Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1908)
- Date
- 1908-10-22
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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euilleton Samuel da vagid. Line jüdische Erzählung auS der spaftisch-maurtschen Zeit. Erster Band. (Fortsetzung.) Siebentes Kapitel. Als Samuel noch seine Apotheke in Malaga betrieb, suchten Kaufleute aus Wetter Ferne häufig seinen Laden auf. Stets von dem Bestreben geleitet sein Wissen und seine Menschenkenntnis zu bereichern, entsprechend dem Ausspruche unserer Weisen: Wer wird klug? der von jedermann lernt, bemühte er sich diese Kaufleüte über die Zustände in fremden Ländern und bei anderen Völkern auszuforschen, sie aber hatten nichts im Sinne als ihre kleinlichen Anliegen, sie rechneten stets nach, welchen Gewinn ihr Pfefferhandel ergeben habe und hielten seinen Anfragen nicht stand. Dies veranlaßte Samuel über die Nichtigkeit dieser Welt eifriger wie seither nachzudenken und seine Gedanken darüber in hebräischen Versen niederzuschreiben. Diese Sammlung vereinigte er in 'einem Buche, das er „Ben Koheleth" nannte. Es sind nur wenige dieser Verse bis zu uns gelangt, aber die uns erhalten gebliebenen, zeugen von einer tiefen Kenntnis und einer richtigen Bewertung aller irdischen Dinge, daß deshalb nur die allertreueste Pflichterfüllung, die geistige Vertiefung in die Gebote Gottes und die Hingebung an sie uns über das Elend dieser Welt hinwegzuheben vermögen. Als Samuel von der gefährlichen Krankheit seines hohen Gönners erfuhr, als er sich bewußt ward, welches Unglück durch den Tod dieses Mannes über ihn hereinzubrechen drohe, nachdem ihm nach langer, trüber Zeit kaum die Sonne wieder geschienen, da nahm er wie so oft in den Stunden der Trübsal jenes Buch zur Hand, um sich in seinem Vertrauen auf den Allgütigen zu stärken und sein Verlangen nach irdischem Glücke zu meistern. Er hatte sich so sehr in seine Dichtungen vertieft, daß er es kaum merkte,, wie sich die Türe seines Gemaches öffnete und auf det Schwelle ein ManN erschien, deffen Anblick Samuel am ganzen Körper erzittern machte. Er trug einen mit unzähligen Türkien besetzten, die Ähren falttg verdeckenden Kopfbund, ein bis auf die Erde wallendes Gewand von weißer Seide, ein mit Diamanten besetzter krummer Säbel blitzte an seinem goldgestickten Gürtel — es war der König Chabbus. Wo der Tyrann unerwartet erschien, verbreitete er Schrecken und Tod, die Angst Samuels war daher nur zu sehr berechtigt. „Erschrick nicht Jude, daß ich zu Dir komme," sagte der König freundlich, „Dein Beschützer Abul K'asim ist tot. Was gedenkst Du jetzt hier zu tun?" Ein Blick auf daS Antlitz des Königs, den Samuel früher nie in so großer Nähe gesehen, zeigte diesem deffen Charakter in Hellem Lichte. Die wenig Hohe Stirn ließ auf wenig hohen Verstand schließen, die spitzdünne Nase wies auf Jähzorn und Rachsucht, das hervortretende Kinn auf Gewaltsamkeit, während hingegen der Ausdrrlck der Augen einen nicht geringen Grad von Gutmütigkeit erkennen ließ, den ganzen Gefichtsausdruck beherrschten indeß die wulstigen Lippen, und danach war die Sinnlichkeit die hervorstechendste Eigenschaft des Herrschers. Samuel war es sofort klar, daß der König eines Mannes bedürfe, der nicht nur ihm treu ergeben, der auch vielmehr für ihn denke, erwäge und handle. Jnstinkttv fühlte er, daß der König die Absicht habe, sich seiner Dienste ferner zu sichern. Er antwortete deshalb: „Was ich ferner zu tun gedenke? O grvßmächttger Herr, mein Weg ist mir vorgezeichnet. Wenn ich seither meinem königlichen Herrn durch Vermittlung Abul K'afims diente, so werde ich ihm nunmehr unmittelbar meine schwachen Kräfte zur Verfügung stellen und wenn ich vorher Tag und Nacht darüber nachgedacht, wie ich das Wohl des Königs und seines Veziers fördern sollte, so werde ich in Zukunft nur noch darüber zu sinnen haben, wie ich meinen König' allein glücklich mache. Ich ging hierbei von der Voraussetzung aus, daß Du, o Herr, ein kleines Amt von den vielen Deiner Aemter für mich in Bereitschaft hast." „Ein kleines Amt," sagte der König lachend, „allerdings nicht, aber das größte, das ich zu vergeben habe. Du sollst anstelle Abu'l