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Der Israelit · 1908-10-01 · Heft 40 (1.10.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 40 (1.10.1908)
Date
1908-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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c t t r t c k t f t b b \ c t / 1 t l t n r e i > r t i i I t i II r r; h r rt 1;t it ti r o it e S d i. 8 t r r 8 e i! I Nr. 40 Der Jsracklt. schöpfen, daß die gesetzliche Sicherung ihrer Gewissensfreiheit und ihres religiösen Selbstbestimmungsrechtes die dringendste Forderung des Tages bleibt. Kinderfaufen in Salinen; Aus Galizien, dem klassischen Lande der Taufen und Entführungen, bekommt man wieder Erbauliches zu hören. In Bobreck, auf der Straße nach Oswiziem, befindet sich eine von der russischen Fürstin Oginska gegründete und geleitete Erziehungsanstalt für uneheliche Kinder, in' welcher Kinder, deren Mütter nach. Galizien zuständig sind, vom Säuglingsalter bis zum 14. Lebensalter erzogen, d. h. verpflegt und unterrichtet werden. Der Anstalt wurden bisher nicht weniger als 62 jüdische Kinder überantwortet, die dort wie die anderen erzogen werden. Der Landesausschuß zahlt laut einem mit der Anstalt getroffenen Uebereinkommen monatlich 14 Kr. pro Kind — auch für jedes jüdische Kind. Für dieses knappe Kostgeld leistet die An- . stalt mehr als man füglich von ihr verlangen könnte, mehr als vielen lieb ist. Sorgt sie doch nicht nur für das körperliche Gedeihen ihrer Schutzbefohlenen, sondern, und noch viel mehr firr ihr «Äelenheil, und auch darin kennt sie in einer sonderbaren Auffassung von Toleranz keinen konfessionellen Unterschied. Die jüdischen Kinder erhalten katholischen Religionsunterricht und werden mit dem 14. Lebensjahre dem Taufbecken zu geführt. Von den 62 jüdischen Zöglingen dieser Anstalt sirid bereits 40 mit dem Taufschein diplomiert, entlassen worden. Allein nicht die Anstalt kann der Vorwurf treffen, wenn sie die ihr freiwillig anvertrauten oder aus Nachlässigkeit von der anderen Seite ihr zugedrängten Kinder in ihrer Facon selig zu ' machen sucht. Der Borwurf trifft in erster Reihe die jüdischen Faktoren, denen das Uebel wohl bekannt ist, und die sich nicht dazu bereit finden, ihm durch Schaffung geeigneter jüdischer Anstalten vorzubeugen und abznhelfen. Herr Dr. S. R. Landau, Wien, der sich in dankenswerter Weise der Sache annahm und die Anstalt besuchte, gibt eine Schilderung der Mißstände, die wohl dazu angetan sei.n sollten, endlich die Gewissen aufzurütteln und die Herren, die es angeht, an ihre Pflicht, dem Judentum gegenüber, eindringlich zu erinnern. Auf die Frage des Herrn Dr. L., warum diese Kinder getauft und nicht an die Juden ausgefolgt werden, meinte der Direktor: „Sind wir denn dazu da, um den Juden die Kinder zu erziehen? Diese -Kinder wissen ja nichts vom Gotd üch den Propheten zu offenbaren pflegte. Denn er sagte fich: a"I .1212M '2NP BW- Die Heiden find leicht geneigt zur Umkehr/ und wenn fie nun auf eine" Weissagung hin Buße tun, dann ist Israel, denen Gott durch so viete Propheten früh und spät feine Ermahnungen ohne Erfolg zuteil werden ließ, um so mehr bloßgestellt. Was aber sehen wir als die Folgen jener Umkehr? Dnri ninn ddttö *dü '2 orrrois n« 'n nvw dpd nwvb -an im njnn bv 'n- Gott vergibt ihnen, ihre Sinnesänderung wmdet die Strafe post ihnen ab. Dtz Wohltat der N27V71 gilt also mcht ausschließlich sui Jsrarl, nicht nur einem Volke ist die Rück, ehr, die Versöhnung mit Gott ,, ermöglicht, sondern allen Menschen ohne Hnterschieh. Äim tPiO nstrn beten wir IfiStfa nn* v2 ^72ü 72 m daß alles Geschaffene einsehen möge, daß Du es geschaffen hast, daß alle den einzigen Gort anerkennen und zu ihm deren mögen. Und am DY1 wirb uns der Hinweis gegeben, daß allen der Weg öer N21VN offen steht, daß also allen dieses Empor streben zu