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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12. Nr. 86 Der Israelit 8. September 1906. ehrten und aus Haß gegen die Griechen alljährlüh einen Griechen mästeten, um ihn an einem bestimmten Tage zu töten. Alle diese Erfindungen . nahm dann der Redner Appolonius, der gleich- - falls in Rhodus wirkte (c. 75 v. Ehr.), als Tatsache auf und verbreitete fie in einer über die / Juden verfaßten Schrift. Diese beiden Männer gehören bereits der Zeit an, wo die Römer ihre Herrschaft über den /Osten ausgebreitet hatten. Cicero, der erste Römer, der seine Stimme über Juden und Judentum erhebt, hat den Posidonius gehört und den Appölonius zum Lehrer gehabt. So hatten . die alexandrimfchen Bosheiten schon Vorurteile bei den Römern gegen die Juden erzeugt, ehe noch eine Beziehung dieser zu jenen eingetreten War. Diese Beziehung, die Entstehung von jüdischen Gemeinden in Rom und den italienischen Städten, ist eine Folge der Erstürmung Jerusalems durch Pompejus im Jahre 63. Die -Rede Ciceros, die unseren Gegenstand berührt, fällt in das Jahr 59. Ehe wir fie zu .würdigen versuchen, haben wir die geschichtlichen Ereignisse kurz ins Auge zu fassen. (Fortsetzung folgt.) f. . ~ — (Jom Oricntalisten-Kongreß. Die Sensation des Orientalisten-Kongresses in Kopenhagen, von dem wir bereits in voriger Rümmer berichteten, bildete der Vortrag von Prof. Haupt über „Geographie Palästinas" und die ihm folgende erregte Diskussion. Der bekannte amerikanische Gelehrte knüpft an seine geographischen Auseinandersetzungen, wonach das non der Bibel nicht in Nord-Syrien, sondern in Galiläa liege, aufs neue seine jüngst in Berlin geäußerte Hypothese, der Stifter des Christentums sei nicht Jude, sondern Arier gewesen. Der abenteuerliche Schluß, der hier «zogen wird, wird am besten durch die in der Diskussion gefallene Aeußerung beleuchtet, man könne nach der von Haupt beliebten Methode ' uuch wahrscheinlich machen, daß Goethe von polnischen Juden stamme. Beweis: Als Goethe geboren ward, lebten in Frankfurt a. M. zahlreiche polnische Juden. Prof. Hankel von Gießen meint, Haupt müsse zuerst beweisen, daß aus Galiläa jeder Semite deportiert worden sei und sämtliche Einwohner arische Immigranten waren! Prof. Glnzberg von New-Aork bestritt die INhtyeit des Talmud Jeruschalmi - ihm schloß sich auch Pros. Simonsen-Kopenhagen an, der die , mißbräuchliche Verwendung des für Echtheit gar nichts besagenden Euting^schen Gutachtens bedauerte.— Ueber das von Dr. Ga st er entdeckte samaritanische Buch Josua sprach Dr. Aahuda, der überzeugend nachwies, daß das Manuskript nicht früher als 1355 geschrieben sein könne. Dr. Gaster selbst war durch Krankheit am Erscheinen verhindert. Oberrabbiner Dr. Le rn e r - Altona sprach über „EineMischna- Sammlung Hillels". Oücherfcha«. Der Jude von Dr. «. Flesch, Rabb. in Mohacs - 8° £65 S. „Wahrheit gegen Freund und Feind," soll uns als Devise bei Besprechung Mgen vor kurzem erschienenen BNcheS eines ehemaligen PGer Semtnarzögltngs bienen, des Zöglings einer Anstalt, der wir sonst mit größter und — begründeter Antipathie gegenüber stehen. Bor allem aber wollen wir die Tendenz und Anlage erwähnten Buchemit ein paar Worten kurz kennzeichnen. DaS dickleibige und schön auSgestattete Buch will in populärer Weise und in der Form eines Dialoges zwischen einem „Frommen" und