Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1908)
- Date
- 1908-09-24
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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kacdkttnge m der Severai- Qcrsammlmig des daverlrcde« Eeftrer*Uerein$ in Rotdenburg. Bon S. (Schluß.) .Da ist zunächst die Tatsache zu konstatieren, daß auf allen Versammlungen die Begrüßungen und eine Reihe anderer Punkte der Tagesordnung rein geschäftlicher Natur sich gewöhnlich stundenlang hinziehen und so von vornherein einen großen Teil der Aufmerksamkeit und Arbeitsenergie der Konferenzteilnehmer absorbieren, bevor der Referent für das Hauptthema überhaupt zu Worte kommt. So ist dann gewöhnlich die vierte oder fünfte Stunde seit Beginn der Tagung schon angebrochen, wenn die Diskussion einsetzt. Ermüdet von der Reise, die gewöhnlich schon am ftühen Morgen angetreten werden muß, ermüdet von den vielen Eindrücken, die das Zusammentreffen mit so vielen alten Bekannten mit sich bringt, ermüdet von den bereits 2—4 ständigen Dauer der Verhandlungen, heWscht schon Unruhe und Nervosität, jodaß aÄH die trefflichsten Ausführungen in der Debatte in der Regel einen für neue Keime nicht mehr empfänglichen Boden vorfinden. Und würden nur immer auch Samenkörner in den Debatten ausgestreut! Wie oft. erstickt gerade Wer die Spreu den Weizen! Da will sich manchmal ungezügelte Redelust ergehen und kann pttm sein Rößlein am Zügel nicht führen, so zieht man's an den Haaren herbei. *) Obwohl ein Teil des Artikels durch die Ereignisse Aerholt ist, so lassen wir ihn doch unverkürzt folgen, da dte AuSfÜhNMgen des geschätzten BerfafferL auch heute nsch sind. Wie ist da abzuhelfen? Es^snuß erstens dafür besorgt werden, daß solch wichtige Fragen, wie sie in Rothenburg zu Beratung standen, die volle Frische und ungeschwächte Aufmerksamkeit der Versammlung finden. Das kann leicht geschehen, wenn die lange Reche 8er Ansprachen, die ja unvermeidlich und meistens sogar recht herzlich und darum erfreulich und anerkennenswert sind in die Zusammenkunft am Vorabend der Konferenz verlegt wird. Mögen diese Zusammenkünfte, die bisher inoffiziell waren, fernerhin offiziellen Charakter annehmen. Für manchen Kollegen ein willkommener Anlaß sich schon am Vorabend am Versammlungsorte einzufinden! Wer aber erst zur Hauptversammlung erscheinen kann, wird sich mit dem Bewußtsein trösten können, durch sein Fehlen an seiner Pflicht zur Förderung der Interessen von Schule und Lehrerstand noch nichts versäumt zu haben. Ebenso könnte die Jahresrevue wesentlich gekürzt werden oder ganz Wegfällen, da ja ohnehin der gedruckte Rechenschaftsbericht und im Bedarfsfälle noch besondere Rundschreiben der Verwaltung über wichtige Mitteilungen, Anregungen etc. an die Mitglieder verschickt werden. Für's zweite aber ist auf eine Umgestaltung und einen fruchtbringenden Ausbau der Debatte hinzuarbeiten. In dieser Beziehung können Wir von den allgemeinen Lehrervereinen noch manches lernen. Mehrere Monate vor der Hauptversammlung werden dort alle wichtigen zur Beratung stichenden Fragen mit den Thesen der Referenten, Anträgen von Bezirksvereinen etc. durch die Fachpresse bekannt gegeben. Alle Anträge werden in den Bezirksvereinen vorberaten, Gegenvorschläge, Ergänzungen etc in der Fachpresse erörtert. Die verschiedenen Anregungen werden dann dem Hauptausschuffe bekannt und er ist dann in der Lage, §üf Grunö allseitiger Information und Berücksichtigung aller' Momente Stellung zu den