Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1908)
- Date
- 1908-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Der SScMftt. Seite 4| 24. September 1908 «r. 89. der Geistestvelt und wird für Manchen gleichzeitig mit den Bildern und Anschauungen, die in derselben dargelegt werden, auch deren Vorhandensein überhaupt zu bekunden haben . . . Was die edelsten Denker, die in sittlicher Reinheit und Vollendung Besten dachten, ahnten, empfanden, was ihnen als Lösung der Rätsel des Lebens und der Menschenbrust aufgegangen, was sie tröstete in schweren Leiden, was als lichte Ueberzeugung, als erhellender Blick ihnen den Geist beflügelte und die Seele klärte — ward in das göttliche Wort hineingelegt oder daraus abgeleitet, in sinniger Wendung und Deutung dem Bibelwort abgewonnen oder ihm geliehen . . . Aus dem überaus reichen und vollen Kreise dieses Bildes bietet dies Buch eine im Verhältnis mit dem vorhandenen Stoff nur geringe, für eine Kenntnis des ganzen Gebiets insofern genügende Fülle, als es die meisten Hauptfiguren der biblischen Erzählung in ihrer Aufeinanderfolge, die wesentlichsten geschichtlichen Wendepunkte in einem oder mehreren Zügen vorführt und auch die späteren Zeiten nicht unbedacht läßt . . . Kaum wird eine dunkle 'Stelle des verhüllten Herzens dem scharfen Licht und dem wachen Ange dieser terzenskundigen entgangen sein und mancher aragraph unserer ethischen Systeme ist mit blitzartigen, geistreichen Worte, mit einem sinnigen Apologe, einer feinen Wendung unvergeßlicher um» ünwiderstehlicher erschöpft, als in. den ausgeführtesten Darlegungen, die mit allem Rüstzeug der GedankenwerEstätten gearbeitet oder versehen sind. Namentlich sind die Schicksale des Volks, seine Stellung in der Gegenwart und Zukunft, Blicke in den Gang und Zug der Völkergeschichte ein vielfach erörterter Gegenstand . . . und in die fernste Zukunft führten die lichten Verkündigungen prophetischer Vorschau, auch den trübsten Himmel mit hellem Schein umsäumend,' denn hinter dem Gewölk war die Sonne des Höffens pnd des Glaubens nicht untergegangen." — Die nächsten Jahre fanden ihn mit der Uebersetzertätigkeit der „Festgebete der Israeliten," deren 9 Bände 1855—56 erschienen, beschäftigt, eine Arbeit, die mit seinem „Gebetbuch für Israeliten" i. I. 1858 ihren Abschluß fand. Ueber diese Werke ein Wort zu sagen, erübrigt siches hat wohl kein Gebetbuch vor und nach diesem Werke in soviele Häuser seinen hochgeschätzten Einzug gehalten, soviele Herzen erhoben und erquickt, soviele reine Empfindungen und Gedanken angeregt, soviel Belehrung und Anregung verbreitet, wie das Sachs'sche Machsor und ' die Tefilah, die trotz ihres recht hohen Buchhändler- Preises eine ungeahnte Verbreitung fanden. (Fortsetzung folgt.) nssn LDfCi orrespondenzen und Mtachrichten. Deutsches Kelch Nürnbe r g, 23. September. (Privat-Tewgramm des „Israelit".» Tie bayerisch.e Staatsregicrung hat auf Grund der von orthodoxer Seite ein gereichten Ein g a b e s o e b e n verfügt, daß alle israelitischen Schüler, welche die R e l i g i o it s s ch u l e des o r t h o d o x e ii B ereins „ Adaß Israel" besuchen, voll der Teilnahme an dem tteologcit R e l ig i o n s u n t e r r ich t der Gemeinde zu dispensieren sind. (Tie Bedeutung dieser erfreulichen Nachricht erhellt aus den in dir. 19 und 20 des „Israelit" veröffentlichten Artikeln „Oiseits moniti“, die in eindringlichen Worten die unheilvollen Folgen des bisher herrschenden Gewissenszwanges schilderten und sofortige Abhülse forderten. Für München scheint die Entscheidung noch ausznstehen, obgleich die Religionslehrer der dortigen Gemeinde an Radikalismus ihren Nürnberger Kollegen nicht im mindesten nachstehen. Daran kann auch der „Aufsicht führende" Rabbiner nichts ändern. Tic Red. d. „Israelit".) Berlin, 22. September. Am Sonntag, dem 20., und Montag, dem 21. September fand in Berlin eine Allgemeine Jüdische Kolonisations- Konferenz statt, zu der eine Reihe von Vertretern verschiedener Organisationen sowie sonstige prominente jüdische Persönlichkeiten erschienen waren. Ueber die Beratungen, die streng geheim geführt wurden, kann vorläufig nur gesagt werden, daß Resolutionen in Bezug auf den Zusammenschluß der Organisationen und auf den Ausbau der jüdischen Kolonisation, insbesondere auch im Orient, gefaßt wurden. pökle jüdlfdier Reifender nach Rußland. 