einem modernen „Weltkinde" die charakteristischsten Seiten des frommen jüdischen Privat-, Ilten* und Gesellschaftsleöens beleuchten und für dasselbe die Leser gewinnen. Das Buch zerfällt in 6 Hauptabschnitte, die folgende Ueberschrtsten führen: 1. Allge meine Grundsätze der Religion. — 2. Der Jude im Tempel (Gbnagoge). — 8. Der Jude im Hause. - 4. Die Freude des Juden. — 5. Die Trauer de8 Juden. — 6. Der Jude in der Gesellschaft. — Der Autor erklärt in der Vorrede 'S. 11), baß er ..für daS aufgeklärte, fortgeschrittene (?) Judentum kämpft, was übrigens bei einem ehemaligen Zöglwg des Pester neologen Ravbtnerfeminars und Seim Seelsorger einer solch neologen Gemeinde, wie MohacS ist, mehr als selbstverständlich wäre. Doch wird diese Behauptung des Verfassers von dem ganzen Buche Lügen gestraft. Denn all daS Schöne, Edle, Erhabene, Ewige, Göttliche, wofür der Autor in diesem Buche in die Schranken tritt und welches er dett Einwürfen deS „WelttindeS" gegenüber verteidigen und rechtfertigen will, gehört eben dem alten „sogenannten' orthodoxen Judentum als ursprünglichstes Eigentum an! Der Autor tritt z. B. in ausgesprochenstem Geg nfatze zu dem Schein-Judentum, bas sich mit dem Namen „aufgeklärtes, fortgeschrittenes Judentum" beehrt, selbst für die, von den wackeren Vorkämpfern der Neologie einfach in die Rumpelkammer wertloser Antiquitäten geworfenen v'2122, wie z. B., das Saraenes am Jem- Ktppur, Nüssewerfen im Shnagogenhof am Simchath- Thoratag und ähnlicheein! Klopf» doch einmal der Autor bei den Matadoren des „aufgeklärten, fortgeschrittenen Judentums" an, wie diese über solchen und ähnlichen „alten Kram" denken, und er wird was zu hören bekommen. Auch schreibt er z. B. S. 363 sehr richtig, daß „bei den wahrhaft frommen jüdischen Familien auch noch heutzutage keine verheiratete Frau sich im eigenen Haar zeigt," und stempelt hiermit — nach authentischster Kunde — die Gattinnen der Pester neologen Seminarlehrer und sämtlicher aus dem Pester Seminar hervorgegangenen „Rabbiner" (darunter auch iyi **22) zu nicht „wahrhaft frommen" Frauen in Israel! Für die eigentlichen Errungenschaften des .aufgeklärten fortgeschrittenen Judentums", für Orgel und Zuber Autor instinktiv fühlen oder aber mit klarem Bewustsein erfaßt haben, daß, so man die großen Mafien fürs Judentum zurückgewinnen will, dies nur dadurch erreichbar ist, daß man die noch allgemein bekannten Ideale und Institutionen des alten Judentums ins rechte Licht zu rücken und deren tieferen göttlichen Jdeenschatz zu enthüllen fich bestrebt. Während die den nnreren Konfessionen nachgeafften Errungenschaften der Neologie solche Anziehungskraft nicht zu üben vermögen. So ist eben dieser Umstand, der Vers, allerdings ungewollt die glänzendste Rechtfertigung der vtelgeschmähten Orthodoxie liefert, das erste erfteultche Symptom bei diesem neuen Buche. Soll aber der Berf. unter dem Namen „aufgeklärtes fortgeschrittenes Judentum", für welches er kämpfen will, daS alte Judentum im Bunde mit der modernen Kultur, also pi8 "pn DV min meinen, so segelt er entschieden unter falscher Flagge. Denn der Autor — und wie wir bald sehen werden: gerade der Autor — müßte wiffen, wie z. B. die ganze Lebensarbeit eines S. R. Hirsch für dieses alte Judentum, für „die Religion im Bunde mit dem kulturÄlen Fortschritt" gegoltm hat gegen den Schlachtruf des „aufgeklärten fortgeschrittenen Judentums." — — Das zweite hocherfreuliche Symptom bei diesem Buche ist, daß der ganze Wesenskern der darin entwickelten Ideen über Judentum und beffen Jnstituttonen aus. S. R. HirschS Werken, speziell aus beffen Ctzaurew geschöpft ist! Und eben dieser Umstand bewirkte eS, baß der fürs „aufgeklärte etc. Judentum" schreiben wollende Berfaffer, in Wirklichkeit für daS alte Judentum schreiben mußte. 