Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 44 (5.11.1908)
- Date
- 1908-11-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6. Rr. 44. Der JSraeM. weisen, daß.Aeußerungen, wie „der Mechanismus trat bet Kant und La Place an die Stelle der Gottheit", durchaus unzutreffend find.Berühmt ist das allgemeine Corrolar in Newtons „Mathematischen Prinzipien der Naturlehre" wo er die Ueberzeugung ausspricht, daß.nur ein lebendiger, einsichtiger, über das Weltall erhabener, d. h. ein persönlicher Gott, die ganze, in Bezug auf Zeit und Ort herrschende Verschiedenheit aller Dinge hervorgebracht haben kann." (Schluß folgt.) LDfCt. »orrespondenzen und Nachrichten. Aerrtsthes Keirtz. Frankfurt a. M, 29. Dtt. Bekanntlich Lat der „Bund gefetzestreuer jüdischer Lehrer" Ende vorigen Jahres an das Preußische Kultusministerium eine Eingabe gerichtet, in her darum gebeten war, gelegentlich der bevorstehenden Abänderung des Lehrerbesoldungs-Gesetzes von 1897 hie Beschäftigung der jüdischen Lehrer im Kantorate bei der Festsetzung der Gehälter mit in Berücksichtigung zu ziehen, ähnlich wie dies von den christlichen Lehrern flir den Kirchendienst beansprucht wird. ..Erfreulicherweise hat die dem Landtage jetzt zugegangene Lehrerbesoldungsvorlage diesem Wunsche Äechnunggetragen, indem' in § 4, Absatz 5 bestimmt wird: Die Vorschriften in Absatz 1 bis 4 finden bei dauernder Verbindung eines Schulamtes mit einem jüdischen Kultusamte sinngemäß Anwendung. Wie uns ferner mitgeteilt wird, ist es der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" durch Rücksprache mit den Vertretern der verschiedenen Parteien in den letzten Tagen gelungen, die Annahme der Abstimmung durch den Landtag zu sichern. (Wiederholt, da Nur in einem Teil der Auflage der letzten Nummer abgedruckt.) Berlin, 2. November. Der Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Huden, Herr James Simon, hat'infolge von aus Rumänien an den HllfSverein ergangenen Anregungen an die Reichsregierung die Frage gerichtet, ob sie geneigt sein würde, aus der bevorstehender, Konferenz das Berhcüten der rumänischen Regierung in Bezug auf die laut § 44 des Berliner Vertrags Übernommen Verpflichtungen zur Sprache zu bringen. Das Auswärtige Amt hat erklärt, daß es zur Zeit nicht in der Lage sei, eine dahingehende »zu geben, und diesen Standpunkt in er Weise mottvirt: „So weit sich übersehen läßt, besteht bei allen Signatarmächten des Berliner Vertrags der Wunsch, das Programm einer eventuellen Konferenz auf diejenigen Fragen zu beschränken, die durch die politischen Vorgänge auf dem Balkan akut geworden sind. Artikel 44 des Berliner Vertrags ist durch diese Vorgänge nicht berührt worden. Es muß ferner berücksichtigt werden, daß man deutscherseits jede Initiative bei Aufstellung des Programms für eine eventuelle Konferenz vermieden, dagegen aber bei den bisherigen Erörterungen aus schwerwiegenden politischen Erwägungen nachdrücklich den oben angedeutenden Standpunkt der Einschränkung des Konferenz-Programms vertreten hat. Deutschland würde daher gänzlich aus seiner Rolle fallen, wenn es jetzt eine Diskussion des Artikels 44 verlangen wollte." Diesem Standpunkt gegenüber mußte sich der Vorsitzende des Hilfsvereins der Deutschen Juden im Augenblick darauf beschränken, die Reichsregierung zu ersuchen, die Angelegenheit im Auge zu behalten, und in Fühlung mit dey andern'Signatarmächten des Berliner Vertrages zu bleiben, an welche