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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
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Seite 18/ Nr. 36. Der JSraeUr. Z.Septewöer MM den Empörer, der schon über das ganze Volk gebietet, im nächsten Moment dem Untergang zu weihen. Eine mnntrn vor Gott eine ernste Ueberantwortung unseres ganzen äußeren Daseins an Gott mm! — und siehe bal — intop1? 'Bnn da erscheint die Hilfe. Man braucht nur D1K reiner Mensch zu sein, wollen, und die nD"TK> bietet sich uns in den Menschen dar, um unser reines Streben segensreich entfalten zu können. Auch der Mensch ist *pH, in hohem Maße "p“i der Weg, den die Geschichte nimmt. Ist die Erde der Bühne Bretter, so stellen, die Menschen die lebenden Bilder der Geschichte dar. Ueber ihre Köpfe hinweg schreitet sie dahin oder wählt die zu ihren Trägern, die sich ihr als Werkzeug willig hin^eben. An diesen Zusammenhang schließt sich dann unmittelbar die Frage pmo rmnn p .-,Vv? Kann diese Frage etwas anderes heißen, als: wo ist Moschehs einziges Wirken sür die All Menschheit, schon in der Geschichte der Menschheit gleichwertig zu finden? Und die Antwort lautet: Die Warnung, welche an die Menschheit erging, daß sie nur noch 120 Jahre besteben soll, ist geeignet, auf Herz und Geist der Menscken einen so machtvollen Einfluß zu üben, wie ihn das Leben Moschehs, das 120 Jahre währte, zu verzeichnen hat. Der Zahlenwert des Wortes Q3W3 ist gleich dem des Namens ,"wO(Raschi). Das Schlechte kommt an ethischem Werte dem Guten gleich. Das Schlechte muß vorhanden sein, damit der Begriff des Guten existieren kann: wie kein Licht empfunden würde, gäbe es keine Dunkelheit, und das Leben keinen Wert besäße, gäbe es keinen Tod. Zugleich aber lehrt die Besiegbarkeit des Schlechten und die Unüberwindlichkeit des Guten, beides nicht zu verwechseln und im Schlechten und seinen Folgen nur die negative Warnung vor ihm und die ernste Mahnung zum positiven Guten mit seinem Segen zu erblicken. Der Materialismus, ÜW2, in welchem TTn ]W «S das Geistige versinn licht wird, geht zu Grunde, und der Idealismus wie ntPD ihn imLeben undWirken verkörpert, bleibt Sieger. Ist das nicht der yn der immer wieder und wieder sich offenbarende Weg der Geschichte des Menschen? Der pnst>er dem Prinzip des Guten und dessen Vertretern feindliche Haman wächst und erstarkt, wenn die Reinheit des Guten getrübt wird, und die Schlangenweisheit der Nacktheit das Nützliche und Schöne als einzige Frucht der Erkenntnis begehrt. Ist das nicht noch stets in der Menschengeschichte und besonders in Israels Geschlechterreihe der -pH der Weg des Geschickes gewesen? In solchen Zeiten bleibt sich das Geschlecht, das sich eigene Wege schuf und eigene Bahnen wandelte, selbst überlasten, damit es erfahre, wohin es steuere. „Gott wendet sein Antlitz ab" und Angst und Schrecken, wie in Esthers Zeiten, rütteln es immer erst aus seinem Wahne arff. Dann erzeugt die Not der Zeiten Persönlichkeiten, die vor den Thronen der Mächtigen der Erde die Sache des sich auf sich selbst besinnenden Volkes mit Erfolg führen. Dann feiert die Freiheit ihre Triumphe, die allein das Gesetz *u spenden vermag und wieder Duft der reinen Myrrhe im Salböl des Heiligtums das Liebliche zum Guten fügte, so verleiht das Pflichtbewußtsein des jüdischen Volkes s^em sittlichen Gottesheiligtum der Menschheit die ewige Weihe geben zu müssen, ihm Werbekraft wie in Mordechais Tagen. Jft's nicht der TH der Weg der Geschichte? Stellt nicht so ein Vogelnest die Geschichte im Kleinen dar? Wie Gott die Welt beherrscht, also ist von Ihm der Mensch zum Beherrscher der Tiere bestimmt 1. B. M. 1,28. Auch über den Vogel des Himmels soll er herrschen. Und TD2 insbesondere, der reine Vogel, ist das häufige Bild des reinen Menschen. Nach Freiheit strebt der Vogel, der auch den Raum beherrscht, der dem Menschen (ohne Kunst