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Der Israelit · 1908-09-24 · Heft 39 (24.9.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 39 (24.9.1908)
Date
1908-09-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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fh. 89. aufllärer" so weit gediehen sein, daß fich die Rabbonim zu einem solchen verzweifelten und verhängnisvollen Schritt entschließen mußten? Nein! Auch in diesem Falle wäre ein solches Vorgehen psychologisch zwar sehr erklärlich, aber keineswegs zu rechtfertigen. Mittels der Staatsgewalt die jüdische Kultur in Rußland zu beeinflussen, war bis dahin nur der allem Judentum feindlich gegenüberstehenden sogenannten „Hochintelligenz" Vorbehalten. Die inneren Feinde des Judentums neuern Datums, die Führer des jüdischen Proletariates, konnten, da sie das Vertrauen der Behörden nicht genießen, und nur aus diesem Grunde, sich solcher Machtmittel niemals erfreuen. Sollten nun gar die geistigen Führer der Gemeinden sich dieser gefährlichen Methode bedienen, um dem allerdings in seinen Mitteln auch nicht gerade wählerischen Feind aus dem Felde zu schlagen? Wir möchten es doch im Jntereffe der Rabbiner, im Interesse ihres Ansehens und ihres Einflusses auf das Volk, der durch ein solches Vorgehen, auch wenn “p*? ro'iX nywn bedenklich sinken müßte vorerst nicht glauben. In dieser schweren Zeit, wo die Lage ohnedies so verworren ist, dürfen unseres Erachtens die Rabbiner nichts unternehmen, was dazu angetan wäre, ihre Autorität zu erschüttern und ihren Gemeinden keinen Anlaß geben, an ihren geistigen Führern irre zu werden. Die Mittel zur Volkserziehung sind auch noch lange nicht erschöpft, von denen die Rabbiner mit vereinter Kraft und Aufbietung aller Energie Gebrauch machen sollten. Die Kanzel und noch mehr die Schule, die von den Rabbinern noch viel zu wenig beeinflußt ist, sollten den gefährlichen Gang zum Kadi von vornherein überflüssig machen. Durch Fortbildungskurse und ersprießliche Vereinstätigkeir, durch fortwährende Belehrung und Aufklärung, sollte das Volk gegen die bösen Einflüsse der modernen „Bolksbeglücker" gestählt und gewappnet werden! Auch eine zielbewußte, gute jüdische Preffe würde nach dieser Richtung segensreich wirken. Und da würde man den verehrten Rabbinern nicht einen schweren Vorwurf ersparen können, wenn sie, während das einzige, hebräische gesetzestreue Organ in Rußland der „Vtpn", wie er selber in seinen letzten Nummern bitter klagt, aus Mangel an materieller und moralischer Unterstützung seitens der Rabbonim sein Erscheinen einstellen mußte, jetzt andere Mittel erwägen oder gar beschließen sollten, die gewiß keinen Ersatz für das aus der Hand gegebene bieten, dagegen aber eminente Gefahren vielfacher Art in sich bergen. Nein! pin IT! möchten wir unseren verehrten Gesinnungsgenossen in Rußland zurufen, und wir glauben immer noch, daß es, wenn nicht Der JSraeltt. die ganze Sache eine von böswilliger Seite ausgehende Mystifikation ist, fich dabei nur um einen Vorschlag einiger übereifriger Mitglieder handeln kann, der wohl an sich eine charakteristische Illustration zu der verworrenen unhaltbaren innerjüdischen Lage in Rußland bietet, in der Praxis aber niemals zur Ausführung gelangen wird. flu* dem Heben von Michael Sachs Vst n. E. B. Berlin, 14. Sept. Der