2B1E& mni 121P H8D1! Und dies wollen wir dem Berf. zum verdienst anrechnen. Was wir aber dem Autor nicht verzechen können, was wir aufs allerentschiedenste verurteilen müssen, ist, daß er diese Hauptquelle, woraus er mit vollen Eimern geschöpft, mit Stillschweigen übergeht. Lolches Borgehen heißt in Blumensprache: fich mir fremden Febern schmücken! Be anders aber, wenn man — wie dies auch jetzt der Fall ist — ein anderes Werk nicht bloß benutzt, sondern ganze Stellen daraus wortwörtlich excerpirt und übersetzt und solche e en zu den Grundpfeilern des eigenen Gedankenbaues verwendet. Wir wollen aber auch einen strengen Indizienbeweis x eine solch schwere An läge liefern. So geben wir olgende Stellen behufs Vergleichung mit dem Chaurew an, und bitten jeden Kenner beider Sprachen unsere Angaben zu prüfen. Wir bitten das im 2. Abschnitt des Buches über Gesagte mit dem betreffenden Kapitel im mm zu vergleichen. Ebenso das S. 60 über pt^an Gesagte mit dem betr. Kap. im min- S. 63 Ö6et rr>2T»S mit IHN zu vergl. S. 70 über nFWD Ges. mit Ch. § 643 zu vergl. 74 mit Hirsch zu *4 B. M. 20, 6. S. 75 mit Ch. § 630-639. S. 76 mt: Ch. § 646. S. 77 mit Ch. s 64?. S. 81 mit Ch. § 679. S. 82 mtt Ch. § 620. S. 94—100 über ro» mit betr. Stellen im Ch. S, 154 mit Hirsch zu 2. B. M. 27, 8. S. 1 7 mit Ch. Kap. 40. S. 191 über Bedeutung des Körpers Gef. fit die H rf'sch Etgmvon S. 136 Über Speisegesetze mit IS Ch. § 449. S. 198 über Spetsegesetze mtt Ch. 8 447' S. 199 über Spetsegesetze mit Ch. § 199. S. 204 über 2^ni 1V2 mit HirschS Erklärung hierzu im Pentateuch- Kommentar. S. 296 Wer ni*28 mtt Ch. Kap. 43. S. 301 über mtt Ch. Kap. 111. S. 313 mtt Ch. Kap. 33. S. 332 Wer oyn mit Ch. § 594 und S. 333 mtt Ch. Kap. 97. Der Studiengenoffe deS Herrn Dr. Flefch, Herr Dr. S. Sreinhexr in Stuhlweisenburg hat ein wett schlechteres üch Wer Religion geschrieben und dennoch den Quellen- Hinweis, auf den mm für die Pflicht deS literarischen AnstanbeS gehalten, wie wir dies bereits in unserem Aufsätze „S. R. Hirsch in Ungarn" im Hirsch-Jubtläumsheste deS „Israelit" angeführt haben. Und wer. solchenicht tut, der darf fich nicht beleidigt fühlen, so man ihm vorhält, baß sein Borgehen ein — Plagiat heißt! Auch hätte der Berf. für eine bessere, leichter verständlichere Uebersetzung der auS dem min exeerpirten Stellen sorgen müssen. Hiermit wären wir fertig Wir' können aber zum Schluß eine Bemerkung nicht unterdrücken. Dieselbe bezieht sich auf den S. 326 und 337 sich verratenden Pferdefuß.' die alleinseligmachende Theorie des Einen Judentums. Diese Theorie hat der Berf. in der Tat nicht von Hirsch! — Wie kann fich aber der Berf. zu der Behauptung versteigen, daß die Lehre von zwei- und mehrerlei Judentümern eine Fiktion rer ungarischen Orthodoxie ist? Kennt der Herr Berf. die diesbezüglichen Schriften des Mannes, beffen Erstlingswerk er so gründlich „beendet" hat, so wenig?! Dennoch aber wünschen wir dem Buche eine baldige zweite