Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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- r Itr.40 Sette 10. Der Mroeitr. | Wege der Bevormundung durch Persönlichkeiten, -Lie auf ganz anderem , religiösem Boden stehen, £; ledig zu werden. & f;-. K k.<- p/ Salonik, 20. September. Die aus nahezu 80,000 Seelen bestehende hiesige jüdische Gemeinde hat unter dem Antagonismus zwischen den verschiedennen Nationalitäten, namentlich zwischen Bulgaren und Griechen trotz der Konstitution stark zu leiden. Die Juden haben sich selbstverständlich bei den üblichen Nationalitäten- Kämpfen stets neutral Verhalten und bei festlichen Anlässen der einen wie der anderen Seite Aufmerksamkeit gezeigt. Neuerdings hat die jüdische Bevölkerung einer Reihe bulgarischer Ausflügler zusammen mit dem friedlich gesinnten Leu der griechischen Einwohner Salonikis einen warmen Empfang bereitet. Die übrigen Griechen hatten jedoch nichts Besseres zu tun, als für dieses „Verbrechen" ihr Mütchen an den Juden zu kühlen, und es kam zu nicht ungefährlichen Zusammenstößen in den Cafes und aus den Straßen. Die Besprechung des Vorfalls in der griechischen Presse ist leider derart gehalten, daß mit größeren Ausschreitungen gegen die Juden gerechnet werden muß. Das pmgtürkische Komitee und die Geistlichen der griechischen Kirche bemühen sich jedoch, den Frieden wieder herzustellen. MMMMMfk **■ JUnertkiT. New - Aork, 10. September. Anfangs dieses Monates fand im Riesensaale der Copper-Union von Rew-Aoxk timt vyn Juden einbsrufene Versammlung statt, m Welcher der New-Aorker türkische GmjMMMlMunds«i Bey als Gast in längerer 9H$i $$ über Zstkunft der Juden in der Türkei aussprach. A^ch einer kurzen Einleitung sagte der Generalkyysul'. ^Selbst in der despotischen Türkei wurden die Juden niemals verfolgt. Das türkische Volk ist keiner Nationalist fMdlich gesinnt, am allerwenigsten den Juden. MeiwStellung als Vertreter der türkischen Regierung erlaubt mir nicht, zu viel zu reden. Nur eirW Willrich sagen: Als Rußland Tausende jüdische Familien hinschlachten ließ, da haben die «mropäischen Mächte hierüber kein Wort verloren. Ich bin kein Jude, aber als ich von dem großen Unglück der Juden -in Rußland erfuhr, habe ich sehr viel gelitten. Ich hoffe, daß die Juden sich mit unserem Volke verständigen und mit-Hm Hand in Hand gehen werden. Unsere Relimon ist der ihrigen sehr ähnlich. Wir brauchet Sie!' Sie find große Financiers, Literaten, Maler, Künstler und im Allgemeinen energische Menschen und solche haben wir jetzt sehr nöttg. Ich hoffe, daß sie Mt uns gemeinsam an der Renaissance des Landes Mitarbeiten und uns helfen werden Licht hineinzutragen in aste finsteren Winkel der Türkei. Sie werden in Rußland und Rumänien unterdrückt, so kommen We doch zu uns, wir werden Sie mit offene» Armen empfangen. Palästina werden hren könne», sobald ie ihr eigenes Leben ie dort die Majorität -erreicht haben werden. Ich werde an die neue türkische Regierung sofort ein Telegramm richten, fB welchem ich sie von den Gefühlen der Juden f unsere freie Türtzi verständigen werde und bin überzeugt, Haß die Antwort meiner Regierung dahin larHn wird, daß wir wünschen,. Mr alle Juden fr# in unserem Lande leben VMSMna. Die HJahl-ffladie. (Bon unserem Korrespondenten.) Jerusalem, 18. Sept. AÄer die neueste Phase der durch AntM «ingefädelten Machenschaften gegen Chacham Baschi Panisel habe ich Ihnen telegraphisch berichtet; es bleiben jedoch noch einige wichtige Einzelheiten nachzulragen. AntM hatte ursprünglich ganz offenbar damit gerechnet, daß unter dem Eindruck der Konstantinopeler Umwälzungen und insbesondere der im Handumdrehen vollzogenen „Abdankung" Rabbi Mosche Halevys auch unser allverehrter Chacham Baschi Panisel entweder freiwillig zurücktreten oder vom Gouverneur kurzer Hand abaesetzt werden würde. Daß- und mit welchen Mitteln der edle Herr AntM bei dieser Gelegenheit auch seinen alten Haß gegen Herrn Bankier Valero, den uneigennützigen weltlichen Leiter