Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1908)
- Date
- 1908-09-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Während ottc Huldigungen von lebenden Zeitgenossen ausgehen, ist es hier der HuldigrrnKgruß eines seit einem Bierteljahrhundert Heimgegangenen großen Geistessürsten, der zu uNs spricht. Es find zwei Kaiserreden und ein hebräischer Dankpsalm von Oberrabbiner.Simon Schreiber in Krakau, die der Sohn des Verfassers. Alexander Salomon Schreiber, in SeÄth lBukowina) zu dem jüngsten Geburtslag des Kaisers herausgegeben hat.*) Oberrabbiner Simon Schreiber der als bedeutender Kanzelredner weit über den Kreis feiner Wirksamkeit berühmt ist, hat einen großen literarischen Nachlaß zurückgelaffen, von dem bis jetzt noch n'chts veröffentlicht wurde. Schon von diesem Gesichtspunkte haben die hier veröffentlichten Reden ein großes Interesse. Die erste der beiden Reden wurde in dem früheren Rabbinatsfitz des Verblichenen in Mattersdorf (Ungarn) im Jahre 1853 gehalten, anläßlich eines durch Gottes Gnade vereitelten Mordanschlags auf den damals noch jugendlichen König. Die zweite Rede datiert aus dem. Jahre 1867 und wurde anläßlich der vom Kaiser verfaffungsmäßig bestätigten Gleichheit aller. Bürger des Landes vor dem Gesetze gehalten. Sie sind in hebräischer Sprache handschriftlich erhalten und hier in freier deutscher Uebertragung wiedergegeben. T)er gediegene Inhalt und die entsprechende äußere Form dieser Reden, die oft geradezu prophetischen Ausblicke, die abgeklärte Weisheit, auf die wir allenthalben hier stoßen, sichern diesen Reden ein Jntereffe, das weit über die Veranlassung hinausaeht, der sie beredten Ausdruck geben. Die verehrungsvolle Pietät für die Person des Monarchen, von der das Ganze getragen ist, wird keinen wunder nehmen, der die rührenden Züge erfährt, die der Herausgeber von seinem Vater nach dieser Seite hin in dem Vorwort mitteilt. Aus ihm ersehen wir auch, daß der Herausgeber schon längere Zeit damit beschäftigt ist, die hinterlaffenen Schriften seines Vaters zu sichten und ihre Veröffentlichung durch den Druck vorzubereiten. Der Schrift ist das wohlgelungene Bildnis des Verfassers beigegeben. — Es ist hier nicht der Ort Proben aus dieser eigenartigen Publikation herauszuareifen, es genügt auf die Schrift selbst zu verweisen, die schon im Hinblick auf den charitativen Zweck, viele Käufer und Leser finden wird. Einen beredteren Vertreter ihrer patriotischen Fürstentreue hätte die gesamte österreichischungarische Judenheit kaum finden können, als es diese Reden Rabbi Simon Schreibers sind. Sie sind ein würdiger Nachklang der Festesstimmung, der nicht mit dem Feste verrauschen wird. Die Schrift wird die treue Anhänglichkeit an bas edle, angestammte Fürstenhaus mit neuen Wurzeln in die Geister und Gemüter ihrer Leser senken und für alle Zeit den dokumentarischen Nachweis erbringen, daß die Juden der österrrichisch'Uttgarischen Monarchie die Zuneigung ihres erlauchten Kaisers und Königs zu schätzen wissen und sie durch ihre unwandelbare Treue auch verdienen. U«g«?rr. Das ßesef? über Sie Sonntagsruhe. (Bon unserem Correspondenten.) Budapest, 18. Sept. Großen Staub wirbelt der in diesen Tagen veröffentlichte Gesetzentwurf über die Sonn- und Feiertagsruhe auf. Für die sabbathaltenden Geschäftsleuten bietet § 11 des neuen Entwurfes einigen Vorteil gegenüber dem gegenwärtig gültigen diesbezüglichen *} Der volle Titel der Schrift, die durch den Herausgeber zu beziehen ist, lautet: »Zwei Katserreden und ein Danrpsalm von Oberrabbiner Simon Schreiber s. *. in Krakau, Mitglied des österreichischen Reichsrats." Czernowttz 1908. Der Gesamterlös fällt demMinden- und