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Der Israelit · 1908-09-10 · Heft 37 (10.9.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 37 (10.9.1908)
Date
1908-09-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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10. September 1908. Der JSraeltt. Nr. 37. Seite 7. die Gäste begrüßt hatte. Dr. Kahn wies darauf hin, daß, «ährend in den zahlreichen Pracht- und Monumentalbauten, durch die sich die herrlich emporblühende Stadt auszeichnete, überall Pflegstätten einer hohen geistigen Kultur und reicher/ verfeinerter Lebensgenüsse sich bemerklich machen, sei hier in einem Garten, abseits des Hastens und Treibens der Großstadt ein kleinerer Bau entstanden, der nichtsdestoweniger eine ebenso - hohe Bedeutung und einen unentbehrlichen Zweck für das menschliche Gemüt hat. Wie anziehend auch die Bilder seien, die sich auf Straßen und Plätzen der Großstadt entwickeln, es kommen für jeden Menschen Stunden, in denen er sich naöh einer stillen Stätte sehnt. Das Schicksal wirst seine Würfel und ernste Zeiten kommen, wo nicht der geistige Genuß mehr befriedigt, sondern das betrübte Herz Trost, das gebeugte Gemüt innere Erhebung sucht, die verzweifelte Seele nach Hoffnung ringt. Da solle dieses Haus den vom Lebensleiden Getroffenen eine Z-nstuchtstätte werden. Aber nicht nur eine Stätte des Trostes, sondern auch der Erbauung der im Glücke Jauchzenden / eine Stätte, in der die Versittlichung durch die Macht des Glaubens und der Religion, durch das ewige lebendige Wort der Thora gepflegt werde. Herr Rabbiner Dr. Cohn, der das ewige Licht entzündete, hob in sinniger Meise hervor, welche große Bedeutung das Licht in Israel zu allen Zeiten und bei allen Anlässen habe. Der Einzug der Geladenen unter Führung des Vorstandes zu den Ehrensitzen, der Umzug mit den Thorarollen machte einen tiefen Eindruck, der noch verstärkt wurde, durch den wirkungsvollen Gesang eines vorzüglichen Männerchors. Ein von Herrn Richard Cohn gesprochener Prolog und das Schlußgedicht eines Schülers, in denen auch des Heimgegangenen Gründers der Synagoge gedacht wurden, gingen der Fesipredigt des Herrn Dr. Hildesheimer voraus. Diese Predigt meisterhaft durchdacht, klang aus in dem Wunsche, daß das reine Gotteswort alle Zeiten hindurch in dem neuen Gotteshaus die Andächtigen erfüllen möge. Ein machtvoll klingendes Hallelujah schloß die erhebende Feier. Die neue Synagoge umfaßt 800 Sitze, die nötigenfalls noch vermehrt werden können, liegt in einem schönen Garten und macht einen vorzüglichen Eindruck auf den Beschauer. Es erfüllt ein Bedürfnis in der gerade in jener Gegend von Juden viel bewohnten Bismarckstraße, die in nicht allzulanger Zeit sicher die vornehmste Verkehrsstraße Charlottenbnrgs werden wird. Und nicht zuletzt wohnt in der Umgebung der neuen Synagoge ein nicht geringer Teil der steuerkräftigsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde Berlins. Die Tagung des bäuerlichen bandesöereins. Nürnberg, 9. Sept. Wir erfahren soeben über den Verlauf der Landesvereinstagung, daß die Revisionsfreunde fast auf der ganzen Linie gesiegt haben. Ueber die prinzipielle Frage der Revisionsnotwendigkeit gab es eine Debatte nicht mehr. Die Gegensätze, welche am 28. Mai in so heftiger Weise zum Ausdruck gelangten, wurden dadurch ausgeglichen, daß nach Antrag von Justizrat Dr. Held, Nürnberg, eine fünfgliederige Kommission eingesetzt wurde, bestehend aus den Herren Rabbinern von Fürth und Ansbach, aus den beiden Antragstellern (Ofner und Fränkel), sowie aus dem Initiator des Vermittlungsvorschlags Held. Dieser Kommission wurde ein ausreichender Kredit eingeräumt, damit sie mit möglichster Beschleunigung ihre Arbeiten beginnen kann. Indem wir uns eine eingehende Darstellung und Würdigung der gestrigen Sitzung, ^welche trotz ihres ruhigeren Verlaufes pikanter Einzelnheiten