Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1908)
- Date
- 1908-10-08
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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dje Warf Die Men im Urteil der griechischen und römischen Schriftsteller. Aus dem literarischen Nachlasse von Solm Berlin. (Fortsetzung.) Von vornherein müssen wir allerdings über diesen verächtlichen Ton des Cicero staunen. Wir wissen ja doch aus seinen uns erhaltenen Schriften zur Genüge, daß er, in seinem Denken von dem Einssuffe der griech schen Philosophie beherrscht, mit dem heidnischen Görterglauben gebrochen hatte und den Fortbestand der religiösen Institutionen nur wünschte, weil er überzeugt war, daß ohne dieselben der römische Staat nicht erhalten werden könne. Seine Ansichten, die er über das Wesen 'der Gottheit und ihre weltleitende Vorsehung kund gibt, ließen uns eher Sympathien für das Judentum als Geringschätzung erwarten. Aber man merkt, diese Worte kommen ihm gar nicht aus dem Herzen. Nur um seinkn stark belasteten Klienten zu entlasten und dessen in Wahrheit vorliegenden Tempelraub?u vertuschen, nimmt er zun religiösen Erregung eine Zuflucht. Da stört ihn aber das Beispiel hochherziger Toleranz und anerkennender Verehrung, welches Pompejus gegeben hat. Durch die Erklärung, welche er dafür gibt, sucht er die Wirkung dieser zu Gunsten der Juden sprechenden ^Tatsache herabzudrücken. Er spricht hier als Advokat, und würde für die Sache des Rechts und der Menschlichkeit mit vielleicht noch größerer Kraft der Rede eingetreten sein. Um so bedeutsamer müssen aber aus dem Munde Ciceros uns die Worte erscheinen, wo er von der großen Zahl der Juden, ihrer Verbreitung in den Städten Italiens und den Provinzen des Reichs, ihrer Einigkeit und ihrem Einflüsse in den Volksversammlungen spricht. Sie bieten ein Bild von der Stellung der Juden, die sicherlich nicht von Verachtung, eher vom Gegenteile zeugt. Hat nun aber Cicero, den nicht immer seine ehrliche Ueberzeugung und seine Philosophenwürde auf das Forum begleitet haben, seine wahre Stimmung über das Judentum vielleicht verleugnet, so stellt sein Zeitgenosse, der Philosoph Varro, der gleich ihm bemüht ist, durch Aufstellung eines Religionssystems dem religiösen Bedürfnisse seiner Zeit zu Hilfe zu kommen, das Judentum als Muster auf und sagt: Diejenigen, welche zuerst die Götterbilder hergestellt, hätten den Völkern die Gottesfurcht genommen und den Irrtum eingeführt.- Von einer ungünstigen Wirkung, welche die Rede Ciceros hätte ausüben können, ist nichts zu mercken, vielmehr folgen für die Juden eüre ahre, utrd unter Cäsars Allein- | Gunst Er bestätigte den Juden Alexandriens das Bürgerrecht, gewährte den Juden, im ganzen römischen Reiche Kultusfreiheit und gestattete ihnen die Sammlung von Geldern für ihre religiösen Zwecke. Von den die Versammlungen beschränkenden Gesetzen wurden die religiösen Versammlungen der Juden ausdrücklich ausgenommen. Auch vom Militärdienst wurden sie befreit und der römischen Zivilgerichtsbarkeit entzogen. Ob Caesar wirklich, wie einige Geschichtsforscher meinen, mit seinem staatsmännischen Scharfblicke in den Juden, welche netzartig über einen großen Teil des römischen Reiches zerstreut und doch miteinander zusammenhängend lebten, die geeignetsten Mitarbeiter an seinem großen Plane, der der Schöpfung eines großen römischen Reichskörpers erkannt hat, mag dahingestellt bleiben, aber sicherlich können die Gunstbezeugungen Caesars gegen die Juden nicht als zufällige und provisorische Zugeständnisse angesehen werden, sondern müssen als ein durchgeführtes System der Gesetzgebung gelten und bewei en, daß die Gehässigkeiten der judenfeindlichen Literatur, die, wie wir sehen, aus Aegypten und Griechenland bereits auf den römischen Markt gebracht worden waren, sich bis dahin noch keine Geltung hatten verschaffen können, die Juden vielmehr ihre geachtete Stellung behauptet haben. Mit