Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1908)
- Date
- 1908-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Oktober 1SV8. Der JSraelli. Nr. 49. Seite 7. alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. . Das penüänente Komitee ergänzt sich aus den Vertretern derjenigen großen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee einzutreten." Als permanentes Komitee wurde das bisher vorbereitete Komitee eingesetzt. Die Versammlung sprach ferner einstimmig ihr Wohlwollen für denweiteren Ausbau und die tatkräftige Förderung der Kolonisation, insbesondere auch im Orient, aus und überwies die Angelegenheit dem permanenten Komitee zur weiteren Veranlassung. Berlin, 28. September. Am 21. September fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung -des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsverein der Deutschen Juden statt. Es wurde u. A. über das Projekt' beraten, einen Zusammenschluß der großen jüdischenBereinigungen für bestimmte Fälle zu organisieren. Der Hilfsverein der Deutschen Juden, der bereits anläßlich der ersten Kischinewer Pogrome eine solche Gesamtorganisation in Vorschlag gebracht hatte, und der nach den Pogromen im Jahre 1905 die Anregung zu dem Zusammenwirken der großen Organisationen gegeben hatte,wodurch alsdann auch eine schnelle und rationelle Hilfeleistung ermöglicht wurde — hat seine volle Sympathie für die Idee ausgesprochen, in geeigneten Fällen das Hikfswerk durch Corperation der berufenen jüdischen Bereinigungen zu zentralisieren, und er hat sich prittzipiel bereit erklärt, einer praktischen, zweckentsprechenden Gesamtorganisation beizutreten. Wie diese Gesamtorganifation herzustellen und wer ihr angehören soll, darüber werden weitere Verhandlungen geführt werden, vor allem auch in Rücksicht auf. die Bestrebungen des Contitees. das unter Vorsitz des Herrn Justizrat Horwitz, Berlin dem gleichen Ziel zustrebt. Es wurde alsdann in der Sitzung eine Reihe von Bewilligungen vorgenommen, u. A. für Erziehungsanstalten und Schulen in Orient und für Institute in Deutschland, die sich im Dienste des Hilfswerks für die osteuropäischen, vor Allem die russischen Juden betätigen. Bei dem Umschwung der Verhältnisse in der Türkei ist die Vermehrung und Verbesserung der Bildungsgelegenheiten daselbst von besonderer Bedeutung. Es wurden dementsprechend Mittel zur Entsendung deutscher Lehrkräfte für Schulen in Konstantinopel bewilligt, deren Reorganisation und Ausbau der Hilfsverein übernommen hat. Geeignete Persönlichkeiten sind bereits gewonnen und sie treten zum Ocktober ihre Stellungen daselbst an. Auch nach Bulgarien find zwei neue deutsche Lehrer an Stelle abgehender entsandt. Zur Begründung eines Kindergarten — für den Orient so eminent wichtigen und segensreichen Institution — in Saloniki wird der Hilfsverein seine Unterstützung durch Hergabe der ^forderlichen Mittel herleihen. Ferner wurde die Begründung einer Wanderbibliothek in Aussicht genommen, die insbesondere einer Reche kleineren Ortschaften in Palästina zugute kommen soll. Herr James Simon machte eine besondere Zuwendung in Höhe von 3000 Mark zur Herausgabe und Verbreitung von Schriften für die Jugend im Orient — Schriften unterhaltenden und belehrenden Inhalts, Lieder re. Literatur für die jüdifchen Kinder im Orient, die nach der Entwickelung der dortigen Verhältnisse in der Hauptsache, hebräisch geschrieben sein müßte, fehlt noch fast völlig resp. es ist noch nicht an eine paffende Zusammenstellung für den gedachten Zweck gegangen. Der Segen der durch geeignete Lektüre für Phantasie, Gemütsleben und die Weltkenntnis der Argend in ihrem , empfänglichsten, bildungsfähigsten Alter gestiftet werden kann, ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Die versammelten Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses gaben zu der schönen Anregung des Herrn James Simon und seiner hochhe^igen Zuwendung ihren lebhaften Beifall kund.. Für den Israelitischen