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Der Israelit · 1908-09-24 · Heft 39 (24.9.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 39 (24.9.1908)
Date
1908-09-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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*. Mtftv.89 Der Israelit Jude des 20. Jahrhunderts vielfach zu den v'-eiz v'v', zu den Tagen steht, die am Jahresbeginn das jüdische Pstichtenleben einleiten. MVN twn der Anfang eines neuen Jahres, der Ueberblick über das vechoffene, die Entschlüsse für das kommende, das' war's und das ist's, was diesem Tag sein unvergleichliches Gepräge aufdrückt. Eine Woche lang vor rwn iwn schon zeigen uns die was der Sinn der Feier uno des Gedenktages: das Bewußtsein der verscherzten Reinheit des Denkens und Handelns im verflossenen Jahr, der ernste Entschluß, durch doppelte Hingabe ans Heiligtum des Gesetzes das Verlorene zurückzugewinnen, die beglückende Wahrheit, daß nicht immer „die Sünde fortzeugend Böses muß gebären," vielmehr mit jedem Augenblick ein ehrlich fürs Gute und Rechte schlagende Herz sich zu unserem Vater im Himmel wenden kann, der nicht will, „daß der Sünder sterbe, sondern daß er zurückkehre von seinem schlechten Wandel und lebe" . . . Das sind die Grundakkorde der ganzen mächtigen Symphonie, die mit dem ersten iLivk- Ton des Elul einleitet und in die nTyi - Tekio des scheidenden *V)S3 DP ausklingt. Alle diese Gedanken aber, die Hoffnungen, die Seufzer, die bangenden, klagenden, zagenden, tröstenden, das Höchste und Niedrigste in ihren Kreis ziehenden unvergleichlichen Gebete, sie haben als selbstverständliche Voraussetzung das jüdische Pflichtenleben, wie es sich dokumentiert in Schule und Haus, in Küche und Keller, im Bureau und auf der Reise, allüberall, wo Juden erwerben und genießen. Ohne diese Voraussetzung sinkt die Feier des rutpn zur leeren Farce herab, und nur gedankenlosester Leichtsinn, gepaart mit fast völliger Unkunde vom Wesen unserer nun, hat es soweit bringen können, daß es sonst im bürgerlichen Leben ganz ernste, logisch denkende Männer gibt, die da vermeinen, das „Judentum" dadurch zu betätigen, daß sie sich am „Neujahrstage" einige Stunden in den Tempel begeben und sich bestenfalls einigen ahnungsvollen Empfindungen und andächtig rührenden Stimmungen ohne jeglichen Zukunftswert hingeben. Wenn es nicht so tieftraurig wäre, so böte es Stoff zur Satire, wie eine bis zum Fehlen jedes charakteristischen Merkmals zusammengeschrumpste Karikatur der großen jüdischen Weltanschauung sich mit kostbaren Kleidern bedeckt, aber die Kleider sind für die Zwergfigur viel zu groß; der Titel eines Buches steht in Goldschrist gleißend da, das Buch aber ist-leer, ist inhaltslos. Und wenn die «andächtige Beterschar" noch so gedrängt im Tempel steht, ja sogar alle Betlokale „fiir die hohen Feiertage" völlig ausverkauft sind, so hat Stlicftotb. Ein Herbstesmorgen, Nebelschleier wallen. Aus Nacht und Dämmer steigt ein neuer Tag Und schreitet leise durch die stille Welt. — Ein gold'ner.Stern, ein letzter, steht am Himmel Und ihm zur Seite in dem matten Schein Des Morgendämmers grüßt des Mondes Sichel Im Abschrednehmen friedlich und vertraut. — Der Ostwind weht, er kommt von Stoppelfeldern, Me müde sinken in des Winters Schlaf, Und eilet pfeifend durch die leeren Straßen, Me widerhallen von den schnellen' Schritten Des Einsamen,^-er hastig vorwärts eilt.-— Zu Slichaus geht er Wenn der Tag noch fern Und noch verborgen lichter Sonnenglanz, Dann sammeln sich in Judas Gotteshäusern Die Männer all' mit Worten heißen^Fleh'ns. Und aufwärts steigt's zum Lenker der Geschicke, Und braust wie Moereswitzen durch die Menge: Verzeihe und vergieb uns, die wir fehlten; Du, der Du liebend das Verzeihen schufest Nimm uns in Liebe aus, uns zu verzeih'n. — — Auch heute stand im hohen Gotteshause In ernster Weihe der Gemeinde Chor Und in den alten lieben Sangesweisen Ertönt des Pismauns inniges Gebet: Israels Helfer ist nur Gott allein, Rur.er errettet aus der Hand des Drängers, Und lasset sprießen Freiheit und Erlösung Aus Nacht und Dunkel zu Jisroels Heil.