K'afims mein Khatib werden." In Samuel wechselten blitzesfchnell die verschiedenartigsten Gefühle. Er, der Verfasser des Ben Koheleth, in dem er sich so himmelhoch über alle Eitelkeiten und Ehren dieser Welt mit ätzendem Spotte hinwegsetzte, der alles menschliche Tun, Verlangen, Besitz, Genuß als im höchsten Grade nichtig und auch das glänzendste Geschick nur ein glänzendes Elend nannte, er, der sein größtes Glück, seine wahre Beftiedigung nur im stillen Nachdenken über die höchsten Fragen des Daseins, nur im Erforschen der heiligen Lehre fand, der wußte, daß unter der Sonne nichts Neues, daß wahres Leben nur über dieser vergänglichen Welt zu finden, er sollte jetzt mit Freuden zugreifen, um das erste Amt im Staate anzunehmen, sollte der Diener eines Gewaltherrschers werden, deffen Launen ihn heute auf die höchsten Höhen heben und morgen in den tiefsten Abgrund werfen konnten- Samuel, der seine Gefühle stets und ständig von seinem Verstände kontrollieren ließ — ein Umstand, der ihm im Leben außerordentlich zu statten kam, den ihm aber seine Gegner inbezug auf seine Dichtungen zum Vorwurf machten — Samuel konnte an sich die Beobachtung machen, wie seine Brust vor Wonne sich hob, in dem Gedanken, wie hoch er jetzt steigen solle, und im gleichen Moment bedauerte er, wie weit er noch von den von ihm ausgesprochenen Lebensweisheiten entfernt war. Doch er raffte sich auf in der Erkenntnis daß seine Freude nicht den zu erwartenden Ehren und Reichtümern gelte, vielmehr der Hoffnung, seinen Brüdern in einer solchen Stellung Gutes tun zu können. Frohen Mutes beschloß er nun den Vorschlag des Königs zwar anzunehmen, aber immerhin noch ein wenig sich zu sträuben eingedenk des Ausspruchs unserer Weisen, daß man die Herrschaft Haffen solle. „Du irrst Dich, großmächtiger König," sagte er, „nicht mich wolltest Du zu Deinem Vezier machen, denn einmal kennst Du mich ja kaum und dann — er zeigte auf die Tefillin, die fein Haupt bedeckten und auf das Talis, in das er gehüllt war — bin ich Jude, ein Mann aus jenem Volke, das die Helligkeit des Korans nicht anerkennen kann. Aus der Geschichte Deines Volkes ist Dir bekannt, daß Mohammed alle Stämme Arabiens sich untertan machte, nur die jüdischen Beduinenstämme waren unbelehrbar. Sie überließen Euch lieber Vieh und Gold, nur um ihren Glauben 51t retten. Lasse also bitte ab von mir und suche Dir einen anderen Minister." Samuel bemerkte bei seinen letzten Worten mit Schrecken wie die Zornesader an des Königs Sttrn zu schwellen begann.. Wo bleibt meine, Menschenkenntnis, dachte er, auf die ich mir so viel einbildete? Ich habe unklug gehandelt, als lamllleimschkKdtes. Gebarten: Emen Sobn: Hugo Friedmann (Kahn) Tbemar. — Eine Tochter: Kalman Kohn, Trencsen (Ung.) — Mase Friinkel (Fränkel), hier. Verlobte : Regina Jakob (Rachelsohn), Mendel Fein» stein, Frankfurt a. M.-Antwerpen. — Clementine Schwarzschild, Zacharias Hackenbroch, beide zu Frankfurt a. M. Sabbat-Anfang u. Ausgang. OST: Anfang DatmM Ausgang UhrtMin. 1908 5699 Uhr Min» 1 K 1 Q * 4 45 6 — Berli» . . — — 5 37 Midiche« . . . ö — 5 49 StratzLarg . 5 15 6 14 Stuttgart. . . 5 — 5 55 Pole» .... — — 5 35 Nürrnberg . . — — 5 50 Hamburg. . . - — 6 05 Prag. — — 5 35 Die alljährlich von der Firma F. B. Grünfeld, Berlin W, Leipzigerstr. 20/21 herausgegebene HauptpreiSlifte erscheint jetzt im 47. Jahrgonge und wrrd auch diesmal wieder in der Damenwelt viele Freunde finden, da sie in übersichtlicher Anordnung, schönem Druck und klaren Abbildungen (2900) eine Fülle von Neuheitenfür Wäsche jeder Art bringt. Jede Hausfrau wird da» für ihre Zwecke Hastende — fei eS in Leibwäsche, Tisch- Bett- und Hanswäsche oder Blusen, Schüßen, Morgenröcke ustv. von einfachster bis zur Luxus'8uSfübrung,Iin dem mtt origineller Deckelfeite auSgestattetm Buche finden. — Die Firma Grünfeld, das größte Leinen- SpezialdauS Deutschlands, welches durch die in eigener Fabrik und Gebildweberer in LandeShut bergestellten anerkannt vorzüglichen Erzeugnisse im In- und , AuSlande den besten Ruf genießt» ist unablässig bemüht, der Kundschaft daS Beste und Preiswerteste in moderner «nt»gediegener Ausführung zu bieten. 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