Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1908)
- Date
- 1908-10-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Gelte IS Nr. 43. 22. Oktober 1906. nen Karo-Kommentare würde uns einen schönen VVS _ttn-r»JD zu ^"2 geben. Dr. Stein-Schweinfurt führt unter dem Titel: „Die Behandlung des Problems der Notlüge im Talmud" auf Grund verabschieden er Stellen im Talmud deffen Ansicht über /-den Gebrauch der Notlüge aus. Der Talmud Aßt dieselbe nur OW 'an '2LV und auch nur in dem. Zalle zu, in dem durch bereu Gebrauch nicht etwaige Schäden in moralischer Hinsicht entstehen können. Dazu wären die Fälle zu rechnen, wo man sich durch eine Notlüge aus einer Gefahr erretten kann. Aus all den wenigen Ausnahmen, die für den Gebrauch der harmlosen Notlüge als Entschuldigung angeführt werden, acht das eine hervor, daß der Talmud die Wahrheit neben dem Frieden als den Grundpfeiler und die beste Garantie für das Zusammenleben der Menschen und das Bestehen der menschlichen Gesellschaft angesehen hat. (Aboth I, 18.) Hiermit ist die reservatio mentalis, die in anderen Kreisen stets eine große Rolle spielte, auf die Fälle reduziert, wo sie vollständig harmlos oder sogar im Intereste der menschlischen ' Gesellschaft ist. Im Nachtrag (384) hätte der Berfaster neben dem Beweis aus Nedarim Ifl, 4 auch Baba Mezia VI, 1 anführen können. „Zur Biographie des ersten schlesischen Landrabbiners R. Baruch Wesel" (Bendix Rüben Gumpertz) macht Dr. I. L ands- - er g e r - Posen interessante Mitteilungen, die Pstneist den archivalischen Akten der Stadt Breslau < entnommen sind. Der Landrabbiner, über besten ' Befugniste man aus der vorliegenden Abhandlung L kein genügend klares Bild gewinnt, vertritt einen LÄHpuh den man im 16. und 17. Jahrhundert, - speziell in den österreichischen Landen, öfters begegnet. Es waren dies Männer von großer r Gelehrsamkeit, vielfach auch von großer Opferwilligkeit für ihre bedrängten Brüder, dazu mit hervorragenden kaufmännischen Fähigkeiten ausgerüstet, die sie mit den höchsten Staatsbehörden, oft auch mit den Höfen in Verbindung brachten. 5Wahrscheinlich ob dieser hohen Verbindungen Hmräen diesen Männern die hervorragendsten Mabbinate übertragen. Wenn sie auch ausnahmslos ihren großen Einfluß in den Dienst Hlrrr Glaubensbrüder stellten, so läßt sich trotz- -bem darüber streiten, ob die Bekleidung wichtiger WMinate durch Kaufleüte dem Judentum von Nutzen gewesen ist. Eine solche Verbindung muß ' boöh unbedingt nachteilig in den Fällen gewesen ' sein, wo der Rabbiner durch seine Geschäfte bei Juden oder Nichtjuden Konkurrenzneid erregte. Es mußte doch das Prestige des Rabbinates darunter leiden, wenn die Konkurrenten dem Rab- " Liyer entgegentraten und chm Schwierigkeiten im - Amte zu machen suchten. - Die hehre Gestalt des berühmten Chach am Bernays, die schon ftüher in verschiedenen Biographien behandelt worden ist, wird von Rabb. Dückes in Altona durch Veröffentlichung mehrerer ^Schriftstücke, die Person dieses Großen betrreffend, iws deffen Schule kein Geringerer als S. R.? Hirsch jervorgegangen, in noch helleres Licht gerückt. So werden uns die beiden Schreiben von oma« 'S Rabb. zu Würzburg und des Münchener Theologieprofeffors v. Kalb ^vorgeführt, die den jugendlichen Bernays fbtt Gemeinde Hamburg empfehlen sollten. Eine l Begutachtung des Ersuchens des Hamburger : Tempelvereins behufs Gewährung der Erweiter rung ihres Tempels, zeigen uns den Geistesheroen in seiner unentwegten Prinzipientreue, wie auch der Bericht eines Hamburgers über feine 25jährige Amtsseier uns die Fülle des Segens vor ^Augen führt, den er durch seine Wirksamkeit ' ausgestreut hat und besten Spuren heute noch >in seiner Gemeinde reichlich rorhanden sind. „Die Grenzen des Ostjordanlandes k b ei der Besetzung durch die aus Babel heimi kehrenden ~ Exulanten" sucht Geometer I. ß.Goldhor in Rosch-Pinah nachzuweisen. Er stellt auf Grund der Notizen im Talmud fest, wie weit die Exulanten die Grenzen des Landes, -M" sie - nun wieder heiligten, gezogen haben. ' „Deutsche Einwanderungen in polnische Ghetti" (2. Teil) von Dr. Lewin in