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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
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4* Jahrgang M iS) üdxscbcr Volhsfreund monats-Beilage zum „Israeli!“ tcrantwortliebe Redaktion: Rabbitur Dl*» ß. Qlotf in Köln. Das Sesetr über üar.dogelnest. (Chulin 139 b.) Es i£t eine eigentümliche Aggadah, die wir da lesen, „Wo ist NVQ in der Thora angedeutet? 1. B. M. 6, 3 heißt es -W2 KTI D)V2. Wo ist schon in der Torah eine Anspielung auf Haman zu finden? In dem Ausdruck 1. B. M. 3, 11 i^yn jon. Wo wird Esther schon andeutungsweise erwähnt? 5. B. M. 31, 18 finden sich die.Worte "»TiDK inon TiNl. Und schließlich : wo begegnen wir Mordechai? 2. B- M. 30, 23 wird unter den für das Salböl des Heiligtums zur Verwendung kommenden Spezereien Tin-iß aufgeführt, das von dem Targum mit K^l KVö wiedergegeben wird. Die Fragen, die da aufgeworfen und die Antworten, die gegeben werden, sind so auffallend, daß man sofort erkennen muß, daß sie nicht wörtlich zu nehmen sind. Der Name Moscheh kommt oft genug in der Thora vor, als daß wir uns nach einem Anhaltspunkt in der Thora für die Geschichtlichkeit seiner Person erst umzusehen hätten. Es kann also der Sinn der Frage nicht der sein, welcher Stelle in der Thora wir die Gewißheit entlehnten, daß Moscheh gelebt hat,' und weder Haman noch Esther und Mordechai suchen wir in der Thorah, so daß wir uns Gewalt antun müßten, sie darin zu finden. Und warum gerade müssen wir uns nach diesen und nicht mit demselben Recht nach anderen nachmosaischen Personen in den Büchern Mosis Umsehen? Vielleicht wird die Aggadah dadurch verständlicher, daß wir sie im Zusammenhang mit ihrer Umgebung betrachten. Im Talmud z. St. wird das Gesetz?pn das Wegschicken der Vogelmutter erläutert, das 5. B. M. 22, 6 und 7 gegeben wird. Für das Gesetz scheint nun ein wesentlicher Punkt nach der Ansicht von 21 in dem Wort "pi zum Ausdruck zu kommen. Es stellt die Forderung, daß das Nest, auf welches das Gesetz Anwendung findet, sich nicht im Machtbereich des zur Ausführung des Gesetzes Verpflichteten befindet. Das Gesetz erstreckt sich nicht auf Haustiere, sondern auf solche zum Genuß erlaubten Vögel, die „vogelfrei" leben, aus der allgemeinen „Heerstaße" *]"H. Dieses Wort "pl selbst wird nun noch weiter definirt. Und diese nun folgenden näheren Bezeichnungen dessen, was unter *pn zu verstehen ist, fanden auch in Maimonides nö'ntE '^n Kap. 13 Aufnahme. Wir betonen, daß diese in enthaltenen Bestimmungen halachischer Natur sind/ wir betonen das deshalb, weil sieauch von Hirsch in der Darlegung der Bedeutung des Gesetzes nicht genügend berücksichtigt worden zu sein scheinen. Als 1">1 gilt nun z.B. auch das Meer. Als Beleg dafür wird Jesaias 43, 16 angeführt: *pi D'2 jman. Dagegen gilt der Luftraum — im Gegensatz zu den modernsten Bestrebungen — nicht als '■pn; denn der Luftraum wird wohl -wan *pi Spr. Salom. 30, 19 „Weg des Adlers", nicht aber „Weg" überhaupt genannt. Indes heißt wohl der Mensch “pl, sodaß, wenn der Mensch z. B. ein Vogelnest auf dem Kopf trüge, dieses Nest dem in Rede stehenden Gesetz unterliegen würde. II. Sam. 15, 32 heißt es nämlich lBMi nttlttl „Erde war auf seinem Kopfe." An jener Stelle wird geschildert, wie die Wogen der Empörung Absaloms gegen David gerade hochgingen und Absalom auf dem Höhepunkt seiner Erfolge stand, Feiriltetorr. €lne Berliner Reise. (Fortsetzung.) „Meine Recha! Was Du ein scharfes Auge hast! Mein Brief will Dir nicht gefallen, sagst Du, obgleich auch meine Eltern Dir nur von frohen Nachrichten von Berlin gesprochen haben. Nun, was soll ich es vor Dir verheimlichen, Du hast es ja gleich geahnt, daß mir mancherlei Enttäuschungen in Berlin erwachsen würden. Doch ich will nicht geheimnisvolle Andeutungen machen, sondern berichten. Onkel und Tante sind nach wie vor von der größten Liebe zu mir, sie suchen mir den Aufenthalt in ihrem Hause möglichst angenehm zu machen. Tante nennt mich ihr liebes Töchterchen und hat mir auch die Pflichten eines solchen übergeben/ allerdings in Butterbrötcben für das Frühstück zu streichen, Tee einem Service zu bereiten und ähnlichen schweren Dingen sind sie erschöpft. Doch nein, ich muß ihr zur Seite sein beim Empfang der Besuche/ überhaupt bei allen gesellschaftlichen Verpflichtungen. Das ist für mich nun nicht immer leicht, aber es geht doch schon besser