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Der Israelit · 1908-09-24 · Heft 39 (24.9.1908) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 39 (24.9.1908)
Date
1908-09-24
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 39. 24. September 1908. Der Israelit. in der Wunde wühlend aus, wie er sie zum mal erschaute. O wie war sie lieblich! Er erinnerte sich jeden einzelnen Vorganges, jedes Wortes das damals gesprochen wurde. Nachdem ein kostbares Glas zerbrochen war, trat der Vater an ihn Heran und steckte einen Diamantring an seinen Finger. Da nimm diesen, sagte er, auch ich erhielt ihn von meinem Vater an dem Tage, da ich mich verlobte. Doch da zuckte es plötzlich in seinem Hirn ein anderer Vorgang ward ihm gegenwärtig. Als die Barbaren kamen, um seinen Laden zu plündern, da bemerkte einer der Unholde den blitzenden Stein an seinem Finger, und instinktiv zog er Samuel den Ring ab und steckte ihn in seine Stiefeltasche. Die Ereignisse folgten seitdem mit solcher Wucht, daß ihm diese seine damalige Vorsichtsmaßregel vollkommen entfallen war und so war es sehr wohl möglich, daß der Ring noch vorhanden. Ein Griff in den Stiefel und freudig bewegt zog er das Schmuckstück dessen Stein herrlich in der Sonne funkelte, hervor. Nun war er doch nicht so arm wie er geglaubt, gar schnell hatte der gütige Gott, der den Bedrängten nahe ist, sein Gebet erhört. Nun konnte er sich in Malaga, wohin er zu reisen gedachte, für. den Erlös des Ringes wieder eine kleine Apotheke gründen, denn dort, wo viele Seefahrer und Großraufleute verkehren, vermochte er das kostbare Stück, von dem er sich zwar nicht gern trennte, doch leicht um einen guten Preis anzubringen. Da wo heute der Bahnzug, den die Spanier sich selbst ironisierend den „Napido" nennen, auf der Strecke Malaga-Kordoba, lvenn auch nicht dahinsaust, aber doch leidlich schnell vorwärts kommt, war zur Zeit unserer Erzählung ein in äußerst, schlechtem Zustand sich befindender Fußweg, auf dem unser Wanderer nur mit großer Mühe weiter schreiten konnte. Das berberische Heer, das in dieser Gegend jahrelang lag, um von hier aus seine Angriffe gegen Kordoba zu unternehmen, hatte die letzten gangbaren Telle des Weges zerstampft, so daß man oftmals bis an die Knöchel in den Morast versank. Aber auch diese Reise nahm ein Ende, und eines Tages sah Samuel von weitem die malerisch an einer Bai des mittelländischen Meeres gelegene Hafenstadt. Bereits befand er sich an dem Ufer der hier mündenden Guadalmedina, die einige Meilen vor der Stadt eine riesige Breite annahm und auf deren Rücken Samuel die ersten Seeschiffe zu Gesicht bekam. Er erklomm das Gibralfaro, ein steile Anhöhe vor der Stadt, auf der ein ziemlich primitives Fort errichtet war und genoß von dessen Wällen in vollen Zügen die wunderbare Aussicht auf Stadt und die See. Samuel sprach hierauf zwei Segenssprüche. Er lobte Sott zunächst als Schöpfer des gewaltigen Meeres und dankte ihm, daß er ihn ungeschädigt diese Stadt hak erreichen lassen. Im Herabsteigen von der Höhe dachte er darüber nach, ob er wohl die Segenssprüche in der richttgen Reihenfolge gemacht habe und in seinem Kopfe erwuchs ein ganzer halachisch-kasuistischer Bau, durch den er mit Befriedigung die Ueberzeugung erlangte, daß sein Geist durch die furchtbare