Wissenschaft des Judentums seine Kraft zu weihen, das war der Vorsatz, mit dem Michael Sachs V'XT in das Leben eintrat, und getreulich hat er diesen Vorsatz erfüllt. Mit 28 Jahren hatte er, wie schon erwähnt, zu der Zunzschen Bibelübersetzung bereits 1b Bücher beigetragen. Dann folgten die Jahre vertieften Studiums in Prag, das ihm nur Zeit zu zwei kleineren Abhandlungen, exegetischen und religionsphilosophischen Inhalts im Kerem Chemed ließ. Die edelsten Früchte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit reiften erst im Sturm und Drang seiner Berliner Tättgkeit. 1845 erschien die „religiöse Poesie der Juden in Spanien." „Zum ersten Male waren hier die edelsten religösen Dichtungen der spanisch-arabischen Sprache voll kongenialer Kraft und feinen Formgefühls verdeutscht worden. Nicht minder wertvoll und von bleibenderer Bedeutung als die Uebertragungen selber sind die literarischen Würdigungen der Dichter, von liebevoller Nachempfindung und tiefgründiger Gelehrsamkeit gleich sehr Zeugnis gebend". (Kaufmann). In diesem Werke will Sachs in gedrängter Kürze die innere Geschichte des Judentums bis zur spanischen Epoche schreiben. „Die innere Geschichte des Judentums," so schreibt er selbst an diesem Punkte, „gliedert sich nach Institutionen und Literaturwetten, nach dem Auftreten oder Erlöschen gewisser, das Ganze umfassender Formen viel natürlicher und wahrer, als nach den folgenreichsten, politischen Begebenheiten . . . Die heiligen Bücher waren der immer gegenwärtige sichere Einigungspunkt, das Banner, um das sich die Geschlechter und Zeiten scharten . . Einerseits das Gesetz mit seinen immer gülttgen Ansprüchen irr seinen Vorschriften (Halacha), andererseits der freigestaltete Ausdruck der ewigen dee als Lehre, Mahnung, Verkündigung der ropheten, als heüiges Lied der Psalmsänger, »als gedankenvoller Ausspruch der Weisen. (Hagadah). „Durch die Berührung mit der arabischen Sette 8. 24. September 1808 Geisteswelt, namentlich der durch sie vermittelten griechischen Philosophie, wird die stettge Einheit des ausschließlich mit sich selbst verkehrenden jüdischen Geisteslebens in günstigstem Sinne zerstört und der empfängliche jüdische Geist mit den ihm da aufgeschlossenen Gedanken und Denkformen rasch vertraut gemacht. Die köstlichste Frucht jüdisch-religiöser Denkart, beeinflußt durch griechische Denkform, ist das Kether malchuth des Salomo ibn Gabriol, dessen Nachdichtung zu den gelungensten Werken Sachsfcher Uebersetzungskunst zählt. — Es folgten 1852 und 1754 zwei umfangreiche Hefte, „Beiträge zur Sprach- und Altertumsforschung"/ (ein drittes, unvollendetes Heft fand sich in seinem Nachlaß). „Die eigentliche Aufgabe des Buches, die Fremdwörter der Talmude und Midraschim, erweitert sich vor dem Geiste des Autors zur Geschichte der Berührung zweier Kulturen, zweier Sprachenkreise. Hinüber und herüber laufen die Fäden, schießen die Strahlen, griechische und lateinische Worte werden auf semitische Einflüsse verhört, Neuhebräisch und Syrisch offenbaren ihre Eindrücke aus den klassischen Sprachen. . . Hinter den Worten die Sachen, hinter dem Ausdruck die Zeiten, das volle, geschichtliche Leben zu schauen, das wird hier gelehrt." (Kaufmann.) »In charakteristischen Beispielen gibt Sachs ein Bild davon, wie sehr im Laufe der Zeit das jüdische Palästina von den