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Der Israelit · 1908-11-05 · Heft 44 (5.11.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 44 (5.11.1908)
Date
1908-11-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Lette *. 9tt 44 des Verbandes doch wohl von vornherein vorhanden war, wenn anders sie damals nicht eine bloße Bereinsspielerei im Großen betreiben wollten und dem guten Glück vertrauten, das aus dem Homunkulus ein lebensvolles Gebilde gestalten werde — warum sollte es damals nicht möglich gewesen sein, diese Klarheit in den Satzungen, diesem Glaubensbekenntnis jedes Vereins, zu deutlichem Ausdrucke zu bringen? Nein, sagt darauf Herr Makowerzuerst wußten wir nicht, was wir eigentlich wolltendann aber hat die „tatsächliche Handhabung den Rahmen etwas ausaefüllt und das Bild des zu Erstrebenden tritt klarer hervor." Also eine höhere Einsicht, Intuition, hat die Tätigkeit der Herren zuerst geleitet, also daß sie im dunklen Drang den rechten Weg fanden und — merkwürdige Welt! — aus der tatsächlichen Handhabung schließlich gar die Einsicht in das gewannen, was sie von vornherein in ihrem Statut erstrebten! Was ich da treibe, ist nicht Haarspalterei, ist keine Casuistik und Rabulistik,- es ist lediglich der einfache Menschenverstand, der sich dagegen auflehnt, daß, nachdem der Zipfel an einer Stelle gelüftet, man ihm einzureden versucht, es sei gar kein Vorhang vorhanden. Wer keine Vorliebe für Scheuklappen hegt, kann gar nicht anders, als aus diesem Spiel mit Worten die Bestätigung dessen herauszulesen, was wir vom ersten Augenblicke an, allen Ableugnungen und Verunglimpfungen zum Trotz, als das Ziel des Verbandes bezeichneten: den Staats- und Reichsbehörden gegenüber die Rolle der Zentralinstanz zu spielen, welche die berufene und erwünschte Vertretung der religiösen und weltlichen Interessen der deutschen Judenheit ist! Daß diese Klarheit nickt bei allen Führern des Verbandes ausnahmslos von vornherein anzutreffen war, sind wir die Letzten, bestreiten zu wollen. Waren es doch gerade unsere orthodoxen Parteigenoffen im Verbände, die daran festhielten, daß dem „Verbände" jeder Eingriff in die Autonomie der Gemeinden, jede Stabilierung seiner Autorität als Zentralbehörde, jede Zwangspolitik gegen widerstrebende Meinungen unendlich fern liege, und daß er nur dort seine Wirkungsstätte suchen und finden wolle, wo er aus ungeteilter, freier Entschließung aller Interessenten zum Anwalt und Wortführer bestellt werde! Und sie nicht allein. Wir denken zu gut von einem Manne wie Herrn Justizrat Fuchs, um der Vorstellung auch nur einen Augenblick Raum zu geben, daß auch er aus der „tatsächlichen Handhabung das Bild des zu Erstrebenden" in der Klarheit des Herrn Makower erkannt, und trotzdem jene bekannte Erklärung in Sachen Rofin'scher. Entwurf abzugeben im Stande ge- J&lemes Feuilleton. Die ttJi$$en$ebaft über das Zeitalter flbrabams. Von Rabbiner Dr. M. Kahn -Eßlingen. Ueber 'diesen Gegenstand hatten wir in einer jüdischen Vereinigung Stuttgarts den hohen Genuß und die Genugtuung, streng wissenschaftliche Aussührungen zu hören, von dem als Assyriologen und bibilischen Archäologen bekannten Dr. Sigmund I a m p e l aus Karlsruhe. Der Gelehrte trug die Resultate seiner eigenen Forschung in Verbindung mit den z. T. allerneuesten Forschungen anderer Keilschriftforscher vor und zeigte, immer auf den Boden strengster Wissenschaft stehend, die Wahrhaftigkeit unserer Thora und die Wahrheit ihrer Angaben in bezug auf ihre Berichte über die Völkerschaften und Kulturen des alten Orients in vorisraelitischen Zeiten. Wir geben im Folgenden einen objektiven Bericht über die Aussührungen des Redners. Redner ging davon aus, daß die moderne Bibelkritik und altlestamentliche Wissenschaft die Existenz Abrahams wie der anderen Erzväter leugne. Die diesbezüglichen Erzählungen des Pentateuch seien nichts lveiter als Dichtungen der Israelitischen Königszeiten und z. T. noch späterer, erilischer und nachexilischer Zeiten. Als Grund für diese ihre Behauptungen geben sie die Erfahrung an, daß kein Volk seinen Ursprung und seine eigene Kindheit kenne. Denn bis ein Bolks- _ wesen wäre! damals, am 5. Oktober 1905, erklärte Herr Juftizrat Fuchs wörtlich: „Als erst neuerdings von hochangesehener orthodoexr Seite uns mitgeteilt wurde, daß in orthodoxen Kreisen die Befürchtung bestehe, wir arbeiteten auf das Ziel einer staatlichen