Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1908)
- Date
- 1908-10-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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cfoeNX/arf ilicraris Die Jude» im Urteil (Itr griecdiscdrn und römische» Scbriftsiellcr. Aus dem litcra isch n Nachlnsse von Solm Berlin. (Fortsetzung.) Doch Ariftius entgegnet: „Ich denke wohl daran, doch werde ich es zur geeigneteren Zeit dir sagen. Heute ist der dreißigste Sabbat. Willst du etwa die beschnittenen Juden beschimpfen?" Worauf Horaz: „Ich habe keine Religion." Darauf Ariftius: „Ich wohl, ich bin darin etwas .schwächer angelegt. Einer von Vielen. Du wirst verzeihen. Wir reden ein anderes Mal." Wir finden auch in dieser Satire einen Beleg dafür, daß Männer der Gesellschaft wie Ariftius Fuscus, den Horaz sich als unus rnniiornrn bezeichnen läßt, ohne Jude geworden zu sein, sich den jüdischen Gebräuchen angeschlossen, besonders die Sabbathfeier mit ihnen begangen haben, und wenn Horaz der dem Ariftius in den Mund gelegten Frage: „Willst du etwa die beschnittenen Juden beschimpfen" mit der gemürlichen Antwort begegnet, daß er sich über Religion erhaben fühle, so klingt dies durchaus nicht gehässig, ist aber vollständig begreiflich von einem Manne, der wie Horaz denkt, der nichts glaubt, der sich als einen seltenen Verehrer der Götter bezeichnet und den Grundsatz aufstellte, man solle bei der Kürze des Lebens nur das ^Leben genießew Endlich in der fünften Satire gibt eine Reisebeschreibung ihm Gelegenheit, von einem abergläubischen Wunderglauben zu reden, auf den er in Egnatia stieß. Da heißt es : das glaube der Jude Apella, nicht ich, denn ich habe gelernt, daß die Götter hinleben in Frieden, und wenn irgend einmal die Natur Wunderbares erzeugt, sind es nicht immer traurige Götter, die aus der Höhe dies auf die Menschen herniedersenden. — Nicht die Leichtgläubigkeit der Juden wird hier satirisch hervorgehoben, sondern ihr Vorsehungsglaube ist es, den Horaz als Epicuräer zu bekämpfen Gelegenheit nimmt. - In btn Dichtungen des Tibull und Ovid kommen einige harmlose Stellen vor, die aber doch Erwähnung finden mögen, weil sie gleichfalls für das gesteigerte Interesse, welches Römer und Römerinnen für das Judentum, besonders für die Sabbatfeier an den Tag zu legen beginnen, ein sprechendes Zeugnis find. Tibull klagt: ' ~ Um Rom und meine Geliebte nicht zu verlassen, suchte ich allerlei Vorwände. Bald berief ich mich auf den Flug der Vögel, bald auf unheilverkündende Vorzeichen, bald auch schützte ich vor, durch die Feier des Sabbat zurückgehalten zu sein. Ovid in seiner „Kunst zu lieben" empfiehlt unter anderen sür Zusammenkünfte geeigneten Plätzen die Sabbatfeier der Juden als geeignet, um eine Beziehung zu knüpfen; in seinem remeäium amoris erteilt er den Rat, man möge sich, wenn man entschlossen sei, seine Geliebte zu verlassen, nicht durch den Kult des Sabbath zurückhalten lassen. — Was nun die ernste Literatur, die Geschichtschreiber der auguslinischen Zeit betrifft, so würde uns besonders Livius interessieren, weil dieser Schriftsteller durch Unparteilichkeit und Gerechtigkeit des Urteils besonders hervorragt. Aber leider find gerade die Abschnitte seines Geschichtswerkes, welches die Einnahme Jerusalems durch Pompejus behandelt haben, verloren gegangen. In der erhaltenen Inhaltsangabe dieses Abschnitts ist vielleicht ein kleiner Zug von Wertschätzung für die Juden enthalten, wenn Livius darin sagt, daß Pompejus den Jerusalemischen Tempel erstürnrt habe, der bis dahin noch unverletzt, geblieben war. Und nach der Ansicht neuerer Kritiker besitzen wir im Dio Cassius, einem Schriftsteller des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts ein Zitat aus Livius Werke, welches also lautet: Woher stammt der Name „Juden". Ich weiß es nicht. Feststeht, daß diese Bezeichnung auch auf Menschen anderer Abstammung bezogen