Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1908)
- Date
- 1908-10-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 12 Nr. 41. Der Israelit 8. Oltover 1808. t» c inderecke. Die Reise nadi 3em Mvnö. (Ein Schwalbenmärchen). In dichten Scharen saßen die Schwalben auf dem Dach dex alten Schule, fodaß die Leute tut Städtchen verwundert fragten: „Wollen die Schwalben denn schon wieoer fortreisen, sie sind ja noch gar nicht lange hier?" O, die einfältigen Leute, wenn sie geahnt hätten, was die Kögel Kr einen grüßen Plan gefaßt hatten, wenn sie wüßten, was heute Nacht Vorgehen sollte! Die Schwalben wollten nichts geringeres als den ' Mond besuchen. Das war wahrhaftig 'Grund genug, um aufgeregt zu fein, um zu schreien und M zwitschern und doch waren es nur lauter Schwalbenherren, die den großen Lärm vollfÜhrten, denn die Damen saßen zu Hause auf ihren Mer» und konnten nicht fort. „Wer Ihr müßt uns versprechen, noch einmal nach dem Mond zu reisen, wenn wir auch mitkönnen", hatten sie zum Abschied den Männern gesagt. Nu» ja, vielleicht ginge es noch einmal. Jetzt wurde em Hauptmann gewählt, ein großer dicker Bogel ergriff das Wort und be- Kann also zu rÄen: „Es ist nicht mehr wie recht und billig, daß wir den Mond besuchen, wenn er wollte, könnte er ganz beleidigt sein, daß wir Msere Reise schon so oft hinausgeschoben haben, «mt oft genug hat er uns schon eingeladen. Bor einiger Zeit erblickte ich ihn am frühen Morgen, da sah er so bleich aus, daß er mir leid tat, ' und ich beschloß, wenn die Nächte wärmer würden, mit Euch, meine lieben Brüder, die Reise anzutreten und einmal den Schlaf zu opfern." Ms er geendet, gratulierte man ihm zu seiner herrlichen Rede, und alle waren , einig, daß er nur immer Führer bleiben müsse. Etwas entfernt auf der Dachrinne faß eine arme, kleine, häßliche Schwalbe und sah traurig zu, wie die anderen sich freuten. Sie hatte ein ganz zerrupftes Gefieder und deshalb schoben sie die anderen beiseite und sagten: „Du darfst unter keiner Bedingung mitgehen, denn wenn der Mond dich sieht, müssen wir uns schämen." Ach, die kleine Schwalbe bat so herzlich sie wollte so gerne die Reise mitmachen, sie konnte sich ja hinter den anderen verstecken, «wer ihre Bitte wurde ihr abgeschlagen. Traurig duckte sie sich in ihren Schlupfwinkel und träumte die ganze Nacht von des Mondes Glanz und Pracht. Als sie am anderen Morgen aufwachte, dachte sie: „Ob die anderen wohl schon wieder zurück sind. Sie saß vor dem Fenster eines Linderzimmers und konnte gerade hineinsehen. Da öffnete sich die Tür, die Mutter trat an das Bettchen des kleinen Jungen und weckte ihn Md davon wurde auch das Keine Mädchen wach das im anderen Bettchen schlief. Der Junge war mit einem Satz draußen, denn die Mütter hatte ihn erinnert, daß heute Rausch chaudesch sei, und er mit dem Vater in die Synagoge gehen wollte. „Warum ist heute Rausch chaudesch?" fragte das Schwesterchen, als die Mutter hinausgegantoar. >,Weil wir heute Nacht einen neuen Mond DchpmüchHaben", erwiderte der weise Bruder.. •' - „LftM neuen Mond?" meinte das kleine MLÜHew und. riß die Äugen weit aus, „aber! warum kriegen wir denn einen neuen, wo ist denn der alle, der dicke Mond, tzer immer so lacht?" „Ja der", sagte der Junge ratlos, „rtur der hingekommen ist, das weiß ich eigentlich auch nicht. Mer ich denke mir, er hat so viel geschienen, bis er zuletzt ausgegangen ist, dann steckt ihn der liebe Gott wieder fnsch an, und darüber freuen wir uns." „Ja, da freuen wir uns", wiederholte die Kleine, „und deshalb gibts auch heute was gutes zu essen." „AVer erst ist der Mond ganz klein", sagte der Bruder, „denn der Papa hat gesagt, zuerst kann man ihn gar nicht sehen, aber in vierzehn Tagen wird er ganz grvß, dick und rund." Dass letzte hatte er ganz umsonst gesagt, denn das Schwesterchen" hakte sich schon wieder auf die andere Seite gedreht und war noch einmal eingeschlasen. Nein/ umsonst war es doch nicht, denn atemlos hatte die kleine Schwalbe auf dem Fensterbrett gelauscht. Jetzt