TaubMmmen- Fürforge-Berew im Herzogtum Bukowina zu. DAM hell trieb üu Soun- und Feiertagen in der Provinz von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags gestatten will, während solcher jetzt nur bis 10 Uhr vormittags erlaubt ist. Doch enthält der Entwurf zur Entschädigung der Angestellten für ihre Arbeitsleistung an Sonn- und Feiertagen den § 18, worin ausgesprochen wnd, „daß der Arbeitgeber seinen an Ruhetagen in gewerblichen oder Handelsgeschäften bis zu 3 Stunden beschäftigten Angestellten im Laufe der folgenden Woche einen ganzen Bor¬ oder Nachmittag, den länger als 3 Stunden beschäftigten Angestellten aber im Laufe der kommenden Woche einen ganzen Tag, oder aber zwei ganze Bor- oder zwei ganze Nachmittage frelzugeben hat." Dieser § wäre für die sabbathaltenden Geschäftsinhaber ohne Belang, da sie doch ihr Personal am Sabbat ohnedies nicht arbeiten lassen. Doch enthält § 2 eine riesige Schädigung für die sabbathaltenden Bureauinhaber, Fabrikanten und Handwerker. Laut diesem Paragraphen soll nämlich die Verrichtung einer gewerblichen Arbeit an Sonntagen, am Stefans- und erst.n Weihnachtstag auch dem Eigentümer eines Bureaus oder einer Werkstätte nur außerhalb des Bureaus oder der Werkstätte erlaubt fein und. auch das nur in seiner Wohnung, nichtöffentlich und ohne Inanspruchnahme der Arbeitskraft anderer. tim den für die Gesetzestreuen schädlichen Folgen des neuen Entwurfes möglichst entgegenzuwirken, wurde vergangene Woche eine Sitzung in Budapest abgehalten. -3 Namentlich in Bezug auf § 2 wurde der Beschluß gefaßt, den Handelsminister um Aufnahme einer Bestimmung ins Gesetz zu bitten, wonach es allen jenen Bureau- und Werkstätteninhabern, welche behördlich nachweisbar Sabbat geschloffen halten, erlaubt sei, am Sonntag in ihren Arbeitslokalen, wenn auch nur hinter geschlossenen Türen selbst zu arbeiten und auch ihr jüdisches Personal, welches die Sonntagsruhe nicht beansprucht, zu beschäftigen. Leider machen sich in Bezug auf das neue Gesetz auch gewisse sozialistische und klerikale Gegenströmungen geltend, welche zum großen Teile auf die vollständige 36 stündige, allgemeine, auf alle Branchen und das ganze Gebiet des Landes sich erstreckende Arbettsruhe -ringen. Am traurigsten ist es, daß außer katholischklerikalen Kreisen, größtenteils aus unreligtösen Juden bestehende „Angestelltenvereine" und jüdische sozialistische Demagogen an der Spitze der Gegenströmungen marschieren. Letztere haben den gotthelligen Sabbath verloren, so wollen sie sich für ihren Verlust mit einer 36 stündigen Sonntagsruhe entschädigen. Daß eine solche allgemeine Sonntagsruhe den ohnedies schwierigen Broderwerb ihrer gesetzestreuen jüdischen Brüder noch mehr erschweren würde, was geht dies die Sabbatschändenden jüdischen „kaufmännischen Angestellten" und „jungen Kaufleute" an, noch viel weniger ficht dies die — Gott sei's geklagt! — auch fcott Abraham, Jsak und Jakob stammenden Sozialistenführer Jakob Weltner und Consorten an. Wahrlich W2P "jvv TD-iHö! Budapest, 21. Sept. Am 15. d. Mts. hat die feierliche Installation des Herrn Dr. Sam. Spitzer, bisher Rabbiner in Halas, als Oberrabbiner der orth. isr. Gemeinde in Miskolcz stattgefunden. Diese Installation beansprucht wett größeres als bloßes Lokalintereffe. Nicht bloß deßwegen weil die jüdische Gemeinde in Mikolcz eine der größte in Ungarn ist, sondern well Herr Dr. Spitzer dazu berufen ist, eine weiteste Kreise berührende, segensreiche Wirksamkeit in seinem neuen Wirkungskreise zu entfalten. Herr Dr. Spitzer hat eine altherkömmliche Ausbildung an den Jeschiboth zu Preßbura und Frankfurt a. M. genossen und ist nach authentischster Kunde einer der hervorragendsten