Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 42 (22.10.1908)
- Date
- 1908-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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» eite 4 LS. Oktober 1908 Der Israeli». «r. 4L. fmdl wie die fpve« ficht auf die Wünsche des bisher systematisch zurückgesetzten Teiles der Bevölkerung zur Pflicht machen wird. Vom bOhmisdien nafionaliJäfenhampfe. In Böhmen wütet der Nationalitätenkampf zwischen Tschechen und Deutschen. Dag die Juden Böhmens, die sich als Religionsgemeinschaft fühlen und keine eignen nationalen Ansprüche geltend zu machen haben, an diesem Kampfe völlig unbeteiligt sind, ist so selbstverständlich, daß es müßig erscheinen müßte, diese Tatsache zu betonen. Indessen konnten die Juden auch hier, wie überall, wo der Parteien Hader je leidenschaftlich entbrannt ist, leider nicht allzulange der lachende Dritte sein und in der Reserve bleiben. Es hätte ein Wunder geschehen müssen, wenn die Juden nicht in irgend einer Weise in den Kampf hineingezerrt und in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Das Wunder ist leider nicht geschehen. Denn heute bringt die Tagespresse Nachrichten über wilde Ausschreitungen, die die Tschechen in Prag am vergangenen Samstag und Sonntag veranstalteten. Es wurden dort, wie berichtet wird, deutsche und jüdische Häuser demoliert. Unter den vom Volke erstürmten öffentlichen Gebäuden befand sich auch das jüdische Waisenhaus, das die von den Deutschen im Landtage gesungene «Wacht am Rhein" mit seinen Fenstern und Rolläden zahlen mußten. Man denke sich den Schrecken der armen, kleinen jüdischen Waisenkinder, die als „Vertreter des Deutschtums" einen Ansturm der tschechischen Helden über sich ergehen lassen' mußten. Daß Juden anläßlich einer Reibuna der nationalen Elemente gewaltsam aus ihrer Reserve herausgedrängt werden und zum mitleidenden, oft zu dem meist betroffenen Teil der Bevölkerung gemacht werden ist nicht neu. Allein die Vorgänge in Prag sind in ihrem Verhältnisse zu den betroffenen Juden, doch etwas eigener Art. Hier sind die Juden nicht als Juden, sondern als Deutsche insultiert worden. Dieser Umstand muß besonders hervorgehoben und festgehalten werden. Der Volkszorn war in der Tat nicht gegen Juden, sondern gegen Deutsche und das Deutschtum gerichtet, worüber sowohl die Vorgeschichte als auch der Verlauf der Ausschreitungen nicht den geringsten Zweifel gelassen haben. Nur hatte die bei den Tschechen entfesselte nationale Leidenschaft die konfessionellen Grenzen verwischt. Im Kampfe gegen die Deutschen machte man vor den Deutschen jüdischer Konfession keinen Halt. Denn als Deutsche werden die Juden von den Tschechen, wie überall in den slawischen Ländern betrachtet. Man denke nur. an den wütenden wirtschaftlichen Kampf, den die polnische Presse in den Oftmarken Preußens gegen die deutschen Juden führt. Daß hier wie dort der Auffassung vom Deutschtum der Juden starke aus nationalem Fanatismus bedingte Übertreibung zugrunde liegt, braucht noch kaum betont zu werden. Aber wir können es nicht'ableugnen — und haben auch gar keinen Grund dazu —, daß der Jude sich seiner Natur und Wesensart nach überall der deutschen Kultur näher fühlt als der slavischen. ^ine Tatsache, die aber fatalerweise nur von den Slaven anerkannt wird. Die „Christlich-sozialen" in Böhmen und Oesterreich werden sich durch die eingeschlagenen Fensterscheiben im Judenviertel Prags kaum eines besseren belehren lassen. So wenig wie sich die antisemitische Presse in Deutschland durch die von den Polen ausgehende Judenhetze etwa davon abhalten läßt, von den jüdischen Verrätern und Feinden des deutschen Vaterlandes zu faseln. ßbamberlafn. Von Rabbiner Dr. Cohn, Basel. (Dank der Stiftung eines arischen „Volksfreundes" werden in der letzten Zeit die Werke Chamberlains in billigen Ausgaben unter das Volk geworfen. Auch wer Chamberlain noch nicht kennt, weiß durch die Zeitungen bereits soviel, daß der begabte Schriftsteller in seinen Schriften und Werken sich das Ziel gesetzt hat, Juden und Judentum zu verhöhnen und zu verdächtigen und die Tendenz, die den angestrengten Bemühungen diese Werke zu verbreiten, zu Grunde 