Anträgen zu nehmem In unserem Falle waren der Verwaltung im Voraus nur die in der DenAchrist niedergelegten Anträae, also im Grunvä Amommen ihre eigenen Meinungsäußerungen bekannt und zu diesen Anträgen allein konnte der Ausschuß Stellung nehmen. Nun erstreben bei uns ja bekanntlich auch die Mittelftanken die Bildung, von Bezirks- und Kreisvereinen innerhalb des 'Lehrervereins, um Fragen der Tagesordnung vorbesprechen zu können. Weil nicht alle BereinSmitglieder sich zu solchen Verbänden zusammenschließen können, wehrt sich die Verwaltunas — u. E. mit Recht — gegen das Bestreben einzelner, ihren Ansichten in der Versammlung von von vornherein durch vorgefaßte Beschlüsse ein Uebergewicht zu verschaffen. Briefkasten 4er Redaktion. E. in B. Sie mögen Recht habendie ,/Jüdische Religion" des Herrn Dr. Coblenz mag nicht schlimmer sein, als manches andere neologe Religionsvuch und man könnte eS ruhig dem gesunden Sinn der jüdischen Lehrer überlassen, diese Art jüdische Religion avzulehnen. AVer die Freunde des Verfassers, der in demweMltfchM Gemeindeverband eine führende Rolle spiest, versuchen eS, sein Opiw den Lehrern" der dem Verbände «»geschlossene« Gemeinden aufzudrängendagegen mußte Front gemacht werben und bas umsomehr, da ihm die „Bl. f. Erz. u. Unt." durch ihre so überaus warme Besprechung ein Relief verliehen haben, bas ihm, von seiner religiösen Stellungnahme ganz abesehen, überhaupt nicht zukommt. u>-u euilleton. $amnel da llagid. ' Eine jüdische Erzählung auS der spanisch-maurischen Zeit. (Fortsetzung.) Da trat ein Ereignis ein, das tiefeinschneidend in die Speichen von Samuels Lebensrad eingreifen sollte. Hischam G. hatte damals das Kalifat von Kordoba inne. Er war durch eine Verschwörung von Solltaten slavischer Abkunft auf den Thron gelängt, die ihn eines Tages aus dem Gefängnis holten, mit den königlichen Gewändern bekleideten und ihn unter dem Rufe: „Es lebe Hischam H." auf den Thron setzten. Aber er war ein schwacher Herrscher und die Slaven vermochten alles bei ihm. Bald erfuhr er, daß er auch in der Stadt selbst Feinde habe. Einige Omaijaden, welche die flavische Herrschaft nicht leiden wollten und glaubten ihre eigenen Interessen zu fördern, wenn sie dem Kalif der Berber „Solaiman" ' Borschub leisteten, ließen dem letzteren heimlich kundtun, daß sie ibm die Hauptstadt überliefern 'widmen, wenn er ms zu einem bestimmten Termin bis zu den Toren Kordobas vorrücken würde. Während Slaven und Kordovaner sich untereinander erwürgten, kam von außen der Berbersürst Solaiman. An einem Sonntag, den 5. Jjar 4773 (neunzehnten April 1013), zogen die Berber in die Stadt durch das Tor der Vorstadt Seeunda ein, welches ein von ihnen bestochener Offizier ihnen übergab. Kordoba mußte feinen langen Widerstand mit einem Strome von Blut bezahlen. Die Slaven zogen sich zurück, als sie sahen, daß Alles verloren war, und nun begannen die Berber mit wildem Geschrei die Straßen zu durchziehen. Hier plünderten sie, dort schändeten sie, überall mordeten sie. Selbst die unschädlichsten Leute fielen ihrer blinden Wut zum Opfer. Hier töteten, sie den alten Rabbi Jshak, den Hauptrabbiner der Gemeinde, der wegen seiner Tugend und Frömmigkeit und feiner großen Gelehrsamkeit berühmt war, dort den unglücklichen Salom ibn Doreid, aus der edlen Familie der Mamunen, der gerade im Begriffe stand, ein wertvolles talmudisch-bibliographisches Lexikon herauszugeben. An einer anderen Stelle lag der Leichnam des berühmten Arztes und