anzuwenden), nicht zum Boden seines Daseins gegeben ward. Das Gesetz spricht von einem Nest, das nicht ,/n des Menschen Hand" sich befindet. Der Vogel möchte sich dort sein Nest bauen, wo es ihm beliebt. Er will frei sein. Sich seine Zukunft bilden und erziehen wo und wie es ihm beliebt. Die Muttertätigkeit die ganze Arbeit der Geschichte. Ein Geschlecht will sich im Folgenden verewigen. Und wenn auch unsichtbar, ein Fortschritt der Geschichte in jedem Geschlecht zur Endentwicklung hin. Der Fehler der alten Zeit soll schwinden, und vollkommener soll die neue sich erheben. Jft's nicht, der *]*n, den die Geschichte gehen soll und geht? So erblickst Du ein Vogelnest aus dem freien Weg oder doch in freier, unabhängiger Tätigkeit, so denke an dich, Mensch und an die Menschheit. Schicke frei das Muttertier und die Jungen nimm Dir. Pflege sie, sie zu fördern und sie groß zu ziehen zu der Aufgabe, die die Natur ihnen zugewiesen. Tue es mit dem Gedanken an Dich. Mit freiem Willen und dem Willen zur Freiheit bist ja auch Du begabt. Sollst, kannst reiner Mensch sein. Sollst Freiheit nur im Gesetz erkennen. Sollst deines Schöpfers und Eigener und Meines dir gegebenen Geetzes nicht vergessen. Sollst jedes neue Geschlecht mmer näher seiner, deiner Aufgabe bringen, ollft den TH der Geschichte nicht aus dem Auge verlieren, den Blick auf die Gesamtheit gerichtet halten. Drum sollst Du das Muttertier ich selbst überlasten und die Jungen zur Pflege Dir nehmen, damit im symbolischen Hinblick auf das Himmelsgeschlecht des Vogels, Du Deine Bestimmung erkennest, Deine Pflichten anerkennest, Deine Jugend dem Ideale des Endzieles zu erziehen, sodaß es Dtp gut gehe und D u lange lebest. Rosa, Arnold Johnsen, sehr viel verkehrt. Der junge Mann m ichte mir gleich einen angenehmen Eindruck, er ist stets sehr freundlich gegen mich und hat nach im Anfang über manche gesellschaftliche Klippe hinweggelotst. Er ist beim Onkel im Geschäft und arbeitet am Schabbos, was aber seine fromme Mutter nicht weiß. Sein Vater, Tantes Bruder, ist früh gestorbener bekleidete eine Professur an einer süddeutschen Universität und lebte auch als Judewie es scheint, aber nur äußerlich. Nun saß ich neulich lesend im Wohnzimmer, das vom Damenzimmer nur durch Portiere getrennt ist. Auf einmal höre ich Tante Rosa zum Onkel sagen: „Nun, unser Wunsch bezüglich einer Verbindung zwischen Klara und Arnold scheint sich zu verwirklichen, Arnold ist ganz entzückt von dem frischen anmutigen Mädchen." „So," brummte Onkel Karl, „ob Klara auch Neigung hat, weißt Du doch nicht!" „Warum nicht? Es ist ein hübscher, angenehmer Mensch, der wohl an jeder Tür anklopfen darf, da wird so ein junges Ding sich licht lange, besinnen." Ich wollte nicht lauschen and entfernte mich, ohne daß Onkel und Tante rtwas merkten. Aber der Gedanke verläßt mich licht. Was soll ich es Dir, meinem befleren Ich, läugnen: der junge Mann war mir vom .rsten Tage an nicht gleichgiltig. Aber er ist mechallel Schabbos. Damit ist wohl alles erledigt. Schreibe mir umgehend Deine Ansicht. Deine Klara. Meine beste Recha! Dieser Brief war echt Recha in seiner Mischung von Ernst und Humor. Dein leises Erstaunen, daß ich erst noch eine Ansicht hören will, ob man einen Mechallel Schabbos heiraten kann, beschämte mich tief. Inzwischen hat sich die Angelegenheit etwas verändert. Du kannst Dir denken, daß ich an dem Tage etwas versonnen war. Am anderen Morgen beim Spaziergang fragte der Onkel nach dem Grunde. Ich bekannte ehrlich, was ich wider Willen erlauscht hatte. „Nun," fragte Onkel Karl, „was meinst Du dazu, hast Du Neigung Arnold Johnsens Frau zu werden?" „Onkel, er ist mechallel Schabbos," war meine Antwort. „Dieser Grund könnte leichthin beseitigt werden. Ich beabsichtige Arnold das Geschäft zu übergeben, er wollte ohnehin einen christlichen Kompagnon nehmen und wird Dir zuliebe gern am Schabbos feiernich