Leidenszeit weder an Schärfe abgenommen, noch der harten Gedankenarbeit entwöhnt war. Prachtvolle Gärten mit Pflanzen, die schon das nahe Waffer ahnen ließen, und Villen mit herrlichen Marmorbrunnen im Irmenhof ließen ihn wahrnehmen, daß auch hier die Leute zu leben verstanden und daß er sich hier knapp vor den Toren der Stadt befand. Nach dem Eintritt durch das Tor war der Wanderer ein wenig enttäuscht, jede Eleganz schien hier mit einer gewissen Absicht vermieden. Schmutzige unebene und unregelmäßige Straßen zeigten beinahe an jedem Hause, daß man sich in einer Hafenstadt befand. Fässer mit Rosinen, Wein, Olivenöl, Mandeln und Limonen lagen fast vor jeder Türe, und Schiffer und Hafenarbeiter liefen geschäftig hin und her. Samuel schritt bis zum Marktplatze weiter, aber was war das? Kam ihm da nicht ein junges Paar entgegen, in welchem er seine besten Freunde zu erkennen glaubte. Gewiß, sie waren es, Jehuda Jbn Gabirol und seine reizende junge Gattin aus Kordoba. Ein beiderseitiges Sehen, ein Begrüßen, ein Umarmen und Küffen und eine allseittge Freude und Rührung folgten. Gabirol erzählte wie er und seine Frau — Kinder hatten sie noch nicht — mit äußerster Gefahr den Metzeleien in Kordoba entgangen waren, wie ein ihnen befteundeter Slovene sie auf Kamele packte und sie in raschem Laufe an die Ufer der Guadalmedina brachte, hier bestiegen sie ein Schiff, daß sie hierherführte. Jehuda Jbn Gabirol oder wie ihn'die Araber nannten Ajub ben Jachja hatte den größten Teil seines Vermögens gerettet. Er war Juwelenhändler und ließ seine kostbaren Steine bei Beginn der Wirren in seine Gewänder nähen. Er machte hier sofort wieder einen Juwelenbazar auf und hatte, da er schon einige Zeit hier war, gute Geschäfte gemacht. Für Samuels Fortkommen war es von der größten Bedeutung, daß er den in weltlichen Dingen so erfahrenen Freund hier fand. Er belieh ihm sofort seinen kostbaren Ring mit dem Versprechen, daß er ihn ihm jederzeit zurückgeben werde, wenn er es verlange und für das ihm gewährte Geld richtete er Samuel auch hier wieder eine Apotheke ein, genau in der Art, wie er in Kordoba eine solche besaß, so daß er sich nur wenige Stunden im Tage dem Geschäfte zu widmen brauchte und die übrige Zeit vollkommen seinen Studien und wissenschaftlichen Arbeiten widmen konnte. Samuel erwies sich dem Freunde dankbar. Als diesem einige Jahre später ein Knäblein geboren wurde, übernahm Samuel dessen Sette 13 ' 7 -...j -fr* Erziehung, er führte ihn in die Anfangsgründe aller Kenntnisse ein, er lehrte ihn dichten und' philosophieren und erlebte dafür später die Freude, daß in seinem jungen Schüler der kleine Sulaiman oder Salomo einer der lieblichsten Dichter und tiefsinnigsten Denker der Judenheit, der „jüdische Plato" wie er später genannt wurde, erstand. (Fortsetzung folgt.) FamMemrchüchle». Geburten: Eine Tochter: Arthur Rapp (Landsberg) hier. — Dr. E. Meyer, Mülhausen i. EN. — Einen Sohn: Nathan Meyer (Müller) Hamburg. — Abr. Blu menthal (Friedmann) Köln a. Rh. Verlebte: Mathilde Hetz, Leopold Stern, Frankfurt a. M. — Jenny von der Wall, Iwan Hirsch, .Cöln a. Rh.» Warm i. Mecklenbg. Verstorbene: Frau Karolme Stern (Straß) hier» Sandweg. 98 Jahre. — Frau Regina Heymann (Kahn) hier, Kantstr. 49 Jahre. Bnrmlzwobfeiern: Sally, Sohn von Nathan Friedmann,Lehrer, Heppenheim a. d. Bergstraße. