Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1908)
- Date
- 1908-09-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 Nr. 87 Der Israelit. 10. September 1908 das muß entschieden bejaht werdensie haben somit ihren Zweck vollständig erfüllt. Auch sonst zeichnet sich die typographische Ausstattung des neuen Siddur recht vorteilhaft von der des alten aus, denn er enthält gleichmäßig schönen Druck. Die Wörter sind durch größere Zwischenräume getrennt und die Schrift ist dadurch leicht lesbar geworden. Von großem Werte für das sinngemäße Lesen und noch mehr für das Uebersetzen ist die in großem Ganzen recht gut durchgesührte Interpunktionüber Einzelheiten kann man auch hier geteilter Ansicht sein, besonders an jenen Stellen, wo die Uebersetzung Meinungsverschiedenheit aufweist. Die dem eigentlichen Siddur vorgedruckte systematische Gebetordnung hat sich ebenfalls für den größten Teil der Schulen als eine Notwendigkeit erwiesen. Der regelmäßige Besuch des Gotteshauses und die fromme Üebung in der Familie machten sie früher entbehrlich; da lernte man durch die Uebung, welche Gebetsstücke an den besonderen Tagen eingeschaltet und welche weggelassen wurdenheute ist eine kurzgefaßte Liturgie mit Freuden zu begrüßen, denn sie ist für die Schule leider unentbehrlich. Wünschenswert wäre es allerdings gewesen, wenn die auf jedes Gebetsstück bezüglichen nochmals an der betreffenden Stelle. wiederholt wären, also bei )ttnn, mHD*? usw., da das betende Publikum wohl nur in den seltensten Fällen in der Gebetordnung nachschlägt, um sich zu orientieren. Als einen Rückschritt muß man es aber bezeichnen, daß in dem neuen Siddur recht wichtige wZ'N ohne jeden erkennbaren Grund weggelassen worden sind. Ich nenne hier nur die über “HD rv^ön -hd ,nnn» W d1? f'Vfin nmm, die wichtigen Vorschriften vor über die Reihenfolge der Gebete beim Zuspätekommen, die über ''Ttton ■jvin nbsn, über n*?n u. a. tu. Ich hätte es gerade für uitsere Zeit als notwendig und nützlich erachtet, wenn die crm eine Vermehrung erfahren hätten, sodaß bei nsun mo kurz angegeben wäre, wo die Lichter stehen, wann und in welcher Reihenfolge sie angezündet werden müffen, daß man keinen Genuß an den Lichtern haben darf usw. Bei pVsn no vermisse ich besonders eine kurzgefaßte Belehrung über die richtige Beschaffenheit und das ordnungsgemäße Anlegen derselben. Wie viele t=5’'V)p*?p würden dadurch vermieden! Man sage nicht, daß diese Dinge in den Religionsunterricht und nicht in den Siddur gehörendann ist auch die Gebetordnung überflüssig. Dem Lehrer bleibt noch ein gehäuftes Maß an Arbeitdas Lehrbuch soll sie aber kräftig unterstützen. Das Kind soll ein wirklicher “ihd werden! Und unsere Tefillah ist ja nicht für dieses allein berechnet. Sie soll ja auch den Erwachsenen dienen und sie ist dasjenige jüdische Buch, das ihnen am häufigsten in die Hand kommtje mehr religiöse Belehrung sie darin finden, desto besser. Vielleicht macht der „Bund" seinen Einfluß dahin geltend, daß der alte Siddur nach dieser Richtung hin ergänzt wird, da Herr Levy kaum geneigt sein wird, unseren Wünschen entgegenzukommen. Die Einfügung des Minchah- und Maariwgebets, sowie das Aus- und Einheben am Sabbath-Nachmittag wird von den Kollegen sehr verschieden beurteilt. Sehr natürlichin frommen Gemeinden und für Kinder gesetzestreuer Eltern ist sie entbehrlichfür Schüler, die selten zur Synagoge kommen, ist sie fast notwendig. Wir haben in Deutschland mit so grundverschiedenen Schulverhältniffen zu rechnen, daß ein Buch nur in den seltensten Fällen allen Ansprüchen gerecht werden kann. Von den kleineren noch