Unterstützungsrerein für Obdachlose in Hamburg, der die osteuropäischen Durchwanderer beherbergt und der ein neues Heim für sein ebenso notwendiges wie segensreiches Merck errichten muß, wurde eine Bttsteuer gewährt. Auch der Hilfsverein für kranke russische Israeliten an der Ostgrenze, in Königsberg i. Pr., an den gleichfalls hohe Anforderungen gestellt werden, erhielt einen Zuschuß. Berlin, 19. September. Das Pro-Falascha Komitee versendet folgenden Aufruf: Seit einigen Jahren ist die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen wiederum auf die trlaschas gelenkt, jenen versprengten jüdischen tamm in Abessinien, der seit Jahrhunderten einen schweren Kampffür seinen Glauben zu bestehen hat, und der, um in diesem Kampfe nicht zu erliegen, uns indringender Meise um moralische Unterstützungund Kräftigung ansteht. Es ist eine Ehrenpflicht der gesamten Judenheit, gegenüber diesem Notschrei Herz und Hand nicht zu verschließen. Wir müssen die Falaschas durch Verbreitung von Schriften, durch Erteilung von Unterricht so schnell wie möglich die erbetene Hilfe senden und so das Band fester knüpfen, das sie mit dem Judentum verbindet. Der einzige, der in der Lage ist, diese schwierige Aufgabe zu erfüllen, in dem unwegsamen, von der Kultur noch wenig berührten Lande mit Erfolg zu wirken, ist Dr. I. Faitlowitsch.. Er hat durch Unterstützung des verewigten Grand-Rabbin Zadok Kahn, unter Subvention des Baron Edmund von Rotschild in Paris, in den Jabren 1904/5 Reise bis tief ins Innere von Abessinien gemacht, sich eine gründliche Kenntnis von Land und Leuten angeeignet, überall Verbindungen angeknüpft und sich das Vertrauen und die Achtung der nicht leicht zugänglichen Falaschas erworben. Die von ihm überbrachten eingehenden Nachrichten über die Falaschas, die von anderen berufenen Fachmännern und von Abbessiniern, die sich in Europa aufgehalten haben, bestätigt werden, bilden eine in jeder Beziehung hinreichende Grundlage für die Eröffnung des praktischen Hilfswerkes. Wir haben nun deshalb Herrn Dr. Faitlowitsch zum zweiten Male nach Abbeffvnien gesandt, zunächst, damit die Falaschas in den Hoffnungen, die sie seit seiner ersten Anwesenheit hegen, sich nicht getäuscht sehen und damit die von ihm in amharischer Sprache verfaßten Schriften über Juden und Judentum unter ihnen verbreitet werden, dann aber auch, damit die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer Schule getan werden, in der junge Falaschas zu Religionslehrern für ihre Stammesgenossen ausgebildet werden sollen. Weiter wird Herr Dr. Faitlowitsch eine Anzahl junger und begabter Falaschas auswählen, von denen einige in eine jüdische Schule nach Jerusalem und die andern in die erwähnte entweder in Abbeffinien selbst oder in Eryträa zu errichtende Lehrer-BildungSanstalt gebracht werden sollen. Selbstverständlich wird die zu gründende Schule in streng traditionellem Geiste geleitet werden. Wir wenden uns mit der Bitte um Unterstützung unseres Werkes an die Judenheit aller Länder mri wir sind der festen Ueberzeugung, daß unsere Bitte für den versprengten Bruderstamm, der seit Jahrhunderten losgelöst von jedem Zusammenhang mit All-Israel, auch in den Tagen blutigster Verfolgung und schwerster Bedrückung dem Gott Israels die Treue bewahrt hat, nicht ungehört verhallen wird. Jeder der Unterzeichneten ist bereit, die Zeichnung von Jahresbeiträgen oder einmaliger größerer Spenden entgegenzunehmen." Der Aufruf ist unterzeichnet von Dr. S. t. Mckrgulies, Oberrabbiner in Florenz, Dr. lfred Klee, H. Adler Chief Rabbi London, Dr. A. Cohn, Rabbiner in Basä, Dr. I. H. Dünner Oberraboiner in Amsterdam, Dr. R. Ehrenfeld, Oberrabbiner in Prag, Dr. M. Güdeman, Oberrabbiner in Wien, Joseph Halövy Professor, iu Paris, Prof. Dr. Schechter, Seminardirektor in Rew-Uork und vielen anderen angesehenen und hochgestellten Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern. Breslau, 20. September. Aus dem Repräsentanten - Kollegium scheiden mit Ablauf