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Der Israelit · 1908-10-29 · Heft 43 (29.10.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 43 (29.10.1908)
Date
1908-10-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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L ) and 9fikcB Eine neue Metdoae. Es darf wohl nicht Wunder nehmen, daß ein so findiger Kopf, wie der Leiter des Verbandsorgans es nun einmal ist, auch eine neue Methode erfunden hat, um seine verhaßten Gegner zu bekämpfen. Er selbst benützt jede ihm Passend erscheinende Gelegenheit, ihnen einen Schlag zu versetzen, ja mehr als das, bald ist es ein fehlerhaft kopierter Brief, bald ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz, der ihm den Stoff bieten muß, die Ultra- oder Hyperorthodoxen als die Schänder der Standesehre zu brandmarken, sich aber als den berufenen und bestellten Wahrer und Hüter derselben in empfehlend^ Erinnerung zu bringen. Wird er aber ausnahmsweise einmal selbst angegriffen nnd fühlt er sich in die Enge getrieben, so überhäuft er den Gegner mit persönlichen Schmähungen und Beschimpfungen. Da verrät der Angriff „niedrige Gesinnung", da hat der Gegner „jeden Begriff von Wahrheit und Recht verloren" und wenn dieser dann noch immer nicht überzeugt, so spricht er ihm nicht nur die Logik, sondern auch die persönliche Ehrenhaftigkeit ab. Daß diese Methode sehr bequem ist, läßt fick nicht leugnen, aber Herr Steinhardt darf sich nicht einbilden ein Patent darauf zu erhalten, denn so ganz neu ist sie eigentlilh nicht. Sie wurde im politischen Kampfe sogar schon ziemlich häufig angewandt, dort aber nur von journalistischen Klopffechtern allerschlimmster Sorte. Herrn St. bleibt also nur der traurige Ruhm, diese Kampfesweise Kollegen gegenüber angewandt zu haben, die sich bewußt sind, in einem ehrlichen Kampfe begriffen *u sein. Wie schlecht muß aber eine Sache sein, die durch solche Mittel verteidigt werden muß, und mit welcher Schmach bedeckt sich eine Vereinigung, die die Anwendung derselben duldet. Wo das enden soll, kann sich jedermann an den fünf Fingern abzählen: in öffentlicher Gerichtsstätte, denn bei aller Dickfelligkeit, die wir uns im Kampf mit einem verschlagenen Gegner angewöhnt haben, hat die Gutmütigkeit doch ihre Grenzen und dann mag dort nachgewiejen werden, inwiefern unser „Manöver" - Artikel niedrige Gesinnung verrät, oder ob es wirklich mit unserer Ehrenhaftigkeit so schlecht bestellt ist, weil wir Herrn St. das nicht aufs Wort zu glauben vermögen, was er zu beteuern für gut findet. Zur Sache selbst haben wir wohl kaum noch etwas hinzuzufügen. Wir hatten behauptet, daß ein Organ, daß allen Parteirichtungen gerecht werden will, nicht der geeignete Ort für die Anpreisung eines Lehrbuches sei, wie das von Dr. Coblenz. Sollte Herr St. den Mut haben, das m bestreiten, so möge er sich letzte Nummer der Brann'scheu Monatsschrift ansehen, in der er eine Kritik des Cobtenzschen Buches finden wird, die auch dem Blödesten die Augen öffnen kann. Wir hatten ferner behauptet, daß auch die zweite Besprechung, die den Schein der Unparteilichkeit wahren sollte, ebenfalls von einem „Liberalen^ herrühre, und daß sich unter dem Signum N. F. eine dem Dr. Coblenz in religiöser Beziehung nahestehende Persönttchkeit verberge. Wir sind in dieser unserer Behauptung durch die Tatsache bestärkt worden, daß der mysteriöse Herr N. F. auf. die recht fadenscheinigen Ausführungen des Herrn Dr. Coblenz absolut nichts zu erwidern wußte. Ein ernst zu nehmender Kritiker hätte zweifellos eine so leicht zu verteidigende Position nicht ohne Schwertstreich aufgegeben. Daran wird alles Schimpfen des Herrn St. nichts ändern. Gerade bei der Besprechung von Büchern hat es der Leiter einer Zeitschrift ganz in der Hand durch Auswahl der Rezensenten die öffentliche Meinung in seinem Sinne zu beeinflussen. Wenn Herr St. es für gut befunden hat, zwei „liberale" Männer auszuwählen, was ja zweifellos feststehl, so mußte er, da er uns nicht widerlegen konnte, auch