Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1908)
- Date
- 1908-09-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.• C-v-'^’. ■- ‘;-?* </ -.» **>>■:*■* -.wU v r ••;»;■:• - ~ ’V'i -4'-* v'.-/ >y^\es Rr . 6». Der ^Wtdefh hatten, Leigetragen habe. Nach dieser mustergültigen Logik kann es nicht mehr wunder nehmen, daß der Redner schließlich zur Ansicht gelangt, gerade die strenggläubigen Juden hätten allen Grund dazu, das Schächten aufzugeben. (!) Die ganze Sache wäre eigentlich mehr von der komischen als von der tragischen Seite zu nehmen. Bedauerlich ist es nur und auch nicht ungefährlich, daß das offizielle Organ der Tierschutzvereine, die „Deutsche Schlacht- und Viehhofzeitung" den ganzen Quatsch aufge-, griffen hat und den Bortrag des „Rabbinersohns" mit einigen vielsagenden Glossen versehen, gehörig ausschlachtet. „Niedriger hängen," wie es nun durch die genannte Zeitung ungewollt geschehen ist, wäre allerdings die einzige wohl verdiente Strafe des sonderbare Talmudgelehrten, wenn doch nicht gar so viele wären, bte an diesem Pamphlet ihre aufrichtige Freude hätten und aus ihm Nutzen zu ziehen suchten. Uebrigens ist ein „Rabbiner" Lewy so weit wir in Erfahrung bringen konnten, in Baden gänzlich unbekannt. . Köln, 20. Septbr. In Jerusalem hat sich ein gemischtes jungtürkisches Wahlkomitee gebildet, bestehend aus Vertretern aller N tionalitäten in Palästina. Auch Juden sind in diesem Komitee vertreten, denen ,aber zur Bedingung gemacht wurde, daß sie der zionistischen Pattei nicht angehören dürfen. Das Komitee, Las angibt nichts gegen Juden und gegen die Besiedlung Palästinas durch Juden zu haben, weigert sich aus politischen Gründen organisiette Zionisten in seine Mitte auszunehmen. Wer die Dinge, wie sie jetzt in der Türkei . und namentlich in Palästina liegen, kennt, konnte auch leicht erraten, woher diese bisher nie gekannte Eifersucht komme und wem dieser ganz unberechtigte Argwohn der Jungtürken gegen den Zionismus zu verdanken sei. Die bereits im „Israelit" nach dieser Richtung hin ausgedrückte Vermutung wird von einem im N. I. K. veröffentlichten Schreiben aus Jaffa bestätigt. „Es ist klar — heißt es im erwähnten Schreiben — daß das andere als „jungtürkische" Gründe sind, . die das Komitee, zu diesem Schritt veranlaßt haben. Wahrscheinlich sind es sogar sehr persönliche Gründe. In einer meiner letzten Mitteilungen hatte ich belichtet, daß von den beiden in Betracht kommenden jüdischen Kandidaten nur Herr Dr. Levy Aussichten habe, während Herr AntLbi als Vertreter der Alliance JsraLlite Universelle, die immer noch wegen ihres französifierenden Einstuffes im Ottent mit Mißtrauen angesehen werde, weniger Chancen habe. Diese fachliche Meldung scheint nun Herrn Antsbis Ehrgeiz gekränkt zu haben. Tatsache ist jedenfalls, daß seit dieser Zeit das genannte „jungtürkische" Komitee für Herrn Antebi Propaganda macht.. S t r a ß b u r q i. Elf., 19. Sept. Der Landesausschuß wird sich in s iner nächsten Session nicht nur mit dem Lehrerbesoldungsgesetz, sondern auch mit einem Gesetzentwurf zu befassen haben, der Gehalt und Ruhegehalt der Religionsdiener sämtlicher Religionsgesellschaften einer neuen, zum Teil einer erstmaligen gesetzlichen Regelung unterzieht. So sollen die G Halter der Geistlichen, also auch der Rabbiner erhöht und den katholischen und israelitischen Religionsdienern der Anspruch auf eine Pension von Gesetzes wegen eingeräumt werden, den die protestantischen Geistlichen und deren Hinterbliebenen auf Grund des Gesetzes vom 6. Juli 1901 schon besitzen. Die Mittel für diese als unabweislich von allen Seiten anerkanrtte Erhöhung sollen aber nicht aus der Staatskasse stießen, sondern sollen durch besondere Kultuszuschläge aufgebracht werden. Und zwar soll jede Konfession ihren Bedarf besonders decken,' sodaß also besondere Steuerzuschläge (Kirchensteuern) für die drei Religionsgesellschaften eingeführt werden. Das. lange angefochtene Prinzip der Konfessionssteuer ist somit auch von allen Seiten anerkannt worde , weil auf anderem Wege Mittel. zur Erhöhung der Gehälter der Geistliche^ nicht zu erlangen.sind. Oesterreich. Nackiklsnge Ser öeburlstagskeier Ses Kaifers uns Königs von