Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-10-08 · Heft 41 (8.10.1908) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 41 (8.10.1908)
Date
1908-10-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449340--64947-2507561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 18. Nr. 40. Der Israeli*. 8 Oktober 1908. wy's (Doroth Horischomm I o) wirkungsvoll entgegen. . Er widerlegt zuerst die von Krochmal für feine Hypothese angeführten 4 Beweise, führt dmm seinerseits recht überzeugend aus, daß die historische Meinung über die Persönlichkeit Ämott II am wenigsten die Ansicht rechtfertig^ daß seine Zeitgenossen ihn so hoch gehalten hätten. All das Hohe und Erhabene, das in der zeitgenössischen Schrift des B. Sirach, wie auch im Talmud und Midrasch von Simön dem Gerecht»» berichtet wird, all die Segensfülle und das Friedensglück, das in seiner Zeit dem jüdischen Volke gegeben war, es paßt weder zu d r Person Simon N, der ein politischer Freund der Söhne des Griechenfreundes pnd Steuerzüchters Jose ' b. Tobias war, noch paßt es in den Rahmen seiner Zeit, in welcher die Schreckender Griechenherrschaft bereits ihre Schatten vorausgeschickt hatten. Vielmehr sei es Simon 1., der Sohn Onias I. gewesen, der hoch über alle seine Zeitg«roffen hervorragte, Simon I. war es, der zu den nvV gehörte und der als solcher die hohen Güter, die die „Große Synode geborgen, noch bester befestigte, so daß sie den ankommenden Stürmern Stand Hallen konnten. Wenn.wir jedoch sehen, daß die Bezeichnung 8^.1 erst später austaucht, so führt B. hiefür -io Erklärung Halewy's an, daß. diese Bezeichnung 'Wirklich erst - später gebraucht worden ist und zwar zur Zeit seines Enkels Simon II. Man wollte nämlich den gleichnamigen Großvater von dem ihm so ungleichen Enkel für alle Zeiten unterschieden haben, man wollte einer Verwechselung beider Vorbeugen. Die dankbare-Nation nannte daher den Aelteren p’nsn fiyDtP, man legte ihm einen Ehrentitel bei, der, mehr als alle Denk- Maler von Erz, fein Andenken der Nachwelt erhalten hat. Unter Titel: „Bemerkungen zur Geschichte des Svnhedrion" tritt Hoffmann der Hypothese Halewy's (Doroth Horischonim I, <r.) entgegen, wonach mit dem Eindringen der Römer in Palästina unter Pompejus das Zentralsyuhed- Non aufgelöst worden wäre. Halewy stützt sich hierbei auf den Bericht des Joiephus, der in den ),Altertümern"- wie auch im „Jüd. 5krieg" berichtet, Gabinius hätte das Land in 5 Bezirke eingeteiltt, an deren Spitze Synhedria worden seien. Mit dieser Hypothese wäre manche Schwierigkeit, die Geschichte der Synhedrin betrestend, behoben, was Hoffmann auch anerkennt. Jedoch, meint er, sind die Beweise, die Halewy für die Erhärtung seiner Hypothese anführt, nicht stichhalttg genug, um das p-rnaon. rbmvQ (nOlD nittro) auf Gabinus zurückzuführen. Hoffmann meint vielmehr, daß die Aenderunaen des Gabinius sich auf die Umwandlung der bisher monarchischen Verfassung in eine republikanisch-aristokratische beschränk haben. Wenn es in den Berichten heißt, daß das Volk die Neuerungen des Gabinius als eine Erlösung von der Tyrannenherrschast begrüßt habe, so sei nicht tmrunehmen, daß zu seinen Maßregeln auch die Aufhebung des Synhedrin gehört hat. Die neuen, von Sachau veröffentlichten Paphrusfunde in Elephanrine bespricht Prof. Barth in einem kurzen Aufsätze. B. weist aus den hohen Wert der Papyrie I, und Ifl hin, den sie in religionswiffenschaftttcher wie auch in chronologischer Hinsicht besitzen. Aus dem Umstand, daß im Papyrus l — der aus dem Jahre 408 7 », dem 17. Regierungsjahre