Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1908)
- Date
- 1908-10-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449340--64948-2507562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wziei?ung und E»el? Pill^ogiKi)tE(il Cebrernacbwucbs. Bon U in E. In den Streit, ob Lehrermangel oder Lehrerüberschuß besteht, will ich mich nicht einmengen. ES ist auch für den Gegenstand, den ich behandeln möchte, ziemlich gleichgiltig. Auch diejenigen, die vor dem Zudrang zum 'Lehrerberufe warnen zu müssen glauben, werden doch wohl zugeben, datz «s für den jüdischen Lehrerstand eine Frage von höchster Wichtigkeit ist, einen geeigneten Nachwuchs zu haben. Die Achtung, die man vor dem jüdischen Lehrerstand empfindet, wird sich immer nach der Tüchtigkeit seiner Mitglieder richten. Und wenn auf der einen Seite die jüdischen Lehrer sich dagegen wehren, daß sich ungeeignete Elemente in ihren Stand eindrängen, so erwächst ihnen auf der anderen Seite die Pflicht, für einen geeigneten Nachwuchs zu sorgen. Wir dürfen es nicht dem Zufall überlasten, ob diejenigen, die einmal in untere Fußstapfen treten sollen, den Anforderungen entsprechen, die man an einen tüchtigen Lehrer stellen muß, ob sie Erfüllt sind von jenem Geiste, der den Lehrerderüf auffaßt als einen hehren- und heiligen, ob sie gewillt sind, den religiösen Geist in den Gemeinden im Sinne. des alten, überlieferten Judentums zu pflegen oder nicht. Wer selbst mit allen Fasern seines Herzens an seiner Religion hängt, dem muß der Gedanke qualvoll sein, daß das, was er mit seinem Herzblut gehegt und gepflegt hat, dereinst vernachlässigt und daß die Saar, die Er ausgestreut, dereinst zertreten wird. Und wenn in Nr. 29 dieses Blattes die Aufforderung an die Lehrer ergeht, dafür zu sorgen, Haß es auch den kleineren Gemeinden nicht an einem Vorbeter fehle und sich die Ausbildung von Ainateur-Kantoren, wenn ich mich so ausdrücken darf, angelegen fein zu lasten — eine Aufforderung, der ich mich voll und ganz anfchließe —, so ist es nicht minder unsere Pflicht, uns für einen geeigneten Nachwuchs von Lehrern für mittlere und größere Gemeinden zu bemühen. Für diese Aufgabe ist tatsächlich niemand geeigneter als der Lehrer selbst. Er allein "arm ermessen, ob ein Knabe sich für diesen chweren Beruf eignet oder nicht. Schon manchem ringen Manne Wäre der Kummer, einen verehlten Beruf ergriffen zu haben, erspart geblieben, wenn sein Lehrer, der ihn von Jugend auf beobachtet hat, und seine Anlagen, jeine Fähigkeiten, seine Neigungen kennt, ihn vor einem Beruf gewarnt hätte, für den er nicht geschaffen war. In manchen Fällen wird ja der Ärhrer bei einer Berufswahl direkt um seine Meinungen gefragt, in anderen reicht sein Einfluß wenigstens soweit, daß man auf seinen Rat hört. Bon welchen Gesichtspunkten soll nun der jüdische Lehrer ausgehen, wenn es sich darum handelt, einen Knaben dem Lehrerberufe zuzughreu? Grundbedingung ist vor -allem die gute eanlagung. Die fähigsten Köpfe sind für unseren Stand gerade gut genug, denn in keinem anderen werden so verschiedenartige Anforderungen an ihn gestellt und keiner erfordert so einen garrzen Mann. Als zweite Bedingung mästen wir das Vorhandensein guter Stimmittel bezeichnen. Es ist nun einmal eine Tatsache, daß unsere Gemeinden in viel geringerem Maße auf einen tüchtigen Lehrer als auf einen guten ]trt reflektieren. Das mag bedauerlich sein und es erschwert die Auswahl ganz bedeutend, aber es muß auf diesen Umstand unbedingt Rücksicht genommen werden. Bon allergrößter Bedeutung ist es ferner, daß der betreffende Knabe religiösen Sinn besitzt und in einer religiösen Umgebung aufgewachsen ist. Nur wer echtjüdisches Leben von Jugend auf vor sich gesehen hat und zur Ausübung der religiösen Pflichten angehalten worden ist, wird später einmal den wahren idealen Sinn an den Tag legen. Widerwärtigkeiten und Mißhelligkeiten im Amte werden ihn .nicht abschrecken, denn er betrachtet feine Aufgabe als die Erfüllung einer m2Cö, mit der sich an Größe kaum eine andere messen kann. Wer aus einem irreligiösen Hause stammt, wird auch nicht so leicht die Neigung für unseren Beruf mit sich bringen, und sie ist die Voraussetzung für die Ergreifung desselben. Schüler, bei denen sie vorhanden ist, spielen schon als Kinder gern den Lehrer oder gar den Kantor. Sie werden