weiß, daß er Dich gern hat." „Laß es mich mit meinen Eltern überlegen, ich bin ja noch so jung." „Ist recht, Kind," nickte der Onkel. Ich war noch nicht lange zu Hause, da kommt auf einmal Tante Rosa auf mein Noch einmal die KonkurrenzWaitsei. Wenn über einen Gedanken diskutiert wird, dann hat seine Aeußerung schon einen großen Zweck erreicht. Wir möchten zunächst, bevor wir mit wenig Worten noch auf die wertvollen Ausführungen des gewiß zur Beurteilung der Sache berufenen Herrn Moritz A. Loeb«Frankfurt am Main in Nr. 33 des „Israelit" zurückkommen, ein Telegramm der Kölnischen Zeitung wiedergebcn: Berlin, 22. Aug. Anscheinend ist — so schreibt die Soziale Praxis — jetzt die Grundlage gssltiism. auf der in eine gesetzliche Regelung der Konkurrenzklausel eingetreten werden soll. Durch d'e in vielen Verträgen enthaltene Bestimmung, daß die Angestellten in Handelsgeschäften oder Fabrikbetriebrv aurck zumeist hohe Konventionalstrafen verhindert werden, in Konkurrenzgeschäften Stellung zu nehmen, fühlen sich die Angestellten bedroht und benachteiligt. Sie sind darum in eine Bewegung eingetretcn, um die vielfach zu harte und zu drückende Anwendung der Konkurrenzklausel einzuschränken. Zur Herstellung einer Grundlage sür die gesetzliche Regelung dieser Frage sind bei den Handelskammern und in der Handelswelt überhaupt Erhebungen veranstaltet worden, deren Ergebnis nunmehr vorliegt. Demnach soll die Konkurrenz klansel für die Angestellten, die weniger als 3000 Mk. Jahreseinkommen haben, ungültig sein: ferner soll die Konkurrenzklausel überhaupt niemals länger als sür die Tauer eines Jahres gelten und endlich soll die Höhe der Konventionalstrafe niemals die Hälfte des Jahreseinkommens überschreiten. Lehrlinge dürfen dem Konkurrenzverbot selbstverständlich nicht unterworfen werden. Vorgeschlagen ist noch, daß der Prinziprl nur dann berechtigt sein sott, aus der Konkurrenzklausel Ansprüche herznleitrn, wenn ihm nachweisbar durch den Angestellten, der das Konkurrenzverbot mißachtet hat Schaden zugesügt worden ist. Diese Bestimmung aber würde die ganze Konlnrrenzklausel hinfällig machen. Darnach können wir ja ruhig abwartcn. Wir wollen dem hoffentlich sterbenden Löwen keinen Fußtritt mehr versetzen. Es ist zwar schade, daß „unsere Befreiung und Errettung" immer „von anderer Seite kommen" muß. Wir möchten lieber, wir wünschen und müssen und wollen darnach streben, daß das Hinp' p'TC mit allem &uten bet Welt vo ranz u gehen, nicht nachzukommen unsere Devise bleibe. Das ist die G e s a A t a u s g a b e unseres Volkes, hinter der alle andern Gesichtspunkte für die Behandlung eines Gegenstandes zurückstehen müssen. Daß dieses p"ix alle unsere Maßnahmen zu durchdringen habe, ist ja in unserem Sinne in derselben Nummer des „Israelit" unter der Ueberschrift Zimmer. „Onkel Karl hat Dir von unserem Lieblingswunsch gesprochen. Dich mit Arnold verheiratet zu sehen, mein Kind. Ich glaube, eine Frau sieht schärfer als ein Mann, ich habe schon lange gemerkt, daß Du ihn gern hast. Du brauchst Dich dessen nicht zu schämen," setzte sie lächelnd hinzu, als ich rot wurde, „noch manches andere junge Mädchen teilt Deinen Geschmack. Soll ich ihm sägen, daß er mit Dir sprechen darf?" Tief erschrocken wehrte ich ab. „Laß es doch, bis meine Eltern sich dazu geäußert haben." „Nuu, wie Du willst," sagte die Tante etwas kühl. „Ueberlege. Aber nicht zu lange, und denke auch, welche Vorteile für Deine Geschwister daraus erwachsen, wenn Du in glänzende pekuniäre und soziale Verhältniffe kommst." Damit ging sie hinaus. Onkel Karl will selbst den Eltern schreiben, aber ich möchte auch Deine Auffassung hören. Ich habe ihn gern, und — was soll ich es leugnen — auch die äußeren Verhältnisse sind lockend, aber genügts, daß er mir zu Liebe Gottes Gebote halten will? Deine Klara. (Fortsetzung fl-lgt.)

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