hatte sie genug gehört, und schnurstracks flog sie dem Schulhaus zu. Dort auf dem Dache saßen die Schwalben wie gestern in dichten Scharen, aber nicht freudig! erregt, sondern niedergeschlagen und traurig. „Also hat der kleine Junge recht gehabt", dachte die Keine Schwalbe, „sie haben den Mond nicht gefunden". Und laut sagte ste: „Guten Morgen, liebe Brüder, habt Ihr eine gute Reise gehabt? Sagt mir doch was Euch der Mond erzählt hat?" Die ganze Versammlung blickte sich verlegen an, bis der Hauptmann zornig rief: „Es war herrlich, und der Mond hat sich gefreut, daß du nicht dabei warst, mit deinem häßlichen ruppigen Glieder." Was war zuviel! Die Keine Schwalbe richtete sich plötzlich auf und schrie: „Das lügt Ihr, das ist alles nicht wahr! Ihr HM den Mond ja gar nicht gefunden, denn er war noch nicht da. Seht Ihr dort die Leute in die Synagoge gehen, die feiern heute Neumond, denn heute Nacht haben sie einen neuen Mond bekommen, der alte war ganz ausgebrannt, versteht Ihr." Nein, sie verstanden gar nicht, sie waren nur ganz überrascht, woher die Keine Schwalbe das alles wußte. Schließlich fragte einer ganz schüchtern: „Weshalb haben wir aber dann den neuen Mond nicht gesehn?" „Weil er noch nicht groß genug ist, weil er erst vierzehn Tage braucht, bis er rund und dick ist. Aber Ihr habt natürlich gemeint, Ihr seid viel klüger als ich, das habt Ihr nun davon." „Die Keine Schwalbe ist am klügsten, sie soll unser Führer sein," rief darauf der ganze Chor, und der Hauptmann war es sogar gleich zufrieden. Als nun die Keine Schwalbe noch versprochen hatte, zum Vollmond die Reise noch einmal zu unternehmen, flog sie ganz beseligt vor das Kinderzimmerfenster. „Ich muß mich doch eigentlich bei dem Keinen Jungen bedanken, denn von ihm weiß ich ja erst alles. Das brauchen die andern aber nicht zu erfahren. Eins will ich mir vornehmen: wenn ich wieder etwas wissen will, werde ich immer den Keinen Jungen fragen, denn der ist doch noch Küger als ich." — ea. Hücherscha«. Palästina, Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, Heft 4—7. (Manchen, Pettenkoferstr. 25. Jahresabonnement M. 2,50.) Aus den vorliegenden Heftchen, die wieder eine reiche Fülle belehrenden Materials über die derfchtedenartigften Palästinafragen bieten, seien folgende Arbeiten hervorgehoben. Der bekannte Schriftsteller Pastor Eberhard spricht über die Bedeutung der Palästinaforschung für die Bibel. Die bei den neueren Ausgrabungen in Palästina zu Tage geförderten Funde liefern neue Gesichtspunkte für die ErKärung einiger Bibelstellen: Inschriften auf Steinen 'Und Töpferscherben bestätigen, wie an Beispielen gezeigt wird, so manche von den Kritikern angezweifelte Behauptung der Bibel. Ausführlicher berichtet Pros. Lohr-Wiesbaden über die Ausgrabungen, die der Engländer Macalister in Gezer, der südlichen Grenzstadt Palästinas vorgenommen hat. Die Funde an Bauten — Häuer, Mauern, Tunnel, Bäder, Zisternen — sowie die Einzelfunde — Kultgegenstände, Schmucksachen und dergl. — führen von der Römerzett über die Periode der MaKabäerkämpfe durch die Regierungszeit König Salomos bis auf die älteste Kulturevoche der Kanaaniter zurück und gewähren über diese dunkle Periode die wertvollsten Aufschlüsse. Auf das medizinische Gebiet führt uns ein Aufsatz von Wr. Sandler- Breslau über „Moskitobrrgaden", eine Einrichtung, die die Engländer in «ihren Kolonien an inalariaverfeuchten Plätzen getroffen haben, um die Larven der Moskitos, der Zwischenträger des Krankheitsstoffes anszurotten. Nachdem die Berschiedenartigkeit der Ursachen für die Entstehung der Malaria in Jerusalem einerseits, in einzelnen Kolonien andererseits besprochen worden ist, werden die Erfolge, die die Engländer in der Malaria-Bekämpfung an den Palästina benachbarten Seucheherden — längs des Suezkanals — zu zeichnen haben, aufgezeigt und im Anschluß daran noch andere Keinere Bekämpsungsmethoden besprochen/ die für Palästina in Betracht kommen, solange die radikale Sanierung durch kostspielige Entwasserungsarbeiten