den Mut haben, das einzugestehen, oder zu schweigen, nicht aber durste er sich durch unlautere Mittel zu helfen suchen, die unseren Stand in der Oeffentlichkeit herabsetzen müffen. Mit Recht wird nämlich jeder Unparteiische auf die schmachvolle Tatsache Hinweisen, daß ein Organ, das 1100 Lehrer vertreten will, bei jeder Gelegenheit Kollegen mit Kot bewirft, und daß dies von einem Manne geschieht, der der Hüter der Stand es ehre zu fein vorgibt. Wir erheben diesen Anspruch nicht, aber wir werden stets bemüht sein, im Angriff, wie in der Abwehr sachlich zu bleiben und nie zu vergessen, daß man durch eine Erniedrigung anderer, nur sich selbst erniedrigt. verlebt über die XXIX. Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern am 20. Juli 1908. Seit dem Bestehen unseres Vereins fand dessen Generalversammlung zum erstenmal in der sagenumwobenen und an historischen Ereignissen so reichen Stadt Rothenburg a. T. statt. Das Arrangement hatte Kollege Hosmann übernommen und in trefflicher Weise dürchgeführt. Am vorhergehenden Nachmittage pflog die Verwaltung in einer mehrstündigen Sitzung Beratung über verschiedene interne Angelegenheiten und eingelausene Anträge. Der Abend vereinigte die bereits eingetroffenen Teilnehmer zu einem gemütlichen Beisammensein, wozu sich auch ein großer Teil der Mitglieder der Kultusgemeinde mit ihren Damen und viele christliche Kollegen einsanden. Vorsitzender Goldstein-Heidingsfeld gab dieser erfreulichen Wahrnehmung in einer Ansprache bercdten Ausdruck. Am Morgen des Versammlungstages wurde unter sachkundiger Führung ein Rundgang durch die Stadt unternommen, die nicht nur an all-? gemeinen, sondern insbesondere an Denkmälern jüdischer Vergangenheit reich ist. Zur Abhaltung unserer Versammlung hatte die Kultusgemeinde Rothenburg in dankenswerter Weise einen geräumigen und hübsch dekorierten Saal zur Verfügung gestellt. Die.Präsenzliste wies ca. 80 Teilnehnrer auf. Zn seiner Begrüßungsrede wies der Borsitzende darauf hin, daß Rothenburg nicht nur erzählen könne von allgemeinen weltgeschichtlichen Vorkommnissen, daß es nicht bloß der Schauplatz kriegerischer Ereignisse gewesen, der Ort, der Kaisern gastliche Aufnahme bot und wo Fürsten glänzenden Hof hielten, sondern .ein Gang durch die Straßen der Stadt belehre uns auch darüber, daß sich hier eine Periode schmerzlichen Goluthlebens abgespielt. Die mehrfach in die Häuser eingemauerten Mazefoth mit deutlich lesbarer Inschrift müßten Gefühle der Wehmut und der Trauer guslösen. In Rothenburg werde der Blick unwillkürlich auch auf eine historische Persönlichkeit hingelenkt, die heute noch als rabbinische Autorität und wegen der bei ihrem so traurigen Lebensgeschick gezeigten unbeugsamen Charakterfestigkeit hohe Verehrung genießt. Es ist R. Meir ben Baruch, bekannter unter dem Namen Maharam Rothenburg, dem das seltene Epitheton Maor Hagodol beigelegt wurde. Die Erinnerung an das leidensvolle Ende dieses Großen in Israel, meinte der Redner, passe ganz gut auf die religiöse Stimmung der gegenwärtigen Wochen, sie rege aber auch zum Dank au gegen den Lenker und Bildner der Zeiten, den meschane hoitim und gegen das erhabene Herrscherhaus, unter dessen Schutz wir jetzt sicher wohnen. Mit einem Hoch auf den Prinregenten schloß der Vorsitzende. In herzlichster Weise wurde die Versammlung von Herrn Distriktsrabbiner Dr. K o h n - Ansbach, vom 1, Vorstand der Kultusgemeinde Rothenburg, Herrn Wimpfheimer, von dem Ehrenvorstande des Bezirkslehrervereins, Herrn. Hauptlehrer Häßlein und vom Ortskollegen Herrn Hosmann begrüßt. Der Vorsitzende des Württembergischen Brudervereins, Herr Preßburger-Creglingen, übermittelte' dir Grüße seiner Kollegen aus dem Schwabenlande und des Verbandes israelitischer Lehrervereine im deutschen Reiche. Hierauf erfolgte die Berichterstattung des Vorsitzenden. Der Verein zählt 183 ordentliche und 1139 außerordentliche Mitglieder mit Iah-? resbeiträgen von 4293 Mk. An Unterstützungen' t' Ä L

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