Auflage mit einer vom literarischen Anstandsgefühl und auch von unseren Weisen gebotenen 1Q181 72 '121 11128 DW2 121, Quellenangabe und einer korrekteren Uebersetzung der aus dem min exeerpirten Stellen. Wie Werhaupt das ganze Buch einer sprachlichen Feile bedarf. Die Theorie von dem einen orthodox-neologen Judentume möge aber der Berf. in einem passenderen Rahmen unterbringen, als in einem mtt min^Zitaten vollaeftiickten Buche/ dann werden wir daS Buch deS Verfassers auch orthodoxen Kreisen aufs wärmste empfehlen. F-^r. W) sW81 p^n 2,1128 rra von Abraham Meijr Ru b i nst ein Rabbiner in Jaßwen. (Pieterkow 1908). Unsere homiletische Literatur hat ihre Blütezeit hinter fich. Hebräische Homilten, die vom Geiste der Thora burchtränkt auf Halacha und Agadah basterend, dem Leser eine zugleich erhebende angenehme und lehrreiche Lektüre bieten, kommen immer seltener auf den Büchermarkt. DaS uns vorliegende Buch des^ Herrn Rubinstein rrmtet uns aber wie ein Gruß aus jener Bäterzett an, wo die Thora noch zu Hause war im jüdischen Famtlicnheime und geistvolle Bibel und Talmuderklärungen die Labvattafel würzten. Es enthält homiletische Betrachtungen zu allen Abschnitten deS nW812 yD, sowie Boi träge für alle Feiertage und einige halachtsche Abhandlungen. In schöner leichtfaßlicher Sprache und anmuttger Form finden wir da eine ganze Reihe von Belehrungen und Erklärungen, die immer anregend und nie ermüdend wirken. Für Rabbiner und Lehrer und alle, die auf der Kanzel ober in der Lernstube bas Wort GotteS zu verbreiten haben, würde das Buch eine wahre FundgrWe an geeigneten Mottven und Anregungen abgeben. Sch. Die soeben erschienene Nummer „Der Sabbat" (bon Aug. 1908) enthält folgende Arbeiten: 1. In eigner Sache (E. B.) 2. Zwei medizinische Fragen in der Bibel (Dr. Rainer). 3. Jüie Sonntagsruhenage. 4. Aus vergilbten Blättern. 5. Kuriert (Sabbatgeschtchte von Judäus). Lieber. Rätsel. Vermischte Nachrichten. Littersttzche" ßotiztn. Zur Triukbarmachung des «»genießbare» Wassers in der Bibel. Die im Namen deS iaiD Onn in der Literarischen Warte zu Nr. 34 deS „Jsraeltt" gebrachte Auffassung deS Satzes 2. B. M. 15, 25 findet fich berettS in dem Bibelkommentar deS R. Bachja ö. Ascher (im2 '1 welcher schreibt: 11Q*V VOVQI pn 1* QW DW 1V12V A'l Entöl;n*i2D2 nmw mroi nmosi nenn i"2pi 18 O^nDD^I D*«8^nD m 2'8S1v D’3W vv vOVvi pn iw* nn .1*1222 p znv3 pa 12 *2112.1 121 ebenso wie der zur Unterstützung hervorgehobene Wechsel des Ausdrucks imi'1 für 11811 von R. Schimon b. Jochat in-der Mechilta bemerkt und dahin erklärt wird: 11811 mini |2 131 11111 8*8 1218 12>8 1181U x121 daß im übrigen auch die genaue Kenntnis der Natur, ihrer Produkte und der ihnen innewohnenden Eigenschaften, die Kenntnis der |n*1121 onvyi 1112 zu Öen |d 2'131 mini gehören, diesem Gegenstände widmet *"jfl |2"V1 in der Einleitung zu seinem Thorakommentar einige ebenso tiefe wie lehrreiche Sätze. Fürth. Dr. D. Zu diesem Thema teilt uns Herr Ja. Bretner Preßburg mtt Bezugnahme auf den Artikel in Nr. 34 noch eine Stelle auS dem InW Düin Su 1*V2 Mit, auS dem hervorgeht, dag die Triukbarmachung des Marah-Waffers nur als 02 "|in2 22 betrachtet werden darf. Herr Breiner verweist auch auf O'2*v -u NDV Kap. 2 Satz 22 und Kap. 20 Satz 7, ebenso auf ^«1, )"2*1 Md die die Auffassung des Herrn B. bestättgm.

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