nicht entbehrte, für eine nächste Nummer Vorbehalten, möchten wir schon heute das Eine feststellen, daß ziemlich deutliche Spuren centripetaler Bestrebungen zu Tage treten. Wir können die Empfindung nicht unterdrücken, daß die Revisionsfreunde mit ihrem Optimismus diesen Faktor nicht genügend in Rechnung gestellt haben. Ein minder erfreuliches Schicksal erfuhr die Denkschrift für Besserstellung des Religionslehrerstandes. Hier wurde ein ziemlich greifbares Resultat blos hinsichtlich der Umwandlung von 6 Elementarverweserftellen in definitive Stellen erzielt. Im Uebrigen ertönte ein ziemlich trostloses: Non possanms. An gutgemeinten Ratschlägen fehlte es nicht, aber mit erschreckender Deutlichkeit ergab sich Klarheit darüber, daß die meisten Großgemeinden für die Dingfelderscken Vorschläge nicht zu gewinnen sein werden. Möge die Kommission, welcher schließlich die weitere Behandlung der Angelegenheit überantwortet wurde, vielleicht doch noch einen gangbaren Weg finden, welcher mehr als platonische Liebe für diesen furchtbaren Notstand bekundet. Königsberg in Pr., 29. Aug. Unter den Gewaltakten des Russischen Verbandes und seinen Bestrebungen den ökonomischen Ruin der Juden in Rußland mit allen denkbaren Mitteln herbeizuführen, leidet auch der hiesige Getreidemarkt. Aus dem Exportzentrum Kirssanow im Gouvernement Tambow wurden bisher jeden Herbst größere Hülsenfruchttransporte bezogen. Diesmal sandten die jüdischen Exporteure trotz der reichen Ernte statt der Ware bittere Klagen über Machenschaften der Schwarzen Hundert, die den legitimen Handel dieser Kaufleute durch fast teuflische politische Denunziationen völlig lahmgelegt Haien — zum Besten ihres eigenen Geldbeutels. Die echt russischen Leute gehen so zu Werke, daß sie die bösartigsten Denunziationen gegen die jüdischen Kommissionäre loslassen. Diese werden verhaftet. Dadurch sind sie gezwungen, Ware, welche sie zu teueren Preisen früher abgeschlossen haben, trotz erheblicher Qualitätsmangel, zu vollen Preisen mit größtem Verlust abzunehmen. Die Verbändler aber treten auf dem infolge überaus starken Angebots flau gewordenen Markt als Käufer auf. Sie senden dann ihrerseits die billig erworbene Ware mit großem Gewinn ins Ausland. Das Verfahren ist höchst einfach: Die dem Verband gehorchende Polizei zitiert die jüdischen Kaufleute ins Polizeibureau, wo sie. während der ganzen Marktzeit festgehalten werden, um dann mit der Erklärung entlasten zu werden, man würde sie zu geeigneter Zeit wiederum vorladen. Ein besonders krasser Fall ist folgender: Sechs jüdische Kommissionäre wurden als angebliche Verschwörer ins Gefängnis geworfen, wo sie einige Wochen verbleiben mußten, um bann den Ausweisungsbefehl aus dem ganzen Tambower Gouvernement zu erhalten. Trotz dieser Zustände ist es den Verdächtigten bei ihrer traurigen Lage unmöglich, Kirssanow zu verlassen, da sie als vermeintliche Revolutionäre nirgendwo Aufenthalt und Existenzmöglichkeit finden werden. Das ist die neueste Form der Pogroms, mit welcher der von der Peterhofer Sonne beschienene Verband jetzt seine echt russischen Zwecke verfolgt und auch erreicht. Straßburg, 3. September. Das neugewählte Konsistorium ist gestern zum ersten Male zusammengetteten. Die Wahl des Vorstandes mußte, da die Mitglieder noch nicht vollzählig im Amte sind, verschoben werden. Der Vorsitz wurde vorläufig Herrn Oberrabbiner Dr. Ury übertragen. Herr A. Durtach beantragte, die Einführung der beschränkten Oeffentlichkeit bei den Verhandlungen. Es sollen jeweils nur 10 Eintrittskarten ausgegeben werden, außerdem Vertreter der Jüdischen Presse zugelassen werden. Der Antrag soll auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Die Wahl der Herren Isidor Genzbourger, Dr. Gerhard Schmoll, Aron Durlach und Julius Klein zu weltlichen Mitgliedern des Konsistoriums ist von der Oberbehörde bestätigt worden. Ueber die