Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1908)
- Date
- 1908-09-24
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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Vrzid^ufHj and ncMcrscbcinungcn auf arm Gebiete der iüdi$cben Scbulbüclwliteratur. IV. Wichtiger als alle Fibeln und als der schönste nriD sind jene Lehrbücher, die dem Uebersetzungsunterricht dienen,' hier ist nichts bedeutungslos und jeder Versuch, uns in der Methode desselben einen Schritt weiterzubringen, muß dankbar anerkannt werden; eine einzige, nur halbwegs brauchbare Arbeit trägt mehr zur Klärung bei, als alle Referate und alle Debatten über die Umgestaltung der Methode dieses Lehrfaches. Bevor ich'nun an die Besprechung zweier- Lehrbücher herantrete, die in jüngster Zeit auf diesem Gebiete erschienen sind, nämlich von Rahtners mxp nVsn, neu bearbeitet von Abraham-Berlin und des nun ’nytp von Levy-Frankfurt a. M., möchte ich kurz die Strömungen andeuten, die sich im Uebersetzttngsunterricht geltend machen. Auch hier teilen sich die Lehrer in zwei recht ungleiche Lager,' in das erste große Lager gehören diejenigen, die mit ihrer Methode und noch mehr mit ihren Erfolgen zufrieden sind ,' in dem zweiten bedeutend kleineren Lager befinden sich die Unzufriedenen, die Strebenden, die Suchenden. Die Letzteren sind aber unter sich noch recht uneinig. Einige Wenige — es sind aber recht strebsame Kollegen — möchten den Uebersrtzungsunterricht gern in einen Sprachunterricht verwandeln und sie verwenden gleich die neueste Methode im fremdsprachlichen Unterricht, die sogenannte Konversationsmethode. Sie sind die Bewunderer der Lehrbücher nSV rvri;*)&n 'sh 'y NLV nri rnwn und a. m- Lehrbücher, die unsere ernsteste Beachtung verdienen, weil sie manches Gute enthalten, die aber für unsere Verhältnisse kaum geeignet sind.. Diese Stürmer bilden den äußersten Flügel der fortschrittlichen Seite. Ein Lehrbuch, das ihre Anschauugen vertritt und auch für deutsche Religionsfchulen berechnet ist, wartet noch auf sein Erscheinen, denn nro "nxp von Rabbiner Dr. Goldschmidt - Offenbach, das auch die Sprechmethode anwendet und das ich früher einmal an dieser Stelle besprach, kann man kaum als Lehrbuch in strengem Wortfinn gelten lassen. Wir können uns deshalb den Antipoden jen« kleineu Schar zuwenden, den Anhängern her alten Methode, die das Hebräische durchVor- und Nachsprechen lehren. Ihre Zahl P, wie bereis erwähnt, noch recht groß Holl ich sagen leider? Es ist ja wahr: jene Mechode läßt sich wissenschaftlich nicht rechtfertigen, sie kann vor dem Richterstuhl der modernen Pädagogik nicht bestehen aber was tuts? Der Erfolg gibt ihr recht, der scheinbare wenigstens. Es ist nämlich eine nicht wegzuleugnende Tatsache, daß in den Schulen, wo sie angewandt wird, Pentateuch und Gebetbuch ganz statt übersetzt werden, günstige Schulverhältnisse natürlich vorausgesetzt. Mögen die Gegner immerhin von ödem Mechanismus, von papageimäßigem Vor- und Nachsprechen reden, mögen sie Nachweisen, daß dieser Unterricht nicht geistbildend ist, daß er weder die Lernlust yoch das Interesse erweckt, daß er übermäßige Ansprüche an das Gedächtnis stellt usw., der Weg ist zu bequem, als daß er nicht stark frequenttert würde und ich glaube, diese sogenannte Chedermethvde wird sich noch recht lange behaupten, so lange wenigstens, bis wir eine ebenso bequeme,aber geistbildende Lehrweise gefunden haben, die auch günstige Erfolge gewährleistet. Ob wir noch weit von diesem Ziele entfernt oder ihm schon nahe sind, das werde ich später zeigen. Um den Anhängern der alten Methode aber einigermaßen gerecht zn werden, muß doch erwähnt werden, daß die verständigen unter ihnen einen sogenannten anlehnenden, neben dem Uebersetzen herlaufenden Grammatikunterricht betreiben, um den