d. I. von den 15 Repräsentanten 7 aus und zwar »e Gruppe, welche im Dezember 1902 auf mtsdauer von 3 Jahren gewählt wurde. Die Wahl der neuen Repräsentanten und deren Stellvertreter ist im Dezember d. I. nach § 41 u. 42 des Gemeindestatuts vorzunehmen. Zur Vorbereitung derselben hat der Vorstand der Synagogen-Gemeinde eine Liste der stimmfähigen Gemeindemitgtieder ausgefertigt, welche vom 15. September bis 1. Oktober während der Dienststunden im Gemeinde - Büro aufliegt. Die Zahl der Wähler ist seit 1699 von einer Wahlperiode zur andern gestiegen, sie betrug 1896 : 4080, 1899 : 4052, 1902 : 4710, 1905:4816. Die zur Beratung stehende Statuten-Aenderung wird auf diese Wahl noch ohne Einfluß bleiben, da, selbst wenn sie vor derselben in den Gemeinde- Körperschaften zur Erledigung gelangt, die Bestätigung durch den Oberpräsidenten noch ausstehen würde. Der Verein?ur Förderung des gefefeesfreuen Judentums in der Sdiroefy. (Bon unserem Korrespondenten.) M. A. Basel, 21. September. Die ordentliche Jahresversammlung des vor Jahresfrist gegründeten Vereins, die Sonntag, den 20. d. Ad. im oroßen Saale des Züricher Kaufmännischen Vereins stattfand, nahm eineu imposanten Verlauf. Schon die Tatsache, daß der Verein im Laufe des (eines) Jahres auf eine Mitgliederzähl von 370 gestiegen ist, von denen aus allen Teilen der Schwerz viele mit Freunden erschienen waren, gab hem Ganzen ein würdiges Gepräge. Der Tagesordnung voran ging ein Bortrag des Herrn Rabbiner Dr. Ä. Cohn, Basel, über „Monismus und Judentum", Der Redner führte etwa aus: „Der Monismus, in welcher Form er auch auftritt, sei es Spiritualismus, Materialismus,. Energetik oder Beseelungstheorie, wendet sich mehr oder minder gegen alle Religion. Me Grunde, die diese verschiedenen Richtungen des Monismus vorbring-n, sind nun keineswegs überzeugender.Natur. Hingegen sind die Gründe der Thoraweisheit von zwingender Ueberzeugungskrast. Mögen die Naturalisten die sache aller Ursachen immerhin „Weltvernunft" nennen, wir nennen es „Gott". Auch wenn uns die Fähigkeit abgeht, Gott zu beweisen, so hat man doch ra» Recht, das Dasein Gottes zu bestreuen. Wir aber erkennen Gott aus seinen Werken. Der Monismus führt alles zurück auf die Urzelle. Wer aber hat die Urzelle geschaffen? Diese Frag: muß nach dem MoniSmnS offen bleiben, und wenn somit der Monismus zugeben muß, daß die Urzelle von dem Urfchöpfer stammt, wie gewalttg muß da Wohl der Schöpfer sein, der eine Urzelle schafft, aus der sich Pflanze, Mensch und Tier entwickeln! — Vollends negativ verhält sich der Monismus zu Moral und Sittlichkeit. Entweder man fordert von uns Resignatton in das Schicksal und eS herrscht das Fatum, die blinde Notwendigkeit, oder aber man betrachtet als wichttgstes Moralgesetz „Mles ist erlaubt, nichts ist verboten" und bildet so keinen Uebermrnschen, tvohl aber einen Unmenschen. Am Schlüsse zitierte der Redner den Geibelschen Bers: „Studiere nur und raste nie, „Du kommst nicht weit mit deinen Schlüssen: „Das ist das Sude der Philosophie, „Zu wissen, daß wir glauben müssen. Der einzig wahre Monismus, so schloß die Rede, ist der Monismus des Judentums. Monismus heißt Einheit. Für Einheit. sollen wir sorgen, indem wir die Frömmigkeit unserer Ahnen bewahren und keine trennende Kluft zwischen uns sein lassen, sondern Juden sind in des Mortes edelster Bedeutung mit ganzer Kraft und ganzer Seele. Das soll der Monis-; mus 'sein, den wir betätigen sollen." Der Bortrag fand großen Beifall. Nach Begrüßung seitens des Vorsitzenden der Züricher Israel. ReligionSgesellschaft und nach einer schönen Rede des Vertreters des Vereins Tachkomoni des Herrn »tack. Kraus, Bern, über die gemeinsamen Ziele unserer Bereinigungen, wur« den die Traktanden der Versammlung durchsprachen. . Die bisherigen Leistungen des Vereins sind: Es wurden Vorträge gehalten. — Es ist mit gutem Erfolg gelungen, jungen Leuten in. an rav geschlossenen Geschäften Stellen zu verschaffen. — Es sind Vertreter für dtt För-r