wird, welche die Gesetze der Juden befolgen. Man trifft üe auch unter den Römern an. Oft unterdrückt, haben sie immer wieder Kraft gewonnen und schließlich sich das Recht erworben, ihre Gesetze frei ansüben zu können. Diese Menschen unterscheiden sich von der übrigen Menschheit durch ihre ganze Lebensweise, besonders aber darin, daß sie keinen der anderen Götter verehren, nur einen einzigen mit großer Hingebung. Selbst in Jerusalem hatten sie niemals ein Bild ihrer Gottheit. Sie halten ihren Gott für unaussprechlich und unsichtbar und sind eifriger in der Verehrung als die übrigen Menschen. — Wenn die Kritiker im Recht sind, daß diese,7wenn auch vom heidnischen Standpunkte gezollte Anerkennung dem Werke des Livius entstammt, haben wir unr'so begründetere Ursache, den Verlust des berühmten Werkes zu beklagen. Das Geschichtswerk des Trojus Pompejus, welches verloren gegangen, von dem wir aber einen etwa im 3. Jahrhundert angefertigten Auszug besitzen, erweist sich vielfach abhängig von der judenfeindlichen Literatur, deren Lügen durch 2 Schriftsteller, einen griechischen und einen ägyptischen, in dieser Periode in verbesserter Auflage aufgefrischt worden waren, und welche Trojus Pompejus als Quelle benutzt hat. Doch sein Zeitgenosse Strabo legt ein unwiderlegliches Zeugnis dafür ab, daß in der augustinischen Zeit dem Judentume ein hohes Maß von Verehrung gezollt wurde. In seinen geschichtlichen Erinnerungen, die Strabo in griechischer Sprache geschrieben hat, und von welchen viele Bruchstücke erhalten sind, heißt es: Moses sagte und lehrte, daß die Aegyptier und Libyer Narren wären, wenn sie Gott unter Tiergestalten darstellten, auch die Griechen seien nicht viel weiser, wenn sie der Gottheit menschliche Gestalt verliehen, denn das Eine allein sei Gott, das uns Alle und Erde und Meer umfaßt, das wir Himmel und Welt und die Natur der Dinge nennen. Welcher Vernünftige möchte es wagen, davon ein Bild zu machen, welches einem unserer Dinge ähnlich sei. Vielmehr aufgeben müsse man alle Anfertigung von Bildern und einen würdigen Tempel Gott weihend. Ihn ohne Bild verehren. (Fortsetzung folgt.) Das könne Jahrbuch der iödiscd- Lilerariscben Sesei'scbLkt. Tr. Ph. Frankl in Halberfa'dt. (Schluß.) In den „Untersuchungen zum Siddur des Gaon R. Amram" vergleicht Prof. Alex. Marx-Newyork die vorhandenen Handschriften des Siddur mit der uns vorliegenden Edition. Die Handschrift „Codes British Museum 206," die der Edition Eronel als Vorlage diente, bezeichnet M. als die älteste zwar, aber auch als die mangelhafteste der verschiedenen Handschriften, von denen er der Handschi ist Sulzberger — aus der Bibliothek Halberstamms — den Vorzug gibt. Ter Vergleich mit den Handschriften ergibt, daß die Edition Coronet einerseits eine Anzahl von MLOI.I enthält, die nicht von Gaon R. Amram stammen, andererseits aber, wie aus dem Vergleich mit den Handschriften ersichtlich — vieles von R. Amram herrührende weggMieben ist. Durch Heranziehung aller vorhandenen Handschriften und auch der verschiedenen Handschristen- Fragmente, aus. welchen M. seine D'nprvi MLO1N hat und durch deren Vergleichung mit der Edition hat der Vers, zur Möglichkeit einer - kritischen Neuausgabe des Siddur R. Amram viel beigetragen. Im Eingänge gibt uns M. eine kurze Uebersicht der Geschichte der Entstehung des S. A. und der Vorarbeiten seitens früherer Geonim, wie pix pp 31, 'KrtM 3t und des m?r:i npm, die dem Gaon R. Amram bei seiner Arbeit Vorgelegen haben. Dr. Eppenstein-Briesen fährt in der Edition des Kommentars i> zu fort und läßt er nun auf den im letzten Jahrbuch veröffentlichten Kommentar zu D'&SIV das zum yenm "t£D folgen. Der Kommentar zu diesem Buche ist leider nur fragmentarische vorhanden, er beginnt mit VIII, Vers 13. Auch in diesem Buche lassen sich gewisse Beziehungen zwischen den Kommentaren Raschi'S und Karo'S Nachweisen. Die Veröffentlichung der Vorhände -4 UM