Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1908)
- Date
- 1908-09-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 13 Nr. 88 Der JSraeltt 17. SepttMver 19W schwer machten. Leichter aber überwanden sie die ihnen von Außen entgegengesetzten Schwierigkeiten als die Folgen innerer Zwistigkeiten, die sich früh genug eingestellt haben. Die Gemeinde sowohl, wie auch mehrere ihrer Institutionen trennten sich und zerfielen in Einzelgruppen. Erst als unter dem Chacham David Pardo die Bereinigung der Einzelgemeinden zu Stande kam setzte die Blüteperiode ein und oie Gemeinde konnte einen hohen Aufschwung nehmen. Dieser Aufschwung, durch die Einigung herbeigeführt hätte noch bedeutsamer und wirksamer nach Außen fern können, wenn die erzielte Einigung von Dauer gewesen wäre. Davon konnte aber keine Rede fein, infolange die Gemeinde aus Mitgliedern I. II. und III. Klasse bestand in so lange man die einzelnen Mitglieder nach Vermögen und Herkunft unterschied, insolange innerhalb einer jüdischen Gemeinde ein Unterschied zwischen Fremden und Nichtfremden gemacht wurde und insolange — was der Verfasser nicht genügend hervorhebt — der.portugiesische Jude mit einer Ölt Verachtung auf den aus Polen und . hland * gekommenen jüdischen Flüchtling blickte. Die aus diesen Ländern gekommenen Juden zahlten dieses Verhalten mit gleicher Münze und machten sie den portugiesischen Juden gegenüber geltend, daß weder sie — die D'UDtMt -Tnoch ihre Ahnen jemals auch nur zum Scheine dem Glaubett' ihrer Väter untreu geworden wären. Den Schaden dieser gegenseitigen Verachtung hatten die Gemeinden und das Judentum zu tragen. Diese Ungleichheit und Uneinigkeit, wie auch die Herrschsucht der Parnassim, die sich auch den geistigen Führern der Gemeinde gegenüber geltend machte — mußte doch der berühmte Menaffe b. Israel das Feld vor ihnen räumen — waren es/ die die Bedeutung der Gemeinde um ein erhebliches herabstimmte und es bedurfte daher nur eines Anstoßes von Außen, um das stolze Gemeinwesen ins Wanken zu bringen. Ein solcher folgenschwerer Anstoß war das Auftreten des falschen Messias Sabbathai Zewi. Wenn sich ein Teil der im tiefsten Elend schmachtenden polnischen und deutschen Judenheit von dem Betrüger und seinen Helfershelfern düpieren ließ, so kann man es noch eher begreifen, als daß auch ein Teil, der spanisch-portugiesischen Gemeinde Amsterdams dem Schwindel zum Opfer fiel. Der Verfasser meint, und es ist dies eine annehmbare Erklärung des befremdenden Umstandes, — daß speziell derjenige Teil der Gemeinde von der Bewegung ergriffen wurde, dem, da er noch halb im Katholizismus steckte und außerdem durch die Philosophie, die nebst der Kabbalah getrieben ward, verwirrt war, das Judentum nicht genügte. Dieser Teil sehnte sich nach einer Umwälzung und leistete auch den Propheten des falschen Messias Gefolgschaft bis Sabbatai Zewis Abfall vom Judentum die Gemüter einigermaßen ernüchterte. Nach außen hin hatten die Vertreter der Gemeinde mehr Glück. Es gelang ihnen tro^ des Widerstandes der Geistlichkeit durchzusetzen, daß sie, wenn auch nicht das volle Bürgerrecht, so doch eine beschränkte Gleichberechtigung erhielten. Die Generalstaaten hatten diese Toleranz nicht zu bedauern. Die Juden haben d?nn auch zur Entfaltung des Holländischen überseeischen Handels viel beigetragen. Durch diese äußeren Erfolge, die in damaliger Zeit einzig dastanden, drang der Ruhm der portugiesischen Gemeinde Amsterdams überallhin, wo. Juden wohnten und Amsterdam erhielt auch im Volksmunde den Namen Neu-Jerusalem. Dr. M. Auerbach behandelt die Lage der Juden im römischen Reiche im 3. und 4. Jahrhundert. Er stellt fest, daß es sich im 3. heidnischen Jahrhundert bei Bedrückungen der Juden nicht um die prinzipielle Hintansetzung der jüdischen Religion gehandelt habe, sondern mehr um einen Mißbrauch der Gewalt seitens 8er Machthaber. Wie die Verfolgung der Christen nur aus politische Motive, nicht aber auf religiöse Unduldsamkeit zurückzuführen war, so auch die ‘ Maßregeln gegen die Juden. Anders sollte es jedoch in dieser Beziehung werden, als im 4. Jahrhundert das Christentum die herrschende Religion wurde. Es wurden jetzt Ausnahmegesetze gegen die Juden erlassen, die, da sie aus