Kultusorganisation hin und bedrohten die religiöse Freiheit der Minorität, haben wir mit einer jeden Zweifel und jede Mißdeutung üusschließenden Klarheit zum Ausdruck gebracht, daß dem Verbände nichts ferner liege als dies und daß das in den Statuten auch zum Unzweideutigen Ausdruck gebracht sei. Das Statut ist derart verankert, daß es kaum möglich sein wird eine Aenderung in dieser Beziehung hervorzubringen, und wir find als ehrliche Männer gewillt, die statutarischen Grundlag?u des Verbandes unerschüttert festzuhalten. Man kann die Ausgabe des Verbandes kaum anders fassen, als daß man sagt, daß der Verband alles wolle, was dem Juden und dem Judentum frommt, daß er nur nicht die Gewissensfreiheit der Juden einschräuken, die Minorität bedrohet, Kultus, Ritus und Dogma reglementieren wolle. Meine Herren! Ganz abgesehen davon, daß wir durch.das Statut gebunden sind, betrachten wir es von unserem Standpunkte aus nicht als einen Nachteil unseres religiösen Lebens, daß die Freiheit des Geistes und des Gewissens nicht gebannt tvird durch ein staatliches Kirchenregiment oder durch dre Machtfülle der Hierarchie. (Beifall.) Ob religiöse Synhedrien, wie mau sie wohl' hier und da sich wünscht, und .wie sie insbesondere auch in einem Artikel „Jüdische Organisationsideen" einer hiesigen jüdischen Zeitung gewünscht worden sind, wünschenswert sind, ob sie wirklich die Einheit fördern, und nicht gerade das Schisnra schaffen werden, wo es bisher noch nicht besteht, (Sehr richtig!) darüber möchte ich .mir kein Urteil anmaßcn." „An einer anderen Stelle mögen die Geister aufeinanderplatzen, wo es gilt, zu dein Rvsinschen Entwürfe Stellung zu nehmen, der die lokale Gemeinde- Verfassung ausbauen will zu Provinzial- und Generalsynoden. Uns berühren die dort sich ergebenden Kontroversen nicht, wie die Orgnaisationsformen für die Provinzial- und Generalverbände zu schaffen, die Mitwirkung und der Einfluß von Rabbinern und Laien zu verteilen, das Verhältnis der Staatsgewalt zu diesen Organisationsformen zu gestalten und^die Rechte der Minorität zu wahren sind. Den Verband der deutschen Juden berühren diese Fragen und Kontroversen nicht. Wir wollen die weltlichen Interessen des Judentums vertreten (Zustimmung und Beifall) und die r e l i g i ö s en insoweit, als sie das Statut angibt, d. h. wir wollen dl n g r i f s e gegen unsere Religion und unseren Kultus a b w e h r e n, Angriffe und Eingriffe, über deren Grundlosigkeit wir ebenso einig sind, wie über die Pflicht und Notwendigkeit, sie abzuwehren." Und an anderer Stelle derselben Rede heißt es: „Es ist wohl besser, daß der Staat uns unsere eigenen inneren Angelegenheiten selbst besorgen läßt, und daß wir selber das tun was zu tun not ist. (Lebhafte Zustimmung.) Was wir selbst durch autonome Kraft uns schassen können, wollen wir vorn Staat nicht erbitten und erwarten. Wir wollen kein stamm in die Periode seines selbstbewußten Nationalgesühls gelange, in welcher es Sinn für seine Geschichte und Herkunft besitze, und soweit in der Kultur fortgeschritten sei, daß es eine Schreibkunst kenne uird schriftliche Geschichtsdenkmäler herstelle, habe es jedwede authentische Kenntnis seines Ursprungs und seiner Entwicklung verloren. Daraus antwortet Herr Dr. Jampel: Daß andere Völker ihren Ursprung nicht kennen, hat den Grund, daß sie aus ihren Stammvätern, besonders aber aus den Helden und bedeutenden Mämrern, welche im Kindheitszeitalter der Stämme diesen große Dienste geleistet und sie gefördert haben, Götter und Halbgötter gemacht und so den Zusammenhang zwischen Nachkommen und Vorfahren künstlich abgebrochen haben. Nicht so Israel. Bei ihm hatte man schon in den allerältesten Zeiten einerseits eine scharfe Grenze zwischen Mensch und Gott gezogen, andererseits großen Wert aus die Kenntnis der Abstammung gelegt. Ferner leitet Israel seinen Ursprung von einem anderen Volke her, den Babyloniern. Israels Kindheit fallt darum zusammen mit dem Mannesalter eines jetzt im vollsten Lichte der Geschichtlichkeit stehenden großen und hochkultivierten Volkes. Schon unsere Thora erzählt uns. daß Abrahams (Heimat in Nr-Chasoim sich befand. Von. einer Stadt Ur im Lande d'er Chasdim war bis vor kurzer Zeit sonst gar nichts bekannt, bis die Ausgrabungen nicht allein ihre Existenz erwiesen, sondern sogar reiche Funde von Tontafelu zeigten, daß daselbst der süobabylonische Mittelpunkt des Kultus des .Mondgottes Sin sich befand. Ur