-— So hört ich's tönen und mir ward die Lösung, Warum im Morgendämmer aufwärts steigen Ter Slichaus alte.liebe Sangesweisen, Warum vor Sonnenaufgang widerhallen das Judentum keinen Zuschuß dadurch erhaltenes ist im Gegenteil die Genugtuung der Prediger über die andächtige Zuhörerschar, sowie das ganze Getue, als ob unsere rnny Selbstzweck sei und nicht vielmehr Vorbereitung sür den Gottesdienst im Leben-es ist das alles nur geeignet, unser Judentum zu diskreditieren in den Augen der Unkundigen, im eigenen Kreis und vor der denkenden nichtjüdischen Welt, die hier nur eine Kopie von dem findet, was sie bei sich selber als unzulänglich bereits erkannt hat. Im Dienste unseres großen Berufes stehend, wollen wir daher ausharren, bis die ganze jüdische Wahrheit erkannt ist, bis der ILIV- Ruf uns erinnert, daß sein Echo doch immer mächtiger angeschwollen, bis mehr und mehr die nzppn Verständnis findet, die zum Sammeln der divergierenden Kräfte ruft. ♦pabrr ‘■pa "Tixa 'n nrnn wr orn ’iw ochrmMöschau. Die ßersfellung non Ritualien in Palästina- Wir veröffentlichen an anderer Stelle eine Korrespondenz, in der über die Bemühungen des Herrn Oberrabbiner Schreiber in Beregsasz um die Beschaffung absolut zuverläffiger min '*i£D, pten und nintö berichtet wird. Die beklagenswerten Mißstände, die auf diesem Gebiete, namentlich im Handel mit Tefillin nnd Mesusoth in Deutschland und, wie man jetzt .hört, auch in Ungarn herrschen, sind bekannt. Sie wurzeln in der Wahnvorstellung des großen Publikums, daß es möglich sei, eine „Ware", die eben keine Fabrikationsware, sondern mühevolle, äußerste Sorgfalt erfordernde Handarbeit ist, zu billigen „Fabrikpreisen" zu liefern. In Deutschland ist durch die von der „Freien Bereinigung" getroffenen Maßnahmen seit einer Reihe von Jahren dafür gesorgt, daß Tefillin und Mesusoth von absolut zuverlässigem nvuso zu 6 Mark, bezw. zu 50 Pfg. erhältlich sind. Aber die Verbreitung dieser von der „Freien Vereinigung" unter beträchtlichem Kostenzuschuß hergestellten Tefillin und Mesusoth beschränkt sich leider auf eisten relativ kleinen Kreis, weil die große Masse Die hohen Gotteshäuser von dem Fleh'n Der Tausende vom Stamme Israels. — Tie Nacht da draußen ist des Golus Zeichen, Von wenig Leuchten spärlich nur erhellet, Ter Sturmwind pfeifet durch die öden Straßen, Tie eilend nur des Wand'rers Fuß betritt, Ter ängstlich hastet nach der Friedensstätte. 1 Doch kommt die Zeit, da Sonnenstrahlen schmücken Das Haupt Jehudas «ui der Berge Gipfel, Da nimmermehr durch nächtlich Dunkel eilet Ter Fuß des wandernden Jisroelvolkes, Ta durch die Welten tönt die Gottesstimme, Tie in den Slichaustagen uns erklinget Und Allen kündet von dem Gott der Liebe, Der Gnade und des ewigen Verzeihens. (Sitte Rofchhaschono-Betrachtung. Bon I. W. Daß die Großen unserer Vergangenheit, welche fich mit der Festsetzung unserer Gebetordnung befaßten, bet der Bestimmung der aus der heiligen Schrift öffentlich _ 24. September 190«. eine Ausgabe von sechs Mark für ein Paar Tefillin als sträflichen Luxus ansieht, den sich der sparsame Hausvater auf dem Gebiete der religiösen Pflichterfüllung beileibe nicht gestattcu darf. Die Palästina - Kommission der „Freien Vereinigung" hat nun ihren Jerusalemer Vertreter schon im Frühjahr angewiesen, Erhebungen darüber anzustellen, ob es nicht möglich wäre, die Anfertigung von v"nv in Palästina in größerem Umfange in die Wege zu leiten, um dadurch, ohne Gefährdung des nvittO, womöglich zu