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Der Israelit · 1908-09-17 · Heft 38 (17.9.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 38 (17.9.1908)
Date
1908-09-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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n cg n bet ’% der Die Juden im Urteil Ttnd-römlscbe» Scbriltstellcr Aus dem literarischen Nachlasse von Solm Berlrn. (Fortsetzung.) Bei seiner Anwesenheit in Syrien nämlich war Pompejus von den beiden in Streit geratenen Brüdern makkabäischer Abkunft, Hyrcan und Aristobul, als Schiedsrichter herbeigerufen worden. Die patriotisch gesinnte Partei jedoch, welche eine Einmischung der Römer in die inneren judäischen Angelegenheiten nicht dulden wollte, wehrte ihm den Einzug. An einem Sabbath nahmen die Römer Jerusalem im Sturm und baynten sich einen Weg zum Tempel. Mordend waren die römischen Truppen in den Borhof eingedrungen und hatten die Priester, welche sich im Opferdienste nicht stören ließen, am Altäre niedergestreckt. Pompejus war mit Gewalt auch in das Allerheiligste getreten und war nicht nur sehr erstaunt, keinen Eselskops, ja überhaupt kein Bild einer Gottheit darin zu erblicken, sondern so von heiliger Scheu ob des gewaltigen Eindrucks ergriffen, den diese bildlose Erhabenheit des Tempels und die todesverachtende Frömmigkeit der Priester in seinem Gemüthe erweckte, daß er den Tempelschatz, in welchem sich nicht weniger als 2000 Talente befanden, unberührt ließ und Tags darauf den Tempel von den Verwüstungen reinigen ließ, die seine Soldaten darin angerichtet hatten. Dieses Ereignis, so bewunderungswürdig dieser Akt der Toleranz des mächtigen Römers in den Augen der Juden auch erscheinen mußte, wäre doch vielleicht ohne Folgen geblieben, hatte nicht Pompejus zur Verherrlichung seines Triumphzuges, den er in Rom abzuhalten gedachte, Mehrere Taufend jüdische Gefangene dorthin abgeführt. Diese Gefangenen legten den Grund zu der in kurzer Zeit einstußreich gewordenen jüdischen Gemeinde in Rom, und die von den Römern an den Tag gelegte Toleranz förderte auch die Verbreitung der Juden über die Städte Italiens. Die jüdischen Gefangenen nämlich halten in-Vom sehr bald die Freiheit erlangt, sei es, »M Ke. vermöge ihrer strengen GesetzesbeobachMug fichin die römischen Häuser schlecht einfügtev, öder hgß sich doch schon jüdische Ansiedler dort befanW, die ihren Loskauf bewirkten, und als Freigelassene genoffen sie sogar bürgerliche Rechte und übten in den Volksversammlungen das Wahlrecht aus. So hatten die Juden durch ihre Glaubensfestigkeit den Erfolg erzielt, sich als besiegte Nation in der Hauptstadt des Romerreichs als Genoffenschaft zu konstituieren, obgleich sie dem Neger jede religiöse Gemeinschaft verweigerten. Orwagen wir, daß es bei den Römern fest- . stehender S aatsgrundsatz war, von jedem durch die Waffen unterworfenen Volke ein gänzliches Aufgeben seiner Volkstümlichkeit, besonders seiner ^religiösen Institutionen als des bedeutendsten Faktors in der Staatsleitung zu fordern, so muß uns dieser Erfolg als ein einzig dastehendes Beispiel in der Geschichte Roms erscheinen. Wie rasch sich nun jüdische Gemeinden auch in den italienischen Städten gebildet haben, wie rasch die finanzielle Macht und der politische Einfluß der Juden Roms gestiegen ist, davon legt die Rede Ciceros, die in das Jahr 59 fällt und vier Jahre nach dem Eingreifen des Pompejus gehalten ist, ein beredtes Zeugnis ab. Der dieser Rede zu gründe liegende Sachverhalt ist folgender: Lucius Valerius Flaccus war angeklagt, mehrfache Unterschlagungen von öffentlichen Geldern während seiner Verwaltung der Provinz Kleinasien begangen zu haben. Unter anderen hatte Flaccus, gestützt auf ein vom Senate erlaffenes Gesetz, welches die Ausfuhr von Gold aus dem Reiche in das Ausland verbot, die Tempelspenden konfisziert, welche in mehreren jüdischen Gemeinden gesammelt worden waren. Cicero