Wahl der Herren Stein und Kaufmann, gegen welche Einspruch erhoben wurde, wird dieser Tage vom Kaiserlichen Rat entschieden werden. Unsre Stadt steht in Zeichen der Festlichkeiten aus Anlaß der Anwesenheit S- M. d. Kaisers, an denen auch die jüdische Bevölkerung regen Anteil nimmt. Es berührt hier sehr angenehm, daß mit den Vertretern der anderen Konfessionen auch Oberrabbiner Ury sich unter den geladenen Gästen des Kaisers befand und wiederholt auch von S. M. ins Gespräch gezogen wurde. Dem Oberrabbiner war Gelegenheit geboten, über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Elsaß-Lothringen, für die der Kaiser reges Interesse zeigte, Auskunft zu geben. Unter denen, welchen bei dieser Gelegenheit vom Kaiser Ehrungen zuteil wurden, gehört auch der Geh. Medicinalrat Dr. Alexander Levy aus Hagenau, der sich als Arzt der K. Knabenerziehungs - und Besserungs - Anstalt große Verdienste erworben hat. Ihm wurde vom Kaiser der Rote Adlerorden IV. Klasse verliehen. Die Einweihung des Israelitischen Museums in Straßburg findet Mittwoch, den 9. September, nachmittags 11 Uhr, statt. Tas Israelitische Museum ist ein Teil des Elsässischen Museums, bestimmt zur Ansammlung wertvoller hebräischer Handschriften, Bücher, Dokumente, sowie altertümlicher jüdischer Kultusgegenstände. Die Gründung dieses Unternehmens ist zurückzuführen auf die Bestrebungen der Gesellschaft für die GeschichtederJsraeliten in Elsaß-Lothringen. Bielefeld, 30 September. Das bekannte, vom hiesigen Magistrate erlaffene Schächtverbot war am 25. August Gegenstand einer Verhandlung des Schöffengerichts Hierselbst. Angeklagt waren auch mehrere Fleischermeister, die ohne Rücksicht auf das polizeiliche Verbot durch den Schächter die Schlachtung nach jüdischem Ritus fortsetzen ließen. Die prinzipielle Seite der Sache, nämlich die Frage, ob gegenüber den Anordnungen der Ministerialinstanz ein polizeiliches Verbot für einzelne Landesteile giltig erlassen werden kann, kam nicht zur Entscheidung. Das Schöffengericht stellte nämlich fest, daß die polizeiliche Verordnung nicht ordnungsmäßig bekannt gemacht war und gelangte deshalb zur Freisprechung. IQeftevvei Die jiddifdie Sprachhonferen? Czernowitz, 31. August. Gestern wurde im Musikvereinssaale der jüdisch-deutsche Sprachkongreß eröffnet. Bis jetzt sind ungefähr 50 Teilnehmer aus allen Weltteilen, zumeist aber aus Rußland erschienen. Man bemerkt unter den Anwesenden auch einige gefeierte jüdisch-deutsche Schriftsteller und Dichter, wie I. L. Peretz, Asch, Reisen, u. v. m. Der sehnlich erwartete Dichter M. Rosenfeld ist bis jetzt nicht erschienen, doch wird feine Ankunft am Mittwoch mit Sicherheit erwartet. Punkt 10 Uhr eröffnete Herr Dr. Birnbaum die Versammlung. Der Redner beklagt, daß von allen Seiten, und nicht am wenigsten auch von den intelligenten Kreisen, dem jüdischen Idiom eine Anthipatie entgegengebracht wird. Die jiddische Sprache, meinte er, habe ohne sich vom Hasse und vom Spotte beirren zu lassen, ihren Weg zielbewußt fortgesetzt. Er feierte die Entwicklung der jüdisch-deutschen Literatur als ein Erwachen des jüdischen Geistes zu einem neuen Leben der Kraft und Schönheit und schloß mit Dankesworten an die Veranstalter des Kom gresses. Herr I. L. Peretz, der nun unter minutenlangen stürmischen Ovationen die Rednerbühne betrat, hob ganz besonders die politischen und sozialen Momente, welche die Veranstaltung der Konferenz hervorgerufen haben, hervor. Als die wichttgsten Momente der neuen literarischen Bewegung erscheinen ihm die Demokratisierung des Volkes, dieBefreiung der jüdischen Frau und das Erwachen des jüdischen Proletariates. Der Redner betonte noch, daß die Konferenz keinerlei Demonstrationszwecke verfolge, sondern lediglich die Schriftsteller zur gemeinsamen Beratung vereinigen möchte, um die Bedingungen für eine

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