8. F. München 15. September. Eine Reihe jüdischer Zeitungen reproduzierte in den jüngsten Wochen aus dem in Nürnberg erscheinenden Fränkischer Kurier einen Artikel betreffs des Konfessionsvermerks in den Pässen jüdischer Reisender. Dieser Artikel bedarf in vieler Beziehung der Richtigstellung, wie es auch wünschenswert erscheinen mag, daß die einschlägigen Berhältuisse in der jüdischen Publizistik einmal klar gestellt werden, damit die in der Oeffentlichkeit immer wiederkehrende Klage, als ob. die deutsche Reichsregierung durch Mangel an Energie den ruffischen Regierungsstellen gegenüber mehr oder minder ein Verschulden an diesen bedauerlichen Zuständen trage, endlich einmal verstumme. Was zunächst die bayerischen Verhältnisse, anbetrifft, so hat allerdings bis vor kurzem die Gepflogenheit bestanden, daß seitens der bayerischen Paßbehörden, Reisende,, die um Ausstellung eines Paffes nach Rußland ersuchten, nach ihrer Religion befragt und in den Pässen ein bezüglicher Vermerk (katholisch, protestantisch oder israelitisch) eingetragen wurde. Auf ein bezügliches eingehendes Gesuch meinerseits vom 23. Juli an das Kgl. Staatsministerium des Aeußern, in welchem ich namentlich darauf hinwies, daß unsere Pässe keine Rubrik für die Religion aufweisen, und daß es daher nur konsequent wäre, wenn die deutschen Verwaltungsbehörden es ablehnen würden, für die russische Negierung Recherchen bezüglich der Konfession des Reisenden zu pflegen, hat nun die bayerische Staatsregierung am 1. August a. c. in dankenswerter Weise entschieden, daß fortab „die Religionsangehörigkeit des Paßstchabers in den zur Reise nach Rußland bestürmten von den bayerischen Paßbehörden nicht mehr angegeben wird." Bon diesem Erlaß des Kgl. Bayerischen Staatsministeriums des Kgl. Hauses und des Aeußern hat meines Wissens die Mehrzahl der politischen und jüdischen Zeitungen ihren Lesern Kenntnis gegeben und es ist unfaßlich, daß der Fränkische Kurier die Epistenz dieser Entschließung zu bestreiten versucht. Es mag zugegeben werden, daß der praktische Erfolg, dilser Maßnahme unserer bayerischen Regierung kein großer ist, weil es den russischen Vertretungen im deutschen Reiche frei steht, die Vorlage eines Taufzeugniffes zu verlangen uüd falls ein solches nicht beigebracht werden kann, den Inhaber des Passes im russischen Text des Visums als „Hebräer" zu bezeichnengleichwohl schulden wir der Bayerischen Staatsregierung den wärmsten Dank für diese gerechte und objektive Entschließung, weil durch dieselbe zum Ausdruck gebracht wird, daß unsere die Gegenstage: „Und ihr, warum zieht ihr nicht mit? Gilt nicht Euch der gleiche Gottes. Ruf?" Mit begeistertst Watten feuerte er fie an, so daß sich ihre Augen mit Tränen füllten, und gewann so immer mehr der Wallfahrer nach Gottes Heiligtum. Warm eS beim ersten Male nur Fünie, so wurbm eS beim zwettm Male Zehne, dmm hundert, die seinem Beispiel folgten, und wie Elkana nicht erlahmte, es sich vielmehr angelegen sein ließ, immer neue Kreise zu gewinnen, er wählte jedeSmal eine andere Rmtte, (daher ü’Ö’ö)/ so hatte er es schließlich dahm gebracht, daß die vergessene „abgestorbene" SÜte der Wallfahrt zum Feste wieder allgemeiner Brauch in Israel vmrbe. Damtt abee war in einer Zeit beispielloser Zerrissenheit, aus der immer wieder und wieder der Refrain. TW2 ntrvT an« ^mana pK arm a^a HtMT tönt, mir welchem ja auch bas Buch D’öaup schließt, der Bann selbstsüchtigen Sinnes und Strebens, der Israel zerklüftete, gebrochen, und das Morgenrot einer besseren, glückltcherm Zeit dämmerte leise heran. Elkanas