der sefardischen Gemeinde kühlen wollte, ergiebt sich mit überraschender Deutlichkeit aus dem Wortlaute seiner an den Pascha gerichteten Denunziation vom 29. Tamus, die ich Ihnen anbei in einer photographischen Nachbildung des Originals übersende*). Glücklicherweise hat man hier jedoch selbst in den „rückständigen" Kreisen der Gesetzestreuen rasch erkannt, daß die Konstitution Meinungs¬ und Redefreiheit auch für Diejenigen bedeutet, die n i ch t gewillt sind, die schon jahrelang währende Schreckensherrschaft des Herrn Albert Antebr noch weiter willenlos zu ertragen. Die imposante Kundgebung für Panisel und den Frieden der heiligen Stadt, die auch im Auslande und sicherlich in den Konstantinopeler Regierungskreisen ihres Eindrucks nicht verfehlt hat, war zugleich — ohne daß es ausgesprochen wurde — ein lauter Protest gegen diese fortgesetzte unberufene Einmischung eines von ausländi schem Wohltätigkeitsgeld besoldeten Beamten in die inneren Gemeindeverhältnisse Jerusalems. Die Art und Weise, wie Herr AntM einen Haufen halbwüchsiger Jungen und allerlei Plebs zu „Bölksaufständen" gegen den Chacham-Baschi begeistert, wie er den neuen Gouverneur diese „Aufstände" nach Konstantinopel melden läßt, wie diese Telegramme in Konstantinopiel natürlich bem Kollegen Antebis, Herrn Nahoum, zur 'Begutachtung und weiteren Veranlassung übergeben wurden, wie dann Herr Nahoum schleunigst zwei andere Kollegen, die Herren Scherres und Fresco zu Untersuchungsrichtern ernennt, uM in Jerusalem „Ordnung zu schaffen" — das alles zeigt die furchtbare Gefahr, in die uns die Mächtige Clique der Alliance- Beamten, die durch Interesse und Freundschaft fest aneinander gekittet sind, hier in jedem Au genblickzu stürzenvermag. Diemal scheint sich Herr Antebi — wenn unsere Beobachtungen richtig sind — indessen noch verrechnet zu haben. Er läßt jetzt mit einem Male öffentlich erklären, daß er sich zur Zeit an „keinem Komitee und keinem Verein beteiligen könne und aus verschiedenen Gründen auch nicht in der Lage sei, feine Ansichten zu äußern." Schade, daß diese „Zurückhaltung", die nicht ganz freiwillig aussieht, so spät komlnt, nachdem Herr AntM seine Parole deutlich genug für alle von ihm Abhängigen wochenlang hinausgeschrien hat! Herr Haim Nahoum ist weniger furchtsam. Cr war taktlos genug — etwas Takt sollte eigentlich selbst ein moderner „Grand-Rabbin" besitzen — seinen Amtsantritt weder der Verwaltung der sefardischen Gemeinde, noch dem ChachaM-Baschi zu notifizieren, dafür aber diesen beiden Stellen durch eine Telegramm- Abschrift (die Urschrift ging wohl an Herrn AntM??) tausend Francs abzuverlangen, die natürlich verweigert wurden. Die durch ihre Klarheit und Würde bemerkenswerte Antwort der sefardischen Gemeinde an das so überraschend in die Erscheinung.getretene ,geistliche" Oberhaupt lautet in wörtlicher Übersetzung: teilte erhalten wir die Abschrift des Telegramms, ie an die Adresse des Herrn Chacham Baschi Panisel sandten mit der Mitteilung, daß die Delegation am Donnerstag avgehen iptte, wenn die telegraphisch verlangten Fcs. 1000 gesandt würden. Da wir bisher von Ew. Ehrwürden keinerlei Schreiben oder Telegramme erhielten, nicht einmal eine ehrenhalber doch notwendige Antwort aus die zahlreichen Telegramme,, die bereits an Ew. Hochwürden *) Siehe Wochenrundschau. ■ ■ - ' ' ' - - ' 1 Oltchrr Mk gesandt wähnten Telegramms das erste offizielle Lebenszeichen war, mit dem sich Ew. Hochwurden der Gemeinde Jerusalem vorstellte, da wir außerdem nicht wußten, an wessen Adresse die Urschrift des uns abschriftlich mitgeteilten Telegramms gesandt wurde, so scheint unSdie ganze Angelegenheit noch außerordentlich unklar zu liegen und wir haben uns deshalb erlaubt, Ihnen als Antwort folgende Depesche zu senden: „Wir empfingen Kopie einer Depesche, vhne den Adressaten der Urschrift zu kennen; in der Plenarversammlung der Gemetndebevollmächttgten. werden wir die Angelegenheit sorgfälttg beraten^ da sie alle Mitglieder der Gemeinde