noch nicht gefordert werden kann. Auf das wirtschaftliche Gebiet führt uns ein Artikel über die Hebschasbahn, in dem die interessante Vorgeschichte dieses einzigartigen Bahnbaues, sowie die durch diese» Schienenstrang geschaffenen politischen und wirtschaftlichen Chancen für die Türkei erörtert werden. kolonisatorisch sehr wichtiges Kapitel behandelt Seidm a n in feinem Aufsatz über die jüdische Arbeiterfrage in Palästina. Der große Bedarf an Arbeitskräften auf den jüdischen Kolonien muß bekanntlich zum größeren Teile mtt arabischem, statt mit jüdischem Menschenmaterial gedeckt werden, hauptsächlich weil es de» Mischen Arbeitern an billiger Wohnungsgelegenhrtt mangelt.'Der Artikel tönt daher in den Ruf nach der Schaffung einer Arbeiter - Heimstätten-Gen osseuschaft aus. Glasmann-Odessa weist auf die vorzüglichen Aussichten hin, die die Einführung einer rationelle» Geflügelzucht der die Akklimatisierung ausländischer Rassen in eigens hierzu geschaffenen Musterbrutplatze» vorausgehen müßte, für dre jüdischen Kolonien habe» könnte. Die Zucht der einheimischen Rassen sei nicht lohnend: aber ebenso, wie sich in Rußland vor 10 brs 15 Jahren neue Geflügelrassen einzüchten ließen, ruck» sich nun in dieser kurzen Zeit eine Geflügelzucht von immenser Bedeutung und ein sehr ausgedehnter Mer- Handel entwickelt hat, könne auch in Palifttna in wenigen Jahren diese neue Erwerbsquelle erschlösse» werden, deren Ausbeutung besonders «Sache der Kvlonistenf rauen sein würbe. Der Tätigkeit der Frauen in Palistina gilt auch ein sehr frisch und anregend geschriebener Mtikel von Frau Dr. Rahel Straus. Insbesondere wird hier über die geringen Leistungen der Kolonistenfrauen in den - landwirtschaftliche» Nebenberufen, in der Milchwirtschaft und dem Gemüsebau, in denen die deutschen Kolonistinnen in Palästina vorbildlich seien, lebhaft Klage geführt — ebenso auch über die völlige Untätigkeit der Frauen und Mädchen der bettelarmen jüdischen Massen in Jerusalem, Liberias und Sased. Die Verfasserin tritt u. a. für die Gründung von Haushaltungsschule» und die Entfernung von guten Lehrkräften, ferner für die Anstellung von Hebammen ein.' Einen Ueberblick über die jetzigen Kultur- und Bildungsverhältnisse der Juden Palästinas gibt Josef Gerstemaun. Die Arbeit gewahrt in anregender Darstellung eine Uebersicht über die im Lande vorhandenen Bibliotheken, über das Zeitungs-, das-Vereins-, das Sanitätswesen, über die Ständeorganisationen und die philantropischen Anstalten. Eine spezielle Darstellung von dem Lehrerseminar in Jerusalem gibt Dr. Carleb a ch in einem Artikel, in dem er sich nicht nur mit den am Seminar tätigen Lehrkräften, sondern überhaupt mit der sozialen Stellung des jüdischen Lehrers an den hebräischen Anstalten Palästinas beschäftigt. Bon kleineren Aufsätzen fei nur der über die kaukasischen Bergjuden, die jetzt nach Palästina überzusiedeln beginnen, ferner der über die technische Ausnutzung der Gewässer des Jordan unddes Nähr el Arwsche, sowie der über die deutschen Bauern in Palästina erwähnt. Dazu komme« eine große Anzahl Nachrichten aus den Städten und von den Kolonien des Landes, meist wirtschaftlichen Inhalts. Der gewissenhafte Krttiker darf allerdings nicht verschweigen, daß sich ein Anonymus in zwei Artikeln fortgesetzt damtt beschäftigt, Attentate auf den Geist der deutschen Sprache auGuüben; doch sind solche Mißgriffe weniger auf das Schuldkönto der Redaktion zu setzen, als auf das jener Kreise, die diese mühselige Arbeit der Redaktion nicht unterstützen. Je größer der Monnentenkreis werden wird, desto mehr wird die Zeitschrift leisten können, desto besser wkrd sie formell und stofflich ausgebaut werden. Auch in diesem Heftchen ist in geschickter Weise das Prinzip gewahrt, das Material nicht zu wissenschaftlich z» behandeln, sondern den Leser in möglichst populärer und unterhaltender Form über die wichtigsten Palästrnafvagen zu informieren. In keines Palästinasreundes Haufe sollten diese interessanten, billige» Heftchen fehlen. 8a.