zahlreichen Verbesserungen kann ich hier füglich absehen, aber ich will nicht vergessen, darauf hinzuweisen, daß die 2. Auflage durch Aufnahme der schönsten nrvDr rairV und einiger Piutim, die man auch in der Religionsschule übersetzen lassen kann, nicht unbedeutend gewonnen hat. An Handlichkeit hat zwar der neue Siddur eingebüßt, aber das war unvermeidlich- Trotz der obigen Ausstellungen kann man Levy die Anerkennung nicht versagen, daß er hier mit großem Fleiß und dem richtigen Verständnis für die Bedürfnisse der Schule gearbeitet hat. Zm preußischen Uolksschulrechf. Zu der Besprechung des Buches: „Die Rechtsstellung der Juden mt preußischen Volksschulrecht" von Dr. Jsmar Freund erlaube ich mir zu bemerken, baß ein speziell für die Provinz Hannover erlassenes Gesetz in dem Buche fehlt. Seite 135 und S. 355 ist unter „Schulpflichtiges Alter" noch die Bestimmung der Schulordnung vom 5. Februar 1854 aufgejührt, nach welcher das schulpflichtige Alter „mit dem zurückgelegten vierzehnten Lebensjahre endet." Da diese Bestimmung, so lange sie zu Recht bestand, von den meisten Eltern genau wörtlich genommen wurde, blieben die Schüler nach Vollendung des 14. Lebensjahres der Schule einfach fern, ohne den Schluß des Schulhalbjahres abzuwarten, was zu mancherlei Unzuträglichkeiten führte. Deshalb ist durch Gesetz vom 2. Januar 1905 (Gesetzessammlung S. 1) bestimmt worden: Kinder, deren Schulpflicht nach den betreffenden Bestimmungen mit der Vollendung des 14. Lebensjahres im Laufe des Schuljahres enden würde, find verpflichtet, den Schulbesuch bis zu dem nächsten allgemeinen Schulentlaffungstermine fortzusetzen. Diese Anordnung gilt auch für jüdische Kinder " A. Gottschalk-Esens. ver €nkel. Erzählung von Friedrich Roll. (Schluß.) 'euilleton. „Also geben Sie her." Er nahm den Brief und las: „Teurer Edwin, geliebter Sohn in Christo! Mit blutendem Herzen ergreife ich die Feder, um Ihr Schreiben zu beantworten. Ihr Schreiben? — Nun ja freilich, geschrieben haben Sie die Zeilen, die Sie mir gesandt, aber gedacht haben Sie die Worte nicht, die Sie geschrieben haben, unmöglich! Denn aus den Worten, die Sie geschrieben, spricht der Antichrist, nicht aber mein edler hochherziger Schüler, der begeistert ist von allem Hehren und Reinen, vor allem von den einzig dastehenden Lehren der Religion der Liebe. Daß dieselben, wie man Sie glauben machen will, in den Lehren des Alten Testaments begründet wären, ist Lüge. Das Alte Testament kennt die Liebe mit Nichten, kennt nicht den Gott der Liebe und die heiligen Lehren der Liebe — kennt nur den eifersüchtigen Gott, den Gott der Rache, vor dessen Grimm die ganze Welt erzittert. Die Stellen, die Sie mir angeführt haben, die hat der Antichrist hinein gelogen. Sie, geliebter Sohn, mit Ihrem unschuldsvollen, harmlosen Sinn, sind ja so leicht zu täuschen, und überdies, ich habe das schon einmal erwähnt, die heilige Schrift ist nicht für Laien geschrieben, geschweige denn für Knaben. Ihre kindliche Fassungskraft ist noch nicht fähig, die Wahrheit von der Lüge, das Gute vom Bösen, das Rechte vom Unrechten zu unterscheiden, das müffen Sie denen überlassen, die durch die Gnade des Himmels bestellt worden sind über das Heil Ihrer Seele zu wachen. Sie dürfen nicht grübeln und mäkeln an eines Priesters Wort! — Armer, unglücklicher Knabe, der bereits durchdrungen war von den heiligen Lehren unserer heiligen Religion, und doch nun wieder schwankt, wie das Schilf am Meere, das jeder Luftzug leicht bewegt, denn schwere Prüfungen sind Ihnen auferlegt. Doch wollen wir deshalb nicht verzagen, auch unserem Herrn trat der