als zuerst. Es kommt mir nur oft so zwecklos vor, daß da Menschen Stunden damit verbringen, um gleichgiltigen Menschen gleichgiltige Sachen zu sagen; es ist doch Müßiggang, aber so anstrengend, daß ich nachher ganz müde bin. Oft denke ich, möchten doch diese faulen Hände meiner Mutter die Strümpfe für die Kinder stopfen, daß das arme Mütterchen sich eher ein Stündchen Ruhe gönnen kann! Trotzdem sind die Damen oft nervös und abgehetzt, sie sind wirklich manchmal abgearbeitet von all den Besuchen, Besorgungen, Gesellschaften, Theater u. f. w. Dann müssen sie noch alle neuesten Bücher der Modeschriftsteller gelesen haben, und wenn der Roman noch so wertlos ist. Die Aermsten kommen den ganzen Tag nicht zu sich selbst. Aber sei ruhig, Onkel Karl schützt mich vor solcher Arbeit, „er wolle sein frisches Töchterchen nicht blutarm und hysterisch haben," erklärte er ganz energisch. Er läßt mich auch täglich in seinem Büro arbeiten, sein langjähriger Buchhalter weiht mich in die Geheimnisse der Buchführung ein/ ich habe viel Interesse und Freude an der Tätigkeit. Dann begleite ich ihn auf seinem Morgenspaziergang, den er sehr regelmäßig einhält. Dieses Stündchen bringt mir vielleicht mehr wirklichen Vorteil als alles andere, der Onkel versteht anschaulich zu schildern, er hat mit offenen Augen die Kulturentwicklung der letzten Jahrzehnte durchlebt. Aber wie einesteils meine Freude, ist dieses das ganze Volk war zu ihm übergegangen. „Dock mit des Geschickes Mächten ist kein ew'ger Bund zu flechten und das Unglück schreitet schnell." Als wollte der Name 'Dittn wn ben „schnellen Meilenschritt" andeuten, mit welchem das Verhängnis, Itfin als Werkzeug benutzend, Absalom ereilte. Mit zerrissenem Gewand ltwn 7J7 noiKl erwartet 'Ein David, der eben sich vor Gott niedergeworfen und damit sein ganzes Geschick Gott anheimgegeben hatte. Nicht isy ist die Erde genannt, die 'tEin sich auf das Haupt gestreut, nicht iStt wie es sonst der Trauernde zu tun pflegte. noiK ist hier als Bezeichnung gewählt. Dieser Ausdruck veranlaßt eben unsere Weisen, ihn zu betrachten und ihn im Geiste der Erzählung zu verstehen, in der er gebraucht wird. Durch den Rat, den 'Bin Absalom gibt, wird der teuflische Plan, den Achitophcl zur Vernichtung Davids geschmiedet hatte, vereitelt. David wird gerettet und bleibt Sieger, und Absalom, im Momente sich auf seiner Höhe und am Ziele seiner Wünsche wähnend, ist in Wahrheit schon vernichtet. Verläßt doch tatsächlich der kluge Achitophel, mit richtigem Blick die Zukunft erkennend, schon jetzt Absalom und nimmt sich das Leben, sobald er sieht, daß sein Rat nicht befolgt wird. Da meinen denn die Weisen mit Recht, der Mensch ist der Menschheitsboden. Wie die iiETlK dem diu vermählt ist als Stätte seiner Wirksamkeit, wie der Mensch dem Schoße der Erde seine Saat anvertraut und hofft, daß sie entkeimen werde, so ist der lebendige Boden des geschichtlichen Wirkens des Menschen der Mensch selbt. 'Bin stellt im Moment einen solchen wichtigen Teil der noitf dar. Seine unscheinbare, in Trauergewand gehüllte, verzweifelte Person, ist dazu berufen, den sich mächt ig fühlen ungestörte Zusammensein auch mein größter Kummer/ da sehe ich, wie wir durch Welten getrennt sind. Er scheint sich trotz aller äußeren Erfolge nicht befriedigt zu fühlen/ vielleicht bekümmert ihn seine Kinderlosigkeit. Neulich machte ich einmal eine Andeutung, da sagte er fast heftig: „Deine fromme Mutter sagt ja bei allem: „Garn su Ttauwo! (Auch so zum Guten.)" Diesmal stimme ich Posche mit ihr überein/ ich bin es wohl nicht wert." Ich wollte ihn abbringen von solchen Gedanken. „Laß gut sein, Kind/ ungestraft bleibt nicht das gewaltsame Losreißen von allem, was den Eltern heilig war." Er machte so ein finsteres Gesicht bei diesen Worten, daß ich nicht weiter davon zu sprechen wagte. Was mag ihn nur veranlaßt haben mit allem zu brechen, wenn es nicht sein Wunsch war? Der Gedanke will mir nicht aus dem Kopf. Hast Du vielleicht einmal etwas darüber gehört? Doch nun genug/ es ist fast Mitternacht, ich muß schließen. Schlaf wohl, meine Liebste. Deine Klara. Liebe Recha! Meinem letzten Briefe lasse ich schnell einen anderen folgen. Ich habe inzwischen etwas erlebt, was ich Dir gegenüber aussprechen muß. Durch meinen Brief an die Eltern wttßt Du, daß hier im Hause ein Neffe von Tante

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