sicherem Vernehmen nach gleichartige Anträge gerichtet werden sollen. (Es war vorauszusehen, daß sich die Regierung auf die gebotene Einschränkung des Konferenz-Programms berufen wird! Wir haben bereits in her Wochenrundschau der letzten Nummer die aus diesem Grunde sich ergebende Aussichtslosigkeit, der Aktion dargelegt. Unsere Ausführungen haben nun leider ihre offizielle Bestätigungen erhalten. D. Red.) Berlin, 4. November. Der Kommission für die B e s o l d u n g s g e s e tz e lag heute ein Antrag des „Verbandes deutscher Juden" vor, die Staatsregierung zu ersuchen, noch im Laufe dieser Session einen Gesetzentwurf .vorzulegen, durch den eine Summe von 400000 Mark jährlich aus Staatsmitteln zur Gewährung von dauernden Beihilfen an leistungsunfähige jüdische Gemeinden zwecks Aufbringung von Grundgehalt, Alterszulagen, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung ihrer Rabbiner, sowie zwecks Neuerrichtung von Rabbinerstellen bereitgestellt wird. Die Resolution wurde abgelehnt, weil nach Lage der Gesetzgebung die Kommission sich außerstande erklärte, bei diesem Gesetz diese Materie zu regeln. Den Antragstellern wurde anheimgegeüen, ihre Wünsche eventuell im Plenum zu wiederholen. Die ganze Aktion war und ist nach Lage der Dinge aus staatsrechtlichen Gründen von vornherein aussichtslos und sie war wohl auch nur unternommen worden, ut aliquid fecisse videatur, Berlin, 1. November. Aus Bagdad wird unter dem 30. Oktober dem Deutschen. Bureau der .Alliance Israelite Universelle mitgeteilt: Die reaktionäre Partei hat hier und in Hille eine lebhafte Agitation veranstaltet. Zwei Tage lang hat die Bevölkerung die Israeliten, die sich auf den Straßen sehen ließen, mißhandelt. Die Folge davon war eine große Panik. Erhebliche Schädigungen haben nicht stattgefunden. Die Ruhe ist wieder hergestellt. B e r l i n, 2. November. Die letzte Nummer des „Jewish Chronicle" enthielt eine Korrespondenz aus Berlin, in der — offenbar von einer der „Alliance Israelite" nahestehenden Seite — scharfe Angriffe gegen den „Hilfsverein der deutschen Juden" gerichtet werden. Unter Wiederholung der bereits in „Ost und West" von der Alliance veröffentlichten Geschichte, wonach der Hülfsverein sich von Alliance und Jca ungeheuere Summen für sein Auswanberungswerk habe zahlen lassen, um dann die Mitwirkung dieser beiden Körperschaften zu verschweigen, wird jetzt dazu die Schauermär aufgetischt, der Hilfsverein hätte mit Rücksicht auf die Anschauungen Rußlands und Amerikas sein Auswanderungswerk überhaupt einstellen wollen! Der Korrespondent des englischen Blattes läßt durchblicken, daß diese Stellungnahme des Hilfsvereins eine Art Rache für die Zurückziehung der Alliance- und Jca - Subventionen hätte sein sollen. Wie uns der „Hilfsverein der deutschen Juden" auf unsere Anfrage mitteilt, sind alle diese Anschuldigungen aus der Luft gegriffen.- Der Hilfsverern habe in keinem Augenblicke die Absicht gehabt, öder kundgegeben, feine Fürsorge für die Auswanderer entstellen tzu wollen, und es herrschte sogar in der gemeinsamen Konferenz von Vertretern des Hilfsvereins, der Alliance, der Jca und der Berliner Jüdischen _ 5. November 1906 Gemeinde volle Ueberemstimmung über die in Zukunft bei dem Auswanderungswerk zu wahrenden Grundsätze. Endlich sei Mederholt festgestellt, daß der Hilfsverein für sein .Auswaüderungstverk fett 1904 im Ganzen 1.337.000 Mark ausgegeben hat, von denen die Jca 363.000 Mark, die