Beispiel war es, welches sein Volk aus seinem Schlummer weckte, Israel begeisterte, fich zu den Festen mit seinem Gott um Sein Gesetz zusammen zuv"ben, die Nation um die Fahne ihres himmlischm Führers scharte, fie zu '1 niKaS/ als welche fie einst dem Gottesrufe in die Wüste folgten, verjüngte, dem Könige des HtmmetS damit wiederum ein irdisches Reich gründete, Ihn zu '*r erhob '*7^ fTO^). Und so hören unsere Weisen Gott zu Elkana sprechen: nn« an macoa aajnm mar na*? bmap rm rarart rw “pa p s’ii« n« aw patratr rrjtt> *n rnxaa am« w mai na^ ’KlÖtP mpa« - »wie du selbst dein Bolk.veredech eS u r Pflichterfüllung erzogen hast, wird dein Sohn vollenden, was du begonnen, wird ein zweiter nttfö werden, der rnm und mxa zu neuem Glanze als beglückendes Gemeingut in Israels Mitte erstehen lassen wirb. Der scheinbar zusammenhanglose letzte Teil deS Berses '121 'b'S 'Oa W attfl gehört offenbar mit zur Charakterschilderung Elkana s, und vervollständigt bas Bild der prächtigen Mannesgestalt. Eli's Söhne, Chosni und Pinchas, entsprachen nicht entfernt dem Ideale eines jüdischen Priesters- Bequemlichkeit, eigennützige Nebengedanken, dabei eine Art pfäffischen Hochmuts lugten, wie die Ueberlieferung lehrt, aus ihrem Tun und Lassen hervor, und verdunketten mit ihrer eigenen Person auch die ihres Baters sowie den ganzen Priesterberuf, ja warfen ihre Schatten auf das Heiligtum selbst und das tu ihm thronende Gesetz. Ganz wie heute, wo die menschlichen Fehler und Gevrechen der Diener und Hüter des Gesetzes dem Gesetze selbst zugeschoben werden, und darum Niemand ängstlicher über fich, sein Reden und Handeln wachen sollte, als ein Lehrer und Führer seiner Natton. Wie manchen einfachen Mann aus dem Volke mochten Chofnk und Pinchas abgestoßen haben, wie-Mancher, -er mit den besten Vorsätzen nach Schilo kam, mochte wankend und irre geworden sein an einer von solchen Priestern vertretenen Lehre,. wie Vieler Abfall mochte auf das Skonto der Söhne Eli's zu setzen sein! — Ander- Elkana. Ihn konnte nichts beirrenfein scharfes Auge erkannte die Schäden der Führer, er konnte fie als ein schweres Unglück beklagen, aber ihn von seiner Ueberzeugung abiubringen, seine Tatkraft zu lähmen, ia auch nur ihn von einen regelmäßigen Wallfahrten abzuhalten, vermochten ie nicht. El ana blieb fich und der Sache treu, mochten auch die Personen, die die Sache vertraten, mit Makel behaftet sein. Glücklich die Generation, in welcher die Gestalt eines Elkana Nachahmer findet. Wenn dir Zeit Samuels und seiner Nachfolger David und Salomo als die glücklichste Periode in der Geschichte unseres Volkes gepriesen wird — denken wir daran, daß Elkana ihr Vorläufer war, nnd seine Kleinarbeit half ste einzuleiten. keines Feuilleton. Der fremde Cbasan. R 0 sch - hasch 0 n 0 H-Skizze von S. Schachnowitz. Wer war er? Woher kam er? Es wußte es keiner. Keiner kannte ihn und niemand fragte nach seiner Herkunft. Er kam an einem trüben Elultage und ging, ohne jemand anzuschauen, ohne sich mit jemand in ein Gespräch einzulassen, zum Vorsteher der kleinen Gemeinde. Die Leute sahen ihm etwas mißtrauisch nach, seine gebückte Gestalt und sein nachlässiger Gang, noch mehr aber sein ausgedunsenes Gesicht unö seine hervorqucllenden, feuchten Augen fielen auf. Seine Kleidung, der steife altersgraue Hut und der schäbige enge Ueberzieher machten einen wenig vertrauenerweckenden Eindruck. Man bekümmerte sich indessen nicht weiter um ihn. 'Man wußte bald allgemein, der Fremde sei ein Chasen, der vom. Vorstände als Hilfsvorbetcr für die hohen Feiertage engagiert war. Als er die Vereinbarung mit dem Gemeindevorstande getroffen hatte, ging er wieder. Es fragte keiner, wohin. Er kam erst wieder am Rüstetage des Rasch-hafchonohfestes. Er kam etwas spät, sein Gesicht war stark gerötet und -seinem Munde entströmte Branntweingeruch. Wankenden Schrittes trat er an den Barbeterpult, an den er mit beiden Händen lehnte und seine Sttrqme klang heiser Üüaüü