des Königs Darius II datiert — von den Söhnen des Samaritanerfürsten Sanballat die Reoe ist, die, chie aus dem Papyrus hervorgeht, in jener Zeit eine einstußreiche Stellung innehatten, weist B. auf den Anachronismus in Josephus- »nt. XI, 7, 2 und 8, 2 hin, wonach die Errichtung des famaritanischen Tempels durch Sanballat für seinen Schwiegersohn Menasse erst in den letzten Regierungsjahren des Darius Koddomanus stattgefunden habe (Jawitz, nvi'yin III,) 173 Anm. 2. will, unabhängig von dem Berichte des Papyrus, den er noch nicht kannte, zwei Sanballate annehmen, den 'innn VY22O zur Zeit N'vkU und einen Sanballat ll, dessen Schwiegersohn Menaffe gewesen ist. Trotz der Beweise, ' er M seme M«Hefe>MrMrt,, jedoch eine bloße Hypothese zu sein. Es scheint eher, wie auch B. annimmt, ein Anachronismus im Josephus Bericht, vorzuliegen. Jampel, der in der Z. G. W. I., Jabrg. 1907, gleichfalls die Papyrusfunde bespricht, nimmt cmch W. 63LI) aus die erwähnten Stellen in Josephus Bezug, ohne jedoch auf den großen Zeitabstand zwischen Darius ll und Darius Koddomanus aufmerksam zu machen. Einzelne Phrasen in den Papyr bezeugen durch gleiche Ausdrücke das Älter und die Echtheit der aramäischen Dokumente in Esra, für welche auch Ed. Meyer eingetreten ist. (Schluß frigt.) iücherfcharr. ^XltrnH^imssD Die Geschichte Israels nach den Urquellen neu und selbständig bearbeitet von W. Jawjtz,VI..Bcmd, vomdemUnterganae des jüdischen Staates bis zum Tode des Rabbi Yehuda II. Nesiah. Krakau 1907. (2 Hefte, 349 und XI Seiten). D er V. Band von Jawitz's Geschichtwerke schließt mit folgender treffender Bemerkung: „Alle Feinde Israels, welche defien Unglück (die Zerstörung Jerusalems) vernahmen, frohlockten, indem sie dachten, seine Kraft sei vernichtet, es würde nimmer sich erheben! Allem sowie es den' Feinden dieses- Volkes während des Krieges wiederholt erging, daß sie, nachdem eine Festungsmaner nach langer Belagerung von ihnen zerstört war, zu ihrem Schrecken eine neue noch stärkere und festere Mauer innerhalb jener eben nieoergezwungeneü vor sich ausgerichtet erblickten; — eine!jang gleiche Erscheinung ward auch nach der Zertörung des zweiten Tempels wabrgenommen. Die teinerne Mauer hatte der Feind rnedergerissen; aber innerhalb derselben war bererts eine Feuermauer zum Schutze des israelittschen Volkstums errichtet, das geschriebene und überlieferte Gesetze Diese unbezwingbare und unzerstörbare Mauer, sie war am Tage des Tempeluntergangs die einzige schützende Veste des Volkes Israel, und die Geschehnisse der Bewachung und Bewahrung dieser Beste, sie allein bilden den Inhalt der Geschichte Israels von jener Zeit ab bis auf den heutigen Tag." — Hiernach versteht es sich von selbst, daß nur derjenige, der nicht blos vollständig vertraut ist mit allen Bauten und Werken jener Festungsmauern, sondern auch mit Liebe und Hingebung alle diese Arbeiten verfolgt, welche jene Burg schirmten, festigten und unüberwindlich machten, befugt und befähigt ist, eine wahrheitsgetreue Darstellung dieser Geschichte zu verfassen. Als ein solcher Geschichtsschreiber hat sich Wolf Jawitz in dem 6. Bande seiner Geschichte Israels vollkommen bewährt. Dieser Band enthält die Geschichte der Tannaim, der Ueberlreferungslehre vom Untergang des Staates bis zur Vollendung der. Mischna, des grundlegenden Werkes für die ganze folgerte Geschichte Israels. Der Wichtigkeit des Gegenstandes entspricht auch die Sorgfalt der Bearbeitung. Die Sprache, ein klassisches Hebräisch, ist überall eine gehobene, aber nichtsdestoweniger fließend und