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Der Israelit · 1908-10-22 · Heft 42 (22.10.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 42 (22.10.1908)
Date
1908-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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20 Oktober 1908. Der J-raeur. Nr. 43. Sette 6 eine ausist: hier msich auLveite mchäßt: e n." erter äeser imal nner t zu aus und >eren lsten- . Er s sei ud e iLch. )ings von von : von veise, deren auch sich e zur rszug efun- -r tzi, lesen, s ist, : santrechdieser » ein nach ischen aber enheit gleich )iener ,Mne ächten Lachen r an- Berlschen, findet, hinzuweisen, denen trotzdem ebensowenig wie den Schwaben und den Ostpreußen Jemand die Zugehörigkeit zur deutschen Nationalität abspvechen wird. Sprechen nicht die Sefardim das Hebräische ganz anders aus wie die Aschkenasim, und haben nicht unsere polnischen Glaubensgenossen, oder gar die in Lithauen wohnenden, die bekanntlich das sch nicht sprechen können, eine ganz andere Aussprache als wir? Selbstverständlich verstößt Chamberlains Hypothese gegen die Grundlehre des Christentums, die ihren Stifter als den von den Propheten vorher verkündeten Messias bezeichnet, der ein direkter Nachkomme des Königs David gewesen sei. Chamberlain aber ist auf Grund seiner „Beweise" seiner Sache so sicher, daß er sich zu verleumderischen Behauptungen versteigt, die niedriger gehängt zu werden verdienen, weil sie seine ganze Mlcksichtslosigkeit und seine nur schlecht verhüllte gehässige Kampfesweise kennzeichnen. Renan, der berühmte französische Historiker, hatte nach anfänglichen Zweifeln seine wissenschaftliche Meinung in die Worte zusammengefußt: Jesus etait un ML". Hierzu macht Chamberlain die boshafte Bemerkung: >,Sollte nicht die Alliance Mraölite, mit der Renan in seinen letzten Lebensjahren in io eifrigem Verkehr stand, hier ein Wort mitgerÄ>et haben? In unserem Jahrhundert haben wir so viel Schönes über die Freiheit der Rede, die Freiheit der Wissenschaft usw. gehört. In Wahrheit sind wir aber nie ärger geknechtet gewesen, als im 18. Jahrhundert, denn zu den früheren Gewalthabern, die nie in Wirklichkeit entwaffneten, kamen neue, schlimmere hinzu. Der frühere Zwang konnte, bei allem bittern Unrecht den Charakter stärken, der neue, der nur von Geld ausgeht und nur auf Geld hinzielt, entwürdigt zur niedrigsten Sklaverei." Wer Chamberlain' geht noch weiter. Er behauptet, der Stifter des Christentums sei auch kein Jude der Religion nach gewesen. Zwar kann auch er nicht leugnen, daß der Heiland die Gebote der jüdischen Religion beobachtet habe, das habe er aber nur deshalb getan, well ihm jede äußere Religionsform gleichgültig gewesen sei! Was aber den Gedankeninhalt der Religion anbetrifft, so stehe er zum Judentum in einem GegenfaL wie er größer nicht gedacht werden könne. Hier begegnen wir wieder den alten abgestandenen antisemitischen Phrasen: „das Christentum ist hie Religion der Liebe, das Judentum eine Religion des Hasses und der Rache". Das Judentum eine Religion des Menschenhasses! Das Judentum, das zuerst die Nächstenliebe auf seine Fahne geschrieben, das unter seine Staatsgesetze die Vorschrift aufgenom men, mit der es noch heute unerreicht und ohne Nachahmung dasteht im Kreise der Nationen (der arischen einbegriffen), „liebet den Fremdling, ein Gesetz sei Euch dem Fremden, wie dem Eingeborenen des Landes, Ihr wißt ja wie dem Fremdling zu Mute ist, denn Fremdlinge seid Ihr selbst gewesen, im Lande Aegypten". Eine Religion des Menschenhasses soll das Judentum sein, das doch niemals Scheiterhaufen für Andersgläubige entzündet, Ketzengerichte, Inquisition und ähnliche von ächter Menschenliebe zeugende Einrichtungen nie gekannt, wohl aber eine Armenpflege, eure Fürsorge für Witwen und Waisen geschaffen, die von keinem Volk der Welt übertroffen worden sind und dessen weise Lehrer im Talmud sagen: „Drei Eigenschaften sind die Kennzeichen der Juden: Barmherzigkeit, Schamhaftigkeit und Wohltätigkeit. Wer diese Eigenschaften nicht besitzt, dessen Väter haben nicht am Sinai gestanden". Was nützen Bernunftgründe dem verbohrten