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ruppi bwtt'n OKI: Anfang Datnm AuSgang UhrlMin. 1908 5669 UhrlMin. SLEdtbr. 1. Tilckri —r- & 45 7 —- BerN« .... — — 6 40 SffiwfbfM . 5 45 6 45 Strabbnrg . 5 45 7 — Stuttgart. . . 9 — 6 55 Pole» .... — — 6 40 Nürnberg . . — — 6 45 Hamburg. . . — — 6 55 Sroft. — jC. 6 40 Sonntag, L.7. September rfttPn tPim '3 Festausgang in Frankfurt a. M. 6 Uhr 55 Min. Montag, 28. September Q12L. Herr Scksidt lisst sich atschiMM, er sei stockheiser und habe 7neu so quälenden, trockenen Husten, daß er ganz schwach sei von der Anstrengung. — So! Na, sagen Sie Herrn Schmidt, wenn er morgen nicht gesund wäre, dann müßt ich einen anoernr Herrn auf die Reise schicken. Er soll Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen nehmen — die stellen ihn bis morgen schon wieder b:r. verstanden? — Fays ächte Sodener kaust man sür 65 Psg. in jeder Apotheke, Drogerie oder Mineralwasserhandlung. Bad Dürkheim, de« *♦ September. Die militLrberechtigte Bürma»»fche Realschule in Bad Dürlheim war in le tan Schuljahre von 830 Schülern besucht, von denen 108 im Penstonate des AnstaltSvorfteherS Aufnahme fanden. Der Konfession nach waren eS ISS Protestanten, 75 Israeliten und 33Katholiken. Auch im Schuljahre 1907/08 haben sLmmtliche 85 Schüler der Oberklasse die Reifeprüfung bestanden. Eltern und Vormündern sei diese tüchtige Lehranstalt wärmstenS empfohlen. kür den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; Insbesondere ist es aBseehllesslleh Sache der Leser, die 1« lnserateetelk enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren odersonstige Angaben rellglonsgesetzllehenCharakters anf ihre Zuverlässigkeit zn prüfen.. Voranzeige. HIPPODROM. Ab Samstag, den 26. Sept. täglich Grosse Internationale Ringkampf - Konkurrenz am die Meisterschaft von Europa. —6000 Mapfc in baap. — Ghrenprett dem Sieger: Rennpferd »Fels" in Gold. Vorher sensationelles Sportprogramm, (iiisi Alles Nähere spätere Annoncen n. Plakate. Die Direktion. CoihM Selljamn Frankfurt am Main, Rechneigrabenstrssse 15 Unter Aufsicht Sr. Lhrw. de- Herrn Rabbiner Dr. Breuer» VerannS nacb dem.ln- und Aualand. WIESBADEN ‘■üT?* Pensionat ad Uilere TSchteRdile von Hermlne Wolff» Mmstuchme vorn Sicltegoi m jeder Seit. Nrollrekte «nd Referenden dnrch die Vorsteherin. («40 Berlin W., Achenbachstr. 3. Wollminn’selßs Töehterpensional Schulunterricht n. Fortbllimmgnlalne RüBesheimer- WtDQD A T1F1I Rafeshebnersfrasse 9 IT lEODAUEn, sfrasse 9 — Israelitisches Töchter'Pensionat — gegründet 1874. Geschwister Sobernheim. Erste leftraun. «rttndllehe wissenschaftliche ni feinr liebe Ausbildung. (0990) Joseph Oepe«nf Spezial-Atelier für (10469 WC Seheital and Peppfiekea. Marie Kntnewaky. «“* Dr. Heinemann’sehM Pensionat und höhere Äbdchenschule Frankfurt am Kain Theobaldstrasse 6 mit Fortbildungskurse für erwachsene Mädchen. Eintritt von Pensionärumen zu jeder Zeit. Ausnahme von Schülerinnen vom 6. Lebensjahre an. Prospekte durch die Vorsteherin (11107 Kran Dr. Heinemann. Marke „Oreif“. (9479) Nerven und Magen stärkend, Appetit anregend, '/, Flasche 3,00 Mk., Flasche 1.75 M. Frankfurt a. M. raldeehauidtetr. LLL Greif-Apotheke, F VTelefen 0974. - Wi

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