Alliance 47.000 Mark und der Hilfsverein 927.000 Mark aufgebracht hat. . Die Art und Weise, wie der „Hilfsverein der deutschen Juden" von der deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance bekämpft wird, fordert u. E. nachgerade den schärfsten Proteft der jüdischen Oeffentlichkeit ^heraus. Wenn die Alliance selbst, in völliger Verständnislosigkeit für die Wünsche und Bedürfnisse weiter Kreise der Judenheit sich auf ihren selbstherrlichen Willen zurückzieht, so sollte sie wenigstens aufhören, einer Körperschaft fortgesetzt nörgelnd entgegenzutreten, die sich denn doch in allen Lagern mit Recht weit größerer Sympathie erfreut als die Alliance. Berlin, 1. November. Das vorbereitende Comitee der Allgemeinen Jüdischen Kolvnisations Organisation versendet an die jüdische Presse eine Reihe von Mitteilungen, die nicht viel Neues enthalten. Wichtig ist, daß man für die beiden Ausgaben der Organisation, die Einigung der verschiedenen jüdischen Körperschaften einerseits, das praktische Kolonisationswerk andererseits getrennte Eomrtees bilden will. An der Spitze der A.J.K.O. steht ein Präsidium und ein Vorstand. Geschäftsführender Präsident ist der Geheime Regierungsrat Professor Dr. Aron, dem Herr Dr. Alfred N o s s i g zur Seite steht. Dem Vorstand gehören von betonteren Persönlichkeiten die Herren: Geheimrat Blumenthal, Siegmund Bergel, Berthold Israel, Dr. Hirsch Hildesheimer an. Schriftführer ist Justizrat Dr. Friedemann.. Wir möchten abwarten, welche praktische Wirksamkeit die neue Organisation entfalten wird. Vorläufig fällt nur das Eine unangenehm auf, daß bei der Zusammensetzung der Leitung recht exklusiv vorgegangen worden ist und das „Volk" ebensowenig vertreten zu sein scheint, wie man behaupten kann, daß die an den hier in Betracht kommend«: Fragen gewiß hervorragend interessierte gesetzestreue Judenheit in genügendem Maße vertreten ist. Hamburg, 29. Oktober. Das Repräsentanten-Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im Gemeindebureau eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde ein Antrag des Herrn Alex. Levy verlesen, betreffs Herausgabe eines Handbuches über sämtliche der Oberaufsicht der Gemeinde unterstehenden Stiftungen (§ 40 der Verfassung) zu veranlassen. Das Buch soll unter Zuhülfenahme des Archiv- und Aktenmaterials aus gearbeitet werden und eine Uebersicht über den Ursprung der Stiftungen, sowie besonders über die von den Stiftern festgestellten Vorschriften und Bedingungen geben." Der Antrag wurde auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt. Den Bericht der Kommission zur Aufbesserung der Gehälter der Lehrerinnen und Lehrer an der Israelitischen Töchterschule erstattete Herr Fraustädter in eingehender Weise. Der Referent hob. hervor, daß Me Kommission in ausführlicher Weise sich mit der Materie beschäftigt habe und sich bei Festsetzung der Gehälter im wesentlichen nach den Verhältnissen, die an den Volksschulen herrschen, gerichtet habe. Die Kommission könne sich daher im Allgemeinen, abgesehen von einigen kleinen Aenderungen mit den Vorschlägen des Gemeindevorstandes einverstanden erklären. Im klebrigen werde beantragt, daß eine Lehrerin resp. Lehrer, die das 65. Lebensjahr erreicht haben, von diesem Lebensabschnitt an ohne weiteres pensioniert werden können, aber auch ihrerseits dann die Fusionierung beantragen können, ohne daß es eines ärztlichen Gutachtens bedarf. Des weiteren wird beantragt, daß eine