angeht. Bitte« unser Schreiben abwarten, haben Inhalt unserer Antwort auch dem Hustizminister milgeteilt." Da wir nun den Tagen der religiösen Sammlung! entgegengehen und da die Bewohner Jerusalems zu ihrem allergrößten Teile auf dem Standpunkte des überlieferten Judentums stehen, da sie allesamt, ein jeder mit feinen religiösen Pflichten, in diesem ^i>nnfr beschäftigt sind, so scheinen uns gerade diese Tage der .religiösen Erhebung wenig.geeignet, um Wahlen auszuschreiben, welche die Gemüter in Erregung versetzen, während jetzt sich die Stadt des Friedens erfreut, wie .wir das Ew. Ehrwürden bereits in zahlreichen Telegrammen mitgeteitt haben. Wir hoffen be«v halb, daß Ew. Ehrwürden sich nicht von denjenige n verführen lassen, welche dio Stadt in Aufruhr bringen wollen. Wenn Sie jedoch glauben daß unsere Erwägungen keine Berücksichiguntg verdienen und daß es gesetzlich unzulässig ist, die Wählen ohne eine besondere von Konstantinöp.el kommende Ueberwachungskommission M veranstalten, — was wir starr bezweifeln, — so wird sicki die jüdische Gemeinde nicht der Verpflichtung entziehen, aus ihrer Armenkasse die allerdringendsten Ausgaben zu decken, welche aus der Reise eines Delegierten erwachsen, der mit freiem, unbestochenem Blicke hierherkommt. Da jedoch .die Einnahmen unserer Gemeinde keine festen sind, sondern 'aus den Gaben unserer Brüder im Auslande sich zusammensetzen, und besonders auS den regelmäßigen Subventionen, die wir von de» aschkenasischen Kaulalim und von den Pekidim und Amarkalim zu Amsterdam empfangen, so raten wir, die Sache nicht zu überstürzen, sondern zu -warten bis die Feiertage vorüber sind. Inzwischen werde« wir, wie erwähnt, die Angelegenheit xn der Generalversammlung der Gemeinde ausführlich besprechen und prüfen, dann mit Ew. Ehrwürden darüber in Korrespondenz treten, damit Ew. Ehrwürden von alle« Parteien unterrichtet und von allen Seiten über di« Sachlage aufgeklärt werden. Da wir dieser unserer Antwort einen möglichst offiziellen Charatter zu geben wünschen, so haben wir ihren Inhalt auch Sr. Exzellenz, dem Herrn Justizminister mitgeteilt. (Folgen die Unterschriften.) Auch wir, die Mitglieder des Gerichtshofes der sephardischen Gemeinde schließen uns dem Vorstehenden an und billigen die Ausführungen der Gemeindeverwaltung. Istja die Zeit des Clul und Thischri wahrlich nicht geeignet, einen Wahlkampf zu entfesseln und den Friesen der heiligen Stadt' aufs Spiel zu setzen. — Nach Ablauf der Feiertage werden auch wir die Lage erwägen und Beschlüsse fassen, die alsdann zur ameitigen Beruhigung vertragen werden. (Folgen die Unterschriften.) Heute verlautet, daß die AntM-Leute fidpj bereit erklärt haben, der geldbedürstigen Kons ' tinopeler Zentralkasse die ominösen 1000 ~ vorzuschießen, damit die Wahlen nur ja so W als möglich und unter der zuverläffitzMWA^ gialen Leitung der Herren Scherres und FcesLP stattfinden! In der Bevölkerung seW und Wbesondere in den Kreisen der Talmide-Chachamint ist das ganze Bestreben darauf gerichtet, die Wahlen — die bei unparteiischer Leitung na* türlich die Wiederwahl Panisels oder eines ihm gleichgesinnten Kandidaten bringen müssen ■**- bis nach den Feiertagen zu verschieben, um» es Wäre in der Tat ein Verbrechen, den Ernst und irte Weihe des Elul und Tischri durch die Aufreg* ungen des Wahlgezänkes zu stören. llenvlrcdter. Älrankfurt in. 99t, 1. ©It. Gegen _ Preiserhöhung des unter ritueller Aufsicht verkauften KoscherfletscheS gingen uns vonsettm -er Leser vielfache Proteste und Reklamationen zu. Wie wir tndeS erfahren, haben die Metzger infolge noch schwebend« Unterhandlungen von der Absicht oeS Preisaufschlages Abstand genommen. (Siehe JnseratentM.) H-Henfalza, 35. Sept. Für die Synagogmgemeinde zu Hohensalza war der heutige Donnerstag ew Freuden- und Ehrentag. Was man fett Jahrzehnten erwfft, was man seit zwei Jahren mit Interesse und Spannung verfolgte, eS ist heute zur Tatsache geworden:- Der Bau der neuen Synagoge in der Solbadstraße ist