'liegt, ist allzu durchsichtig. Es scheint uns daher sehr angebracht, die nachstehenden Ausführungen unseres sehr geschätzten Mitarbeiters zur Orientierung jetzt zu veröffentlichen. Die Redaktion.) Es ist ein gefährliches Werk, in dem „die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" von Chamberlain gezeichnet werden, nicht weil es interessant und geistvoll geschrieben ist, sondern vor allem, weil es sich geschicft in das Gewand der Wissenschaftlichkeit hüllt und mit seinem gelehrten Apparat, mit seinen zahllosen Anmerkungen, die von großer Belesenheit Zeugnis ablegen, einen bestechenden Eindruck auf diejenigen macht, denen die Möglichkeit fehlt, die Behauptungen des Verfassers nachzuprüfen. Wie seltsam mutet es uns Juden an, und wie unglaubwürdig erscheint uns der Verfasser, wenn er allen Ernstes behauptet, jeder Jude wisse die 613 Gebote der Thora auswendig (sic!) und der Talmud enthalte 13,600 Gebote. (Ausgerechnet!) Ueber die Tendenz der.Schrift, die auf eine Verherrlichung der germanischen Russe hinausläuft und deren tkoma probanckum der Satz ist: „ales Heil kommt von den Germanen", ist hier nicht der Ort, näher einzugehen. Mehr interessiert uns das dritte Kapitel, in welchem sich der Verfasser über Juden und Judentum ausführlich entspricht und aus welchem die zweite beherrschende Tendenz des Buches hervorleuchtet, die sich in die Worte zusammenfassen läßt: „alles Unheil kommt von den Juden." Chamberlain bekennt sich als begeisterter Verehrer des christlichen Religionsstifters, dieser „persönlichsten Persönlichkeit", wie ihn einmal Kaiser Wilhelm nach dem Vorgänge von Chamberlain genannt hat. Gewöhnlich pflegen Männer die so denken, die Pflicht der Dankbarkeit zu empfinden dem jüdischen Volke gegenüber, aus dessen Mitte ihr Heiland hervorgegangen und der jüdischen Religion gegenüber, als deren „Krönung" und „Vollendung" sie das Christentum betrachten. Ganz anders Chamberlain. Er stellt die paradoxe Behauptung auf, Christus sei gar kein Jude gewesen! Zunächst kein Jude seiner Nationalität, seiner Rasse nach. Er ist bekanntlich aus Galiläa. Allerdings waren, wie Chamberlain zugibt, die Juden von Galiläa die orthodoxesten und fanatischsten von allen. Aber schon der ursprüngliche Namen von Galiläa „gelil hagojim", „Heidengan" beweise, daß dort von jeher ein Gemisch aus anderen Völkerschaften sich angesiedelt, die allerdings auch vorwiegend Semiten waren, unter denen sich aber auch Arier befanden. Ueberdies habe zur Zeit der Makkabäer ein vollständiger Auszug der eigentlichen Juden aus Galiläa stattgefunden, so daß als ziemlich sicher anzunehmen hei, Christus sei der Rasse nach kein Jude gewesen. Wie dünn und fadenscheinig dieser Beweis ist, springt in die Augen. Die Makkabäerkämpfe fanden ungefähr 160 Jahre vor unserer Zeitrechnung statt. Es ist anzunehmen, daß in dieser Zeit hoher Blüte des jüdischen Volkes ein Zurückströmen der jüdischen Bevölkerung nach Galiläa, dieser großen und herrlichen jüdischen Prozinz stattgefunden habe. Wenn sich aber Chamberlain hauptsächlich aus die Verschiedenheit der Sprache beruft, daraus, daß man sie gleich beim ersten Worte erkannte, so daß die Diener des Hohenpriesters dem Petrus zuriefen: „deine Sprache verrät dich", daß nach den Berichten der Alten ihre verwahrloste Aussprache Lachen erregte, so daß man sie nicht als Borbeter anstellen konnte, so braucht man nur an die Verschiedenheit in der Aussprache des Deutschen, die sich zwischen Bayern und Sachsen noch heute Bon der Erfüllung dieses letzteren Wunsches liegt ein großer Teil in unserer Hand. Wenn wir wollen, redlich, ernstlich wollen, wenn wir unsere Kinder mit dernselben Ernst zu Juden und Kennern der Thora erziehen wollten, wie wir sie einst als tüchtige 'Geschäftsleute glänzen Tjehen möchten, so läge in diesem bloßen aufrichtigen'Streben eine große Garantie für seine Verwirklichung. Wenn unsere Zeit auch nur die Hälfte von dem Fortschritt, von der Bildung und Aufklärung besitzen sollte, die sie sich selber so gern zusprrcht, so müßte sich das im Verkehr mit ihren Kindern und in Her Fürsorge für ihre Zukunft äußern. Wirklich Gebildete, aufgeklärte jüdische Eltern können die nun beginnenden