Schüler mit den wichtigsten Regeln der Formenlehre vertraut zu machen. Ein Lehrbuch ist dazu nicht nötig, höchstens eine Tabelle für die Deklinatton und Konjugation, ähnlich dem. jüngst erschienen Merkheft von Rosenfelder-Buchau, das recht brauchbar ist. Dagegen spielt bei jenen eine gute Ueb erseNung eine recht bedeutende Rolle. Darauf weroe ich später noch einmal zurückkommen. Zwischen den beiden eben geschilderten Richtungen .stehen jene Kollegen, als deren Vertreter ich Abraham-Berlin und Levy-Frankfurt bereits enannt habe. Auch sie gehören zu den Unzufrieenen, auch sie verwerfen das mechanische Einpauken, das der alten Methode nun einmal anhastet. Sie gehen dabei, von verschiedenen Voraussetzungen aus und schlagen deshalb auch verschiedene Wege ein. Neu. sind diese übrigens nicht, so wenig wie die Unzufriedenheit mit der Methode und den Erfolgen im Hebräischen. Man lese doch, nur einmal die Vorreden zu dem „Uebersetzungslehrer" und dem Tnms von Dr. Emanuel Hecht, die beide in den 50er Jahren erschienen find. Dort treten die Ansichten und Bestrebungen, die durch das Berbandstbema „Notwendigkeit einer Umgestaltung der Methode des hebräi^en Unterrichts" vor die breite Oeffentlichkeit getreten find,, schon ganz klar heichor und besonders die im „Uebersetzungslehrer" ausgesprochenen Grundsätze sind recht beherzigenswert. Ja, man kann ruhig behaupten, daß in den Debatten der zwei jüngsten Jahre kaum ein neuer Gedanke zu' tage.gefö^,^ dert worden ist. In der Kritik waren die me* ] ferenten alle stark, aber so bald sie positive Kovschlüge machen sollten, Versagtee ihre Krast. Eine rühmliche Ausnahme bildete wieder Abraham> \ Berlin, er ist als Theoretiker und Prakttker gchrch stark. Er besitzt aber auch Bescheidenheit und Klugheit genug, an. das anzuknüpfen, was? er Brauchbares vorgefunden und gibt sich nur als Bearbeiter einigermaßen erprobter Lehrbücher. Das ist ein recht empfehlenswert« Weg. Die alten Lehrbücher enthalten manchen guten Gedanken, und mancher Verfasser täte gut,? sich recht gründlich umzusehen, ob nicht jemand vor ihm schon etwas Aeynliches gedacht oder vev- . saßt hat. So kann man den schon erwähnten als einen Vorgänger von Levh's min 'iyv anr sehen „Das Hebräische" so sagt Hecht in der Borrede zu dem genannten Werk, „kann und muß auf dieselbe Weise wie jede andere Sprache erlernt werben unb tjaben nur infofirn Modrsika-)' tionen einzutreten, als das Ziel und die Verhält? /? niffe der Schüler bei anderen Sprachen wesentlich verschieden sind." Da nun beim Erlernen alten Sprachen die Formenlehre eine HauptroKe W spielt, so schuf Hecht in dem inms ein umfangreiches Ueöungsbuch der hebräischen Formenlehre, aber wie Levy auch ohne jede Regel. Wann aber soll ein solcher Unterricht erteilt werden? * Soll er dem eigentlichen Uebersetzungsunterricht ' vorangehen, oder ihn begleiten, neben ihm hevlaufen? Hecht ist ein konsequenter Mann, er; fordert wie schon der Name sagt, das Erstere./ „Bis zum neunten oder zehnten Jahre" so siet er eben dort, „wird bei der bisherigen Lehrart kein nennenswertes Resultat erzielt." Um also aus der „krummen Sackgasse" herausAukommen^ soll man in dieser Zeit das Sprachgefühl durch. grammatische Uebungen schärfen uno so dmr Uebersetzungsunterricht vorher eiten. An diese S hier ausgesprochenen Ideen knüpft Levy an. aberwie ich gleich erwähnen will mit mehr Mäßigung ' und darum mit besserem Erfolg. „Stil und Gräm- > matik des Gebetbuchs und des Pentateuchs" heißt :: es bei chm, „sind für den Anfangsunterricht zu . schwer, darum ist mit Recht die Forderung der Schaffung einer Uebergangsstufe zwischen' der Lesefibel und den genannten Büchern erhoben worden." So sehen wir viele Berührungspurckte^ obzwar ich bezweifle, daß Levy. das Hechtssche Werk kennt. (Fortsetzung folgte) .