Hasse gegenüber, von dem Chamberlain den Juden gegenüber erfüllt ist? Er ist nicht zu belehren, weil er nicht belehrt sein will. Sein Haß führt ihn zu schiefen Urteilen und zu falschen Behauptungen ohne Zahl. Nach seiner Auffassung, um nur ein Beispiel anzuführen, steht der Jude seinem Gott gegenüber im Verhältnis des Sklaven zu seinem Herrn, der strengen Dienst von ihm verlangt und er, der bibelkundige Gelehrte, kann nicht oder vielmehr er will den schönen Satz der Thora nicht kennen: „Kinder seid Ihr dem Ewigen, Eurem Gotte." (Schluß folgt.) orrespondenzen und 'Machrichten. AeutNhe» jftetd?. Berlin, 19. Oktober. Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" hielt Samstag abend im großen Saale des Architektenhauses seine gut besuchte Generalversammlung ab, der auch zwei Vertreter des österreichischen Brudervereins beiwohnten. Der Borsttzende, Dr. Th. Barth, hob in seiner scharf pointierten Eröffnungsrede hervor, daß der eigentlich gefährliche Antisemitismus nicht der brutale der Ahlwardt und Pückler, sondern der in Glacehandschuhen sei, — jener Antisemitismus, wie er in wissenschaftlichen Vereinen und „vornehmen" Parteien seine Stätte habe. Was will es demgegenüber heißen, wenn einzelne Juden durch Titel und Orden „ausgezeichnet" werden? Wir wollen nicht Wohlwollen für einzelne Juden, sondern Gerechtigkeit für alle, denn wir sind kein Verein von Juden und für Juden, sondern ein Verein zum Kampfe gegen die Rechtsungleichheit. Lebhafter Beifall begleitete diese Ausführungen. Der bisherigen Vereinsleitung wurde durch Wiederwahl durch Zuruf das allgemeine Vertrauen bekundet. Dann sprach der bayerische Landtagsabgeordnete Professor Günther in überaus fesselnder Weise über „Vaterlandsliebe und Bodenständigkeit der Juden." Er wies auf die Lächerlichkeit hin, den Juden einen Borwurf daraus zu machen, daß sie nur selten den Acker bebäuten, nachdem ihnen Jahrhunderte hindurch jeder Grundbesitz verboten worden sei. Alle wirklich großen Fürsten hätten Verständnis für die wertvollen Eigenschaften der Juden gehabt, mindestens die Toleranz ihnen gegenüber geübt. Das letzte Referat erstattete Oberst G ädke. Er sprach aus seiner reichen Erfahrung heraus über die Zurücksetzung der Juden im Heere. Kein Kulturvolk sonst, führte der Oberst aus, kennt den Antisemittsmus im Militärwesen. In Frankreich, in England, in Italien, überall gelangt der Jude anstandslos zu den höchsten militärischen Stellen.. In Oesterreich gibt es 2000 jüdische Offiziere. Der Antisemitismus in der deutschen Armee ist lediglich ein Ausfluß des reakttonären Geistes. Seine Unsinnigkeit zeigt sich darin, daß zwar der getaufte, aber nicht der ungetaufte Jude Offizier wird. An die Restwate schloß sich eine anregende Debatte an. ver nürnberger Erfolg. München, 21. September. Die bereits wiederholt erwähnte bayrische Ministerialverfügung, durch die den Gefetzestrenen in Nürnberg das Recht des Dispenses vom neologen Religionsunterricht gewährt wird, hat folgenden Wortlaut: Die Borstandschast des Vereins Adas Israels Israelitische Religionsgesellichast in Nürnberg, bat mit Eingabe vom 24. August 1908 den Antrag gestellt, es möge gestattet werden: , 1. daß diejenigen Schüler, deren Eltern erklären, daß sie ihre Kinder an dem vom Staate eingerichteten israelitischen Religionsunterricht auf. n. 'SJ. n, feit :ty»r rg, der V ]T1 ü, find mterge« sem-'o ra bell, len tv* an dem Judeniyrt bat unend- (ür bitte uns essieren: er selbst >tsächlich le maßvir uit» rabbintt rß dann wah dir >ort. alle späteren ungarischen und viele bedeutende deutsche Rabbiner unserer Zeit wenigstens teilweise ihre Ausbildung genossen, alle, bewußt oder unbewußt, Träger seiner Weisheit, Kinder seines Geistes, Erven seiner Thora! Nach Tausenden ititb Abertausenden jedoch zählen die Schüler des großen Meisters auf dem ganzen Erdenrunde, in der ganzen Diaspora wird sein Name mit Ehrfurcht genannt und selbst in der Neuen Welt sind Jeschiwahs nach ihm benannt. So möge denn sein Geist fortleben in Israel r und für, möge er ein Führer für die Berirtten er Gemeinde Jakobs bleiben, ein Lehrer der Zerstreuten Jefchuruns! £ (Die