Astrosophen Jehuda ben Jusuf ibn Chasdei, dessen höchste Sehnsucht einem Akiba gleich sich erfüllt hatte, er wurde in Heiligungdes göttlichen Namens erschlagen. Die Opfer waren so zahlreich, daß man nicht einmal versucht hat, sie zu zählen. Bald kam noch eine Feuersbrunst hinzu, um die grauenhaften Szenen mit ihrer schrecklichen Helle zu beleuchten. Am zweiten Tage nach der Einnahme der Stadt,-ergriff Soleiman Besitz vom Khalifenpalaste. Alle Kordobaner, welche durch irgend einen Zufall den Säbeln der Berber entkommen waren, stellten sich bei seinem Durchzug in Reih und Glied auf. Betrübt und ift tiefster Seele verwundet durch die furchtbaren Scenen, welche sie vor Augen gehabt hatten, ermannten sie sich dennoch zu dem Ruf: „Es lebe der Khalif". Solaiman wußte diese gezwungene Begeisterung nach ihrem Werte zu schätzen. „Sie wünschten mir ein langes Leben," sagte er mit den Worten eines alten Dichters, „aber sie würden mich töten, wenn sie mich in ihrer Gewalt hätten." Die Berber ließen sich anfangs in Secunda niederaber drei Monate später wurden alle übrig gebliebenen Einwohner Kordohas zur Verbannung verurteilt und ihre Güter zum Besten der Sieger eingezogen. Unter ihnen befand sich Samuel.-Vollständig evtblößt von allem mußte er die Stabt verlassen, Wochenlang war er in der ^zerstörten Stadt um» hergeirrt, um von seinen Eltern, seiner Braut und seinen zukünftigen Schwiegerettern eine Spur zu entdecken. Doch vergebens. Sie waren wie vom Erdboden hinweggettlgt. Drittes Kapitel. Wie einst unser Vater Jakob, als er flüchtete vor seinem Bruder Esau, allein auf dem Felde sich befand, uur den Stab in der Hand, mit dem er den Jarden zu überschreiten gedachte, so fühlte sich Samuel, als er vor den Toren von Kordoba auf freiem Felde Rast hielt, allein und verlaffen, arm und Verzweiflung und Kummer im Herzen, nicht wissend, wo er den müden Fuß hinwenden solle. Und auch er fand wie einst der wandernde Ahn, Stärkung im Gebet, Hoffnung in dem Horte Israels. Auch er rang mit dem Engel und entließ ihn nicht, denn er segnete ihn Ein Meister der hebräischen Sprache strömten ihm die herrlichsten Gebete immer schneller, immer mehr begeistert von den Lippen und wer weiß, wenn sie dem Griffel damals anvertraut worden wären, ob sie nicht heute zu unserem besten Gebetschatz gehören würden. Samuel war nach vollendetem Gebete wunderbar gestärkt, zum ersten Male fett Monaten war es ihm wieder möglich, klare Gedanken zu fassen und er dachte deshalb darüber nach, wie er sein künftiges Geschick einigermaßen erträglich gestalten könne. Sein Vermögen war dahin, aber seine Kenntnisse besaß er noch. Er erinnerte sich jetzt mit tieffter Wehmut eines Wortes seines Vaters, das dieser zu ihm als Kind richtete: „Samuel," sagte er, „lerne, lerne, lerne, lerne, in unserer bewegten Zeit sind Kenntnisse das einzige Gut, das wilde Menschen uns nicht zu rauben vermögen. Deshalb lerne, lerne, lerne, lerne." Und er sann, wie er seine Kenntnisse wohl verwerten könne und was aus dem armen Vater, der guten Mutter wohl geworden sein mag. Die Erinnerung an die Braut mußte er gewaltsam unterdrücken, denn dann fühlte er eine» so heftig brennenden Schmerz im Busen, daß das Herz schier zu zer» springen drohte. Und doch mußte er immer wieder an sie denken. Noch ein halbes Kind, war ihre edle Schönheit doch bewundernswert. Sie' war eine Eastilierin und Me körperlichen ungeistigen Vorzüge der jüdischyr Raffe waren in ihr vereint. Jetzt matte er sich, immer wieder