hatte die Sache des Flaccus zu führen übernommen, und die Stelle, in der er Flaccus wegen der Wegnahme der Schekelgelder verteidigt, lautet wie folgt: Es folgt nun die Beschwerde wegen des «.uram juckaiaum. Das ist nämlich der Grund, warum diese Sache nicht weit von den Stufen der aurelischen Halle verhandelt wird. We <en dieser Anklage ist jener Ort und dieser Bolkshaufen ausgesucht worden. Du weißt, o Laelius, wie zahlreich er ist, wie er zusammenhält, wie viel er in den Volksversammlungen vermag. Ich will mit gedämpfter Stimme reden, so daß nur die Richter'mich hören. Denn es fehlt nicht an solchen, die jene gegen mich und gegen jeden Rechtschaffenen oufreizen, denen ich aber nicht Gelegenheit geben will, dies noch um so leichter tun zu können. Da jährlich für jüdische Rechnung Gold aus Italien und aus allen Provinzen ausgeführt zu werden pflegte, so erließ Flaccus ein Edikt, daß die Ausfuhr nach Asien nicht erlaubt sein sollte. Wer, ihr Richter, sollte diese Maßregel nicht billigend anerkennen? Die Ausfuhr des Goldes hat der Senat schon früher, besonders unter meinem Konsulate nachdrücklichst verboten. Jenem barbarischen Aberglauben sich zu widersetzen, gebot das strenge Recht, die Juden, welche zuweilen in den Volksversammlungen lärmen, nicht zu beachten, war ein Beweis von Würde und Festigkeit. Freilich hat Pompejus, der Besieger Jerusalems, nichts von diesem Tempel angerührt. Sicherlich hat Pompejus darin, wie in vielen anderen Dingen, einen großen Beweis feiner Klugheit gegeben, doch glaube ich nicht, daß der große Feldherr durch die Religion der noch dazu den Römern feindlichen Juden daran gehindert worden sei, sondern daß eine gewiffe Scheu ihn zurückgehalten habe. — Nachdem er dann seinen Klienten von dem Verdachte der Unterschlagung zu befreien versucht, und behauptet, daß das konfiszierte Geld ordnungsmäßig der Staatskasse zugeführt worden sei, fährt er fort: Jeder Staat hat seine Religion, wir die unsrige. Als Jerusalem sich noch im alten Bestände befand und die Juden in Frieden mitunS lebten, waren doch die Religionsbegriffe seine- Gottesdienstes im Widerspruche mit dem Glanze dieses Reiches, mit dem Ansehen dieses Namens, mit der Einrichtung unserer Borfahren. Jetzt aber um so mehr, weil jenes Volk durch Erdebuna der Waffen seine Gesinnung gegen unser Reich gezeigt hat. Wie wert es den unsterblichen Göttern ist, zeigt sich darin, daß es besiegt zft. Soweit Cicero. (Fortsetzung folgt.) Das Mutte jadrducd der jiidisetz- Ltterariscben Sesellscdatt. Von Tr. PH. Frankl in Halberstadt. Das vorliegende Jahrbuch reiht sich seinen vier Vorgängern würdig an. Es enthält eine Reihe von wissenschaftlichen Aussätzen, vorzüglich historischen Inhalts, die über manchen Punkt der jüdischen Geschichte, der entweder noch nicht anfgehellt oder aber absichtlich verdunkelt worden war, Licht aufgehen lassen. An der Spitze des Buches steht die Arbeit Dr. Ullmanns über die Geschichte der spanischportugiesischen Gemeinde in Amsterdam im 17. Jahrhundert. Die Arbeit ist umso mehr zu be- - grüßen, als uns bis jetzt keine zusammenfaffende Geschichte der von den geflüchteten Marannen gebildeten Gemeinde Vorgelegen hat. Der Verfasser hat sich in der vorhandenen, zerstreute« Literatur gut umgesehen und weiß uns von den Anfängen der Gemeinde durch ihre wechselvollen Gstttvicklungsstadien bis zu deren Blütezeit uns bis zu dem noch im selben Jahrhundert einsetzendmr . Verfall zu führen. Aus kleinen Anfängen und unter "großen Schwierigkeiten entstand und entwickle sich die später zu großer Bedeutung gelangte portugiesische Gemeinde zu Amsterdam. In die Schuld an diesen Schwierigkeiten teilten sich die alte stiefmütterliche Heimat der Flüchtlinge und auch die holländischen Behörden, die sie zwar auf* nahmen, aber ihnen auch das Leben möglichst- *) Frankfurt a. M., I. Kauffmann, 1908. Preis 13 Rk.

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