Oenerretch-Ungarn. Wien, 10. September. (Bon unserem Kor, efponbenten.) Ein Zug hochgehender freudiger Begeisterung hat in diesen Tagen die Länder und Völker des großen österreichisch-ungarischen Staates ergriffen und die Wogen dieser Erregung ziehen noch heute ihre Kreise, nachdem ihr äußerer AnlH schon einen Monat lang hinter uns liegt. So verschieden auch die einzelnen Glieder dieses groß?n Reichs in Rasse, Sprache, Religion und Politik auseinandergehen und sich oft feindlich bekämpfen mögen, in einem Punkte gehen alle einig, in der Verehrung und Treue gegen ihren Kaiser und König. Mächtiger und inniger als sonst kam diese pietätsvolle Anhänglichkeit an dem diesjährigen 78. Gebuttstag des verehrten, greisen Fürsten zum Ausdruck, weil er. mit dem 60jähttgen Regicrungsjubiläum zusammen fiel, das wett über die Grenzen des Reichs hinaus von den Fürsten und Würdenträgern ganz Europas in imposanter Weise gefeiert wurde. Daß die Bekenner des Judentums in Oesterreich-Ungarn sich in ganz hervorragender Weise an dieser nationalen, patriotischen Feier ^^^tei^ic^= ■Ti—H-r , "i nn-> . ten, braucht nicht erst gesagt zu werden.. Die Schattierungen und Patteiungen, welche dort die Gemeinden und die Einzelnen Hsnst in scharfer Gegensätzlichkeit sich gegenüberstehen lassen, haben, vor der Majestät ihres Fürsten an seinem Huldigungstage alle Verschiedenheit zurücktreten lassen. Alte und Neue, Orthodoxe und Neologe haben in ihren Gemeinden nnd Gotteshäusern sich znsammengefunden, um einen neuen Knoten in dem Bande zu schürzen, das sie in verehrungsvoller Anhänglichkeit mit ihrem Landesvater verbindet. Es ist nicht nur die Fordern g unseres Religionsgesetzes, es sind nicht nur die patriotischen Impulse, welche den Festtag ihres Kaisers und Königs auch zu dem ihrigen machen, sondern es ist die Persönlichkeit des Fürsten selber, von dein der letzte Jude im letzten Dorfe weiß, daß er in ihm-einen edlen, milden und gerechten Annehmer und geradezu einen Freund seines Volkes erblicken dar?. Vor vielen Jahren hat Kaiser Franz Joseph I. einmal einer jüdischen Deputation das denkwürdige Wort geäußert: „Die Juden sind das bindende Element meiner Staaten." Wie wett die Interessen dieser Staaten auch oft von einander abweichen, die Juden stehen allenthalben in unentwegter Treue zu ihrem glorreichen Kaiser und König. Daß aber auch umgekehrtdie Anhänglichkeit an ihren Fürsten, das bindende Element, ja oft der letzte Faden ist, der die sich bekämpfenden Parteien einheitlich verbrüdert, das hat der 18. August und die einmütige Huldigung bewiesen, mit welcher die jüdischen Zerstreuten in den Ländern der. Oesterreichisch-Ungattschen Monarchie den Ehrentag ihres Kaisers und Königs feierten. Da gab es keine Gemeinde, die sich nicht an diesem Tage festlich zusammensand, um durch Spenden und Stiftungen diesen Tag zu einem dauernden Segen zu gestalten, um Gebete für das Wohl ihres Fürsten an den König aller Könige zn richten, und durch geeignete Ansprachen der Bedeutung des Tages Ausdruck,zu geben. Leider müssen wir es uns versagen, die zahlreichen Berichte über die Veranstaltungen, Feierlichkeiten, Reden und Stiftungen wiederzugeben, durch welche die österreichisch-ungarische Judenheit diesen Tag verewigt hat. Das ist nichts Gemachtes, Erkünsteltes von einem hohlen Hurra- Patriotismus Getrageneses ist das kindliche Gefühl tiefer Verehrung und überschäümennder Freude, mit der Kinder ihrem greisen Vater zum Geburtstag nahen. Aus den zahllosen Kundgebungen,, die sich ihrer äußeren Form und ihrem inneren Wesen nach meistens gleichen, greifen wir dcchernur eine einzige heraus, die sich durch ihre Eigenart nach znrückkehrendeN Spötter die Hand entgegen und nimmt ihn mild nnd liebevoll auf. Unsicher und erschrocken hatte er am "Festabend feinen Menst angetrtten. Es überkam ihn auf einmal eine unsägliche Angst ob feiner Handlung. So > hatte er noch nie bei Ausübung eines Vergehens gezittert, wie jetzt, als er nacht so vielen vielen Jahren des Abfalls wieder tastend vor Gott stand Und altbekannte Worte vor ihm stammelte.