billigeren Herstellungspreisen zu gelangen, zugleich aber eineu lohnenden Erwerbszweig für zahlreiche Arbeitskräfte im heiligen Lande zu schaffen. Wenn sich bei diesen Ermittelungen auch ergeben hat, daß für pban bei der Herstellung in Palästina kaum eine nennenswerte Ersparnis erzielt werden kann, so lag es doch im Interesse von pN aw\ den Gedanken selbst nicht fallen zu lassen und es sind daher, wie uns berichtet wird, die nötigen Vorarbeiten durch das „Palästinabureau der Pekidim" s. Z. sofort eingeleitet worden, um mit der Fabrikation unter Kontrolle der führenden rabbinischen Autoritäten Jerusalems zu beginnen. Wir möchten dringend empfehlen, daß sich unsere Gesinnungsgenossen in Ungarn diesem Vorgehen anschließen, damit der dankenswerte Vorschlag des Herrn Oberrabbiner Schreiber seine Verwirklichung finde, ohne daß etwa die „Konkurrenz" der utyriD störend dazwischen trete und das Ganze gefährde. Ein gemeinsames Vorgehen wird sich ohne Schwierigkeiten herbeiführen lassen, uno es ist dringeno zu wünschen, daß dabei jedes materielle Interesse der einzelnen vtyyo vollkommen ausgeschlossen werde. Bei guter Leitung würde das Unternehmen dann in der ganzen Diaspora freudigeil Anklang finden, und sich auch in diesem konkreten Sinne das alte Wort dann bewähren: d^pitb 'n “on min «sn jrjta '2 6in nerhängnisDoKer Schritt. Eine merkwürdige Kunde kommt aus Rußland. In einer Rabbinerversammlung in Warschau, an welcher 15 Rabbonim teilgenommen haben, soll ein Beschluß gefaßt worden sein, sich an die Regierung mit dem Gesuche zu wenden, die im Lande erscheinenden Jargon-Zeitungen wegen ihres verderblichen Einflusses auf die Jugend zu unterdücken. Die Sache klingt, wie gesagt, mehr als unglaublich. Oder sollte es schon so weit gekommen sein, sollte die Unterwühlungsarbeit der „Volksvorzutragenben Abschnitte (HattorauS) ungemein wählerisch vorgingen, und fich hierbei von der Bedeutung des Tages und seinem ttefinneren Zusammenhänge mit dem betreffenden .Schriftwort letten ließen, dürfen wir auch da voraussetzen, wo jene Beziehung nicht an der Oberfläche liegt, und ihr Erkennen erst ein liebevolles Eingehen und Ber tiefen in den Gegenstand erfordert. Bei der Hastora des ersten TageS Rosch-Haschono indeß liegen die Fäden offen und durste die Einsetzung beS 1. Kap. Samuel l. auch dem flüchtigen Blicke verständlich fein. Schildert doch HannaS Gebet Gott in der Höhe thronend, als Richter und L.nker der Menschengeichicke, als Herrn über Tod und, Lühen, Reichtum und Verarmung, und demgegenüber den selbstherrlich sich geberdenben Menschen in seiner Winzigkeit und Schwäche — alles Gedanken, die den Eindrücken entsprechen, welche das jüdische Neujahr in uns zeitigen will, und welche auch von unseren übrigen Festgebeten in den verschiedensten Bariattonen behandelt werden. Und doch birgt dieses Kapitel yoch mancherlei Berührungspunkte mit dem Feste, welche bet der Wahl gewiß mttbestimmenb waren. Reflexionen, wie Hanna in ihrem Gebete fie auSsprtcht, hören wir im Leb.n öfters, wenn auch nicht in so ttef gedankenvoller Weise, von Menschen äußern, bei welchen irgendwelche gemüterregende Vorgänge einen momentanen druck auswechselten. Aber gesprochene Wahrheitm blei en unfruchtbar, ohne Einfluß auf baS tätige Leben, und jüdische Wcchrheit will nicht nur erkannt und ausgesprochen fie will auch betättgt sein. In ein HattS, in welchem jüdischer Geist und jüdische Wahrheit, selbst unter schwierigsten Verhältnissen, sich itt geradezu glänzender Weise betättgt, führt unS daher das Prophetenwort. Mustermenschen stehen hier vor unS auf, Menschen, die, vertiefen wir uns in die fie schildernden Verse, unS packen und rütteln, und uns Epätaebvrenen zurufen: So denken, fühlen, rede« und handeln Juden

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