sittlicher Höhe möglich ist, daß somit jener Wunsch nicht ein unerreichbares Ideal ist, sondern daß die Mittel gegeben find zu seiner einstigen Verwirklichung. Es fft wichtig, daß wir uns baS Verhältnis zwischen dem nationalen i nd dem universellen Moment im Juden« tum klar machen, weil gar leicht die Grenzen zwischen beiden übersehen und daS eine zu Gunsten deS andern vernachlässigt wird. Unsere Zeit bietet unS hierfür das deutlichste Beispiel. Die einen wähnen, daS Judentum müsse alles Nationale aistreifen üffe fich ganz zu einer Konfefston umgestalten und sein Bolkstum aufgeben, um fich. mtt dm übrigen Völkern zu assimilieren. Und die anderm glauben in der nationalen Idee das Wesen deS Jubm° ' mms gesunden zu haben, fie wollen außer dm nationalen Judenlume. Es bekümmert sich von jüdischer Seite keiner um sie und es nimmt sie keiner auf. Wachsen sie heran, dann drängen sie fich zur Beichte und sie fühlen sich zurückgesetzt und gedemütigt, wenn sie davon.abgehalten werden." Dies ist ein tieftrauriges Zeugnis, das der Direktor dem jüdischen Gemeinsinn in Galizien ausstellt. Da muß Wandel geschafft werden. Die Schritte, die Herr Dr. Landau in der Sache unternahm, waren nicht von sonderlichem Erfolge gekrönt. Die Hauptschwierigkeit liegt darin, daß der Landes-Ausschuß, der der Anstalt die weitgehendste Unterstützung angedeihen läßt, diese den jüdischen Kindern versagt, so sie an- .derswo untergebracht und speziell jüdischen Händen anvertraut werden. Dem ist nur durch die Schaffung einer geeigneten, dem Oginska'scheu Institut zumindest ebenbürtigen Anstalt zu helfen, die, durch ihre Leitung all die Einwendungen des Landes-Ausschusses von vornherein widerlegend, von ihm auch die entsprechende und den jüdischen Kindern laut Gesetz zukommende Unterstützung verlangen könnte. Ein kleiner Ansatz zu einem solchen Institut ist auf Initiative des jüdischen Waisenvereins in Chrzanow bereits geschaffen worden. Nun ist es an den Gemeinden Galiziens, mit allen Mitteln diesen Verein zu fördern und ihn in den Stand zu setzen, die Erziehung der unglücklichen jüdischen Kinder in Bobreck, so weit dieses noch möglich ist, in die Hand zu nehmen und die Ausgestoßenen ihrer Religion zu erhalten. Aber auch die großen philantropischen Organisationen, die in Galizien ein umfangreiches Hülfswerk entfalten, müßten sich die Sache angelegen sein lassen. Denn, ist auch die Linderung materiellen Elends an sich ein gutjüdisches löbliches Werk, so.darf doch darüber die geistige Not, wie sie uns in ihren bittersten Formen aus Bobreck entgegenschreit, nicht außer Acht gelassen werden. Denanrönferifum. Es ist ein unerquickliches Geschäft, gegen Personen öffentlich aufzutreten, aber auch, dieses Unerquickliche kann der Presse zur Pflicht' werden, wenn die Macht des Persönlichen, Unheil stiftend, in die Geschicke einer Gesamtheit eingreift und dort zur furchtbarsten Gefahr für die Sache wird. Das provokatorische Auftreten des Vertreters der A. I. U. in Jerusalem, Herrn Albert Antebi, ist seit Jahren Gegenstaiä der öffentlichen Kritik. Es mag menschlich begreiflich sein, daß ein Mann, der auf exponiertem Posten seit Jahren über gewaltige moralische und materielle Machtmittel verfügt, von dem Ehrgeiz gepackt Momenten nichts gelten lassen. Unsere Weisen haben diese Gefahr wohl erkannt, und fie haben gerade, da, wo der nationale Charakter der Thora am meisten herdorzutreten schien, auch die universellen, die allgemein menschlichen Setten betont. Gewiß enthält die Thora zahlreiche ncllionale Momente, und eS ist nur Gedankenlosigkeit joder bewußte Irreführung^ wenn diese Momente als inebensächlich und gleichgültig bezeichnet werde«. Ja, die ganze Thora ist im gewissen Sinne national, weil ihre Erfüllung nur für die Gemeinde Israels verbindlich ist und weil wir ste niemanden aufdrängen wollen. Aber