leicht" verständlich. Wo eine Neubildung sich findet, ist ihre Bedeutung aus dem Zusammenhänge klar, oder durch eine Fußnote ersichtlich gemacht. Noch größere Bortelle gewährt vorliegender Band durch die Reichhaltigkeit seines Inhalts. Der Verfasser hat, wie er im Vorwort bemerkt, es vermieden, andere von der seinigen abweichende Ansichten erst M widerlegen, sondern einfach seine Auffassung der Tatsachen ohne jede Polemik zur Darstellung gebracht. Durch diese Beschränkung ist es ihm gelungen, auf einem verhältnismäßig engen Raum eine solche Fülle von Material darzubieten, daß man kaum etwas vermissen dürfte, was in der Geschichte Israels von irgend welcher Bedeutung ist. Fast alle Tannaim der Mischna-Literatur werden in dem Werke ausgeführt, mtt allen Einzelheiten, die aus ihrem Leben und Wirken bekannt ino, mit ihren Lehren und Sprüchen, die, wie kostbare Perlen ordnungsvoll aneinandergereiht, nicht selten ein zusammenhängendes System der jüdischen Ethik bilden. Viele Aggadot, die an Und für sich dunkel oder als bedeutungslos erscheinen, erglänzen in dieser Darstellung als lichtvolle erhabene Lehren von besonderer Wichtigkeit. Die Gestalten unserer Tannaim werden in ihrer wahren hervorragenden Größe ge» >eichnet. Jeder Makel, den ihnen manche Geschichtschreiber angeheftet, .wird durch die Darstellung ihrer Sittenlehre und durch Hervorhebung so mancher Züge aus ihrem Leben weggefegt und als leere Äcfindung nachgewiesen. Die in diesem Bande behandelte Periode war größtenteils für . Israel eine freudenleere und eine lei»! »Me Zett jtrtk die Lektürediefer Geschichte würde. |. nur traurige und niederdrückende Gefühle Hervorrufen. Allein bei Jawitz erscheinen überall im Vordergründe die wie die Zedern des Libanons fest und unerschütterlich dastehenden Tannaimgeftatten, welche durch keinerlei Stürm.e aus ihrer ruhigen Fassung zu bringen find, die alle Leiden mit Meichnntt.und getrost, ja mit Freuden erduwen, weil sie d<wei hstrch die Tat ihre GotteSliebe mit ganzem Herzen und Pmzer Stele zu bekufchrn vermögen.--Solche erhabene und erhebende Erfcheinungen «zeugen auch im Herzen des- Lesers has angenehme Gefühl des Trostes Mid der Beruhigung, welches -die? tzürurigen Erinnerungen fast in; Vergessenheit dringt, gleichwie die siebest TroUabbate die betrübenden Gedanken oer drei mrglückverkündenden Haftarot verscheuchen. Der Berfmfer vorliegender Geschichte zeigt sich auch als gründlicher Forscher, der überall aus den Primär-Quellen schöpft und deren Angaben wissenschaftlich und krittsch zu verwerten versteht.. Astch der Fachmann wird viel Neues in dieser« Werke vorfinden und selbst da, wo er den Resultaten desselben nicht beistimmt, vielfachen Nutzen daraus ziehen, wozu nicht wenig das reiche hier aufgespeicherte Material beitragen dürfte. Lehrreich sind auch die Exkurse am Schlüsse des Bandes, in denen der Verfasser Manche Aufstellungen seines Buches ausführlicher beleuchtet und begründet. So ist das Werk vpn JawM geeigner, ein längst gefühltes Bedürfnis nach meiner ausführlichen jüdischen 'Geschichte, welcheden Standpunkt deS gefetzes- und glaubenstreuen Judentums einnimmt, zu befriedigen, und es wäre zu wünschen, daß dieses Buch viele Leser und. Abnehmer finde, damit der Verfasser in den Stand gesetzt werde, seine Arbeiten auf diesem Gebiete fortzufetzen. ' Berlin, Dr. D. Hoffmarrn. Meyers Großes Mnverfationslexikost! Wre den Lesern des „Israelit" noch erinnerlich fein dürfte, dürfte, gab vor einiger Zeit eine Stelle, in Band 16 deS neuaufgelegten obengenannten Monnmentalwerkes diesem Blatte