Versucher wiederholt entgegen. — Ich aber bleibe stützend Ihnen zur Seite und kraft meines priesterlichen Amtes befehle ich Ihnen vor allem, sich loszusagen von dem Versucher, der in Gestalt Ihres Lehrers Ihnen entgegentritt, um mit fernem Gisthauch Ihr weiches argloses Herz zu vergiften, sprechen Sie zu ihm wie der Herr zu dem Versucher einst gesprochen: Hebe dich hinweg von mir, Satan! — Nur Mut, geliebter Sohn, nur Mut! Auch Ihrem Großvater gegenüber dürfen Sie es an Mut nicht fehlen lassen, sind . Sie auch noch jung, so sind Sie doch kein Kind mehr, das willenlos mit sich spielen läßt. Frei und offen müssen Sie Ihrem Großvater, wenn er auch Ihr Vormund ist, erklären, daß Sie Ihr Seelenheil nicht verschachern lassen, daß Sie den Ihnen gestellten Lehrer fliehen werden, wie man ben Pestkranken flieht, daß 'feit sich jedoch nicht zurückhalten laffen werden, Ihren kindlichen Pflichten zu genügen und mit Ihren Eltern zu verkehren. Fürchten Sie nicht, eine Wicht zu verletzen, wenn Sie in dieser Weise Ihrem Vormund gegenüber auftreten, das Heil Ihrer Seele steht höher als der Gehorsam gegen den Vormund, höher auch steht der Gehorsam, den Sie Ihren Eltern schulden, und daß der Mann, der der Gatte Ihrer Mutter wird, Ihr Vater wird, dem Sie Ehrfurcht schulden, das dürfen Sie nie vergessen. Geliebter Sohn, ich hätte Ihnen noch gar Vieles zu sagen, Sie vor gar Bielen zu warnen, denn ich weiß, Sie sind von mannigfachen Gefahren umgeben. Aber leider! leider! ich kann nicht bei Ihnen sein und das geschriebene Wort hat keinen Klang, kann nicht einmal verhallen, darum kann ich Ihnen nicht dringend genug empfehlen, suchen Sie so viel als möglich jene herrliche Frau auf, die Sie das Glück haben, Mutter nennen zu dürfen. Sie allein meint es aufrichtig mit Ihnen und ist ängstlich besorgt für Ihr ewiges Heil; was sie Ihnen rät, das dürfen Sie blindlings tun. Ich weiß allerdings, daß es Ihnen nicht leicht werden wird, diesen meinen Rat zu befolgen, denn Ihr Vormund haßt Ihre Mutter, weil er ein verstockter Jude ist und sie entschlossen ist, die Religion der Liebe zu ihrer Religion zu machen. Darum dürfen Sie auch unbedenklich alle möglichen Ausreden ersinnen, um den Verkehr mit Ihrer Mutter ihm zu verheimlichen. Ob Ihre Ausreden der Wahrheit entsprechen oder nicht — der Zweck heiligt die Mittel. Nur vor den Judsn nehmen Sie sich in Acht! — das kann ich Ihnen nicht oft genug wiederholen, Sie haben keinen Begriff, welcher Niedertracht diese Menschen fähig sind. Denken Sie sich: Wie Sie wissen, oder vielleicht auch nicht wissen, hat Ihre edle Mutter, in begreiflicher Sorge für das Seelenheil ihres Kindes, dasselbe meiner Obhut übergeben und mich gebeten, die Lehren der Wahrheit und der Liebe in sein schuldloses Herz zu pflanzen. Daß ich meine Zusage nach dieser Richtung gehalten habe, das werden Sie selbst mir bezeugen müffen. Kaum hatten jedoch Ihre Angehörigen, Ihre Großeltern väterlicherseits und der Vater Ihrer Mutter von dem edlen Vorgehen Ihrer Mutter Kenntnis erhalten, als sie alle Hebel in Bewegung setzten, dasselbe zu vereiteln. Alle Behörden haben sie angerusen, zahlreiche Detektives in Bewegung gesetzt, doch vergebens — Gott war mit der gerechten Sache. Endlich hat Ihr Großvater mütterlicherseits einen wahrhaft teuflischen Plan ausgeheckt. Die Nachricht von seinem eigenen Tode hat er in alle vier Weltgegenden aussprengen lassen und gleichzeitig das Gerücht, daß otttet ' 3 einer tim ji Schri bei dl sin um sie in Peuta seiner selbe vicnh großei und i) dem 2 Tugen als L Gesetz, Lauf I U predig icliuni Teil <5 nomm ^Vatei Totzes. U rÄc UL euch t