Inden von Bulgarien.) Bulgarien, das jetzt im Vordergrund des Interesses steht, hat eine interessante jüdische Geschichte aujzüweisen. Die erste Judengemetnde des Landes wurde vor etwa 1800 Jahren gegründet, und ihre Zahl mehrte sich ständig. Als das Bulgarenreich im 12. Jahrhundert mit Venedig, Ragusa und Genua in Handelsverbindungen kam, gründeten viele jüdische Kaufleute dreser Städte Niederlassungen in den bulgarischen Donanhäfen, und der jüdische Einfluß kam auf diese Weise zu immer größerer Geltung im Lande. Als um das Jahr 1290 die Tataren in Bulgarien einfielen, wurde ihr HeerMhrer bei der Belagerung von Tirnotvo von einem Juden getötet. Vierzig Jahre später nahm Zar Iwan Alexander eine schöne Jüdin, namens Sa«ch, zur Frau, die als Zarin Feodora einen wesentlichen Anteil an der Regierung nahm. Beim Tode Iwan Alexanders kam der Mohn der jüdischen Zarin, Iwan Tschitschman, zur Regierung, der zahlreichen jüdischen Flüchtlingen aus Ungar» Äufnatzne in fein Reich gewährte. Unter der Türkenherrfchaft lebten die Juden Bulgariens ebenso wie die der anderen Provinzen des Reiches, und wir haben keine Kenntnis von irgendwelchen besonderen Vorkommnissen. Dagegen haben die Juden im Jahre 1877 bei dem großen Brande von Sofia sich um die Rettung der Stadt sehr verdient gemacht, und in Anerkennung dieser Tatsache bestimmte Fürst Alexander im Jahre 1879, daß die Feuerwehr von Sofia aus jüdischen Bürgern gebildet werden sollte. Im Kriege gegen Serbien (1LLS) fochten die bulgarischen Juden mit großer Auszeichnung, und Fürst Alexander hob ihre Verdienste besonders hervor, inoem er sie „echte Nachkommen der alten Makkabäer" nannte. Gegenwärtig besitzen die Juden nominell alle Bürgerrechte, ob auch in letzter Zeit dort eine antisemitische Bewegung 'sich bemerkbar macht. (Reologe Spezialitäten.) Aus Kvmorn wird berichtet: In einer - Gemeinde im Komitat Komorn sollte das neue jüdische Bethaus eingeweiht werden. Zur Vollziehung dieser Zeremonie wurde der Rabbiner einer NachLargemeinde eingeladen, doch konnte er dem Ersuchen nicht Folge leisten, da er der ungarischen Sprache nicht mächtig ist und die „jüdischmaauwische" Gemeinde eine deutsche Predigt nicht hören wollte. Es wurde deshalb der evangelische Seelsorger einer benachbarten Gemeinde gebeten, die Einweihung vorzunehmen. .Der Seelsorger kam dem Wunsche nach und weihte die Symrgoge mit einer ungarischen Predigt ein. Nun komm in dem so geweihten Raum durch Chorgesänge und Orgelklänge der Ruhm der Gemeinde laut verkündet werden, die aus den Lehren ihrer großen Vorbilder die letzten Konsequenzen zieht und wnfefsionelle Grenzen auch in der Synagoge nicht kennt. (Znr Bekämpfung per Malaria.) Unter de» Berteidigungsmitteln gegen die Malaria, welche bekanntlich auch im heiligen Lande sowohl in einzelnen Kolonien als in Jerusalem selbst noch immer viele Opfer fordert, spielen eine Hauptrolle die Mittel Mr Vertilgung der als Träger de» Malariaparasiten geltenden Stechmücken. Neuerdings hat man nun versucht, durch Züchtung bestimmter Süßwasserfische, die die Larven bezw, die Eier der Stechmücken .eifrig fressen,, der Malaria entgegenzutreten. Mit diesen versuchen hat man, wie Professor Dr. Baglioni in Bechhold's „Umschau" mitteilt, in Jtalren auf Anregung des Königs begonnen, indem man einige Exemplare geeigneter kleiner Süßwasserfische aus Australien kommen ließ und sich überzeugte, daß diese Fischlein die Mückenlarven gierig ftessen. Auch bei einheimischen Fischen hat man ähnliche Versuche in Italien mit Erfolg angestellt. Es wäre dankenswert, wenn berufene Instanzen prüfen wollten, ob nicht auch in Palästina ähnlich vorzugehen wäre. (Dev Segen ver Mischehe.) Aus Nagy Mihaly wird gemeldet: Der jüdische Fabrikant Adolf Borgos wurde auf dem Krankenbette von dem katholischen Pfarrer Opitz getauft und mit den Sterbesakramenten versehen, weil es der Wunsch der Gattin Borgos war, die ihren Gatten auf dem katholischen Friedhof beerdigen wollte. Borgos ist mm aber genesen und protestiert gegen die Taufe, die er in bewußtlosem Zustande empfangen habe. ■U: . - -

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