Einflüssen der griechischen Kultur durchdrungen wurde . . Andererseits wandern die Erzählungen des Midrasch durch Vermittelung der Kirchenväter zu den Byzantinern. Es ist ein Geben und Nehmen, das von den vielfachen Berührungen der verschiedenen Volkskreise uns Kunde gibt .. . So empfangen Bemerkungen des Midrasch, die mit Unrecht der Enge des jüdischen Geistes jener Zeit zugeschrieben wurden, ihre Erklärung aus den politischen und kulturellen Verhältnissen des späteren römischen wie des byzantinischen Reichs, dem Palästina angehörte. Uno ebenso wirft diese Vergleichung von Aeußerungen jüdischer Werke mit anderweitigen Zeugnissen Licht auch auf den im allgemeinen herrschenden Zug und Geist jener Zeit, auf ihren Gesichtskreis, ihr Wissen und Nichtwissen und Reihe von Vorstellungen, die in ihr die geläufigen und herrschenden waren." (Eschelbacher). — Zwischen diese beiden Hefte schieben sich 1853 die „Sttmmen vom Jordan und Euphrat. Ein Buch fürs Haus. Mit Beiträgen von Moritz Beit. Erber Band." (Der 1. Band wurde 1868 von Prof. Lazarus herausgegeben, worüber weiter unten noch ein Wort zu sagen sein wird.) „Die hier dargebotene Sammlung," so lautet das Leitwort, das Sachs dem Buche mitgab, „bringt in bunter Mannigfaltigkeit Blüten und Früchte aus einer selten von Reisenden oder Touristen besuchten Gegend die Thora-Geist und Thora-Gijetz erzogen, so denke, fühle, rede und handle auch du, der du Jude bist. Aus alle Hauptpersonen, die uns h er entgegentreten, trifft dies zu, auf Elkana, den Gatten, aus Hanna, und nicht zuletzt auf — die vklverläumdete Penina; — herrliche Menschen stnd'-S, wie ste nur auf jüdischem Boden gedeihen, und, trotz Bigamie, die unter zwingenden Gründen in jener Zeit gestattet war, ein Idealbild jüdischer Häuslichkeit ergeben. Uns gestattet der zur Verfügung \ ehende Raum nur eine der Gestalten zu beleuchten, und eS sei dieS Elkana, mit welchem die Erzählung vrginnt. Bezeichnet ihn der erste BerS schon alS ^HX EIX/ als einen 11112E? 1HV2/ einen Mann, der lue edlen Eigenschaften, Tausender m sich vereinigte, so gewinnt seine Persönlichkeit erhöhte Bedeutung, indem er uns alS Sprößltng KorachS vorgestellt wird, und zeigt, wie. ein verlorenes Geschlecht fich in aufsteigender Linie zu hoher Bollendung entwickeln könne. D'1211 |2 — aus einem Ort, der 200 Propheten, die unter dem Namen nij7 '22 bekannten begeisterten Psalmensan^er zeitigte, stammte er, von Menschen, cSiP ItP 1011*7 |'l212tP/ die von erhöhter Warte aus Zeiten uno Bötker überschauten, und dabet aus einem B'712 in heiiwrgegangen waren, Menschen, die schon tue Erde verschlungen, die, schon halb im Gehtnom stehend, den Entschluß zur 13W1 faßten, und emporgerissen, ihrem Volke zu leuchtenden Führern geworden. Mehr als ganze Bände spricht das im ersten Verse niedergelegte GeschlechtSregtster ElkanaS über die Macht der N21V1/ S« welcher die ^2111 des H2121 tfK1 UNS auftust, und die Namen der Vorfahren ElkanaS werben vor dem durchdringenden Blicke unserer Schrtsterklärer zu Reflexen ihrer Liebe und Treue zu Gott und feinem Gesetze. Und wie nun Elkana selbst lebt und wirkt, schildert der 3. Bers nö'2' D'2'2 11'22 Kll V'KI 1*721 '*72 '22 '2V 2V1 1*?