Veranlassung, energischen Protest gegen eine darin hervortretende antisemitische Tendenz einzulegen. Sofort erschien aus diesen Protest eine Entschuldigung des Bibliographischen Instituts in Leipzig, in welcher das lebhafte Bedauern der Berlrgsanstalt über diesen Verstoß zum Ausdruck gebracht wurde. Scun schickt das Bibliographische Institut drei weitere Bände 117, 18, 19) des großen '.Lexikons in die Wett hinaus, die eine größere Anzahl von Artikeln enthalten, welche ihre ausgesprochene antisemitische Tendenz. schlecht zu verschleiern vermögen, was durch folgenden Auszug aus einer durchaus objektiven Besprechung in dem Literaturblatt der „Franffurter Zeitung" vom 13. September 1908 flat bewiesen wird: „Wenn der Schauspielerin Anna Schramm 16 Zeilen gewidmet werden, ebensoviel auch dem Mediziner Schweninger, der „Täglichen Rundschau" eine Drittelspatte, so erscheinen die ii/4 Spalten für einen Mann wie Schliemann, und eben so viel für das ganze Haus Rothschild denn doch gar zu knapp. Von der durch alle Mitglieder dieser Familie geübten beispielloser Wohltätigkeit weiß der Verfasser jenes Artikels auch nicht eine Silbe zu melden, obwohl sie jährlich nach Milliönen zu bemessen fft. Kongenial zu diesem ist der Verfasser des Artikels „Rumänien". Daß dieser Staat oen Juden die Gleichberechtigung mit den übrigen Staatsbürgern entzogen hat, erregt nicht im mindesten seinen Unwillen, ja er läßt beinahe einen Tadel durchblicken gegen die Bereinigten Staaten von Nordamerika, die.Humanität genug begaffen, um Rumänien an seine den Inden schuldige Pflicht zu erinnern, indem er aus Seite 255 sagt: „trotzdem (d. h. ttotz der durch die Mächte ersetzten Anerkennung der Souveränität Rumäniens) versuchten im September 1902 die Bereinigten Staaten von Nordamerika eine Einmischung zugunsten ssinsr endgiltigeü Lösung der'"rumänischen Judenfrage". Daß aber) der Berliner Kongreß die Aufhebung aller Beschränkungen der Juden zur Bedingung der Anerkennung der Souveränität Rumäniens gemacht.hatte, vergißt hier der nachsichtige Verfasser, obwohl er es wenige Zeilen vorher selbst erwähnt hat. Im bürgerlichen Leben pflegt man solche, die die Bedingungen, unter denen ein Vertrag oder Versprechen zustande gekommen ist, nicht erfüllen, als wortbrüchig zu bezeichnen. Das hätte der Verfasser beachten sollen. Wie hier so zergt sich auch bei einigen anderen Artikeln eine bedauerliche Voreingenommenheit gegen alles, was mit Juden und Judentum zusammenhängt. .Der-Verfasser des Artikels „Rußland" kennt zwar die Berusszweige der Polen, Tschechen, Deutschen, Armenier und vieler anderen Bevölkerungsklassen, was aber die fünf Millionen Inden des Zarenreiches treiben, verrät er mit keinem Wott. Wohl aber schiebt er ihnen einen großen Anteil an den Unruhen vom Jahre 1904 in die Schuhe. Der Artikel „Speiseverbote" enthält ohne jede nähere Begründung die wunderliche Behauptung, daß ein Teil >er jüdischen Speisegesetze totemisftfchen Ursprungs ist." Es ist schmerzlich, daß der Judenhaß auch in einer» wissenschaftlichen Nachschlagewerk seinen Plrch gefmrden hat, daß gewisse Herren Gelehrte ihre anttemittsche Gefühle aich .an der Stätte der Wifsenchaft nicht unterdrücken können. Insbesondere jedoch st es bedauerlich, daß eine Bertt^sanstalt, wie das Bibliographische Institut in Leipzig, dessen hervorragende Verdienste um die Herausgabe unserer Klassiker kein Mensch ableugnen wird, in feinem berühmten Konversatwnslexikon solchen Aeutzerungerr Raum gewährt. . ' L L (SBettace

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.