Ungarn tödlich gehaßten Grundübel der Wahrheitsliebe leidet, in einem im Monatsblatte des ungarischen neologen Rabbinerverbandes (Nr. 7 und 8) veröffentlichten Arttkel den

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