Kempen ist eine fleißige Arbeit, die auch eine Anzahl literarigeschichtlicher und biographischer Notizen enthält. Aus der Handschrift Goldschmidt des 'D-nfc y-lin, aus welcher im 3. Jahrbuch zwei Abhandlungen (v)7! rV3iOD N2ina ''VLWV prpD w"^v) veröffentlicht worden sind, bringt nun Profeffor Sulzbach-Frankfurt a. M. die vielen, im ’a-no enthaltenen Zitate aus dem ü^ro iwa iSD zum Abdruck. Das genannte *>SD, das schon in ftüher Zeit verloren gegangen ist, wird in V'Pno 'i&'ip'b erwähnt und einem '2'a an zugeschrieben. An vielen ^Stellen wird als Verfasser juo '2'22i, der Gaon zu Sura war, angegeben, wogegen aber der Herausgeber geltend macht, daß sich in diesem Falle in dem keine Zitate von späteren Geonim finden dürften. Sulzbach konkludiert dahin, daß wir es hier mit einem ifa'n aus späterer Zeit zu tun haben. Dr. Kottek-Homburg gibt uns die Erklärung Halewys zu einer schwierigen Stelle in I. Makk. (1, 58) in deutscher Uebertragung. Die erwähnte Stelle lautet: „Mit ihrer Gewalt verfuhren sie gegen Israel, gegen diejenigen, die von Monat zu Monat in den Städten angetroffen wurden." Ehrentreu will (Jahrbuch III, S. 149) unter der Verfolgung der „von Monat zu Monat in den Städten Angetroffenen" die OHM verstehen, die zur n^2D kamen, welche ni2flö die Griechen eben unterdrücken wollten. Demgegenüber macht Kottek auf die Schwierigkeiten dieser Auffassung aufmerksam und zitiert er seinerseits die Erklärung Halewys (Doroth .Horischonim Io., Kap. 33—34), welche unter den von Monat zu Monat in den Städten angetroffenen die Leute bezeichnet, die sich, wie an den N1N2V, so auch an den o'ttnn 'two versammelten, um Lernvorträge anzuhören. Halewy führt für die Richtigkeit seiner Angaben eine Anzahl von Beweisen aus tnwtn W8'2) DWnttl, wie auch aus an. Schließlich teilt Hansdorff -Baltimore eine originelle Auffassung der i"s pirüD «nBDin mit, die alle KYTQ 'Jpt vniw mo jnrp in Anwendung auf den Speziattall von nDS rav nrm bringen will. ücherfcha«. Natur und Geist. Bon R. W. Emerson. Aus dem Englischen übertragen van Wilhelm Meißner. Eugen DiedertchS. Jena 1907. Ein eigentümliches Buch, das mehr Gefühle und Ahnungen alS Ideen zum Ausdruck bringt. Der Verfasser will den Sinn der Natur ergründen. DaS innerste Wesen der Natur ist chm der Geist. „Sie erzählt überall vom Geist. Sie läßt das Absolute ahnen. Sie ist immer Wirkung." Auch im gewerblichen und industriellen Leben ist das Wesen der Geist. Hier ist die Tätigkeit deS ErinöenS und WtederfinbenS das geistige Band,' alles übrige ist nur eine mechanische Wiederholung der ersten E.finderarbett. Und weil überall die Beziehungen zur geistigen Natur vorhanden find, deshalb ist die Natur mmtt im Bunde mit der Reltgon, gibt sie ihren Glanz und ihre Reichtümer dem religiösen Gefühl. Aber dieses geistige Wesen offenbart fich erst durch die Beziehung zum Menschen. „Alle Erscheinungen in der Naturgeschichte, an und ür fich genommen, haben keinen Wert, find unfruchtbar, wie ein einzelnes Geschlecht. Gib ihm den Schein, der von der Geschichte des Menschen auSgeht, und sie find voll Leven. Alle Bücher über die Flora, alle Bücher von Ltnnö und Büffon find trockene Tatsachenkataloge. Aber die geringwertigste dieser Tatsachen, der 9mi der Marche, ihre Organe, oder Arbeit und Ernährung eines JnseltS, btldmäßig auf eine Tatsache der Philosophie des Geistes angewenbet, bringt fie unS auf sehr lebhafte Weift und angenehm nahe" (S. 33). Indessen kann auch der Mensch diesen Sinn der Natur nicht burch bloßes Forsche» ergründen, und eine- Ahnung ist oft fruchtbarer als eine unzweifelhafte Versicherung. Diese Gedanken worden in einer Reibe von Effahs über Schönheit, Sprache, Erziehung, Idealismus, Instinkt, Gedächtnis, Unsterblichkeit durchgeführt. DaS Vertrauen auf den Fortschritt der Menschheit offenbart fich besonders in der Abhandlung über den Krieg. Wir sollen von der Geschichte lernen, auf die Gedanken und nicht auf die Umstände zu vertrauen. T ie bessere Einficht wird überall den Steg erringen. Trotz vieler treffender Bemerkungen und Beobachtungen, denen man bei Emerson immer begegnet, muß