Betreiben der Bischöfe erfolgten, den Charakter der Verfolgung des jüdischen Bekenntnisses hatten. So mehrten sich die Verbote bezüglich des Besitzes christlicher Sklaven und des Uebertrittes vom Christentum zum Judentum. Die Kaiser wollten aber immer noch an der von dem römischen Rechte gewährleisteten Gleichberechtigung aller Bekenntnisse festhalten und die Verfügungen gegen die Juden mußten ihnen von den Bischöfen abgerungen werden. Diese hetzten jedoch die Regenten und die Bevölkerung so unaufhörlich gegen die Juden, daß ihnen schließlich in optima forma die Bürgerrechte genommen wurden und die Zerstörung der Synagogen an der Tagesordnung war. Es trat nach der 200 jährigen Aera relativer Ruhe — mit Ausnahme der Verfolgung unter Gallus — und Duldsamkeit eine für die Juden traurige Zeitperiode (das „jüdische Mittelalter") ein. (Fortsetzung folgt. Schrrscha«. Die Intelligenz -er Blume«. Bon Maurice Maeterlinck. Deutsch von Friedrich von Oppeln. BronikowSkt. Eugen Diederichs, Jena. Der Titel entspricht nicht ganz dem Inhalt des Buches. Es enthält eine Anzahl von EffayS, die nicht mtteinander im Zusammenhang stehen, und der erste, allerdings auch einer -er interessantesten, behandelt die Intelligenz -er Blumen. In anziehender Form, die überall den Dichter und Philosophen offenbart, schildert Maeterlinck die Wunder der Pflanzenwelt, wie sie sich namentlich bei der Befruchtung zeigen. Die staunenswerte Art, wie sich die Pflanzen oft unter den schwierigsten Verhältnissen zu erhalten und fortzupflanzen wissen, gibt ihm Veranlassung, von einer „allgemeinen verstreuten Intelligenz" LU sprechen, einem „universellen Fluidum", welches die Organismen, die eS trifft, mehr oder minder durchdrinat, und welches das Glück, die Vervollkommnung und den Steg über das Böse und dm Tod zmn Ziele hat. Man erinnert sich dabei der Anschauung der Kabbalisten, die ebenfalls der Natur eine gewisse Selbstständigkeit, eine Art intelligenten Sttlhens zu dem von Gott gewollten Ziele zuschreiben. Auch bei unseren Weisen finden wir ähnliche Aussprüche und daS Midraschwort bei der SchöpstmgSgeschtchte sv2V3 □wtn ik«W pcb 1N1PV daß die Kräuter die dm Bäumm gegebene göttliche Bestimmung sich nach Arten getrennt zu entfalten, auch aus fich anwandten, ein Wort, da« man sonst halb allegorisch/ halb mystisch aufzufassen pflegte, gewinnt bei dieser Näturbettachtttttg eine ganz andere Tragweite. Sie ist auch geeignet, ebenso dm Materialismus wie dm Häckelschen Nonsens von der „Unzweckmäßigkeit" der Natur zu widerlegm. Maeterlinck ist auch ein Gegner jener Vertreter eines flachen MtionalismuS, die er am Schlüße der Avhcmblung „Die Götter des Krieges" bei der Frage nach dem geheimm Ursprung der gewaltigen Kraft der Sprmgstoffe mit dm Worten ironistert: „Auf alle diese Fragen wttd der Gelehrte, der Euch erschafft, einfach antworten: .Eure Kraft resultiert auS der plötzlichen Entwicklung einer großen Gasmenge in einem Raume, der zu mg ist, als daß fie unter dem einfachen Luftdruck beisammmbktebe/ Damit ist sicherlich alles beantwortet und alles erklärt. Wir sehen bis auf dm Grund der Wahrheit und wiffm fortan, wie in allm Dtngm, woran wir unS zu halten haben." Bon dm übrigen Abhandlungen möchte ich zwei noch besonders hervorhebm: „Die moralische Zkrifis" und „Unsere soziale Pflicht". In der ersterm bespricht er daS Problem, daS für unsere Zeit daraus entsteht, daß man stch Von dm religiösen Jdealm abwendet, ohne etwas Bestimmtes an ihre Stelle zu fetzm. Was er selber als die „hohe Moral" bezeichnet, die bas Menschengeschlecht zu erreichen habe, ist aber auch wenig greifbar: „Ihr Wesen liegt in dem aufrichtigen und starken Willen, ein mächtiges Ideal von Liebe und Gerechtigkeit in uns zu schaffm, daS fich stets über dasjenige erhebt, welches die geklättestm und hochherzigsten Teile unseres Verstandes zu schaffm vermögen." In der zwettm Abhandlung vertritt er ebenfalls die Meinung, daß immer die extremste Idee, also auf sozialem Gebiete die völlige Teilung, die Aufhebung des Eigentums, die obligatorische Arbett, bei der Historische. Entwicklung Recht behalten würde. -Wie aber, wenn diese extremste Idee etwas in fich Unlogisches und Unnatürliches bedmtet? — Indessen auch da, wo man die