Ü2 '1*7 1121*71 11111V.1*7 '11 D'212 01221 '221 „Und es zog jener Mann aus seiner Stabt von Zeit zu Zeit sich mederzuwerfen und zu opfern in Schilo, und dort waren die beiden Söhne Elis Ehofnt und PinchoS Gottes Priester." Der Bers enthält fast so viel Auffälliges als Worte. DaS Bibelwort sonst von lakonischer Kürze, leistet fich hier ganze Satzteile, wie Kill tP'KI - 11'22 11K2X '11, die entbehrlich scheinen, während der Singular n^21 — denn Elkana zog ja nicht allein — der Ausdruck ilD'jb' D'2'2 zum mindesten auffällig find, der Schluß des Verses aber völlig zusammenhanglos fich dem Bordersatz anfügst. Eben diese Abnormttäten des Verses bilden für unsere weisen Erklärer eine wahre Fundgrube, aus welcher fie das Material Zusammentragen, um das Charakterbild eines ungewöhnlichen Mannes in seiner Vollständigkeit vor unseren Augen erstehen zu lassen. Kill V'KI 1*721 ~ heißt es in -,"3 — rbm *7212 1*7212 11'22 1*7212 11X12 1*7212 11'22 12X2 *7V2 K1K M X*7 1'1*72 ^21 *7K1V'- „Der Lebensweg dieses Mannes bildete Eine' aufftetgende Linie. Sein ihn emporiührender Pfad beginnt in seinem Hause, setzt fich sott in seiner Umgebung in seiner Gemeinde, bis er ein Großer war iu JSrael, und die ganze erllommene Höhe war ein Werk ureigenster Kraft." Elkana begann seine Arbett — an fich selber (Kill EIKI 1*721)/ aber er war weder egoistisch genug, dabei stehen zu bletöen, noch unvorsichtig genug, um mit seinem Erztehungstverk nach außen hin Sprünge zu machen. Er vereint Energie mit Umsicht, denn — sein Streben ist ein Ausfluß seines innersten Wesens. Mit dem festen Sinn verbindet er den scharfen Blick, denn ihm giltS nur die Sache, nicht um seine Person, er arbeitet U'läÜ 2V*7, nicht DX2 D©*7- Man hat oft genug, in früheren, wie in heutigen Tagen, Männer zu Grabe tragen sehen, die Leuchten ihres BolkeS waren, B'p'IX und v'2l2*7, deren Wissen und deren Frömmigkett nicht den Hauch eines Zweifels duldete, und mußte fich wundern, baß ihr milX und ril2l2*7 mit ihnen zu Grabe ging, daß ihre Frömmigkett und Gelehrsamkeit fich auf ihr Haus, ihre Sinder nicht vererbte. Sie hatten ihre Größe auf die Straße getragen, und — vernachlässigten ihr Haus. Sie hotten nach Außen gewirkt — ihre nächste Umgebung, selbst ihre Sinder gingen leer auS. Anders Elkana. 11X121*721211'221*7212 — dann erst TT22 11212- Erst als er fein Homs versorgt weiß, weiß, daß die Glieder seiner Familie durchdrungen find von 1111* und NKI'-Getst, geht er einen Schritt Wetter. Er beschränkt fich mit Nichten auf sein Hauser sucht seine Wtrksamkett so wett zu erstrecken, als seine Kräfte reichen. Er denkt nicht, seiner Pflicht genügt zu haben, wenn er allein den Weg der Pflicht geht, er beruhigt fich auch nicht damtt, wenn es ihm gelungen ist, seine Familie, seine Sinder zu trefflichen begeisterten Juden erzogen zu haben. Seine Energie erlahmt nicht, ihm läßt's keine Ruhe, er will auch N2D D'211 1K ftin, zunächst in seiner enger» Heimat, dann m wetteren Kreisen seines BolkeS. Wam Elkana — beuchtet die Ueberlieferung — zu den Festen nach Schilo zog, nahm er Frauen und Kinder- Geschwister und Verwandte mit fich, und übernachtete im Freien. ®r zieht nicht lrp3ö, sondern rvjfla. Da versammelten fich denn seine Mitbürger um ihn, ftagten, wohin eS gehe, und wenn er dann antwortete : „Zum Haufe Gottes nach Schilo, ftitut von dort geht der Geist von HIN und .11X2 «US," so knüpfte er gleichzeitig an seine Amwort

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