langen Wintermonate nicht im Wirtshaus, im Theater und mit Zerstreuungen und Tändeleien ähnlicher Art verbringen, statt sie ihren Kindern zu widmen. Ich denke dabei nicht an diejenigen Eltern, die bereits selber kalt und gleichgültig ihrem Judentum gegenüberftehen, sondern an diejenigen, die noch in treuer opferbereiter Liebe daran hängen und kein größeres Unglück kennen, als daß ihr Kind einst die große Zahl der Verwüster unseres Bätererbes noch vermehren möchte. Wie müßten sie Tag und Nacht, früh und spät mit rastloser Emsigkeit nach Mitteln suchen, ihren Kindern nicht nur die rrnj> sondern auch die Freude an ihr, Iffin 71NYD zu erhalten und im heißen Gebet vom Geber der rnin we Erfüllung des Wunsches erbitten: £nj?ni m tqp 'S21 vto imin nan m 'X U H TMin lato wittcuan wüh rrrwi bimtr Wie waren doch die Altvordern so erfinderisch in Mitteln und Wegen, den Kindern bie ,Tl1fi flWfii®* nehm zu machen, wie.verstanden sie es j-j-ytf-, tfnipfc nicht auf einen einzigen Tag im Jahre zu beschränken, sonderrr diese Freude auf jeden Tag des Jahres zu verteilen! Schon wenn das Kind die heiligen Zeichen lallen und lesen lernte, warf der $$^.2 ihnen Leckerbissen als Belohnung zu; die jüdische Sitte bestrich die Buchstaben mit Honig um dem Kinde die Worte der Thora „süß" zu machen; nach Beendigung jedes Buches, jedes Traktates wurde durch eine Schlußfcier wirklich ."HITl fifiiptP gefeiert und kein Band wurde geschlossen, ohne, erneu neuen zu beginnen. Sie waren so groß im Spornen und Lehnen des tinoerlicheu Fleißes, während unsere Zeit sich mehr auf's Strafen der kindlichen Untugenden versteht. Das ist alles so wahr und klar, so einfach und schlicht, daß ich meine, die Wahrheit müsse sich doch noch einmal in unsere Kreise Bahn brechen, daß es ker e rnifl obne miD DHÖtt? gibt, und daß alle Weh, das uns als Volk getroffen, uns nur deshalb traf, weil wir Gon nicht mir j"jnblP di Men — Deshalb soll mich das Scheiden des rnin linöttf nicht Jriitie stimmen, sondern mich vielmehr bestimmen, den scgeu der Feiertage mit hinaus zu nehmen ins neu anzutretende neue winterliche Leben, wie wir es in den jüngsten Tagen früh und spät von Gott erbaten: Jbwb*\ a»rb “pria firn n* '» 'n uxwu Deshalb, wie auch 'die andern einstweilen noch darüber denken möge: 'n fix 12V2 VTO1 ’S* und mein Haus, wir wollen Gott dienen, und zwar freudig dienen und. auch mitten im Geschästsleben Nicht vergefien: mi!"© mnD 2112 '2. pegn keines Feuilleton. ganj habe oder kanr andk Hyp die vorh direl feiweist Verl, tuet feine fchle. zeich battk fchaf faßt berlc der! eifti( xebet wir die ' Wah wesei ftüh< entw Der Unre nur hinzi haup auch wesei daß drfchi aber Relic aber trifft aü, I antik hie 9 ginn Mn alle f Rabbi bildm sein fein Dem Andenken Rabbi Mose« Sofer« S"¥?» Am 25. Tischri 5669 sind 70 Jahre verflossen, seit' dem ein Großer in Israel, Rabbi Moses Schreiber^A, ans Frankfurt a. M., Oberrabbiner in Preßburg, Der j „Lehrer der gesamten Diaspora" bD blD pli wie er bei seinen Zeitgenossen hieß, zu die § Erden mit 6 sind , € r -u er C strout« £ seinen Vätern versammelt wurde. Siebzig Jahre find es her, daß seine Sonne unserem Volke unterge«' gangen, 70 Jahre, daß die heilige Flamm? seines Geistes erloschen ist und Mch immer ist es da bell, wo Chat Ham Sofer die dunklen Stellend>'^ und Kfinj?JSt? erlcuchrrt, wo ct uns von dem Wege des Irrwahns und des „aufgeklärten" Judentums auf die Psa'-e der und geführt bat! ich.'! mtere Jude, aearü Das jüdische Volk schuldet diesem Manne unendlich viel; denn er hat Gewaltiges geleistet für di'! Verbreitung der rHlft- Beionoers aber dürfte mt-?! sein Einfluß auf das deutsche Judentum interessieren:! auch hier müssen wir sagen, übt Chasham Sofer selbst! heute noch eine entscheidende Rolle. Hauptsächlich! find > S feine Respons.n (zi 1V), die bis öcute maß'! gebend geblieben sind.: Hann aber erinnern wir uns! des Umstandes, daß die meisten ungarische« Rabbiner! f. tzt. zu Füßen R. Mosche Söfers faßen, daß dann! auch nach seinem Tode die Preßburger Jeschiwah dir» angesehenste in ganK Ungarn Web tzstch daß dort, fas Ragus deren derlas jüdiscl rer <8 Tatar bei d getöte der ei als | Regie der Regie Ungm