bedeutet Mondgott — Stadt. Der Mondgott war der höchste Gott der Babylonier, der Inbegriff aller andern Gottheitn, also herrschte in Ur, der Heimat Abrahams ein bedeutend rernerer Gottesbegriff als unter den übrigen Völkerschaften des Altertums, eine Art Henotheismus, 5 November 19C-8 staatliches Mxchenregiment und was so drum und dran hängt. Was wir an äußerer Ordnung und äußerer Macht gewinnen könnten, könnten wir an innerer Freiheit und innerem Frieden ein büßen. Wird unsere Einigkeit durch eigenes Mühen und Ringen, durch Einsatz eigenen Herzbluts gekittet, so birgt sie die Gewahr eines festeren Bestandes in sich, als die vom Staate uns gesetzte Ordnung. (Bravo!) So ist dieses Samenkorn, der von Staatswegen zu schassenden Gesamtvertretung vom Winde verweht worden, und wir danken der Vorsehung dafür." Ein schärferer Gegensatz als zwischen d i e s e n Ausführungen und der Makswerschen Auffassung kann.schwerlich je gedacht werden. Herr Makower findet es lobesam, daß man aus der Zweckbestimmung der Satzungen „alles mögliche" herauslesen kann- Herr Fuchs dagegen findet in diesem Satze das Glaubensbekenntnis des Verbandes zur Autonomie des Einzelnen und der Gemeindenso fest verankert, doß ein ehrlicher Mann keine Aenderung daran hervorbringen könne. Fuchs will die Örganisationsbestrebungen mit ihrem Pro et contra grundsätzlich und statutengemäß aus der Verbandstätigkeit ausgeschlossen sehenfür Herrn Makower ist gerade der allerneueste Organisationsentwurf die providenttelle Aufgabe, die der Verband zu lösen hat, und fielen darüber auch Gewissensfreiheit und Denkfreiheit, Mannesehre und Selbständigkeit und wie sonst alle die Tugenden heißen, die die „liberalen" Herren so gern im Munde führen und für sich zu beanspruchen nicht müde werden, für die Rabbiner, die Lehrer, die Orthodoxen und ähnliche Subjekte gelegentlich auch einmal unter den Tisch! Herr Fuchs ist Vorsitzender der Rech t s kommission, Herr Makower der Vorsitzende der politischen. Und wir zweifeln keinen Augenblick, daß hier, wie so oft, die Politik über das Recht den Sieg davon getragen Hat. , E. H. (Schluß folgt.) Die zweite Seffion der driften Duma. ocheilrvitöjHa«. Die dritte Durna beginnt nun ihre zweite Session. Die Jud n konnten auf die dritte Duma nach ihrer ganzen Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung von vornherein keinerlei Hoffnungen knüpfen. Die erste Session dieser Duma hat indes die alte Erfahrung bestätigt, daß es inbezug auf die jüdische Frage und jüdische Lage von welchem aus es nicht so schwer zu erklären ist, daß Abrahanl zum Monotheismus sich durchranI. Es ist übrigens Abrahams Monotheismus nicht der allererste. Vielmehr lassen die Tontafeln erkennen, haß je höher man in das vorabrahamische Altertum zurücksieht, die religiösen Anschauungen reiner und (geläuterter werden. Es ist also Abrahams Monotheismus eine Rückkehr zum Monotheismus der Urväter bet- Menschheit. Wir erkennen darnach, daß die Wahrheit auf Seiten der Bibel und Thora ist, welche eine Entartung der Menschen, ihrer Sitten und Deliziösen Anschauungen nach Noah berichtet und eine Steigerung dieser Depravation, desto weiter sie sich von ihrem Ursprung entfernen. Also geradezu eine Bestätigung der biblischen Lehre finden wir gegenüber den Anschauungen der Moderne und der Bibelkritik, die ja davon ausgehen, daß in seinen Urzeiten das Menschengeschlecht sich mir wenig vom Tiere unterschieden und erst nach vielen, vielen Jahrtausenden zur reinen Gotteskenntnis sich emporgearbeitet hätte. Daß Ur den Mittelpimkt der Mondgottes-Verehrung bildete, wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die Tradition des Midrasch, daß Abrahams Vater Götzen-Priester war. Ein werteres Ergebriis der Keilschrift-Forschung illusttiert eine andere Wahrheit der Bibel. Bis jetzt hatte nian angenommen, daß die Bewohner Babylons und zwar auch die Urbewohner, die Sumerier, Abkömmlinge von Semiten gewesen wären. Tie Keilschriftten beweisen, daß diese letzteren, nicht wie man bis dahin angenommen hatte) Semiten ober nach anderer Ansicht Arier gewesen sind, sondern daß sie Kuschiten, also Abkömmlinge Hains waren, wie dies I. B. M. 9, 6 kk berichtet ist. Diese Sumerier, Bewohner von Schinar (“VW), sind das älteste Kulturvolk, nicht.die Aeghpter, wie man nach Vorgang von Herodot bis dahrn angenommen. Dieser hatte, überhaupt keine.

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