schärsinnigsteu Talumdgelehrten unter den jüngeren Rabvinern in Ungarn, zudem hat er auch auf Grad erreicht, imd predigt auch in ungarischer Sprache, lauter schätzenswerte Eigenschaften bei einen! Mann, den die Vorsehung zum Führer einer der größten und von gegensätzlichen Elementen erfüllten Gemeinde bestimmt hat. Bon Herrn Dr. Spitzer erwarten weiteste Kreise der ungarischen Orthodoxie, daß er nunmehr, wo ihm ein großes Arbeitsftld zur Verfügung steht, im Geiste seiner Frankurter Lehrjahre, im Geiste S. R. Hirschs wirken wird, indem er sich bestreben wird, aus der vielleicht größten orthodoren Gemeinde eine Ir v'em b'jissroel zu machen. Auch wäre er zufolge seiner talmudischen Gelehrsamkeit berufen, eine mit größter Energie und Strenge geleitete strengfromme und moderne Jeschibah zu gründen. Auch könnte die Errichtung einer strengjüdischen Mittelschule in Miskolcz von größtem Segen für die dortige Jugend wie auch für di« Gegend sein. Lauter Aufgaben, mit deren gewissenhafter Lösung Herr Dr. Spitzer sich den innigsten Dank weitester orthodoxer Kreise erwerben möchte. So rufen wir dem neuen Oberrabbiner in Mikolcz unser herzlichstes 2211 nVx zu und unsere aus der Seele weitester Kreise gesprochene Bitte: mit unermüdlicher Energie die an seine Persönlichkeit und an seinen neuen Wirkungskreis sich knüpftnden Erwartungen und Hoffnungeu wahrzumachen. Beregszasz, 20. Sept. Eine sehr beherzigenswerte Anregung geht vom hiesigen Oberrabbiner, Herrn Salomon Sofer '*'3 aus. In einem an Rabbiner und Gemeinden gerichteten flammenden Aufruf in hebräischer Sprache macht der verehrte Oberrabbiner auf die Misere im Sosrim-Gewerbe aufmerksam. Es gibt auch leider unter den Vertretern dieser heiligen Zunft Gewissenlose genüg, denen nichts heilig ist, und die das Vertrauen vieler ftommen ahnungslosen Juden in empörender Weise mißbrauchen. Wurden doch erst neulich, wie in Nr. 40 des „Machsike Hadas" mit yllen Details berichtet, wird, haarsträubende Entdeckungen bei der näheren Untersuchung von Tefillin, die von unbekannten Händlern in den Handel gebracht wurden, gemacht. Der Herr Oberrabbiner macht nun den Vorschlag, die vielen bis jetzt im heiligen Lande brach liegenden jüdischen Kräfte zu diesem heiligen Zwecke nutzbar zu machen. Die unzähligen jungen Leute, die aus Mangel eines bestimmten Lebensberufes heute dem Bettel verfallen, sollten, insofern sie sich durch ihre Vorbildung und religiöse Führung dazu eignen, als Sofrim heranaebildet werden, die unter Aussicht der leitenden rabbinischen Kreise in Palästina OHSD/ rnniö und pbön anfertigen, welch dann mit Hilfe der Pekidim und Amarkalim und deren Vertrauensmänner in der Diaspora, sowie durch Vermittelung der Gemeinderabbiner leicht abgesetzt werden. Nur auf diese Weife könnte dem Uebel, das im v"NO-Handel Platz gegriffen, abgeholfen und zugleich vielen gedruckt ten jüdischen Existenzen im Heiligen Lande wirtschaftlich aufgeholfen werden ^Daß man aller-? wärts den heiligen Gegenständen aus dem Heiligen Lande den Vorzug geben wird, dürfte mit Sicherheit angenommen werden. Der Aufruf findet hier zu Lande großen Anklang und, , wie man hört, wird nun der-Gedanke auch in anderen Ländern sehr sympathisch ausgenommen. Die Unterstützung weiterer jüdischer Kreise ist somit Unserem Herrn Oüerrabbiner in seinem löblichen Unternehmen gesichert. ütaftlonfr« Petersburg, 15. September. Der jüdische Dumadeputirte Niffelowitsch hat soeben hen Rechenschaftsbericht über seine bisherige Tätigkeit in der Duma veröffentlicht. Niffelowitsch betont besonders, daß er, obgleich er nicht ausschließlich von Juden, sondern zum größten Telle von deutschen Kurländern gewählt wurde, sich stets als