ich indessen doch sagen, daß die Lektüre dieses BucheS ermüdend wirkt. Der nüchterne Leser kann eS auf die Dauer nicht ertragen, wenn fortwährend mit Gefühlswerten und Allegorien operiert wird. Dazu kommt noch^ daß der Ueberfetzer offenbar nicht auf der Höhe seiner Aufgabe steht und daß ihm auch sprachlile Härten unterlaufen. (Man vergleiche z. B. S. 235 die sonderbar unverständliche Wendung: „Verderbnis hat ihren Schlachthausstil des Denkens/ ) Gerade Emerson stellt an den Ueberfetzer außerordentliche Anforderungen, denen nur ein Meister -er Sprache gewachsen ist. 1. II. astv rm* 'pbn SaS p"aa *inrn nnn pn ’Jöö 'i'iiDüi Dpte rrnin *?aa ♦"[«□arpK1? p"pa an onnp pan Die vorliegende Monatsschrift, die dereitS nach chrem ersten Etscheinen in überaus anerkennender Weise am dieser Stelle besprochen wurde, i at nunmehr-ihr erstes Probejahr hinter fich. Diese Tatsache an und für fich ist nicht nur ein Beweis für das Bedürfnis und die Lebenskraft des Unternehmens, sondern fie legt auch Zeugnis für den regen Sinn ab, der trotz aller Klagen dennoch in Oesterreich, und speziell in Ungarn, für dteseS- Gebiet der Thora Vorhaiden ist. Der Herausgeber hat eS auch verstanden burch die Vielseitigkeit und Gediegenheit des in dieser Mo» alsschrist Gebotenen den an fie geknüpften Erwartungen in ausgiebigster Weise zu ent-- sprechen. Die Zeitschrift enthält Betrachtungen über die Wochenabschnitte der Thora des betreffenden MonatS und ebenso Materialien für Gelegenheitsreden bet Hochzeiten^ Bris-Mtlo u. a., wodurch fie fich bei Rabbinern, Predigern und Lehrern, sowie allen solchen, die bet derartigen. Anlässen alS Redner daS- Wort führen, rasch etngeführt hat. Dieselben sahen deshalb dem allmonatlichen Erscheinen des lehrretchm Blattes jedeSmal mit großem Interesse entgegen. Außer hervorragenden zeitgenössischen Kennern der . Agada, deren Erklärungen wir hier begegnen, bringt die- Zeitschrift auch treffltche handschriftlich erhaltene Ausführungen von bereits hetmgegangmm Koryphäen der Thorawtsienschaft. Der reichhaltige Stoff ist übersichtlich und systemattsch geordnet, sodaß jeder vaS ihm Zusagende unschwer findet. Bet aller Reichhaltigkeit des Inhalts beträgt -er jährliche AbonnementSpreiS nur 6 Sternen für Oesterreich- Ungarn und Deutschland, und 8 Kronen für die übrigen Länder daS Blatt ist durch den Herausgeber I. Krauß, Rabbiner in Lakompak (Sopron m. Ungarn) zu beziehen. E. Entsteh««- «nv Entwickln«- des EhassiviSwnS von Dr. BograLschos.f, Louis Lamm Berlin 1908. „ Die vorliegende Broschüre zeichnet sich vor anderen Werken, die denselben Gegenstand behandeln, besonders dadurch auS, daß sie mit knappen Worten, in systematischer Folge uns die Entstehung und Entwicklung des Chassidismus vor Augen führt, ohne die klare Darstellung durch Erzählungen aus dem reichen Legendenschatz des Chaffidrsmus zu verschleiere ein Fehler, in den die meisten Darsteller dieser Sekte verfallen. Besonders schätzenswert ist, obwohl er keine» Anspruch ans Bollständigteit machen kann, der biblior hische Anhang, der tn chronologischer Reihenfolge historisch-kritischen Merke über den Chassidismus und die Schriften der chassidäischen Partei enthält. Obwohl an manchen Stellen die Gesinnung des Ber- 'assers, die sich gegen das gesetzestreue Judentum und ie .Haarspalterei" oes Talmuds richtet, stark abstößh, bildet die Abhandlung eine ziemlich objektive Darstellung der darin behandelten Tatsachen. Y. M. Dotiz. „In der „Literarischen Warte" Nr. 38 vom 21. v. M. wird auf eine korrumpierte Stelle im *)öpü der Röoelheimer Ausgabe austnerksam gemacht. In meinem (Wiener Ausgabe lautet hie bett. Stelle: R'aN^ N^Na VN21, nach meinem Dafürhalten die richtige Lesart. Der Verfasser verfifiztert die Schöpfungsgeschichte 'und dieser Absatz bespricht die L chüpfungen des fünften Tages, die der Wafferttere und Meeresungeheuer Ein solches ft'^a VN) war eS, welch«- dm Propheten n)1', nachdem eS ryn verschlungen, an die Küste von Ninwe auSgesvteen, daher ^2Na-^ Wenn schon verbessert werom soll, würde rch -lese Berpon empfehlen. Postybn, 2V. SepttmVer 1908. EiSler Piukaß.