auch gern geneigt sein, sich im Hebräischen über das Klassenziel hinaus fördern zu lasten. Sind nun alle Vorbedingungen erfüllt, so zögere man nicht, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß der betreffende Knabe einer jüdischen Präparandenanstalt zugeführt werde, auch dann, wenn eine Mittelschule am Ort ist. Die Ausbildung der Mischen Lehrer erfordert so vielfache Rücksichten auf die Eigentümlichkeiten und Besonderheiten seines späteren Berufs, daß in der Rc^el nur jüdische Anstalten geeignet sind, dieser Aufgabe gerecht zu werden. In dem Heranwachsenden Kollegen in spe aber wird der Lehrer sich selbst verjüngt sehen. Wie in den eigenen Söhnen, wird er in diesem seinen Schüler einen Mann heranwachsen sehen, der seine Lebensaufgabe weiter führt, der weiterbauen Hilst an dem herrlichen Gebäude des alten, überlieferten Judentums: K^K “p:n Kipn "pJ13. Seinem Stande aber hat er genützt nicht nur durch seine eigene Wirksamkeit in Schule und Gemeinde, sondern auch durch die Fürsorge für einen Nachwuchs,- der jenem zur Ehre gereicht. niedriger bangem Der Leiter des Verbandsorgans ist über unfern Artikel in Nr. 37 d. Bl. ,,Ein Manöver" sehr entrüstet und um seiner Entrüstung Luft zu machen, nimmt er zum Schimpfen feine Zuflucht. In einer Briefkastennottz spricht er mit Bezug auf uns von niedriger Gefinnungsweise und meint, ,,eirK derarttge gewagte Kombination, wie sie jener Artikel enthält, kann sich eben nur ein Mann leisten, der bei eigenem ewigen Jntriguieren und Kulistenschieben jedes Gefühl für Wahrheit und Recht verloren hat." Wir begreistn ja recht gut, daß Herr Steinhardt über den Nachweis, daß er, um den Schein von Unparteilichkeit zu erweck«», eine Schiebung vorgenommen, erbost ist, aber das gibt ihm noch nicht das Recht zu schimpfen. Dabei hätten wir ihm doch noch etwas mehr Orig inaliät zugetraut. Kurz nach der Tagung in Cassel wurden ihm nämlich fast die gleichen Borwürfe, wenn auch in der Form milder, von den verchiedensten Seiten gemacht, aber wohl gemerkt: re wurden ausführlich begründet und mit chlüssigen Beweisen belegt, die für den Inbefangenen überzeugend waren. Wir selbst waren zu jener Zeit gezwungen, ihn energisch darauf aufmerksam zu machen, daß er etwasonderbare Begriffe von Wahrheit und Recht habe. Er dagegen hat nicht den geringsten Versuch gemacht, seine Anschuldigungen zu subtanttieren oder gar zu beweisen, sondern folgt wieder einmal seiner bekannten Neigung zum Schimpfen^ Wir lehnen es ab, ihm auf diesem Wege zu folgen,sondern sagen mit dem alten Fritz: Niedriger hängen! \ Wir fühlen aber noch die Pflicht, für unsere Kollegen im Reich ein Wort der Aufklärung hinzuzufügen. War es denn wirklich eine gewagte Kombination, die wir in jenem Arttkel aufgestellt? Wir haben erstens behauptet, aber auch nachgewiesen, daß der Anonymus N. T. feiner religiösen Anschauungsweise nach Herrn Dr. Coblenz nahe stehe, daß also beide Rezensenten des betreffenden Lehrbuchs dem „liberalen" Lager angehören und wir hatten zweitens die Vermutung. ausgesprochen, jenes Signum sei ein fingiertes. Nun wohl/ Herrn Steinhardt bot sich eine äußerst günstige Gelegenheit, uns ad absurdum zu führen. Herr Dr. Coblenz hat nämlich die ablehnende Kritik sehr ernst genommen und sie' durch eine Erwiderung zu entkräften gesucht. Und Herr N. T.? Der schwieg sich in 70 Sprachen aus, obwohl es ihm ein Leichtes gewesen wäre, seine Behauptungen voll und ganz aufrecht zu erhalten und noch eine ganze Menge von Gründen anzuführen, die für eine Verwerfung des Lehrbuchs sprechen. So hat er durch sein Schweigen Herrn Dr. Coblenz zu einem sehr billigen Sieg verholfen und — unsere Annahme bestätigt. Wir würden nun die Entrüstung des Herrn Steinhardt einigermaßen begreifen, wenn wir die Vermutung ausgesprochen hätten, der Anonymus stehe der Redaktionsstu.be der „Bl. f. Erz. u. U." nahe. Das aber haben wir nicht getan, trotzdem innere Wahrscheinlichkeitsgründe dafür sprachen. Jetzt aber ist die plötzliche Empfindlichkeit des an Listen Ueberreichen und an Unterstellungen geradezu Erfinderischen nur ein Beweis dafür, daß er sich in diesem speziellen Falle sehr schwach fühlt und daß er es nicht versteht, einen Kampf sachlich zu führen. Und nach bekanntem Muster fügen wir hinzu: Jupiter, du schimpfst, also hast du unrecht! ■J ■:4 '■'j ,-V 'ä i 3