-Und die Gemeinde merkte die Unsicherheit um» Unwürdigkeit, sie bemerkte den Betrag uno ließ es ihm nicht entgelten. Ein Strahl der göttlichen Gnade, der sich an diesen Tagen auf die Gemeinde übertrüg, der alles beleuchtete und goldensarbig 'gestaltete und auch ihm, dem alt- Lübackenen Sünder zu Gute kam. Er stahl sich auch, er Wußte nicht wie, in sein §£*& dieser goldene Strahl. —.Kr wußte es, er war in Len zwei Tagen ein Anderer «worden. Einen neuen Geist urw ein neues Herz atte er erhalten und es graule ihm davvr, mit ihnen ins finstere häßliche Leben zurückkehren zu müssen. Jfceirt, — tausendmal nein — nicht wieder zurück in den granen Schlamm des bitterbösen Lebens —Festhalten, umklammern will ich Dich — guter Gott, Du darfst mich nicht verlassen." . . . x.. „Wjessoju chol l'owdecho" — der Chasan singt mit jubilierender, Herz erhebender Emme. — „Sie kommen alle, Dir zu dienen — Sjie lassen ihre Götzen — sie erkennen Deine Kraft — sie nehmen das Joch Deiner Herrschaft Ms sich und erheben Dich vor allem Polke. — ES'höre«, auch hie weit'Entferntes Und kommen, um Dir die Krone der Herrschaft zu überreichen — Nun tritt eine kleine Pause ein. Klirrend geht die schwere Tür der heiligen Lade auf. Die Gemeinde erhebt sich feierlich und dÄ Chasan beginnt „Ölen u," Ein Singen und Tönen wie aus Engelschörrn, eine menschliche S^ele ringt sich zu Gott empöre Die Betenden horchen atemlos und nun folgen sie der Aufforderung des Chajans vor Ihm, dem Schöpfer, des Alls in Demut hmzufalleri. Schon» hat sich die Gemeinde längst erhoben. Der Chasan liegt noch' singend auf dem Boden. Die Stimme hat eine unbeschreibliche Lieblichkeit und Weichheit angenommen, aber sie senkt sich, sie wird immer tiefer und leiser. Jetzt nur noch ein kaum hörbares Lallen. Die Stimme verstummt, doch der Sänger liegt noch bewegungslos auf dem Boden. — — Die Betenden sehen sich erstaunt und ungeduldig an. Man gibt das Stichwort, man sucht durch "Zeichen den Chasan zum Äufstehen und Weiterbeten zu bewegen. Der Chasan bläbt.^prachi- und bewegungslos auf seinem Platze liegen. Ta trat Verwirrung vrw Bestürzung ein. Man. eilte ängstlich zu ihm cheiMr. Er lag da mit geschlossenen Augen und verklärtem Gesichte. Man hob ihn auf und trug ihn in das nächste Haus. „Ein Herzschlag!" sagte der Arzt.- Zwei Tage nach RoschchsschonOh kamen zwei Gendarmen in voller Uniform mit rasselnden Säbeln den Berg zum Städtchen heruntex. Sie suchten einen Mann, auf den die Polizei schon lange fahndete und der sich hier an den jüdischen Festtagen aufgehalt«r haben sollte. Als sie in die schmale Synagogengasse einbogen, stießen sie auf den schwarzen Leichenwagen,, der, von der garten Gemeinde begleitet, zum Friedhöfe hinaussuhr. Sie schlossen sich, dem Leichenzug an. . Als die Gemeindemitglieder erfuhren, wer ihr Borbetev an dem heiligen Dag gewesen war, daß sie durch einen von der menschlichen Gesellschaft Ausgestoßenen ihre Gebete zu Gott emporgesandt Hatten, waren sie untröstlich Der Rabbiner in der Stadt, dem sie ihr Leid und ihre Enttäuschung unter genauer Schilderung des ganzen Sachverhaltes vortrugen, hörte sie still an und sagte daun ernst: „Ihr habt einen.ganz uw, gewöhnlichen Sechus gehabt. Der euere Gebete zum Gott der Barmherzigkeit emportrug, war n«Hr als ein Zaddik, er .war ein B a altes chuwoh. und in Teschuwoh ist er'zu Gott zurückgekehtt" ->- <tt«s ven Geheimnisse« der Nahrungsmittelfälschnng.) Der Nahrungsmiltekkongrrß, der kÜAlich in Genf stattfand, hat die Nahrungsmittel-Herstellung vielfach beleuchtet. Fruchtgelees und Marmelade bestehen äus Weinsteinsäurs, Fuchsin, Banille, Zitronensäure, Glukose und noch einigen Zusätzen. Die künstliche „Verbesserung" der Lebensmittel schreitet unglaublich schnell fort. Milch nur mit Wasser zu verfälschen, ist eine veraltete Methode. Heute setzt man ihr in wöhl abgemessenen Mengen Gehirn von Schafen und Kälbern zu. Bei Würstchen sind wesentliche Bestandteile Kartoffeln und Hundefleisch. Das letztere soll sehr geeignet sein, dem etwa hinzugesügten Schweinefleisch vatt M geben. Zucker wird aus Saccharin hergestelltdurch Hinzufügen von Gelatine kommt das' Syrupartige der Masse zn stände. Kirschwasser hat nichts mit Kirschen zu tun, und Butter stellt man votteiKaßt aus'Bämdwollöl und Saft von gelben Wurzeln Her. Our Frbttkation von Schokolade gehört Fett u«b 'Mehl.