Anfichtm Maeterlincks bekämpfen muß, wird man A seinen Ausführungen eine Fülle von interessanten und anregenden Gedanken finden, welche die Lektüre seiner Essays zu einer genußreichen und befriedigenden machen. Ultterariscde Rotim ♦mys n:s2 Mit diesem Ehrentitel, den Pharao Joseph (I 41,45) Verleiht, beschäftigt fich Professor Mahler in einem Artikel der „Zeitschrift der morgenländischen Gesellschaft." Man kann die Bibelkommentatoren, die stch mit der Erklärung dieses Wortes befassen in 3 Gruppen teilen. Zunächst die jüdischen Erklärer Dlbp^ltf D13in und übersetzen beide, anscheinend nach dem hebräischen Wortklang: der, dem das Verborgene offenbar, jivvm iTOi rrk desgl. Bereich. 4 zu Bd. 41, 45 (fett. 90, 87 a. b.); V'v'v TiuiMC. fßJC verbergen mpv bei den Pajtanim enthüllen, offenbaren. Den Targumim schließen fich fast alle jüdischen Erklärer an, so pxjn nnjo n f'tsn der das Wort rus?D für ein Hapaselegomenon erklärt, s'2vn und □'3m, die den Namen für ägyptisch haltm; auch JosephuS übersetzt: dem die Zukunft offenbar ist. Dieselbe Erklärung finden wir bei den ersten christlichen Exegeten und später in der „Berleburger Bibel", einer Verbesserung der lutherischen Uebersetzung. Die Septnaginta umschreibt dm Namm mit Prontomphanach, und von dieser Umschreibung nimmt die zweite Gruppe der Erklärer ihren Ausgang, indem fie versucht in dieser Bezeichnung ägyptische, resp. bet der früheren Unkenntnis des Aegyptifchen koptische Worte zu entdecken. Und danach findet auch oie Uebersetzung der Bulgata: salvator mundi (Retter der Welt), der bis in die neuere Zelt die ntchtjüdischm Erklärer folgten, die Bestätigung. Nur der Nasal in der ersten Silbe (Pront statt prot) fand keine Erklärung. Die modemen Exegeten endlich suchen, gestützt auf die Kenntnis der ägypttschen Sprache, aus der hebräischen Umschreibung des „ägypttschen" Wortes dessen Bedeutung zu ermitteln. LepstuS und mit chm Delitzsch übersetzt eS: „Stütze des Lebens," Heinrich Brugsch bringt in einem Aufsätze „Josef in Aegypten" (Deutsche Rwwsckau i«so) bie Erklärung: „ES sprach der Gott: er lebe."*) Einleuchtender st d die oben erwähntm Ausführungen Mahlers. Danach bebeutm die beiden Worte, Buchstabe für Buchstabe ins Hebräische ttanSkribtert, ohne baß etwas fehtte oder überflüsitg wäre: „Ernährer des Landes — Lebensspender" Wahrscheinlicher wirb die Erklärung noch dadurch, daß nach ihr die Bezetchnung der min (I 43, 6) p#n DV TDWDH dem Titel niDSt entspricht. Y. *) ES ist von JMeresse zu sehen, wie Brugsch der selbst zu der Erklärung stch genötigt steht: „Auf Grund der altägyptischen Denkmälerstudirn ist eS gelungen, in der Geschichte Josephs, wie fie die biblische Ueberlieferimg in ihren Einzelheiten erzählt, auf-Schritt und Tritt echt ägyptischen Anschauungen und Gewohnheiten zu begegnen, so daß an der Glaubwürdigkeit der Ueberlieferung auch nach dieser Seite hin nicht der mindeste Zweifel gestattet ist." grade durch den Namen MPV TU MC zu beweisen sucht, daß dieser Teil der Bibel erst im 8. oder 7. Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung verfaßt sein könne» da solche Namenbildungen sich erst um diese Zeit in Aegypten fänden. Da heute jedoch dieser Name nicht mehr nach Brugfch erklärt wird, so ist jener Beweis vollständig hinfällig. ES wäre lohnen- -er Bibelmtik nachzugehen und zu beobachten, wie sie mit der fortschreitende« Kenntnis der Bibellinder Schritt für Schritt von ihren Anstchten über die Bibel zurückweichen muß. Ein sinnwidriger Fehler findet fich in dem "uw von 1DPI3 der neueren Rödelhetmer Ausgabm. In der Piece -pan# heißt es . toi /N’onn mn ma ny M2N7 Tonn im der einst entfloh — nämlich Jona — indem er der göttlichen Weissagung fich entziehen wollte, gelobte, dieses flüchtige Ungeheuer — nämlich dm Riesmvogel,Sis — in der Schlinge herbeizubringen. Anstatt steht TU’i gedruckt. Daß es fich um einm Druckfehler handelt ist klar. (S. Midrasch Wajikro, Abschn.32, sodann die Uebersetzung von Dr. S. Daer, die Erklärung von tgnp min etc.) Merkwürdtgerwei e Ist der Fehler nur in den neueren Rödelhetmer Ausgabm (men □1121'' Dy tfDin „1V7V ppn ,nv172v »Clttro die älteren Drucke bringen ganz richtig tüV Der Fehler könnte leicht berichtigt werden. A. Mannheimer, Dettelbach.