ebenso gewiß ist es, daß die Thora auch die höchsten Menschheit? gedaMm enthält, und haß diese Sette deS Gesetzes befttmmt ist in fortschreitender Entwicklung Gemeingut der Menschheit zu werden. Durch die treue Pflege des Gesetzes kann Israel auch diese Suwanitätsideen am reinsten entfalten und dadurch als riestervolk der Menschheit voranleuchten. DaS ist. auch einer dsr Gedanken, und vielleicht nicht der unbedeutendste, welche der BersöhnungStag unS nahe bringen will. Meines Feuilleton. ver lloreddarcdoso Ser?NvMore«te«. GegenwartSbild von S. E. .... Also durch die Jewifh Encyklopädie hatten sie seinen Wohnort erfahren, die guten alten Leute im weltvergessenen pichrischen Nest. Sie schrieben es ja fo t ' Seite 8. 1. Oktober 1808. wird, diese Machtmittel zur Durchführung einer persönlichen Politik auch auszunützen; es mag weiter verständlich erscheinen, wenn ein solcher Mann eine Schlappe, wie sie ihm vor zwei Jahren die Chacham-Baschi-Affaire in Jerusalem brachte, nicht verwinden kann und seinen Racheempfindungen bei erster Gelegenheit Luft macht — daß Ober dieser Mann der Körperschaft gegenüber, die er vertreten soll, jedes Gefühl von Verantwortlichkeit verliert, daß er in der Stunde höchster politischer Verwirrung als Denunziant seiner Brüder vor die nichtjüdische Behörde hintritt und — der Devise n72 NI Cnnp SWw ^>2 zum Ho hn — mit teils offentsichtlich unwahren, teils unbeweisbaren Anschuldigungen - Persönlichkeiten von Ansehen und Rang, in den Staub zu zerren sucht, das hatten wir bis jetzt für unmöglich gehalten! Nun aber liegt dieses Dokument der Schande, die Eingabe Antsbis an den Gouverneur von Jerusalem handgreiflich vor. Die Urkunde wird uns in photographischer Nachbildung des Originals von Jerusalem übersandt, und wir haben fie — da wir den seit Wochen vorliegenden hebräischen Uebersetznngen keinen Glauben schenken mochten — von kompetentester Seite aus dem Türkischen ins Deutsche übertragen lassen. Hier ist sie: ausführlich in ihrem langen Rosch-haschono Briefe. Der Großonkel und die Tante waren schon zu alt zum Reisen, aber als der Sohn vom ,M?rrn Borsteher" nach München zur Ausstellung fuhr, da trutzen-sie ihm auf, sich dort umzusehen, ob er denn gar nichts dort; ihrem berühmten Verwandten, dem Professor für Literaturgeschichte „dem Josefle" — wie er früher in detzj Familie genannt wurde — erfahren könne. Und als dannder Sohn vom „Herrn Vorsteher" zurückgekommen war — am ersten Tag Slichot — da hat er einen Zettel mitgebracht und ans dem hatte er alles fein säuberlich abgeschrieben, was in dem dicken englischen Buche — aus der Staatsbibliothek harterer'sgefunden — über „Josefle" ürinüen stand und Pas W«r fast eine ganze Spalte — enggedruckt — und daneben war sogar sein Bild. Nach der „Mincho-Schul" war dann > der „Herr Lehrer" so freundlich das Ganze in's Deutsche zu übersetzen, und so erfuhren sie zu Ihrem freudigen Staunen, wieviel Bücher das Josefle schon ge- , schrieben, welch glänzender Dialekttker er sei und daß er in Obereddershausen im Jahre 1865 geboren, dann das Gymnasium in München besucht hatte — „ganz Emes", wie Her Großonkel bemerkte —, und daß er jetzt in Berun wohne, stand auch dabei. Dies ließ den alten Leuten keine Ruhe; die Brille wurde gesucht, beim Krämer frische Tinte geholt und ‘ in langen Pausen kam der Brief zustande — den soeben Privatdozent Eddershausen mit vieler Mühe entziffert hatte, und der ihm die erste Kunde davon brachte, daß heute 'eine Glaubens- oder richtiger Stammesgenossen Neujahr — nein Rosch haschono — feiern. Sinnend sitzt er vor dem Briefe und lächelt — > nicht ob der Naivität der Schreiber und des Schreibens. Zuni hohen Büchergestell schreitet, er und nimmt ein kleines, schwarzledern gebundenes, stark abgegrif- WMM, üüfli 1 .; i ':V3 i

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