der Aufrichtung des römischen Kaiserreiches durch Augustus erhalten die Privilegien noch einen weiteren Umfang. Augustus sichert allen Juden des römischen Reiches von neuem freis Religionsübung zu, er erleichtert ihnen die Beobachtung des Sabbaths, indem er sie davon befreit, an diesem Tage vor Gericht zu erscheinen und ordnete an, daß die Getreideverteilung an die Armen für die Juden auf einen anderen Tag verlegt werden soll, wenn derselbe auf einen Sabbath fiel Besonders verbot er durch strenge Erlasse, alle die Ausschreitungen, die den Juden in den Städten Griechenlands, Kleinasiens und Syriens ab und zu Anlaß zur Klage gegeben atten und belegte unter anderem mit hoher Strafe ie Tempelschändung, das Wegnehmen der heiligen Gelder, das Stehlen der heiligen Bücher. Gegenüber diesen Tatsachen wenden wir uns mit gesteigertem Interesse dem Urteil der Literatur dieser Zeit zu, um die Stimmung der Klassiker des augustäischen Zeitalters zu vernehmen. Ist dies doch gerade die Periode der Geschichte, in welcher von den im Eingänge erwähnten modernen Schriftstellern die Stellung ,1er Juden so grau in grau gezeichnet wird. Prüft man aber die kleine Zahl von Stellen in den Klassikern der augustäischey Zeit genauer, so weisen sie da, wo auf die eigentümlichen Sitten und Gebräuche der Juden angespielt oder hingewiesen wird, nicht im mindesten Geringschätzung oder gar Haß auf, im Gegenteil bekunden einige ein deutliches Gefühl der Verehrung, geben andere: | Gedankenwelt bereits anfängt, auf die griechisch römische auszuüben. Bon den Dichtern gehören -hierher: Horaz, Tibull und Ovid. Horaz in seiner 4. Satire scherzt folgendermaßen: So oft ich Muße habe, nehme ich mein Papier zur Hand. Dies ist einer meiner kleinen Fehler. Will man mir es nicht gestatten, so kommt die große Schar der Poeten zu meiner Hilfe herbei, denn wir sind die Mehrzahl und den Juden gleich werden wir jeden auf unsere Seite ziehen. Diese Worte sind doch nur eine ganz gemütliche Anspielung auf das einmütige Zusammenhalten der Juden, welches auch Cicero hervorgehoben hat und welches vielleicht mit dazu beigetragen hat, daß das Judentum in diesem Zeitalter, wo die Staatsreligion nicht mehr genügte und das religiöse Bewußtsein sich in seinen innersten Bedürfnissen unbefriedigt fand, auf die Römerwelt eine Anziehungskraft auszuüben beginnt. — Wie man darin einen Borwurf, noch dazu den Borwurf propagandistischen Auftretens hat erblicken können, fasse ich nicht. Daß dies nicht der Fall war, beweisen hinlänglich die Privilegien, deren die Juden sich erfreuten, und die man ihnen sicher entzogen hätte, wenn sie diese schwache Seite des Römertums verletzt hätten. Nicht viel anders verhält es sich mit einer Stelle in der 9. Satire, aus der man ganz besonders die Verachtung des Horaz für das Judentum hat herauslesen wollensie zeugt gleichfalls eher vom Gegenteil. Horaz, von einem lästigen Menschen in Anspruch genommen, sieht seinen Freund, den Dichter Aristius Fuscus, vorüberehen, und um jenen los zu werden, ruft er iesen heran, er möge ihm doch jetzt das Geheimnis mitteilen, worüber er habe mit ihm reden wollen. (Fortsetzung folgt.) Das raufte Jahrbuch der jüdisch* Literarische« Gesellschaft. Bon Dr. PH. Krankl in Halberstadt. (Fortsetzung.) Die Abhandlung „Simon der Gerechte" von Dr. Bondi-Mainz berührt wieder einmal die vielerörterte Frage, welcher Hohepriester dieses Namens es eigentlich gewesen, der mit dem ehrenden Epitheton „Gerechter" belegt worden ist und von welchem in Talmud und Midrasch so manche Großtat berichtet wird. Wohl mit einer gewissen Absicht — um die Wirkungszeit der HTiTin no2D 'mtt in die Griechenzeit zu verlegen, woraus dann weitere Konsequenzen gezogen werden können — bestrebt sich ein Tell der Geschichtsschreibung, an ihrer Spitze Krochmal, Simon II. als den mit dem Beinamen p'NXN bezeichneten anzugeben. Dieser Ansicht tritt mm Dr, Bondi auf Grund der Ausführungen Hale-