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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Jsr-elit. Nr. 36. Sette 7. »08. -poli- Wsse aber ihnen i Beohne ndeste löglicj c Namüsse mzlich ireüer ie der , des je zu ruppe t nur ung", Pflege und ik au' idische idische!, die rß es idische , Berteien t Ber ein >enheit rderes tzteren Zestrerischen rgung, uftritt itums Ischen, ruf die h mehr reiheit t kein Druck tt, wie chmach tb emt und hlossen die errbildes lürlich, r poliwelche hreitet. m als bschlrch s^rank- :rt. das ct, da Staate bi2fe& Juden W>E: (‘.nübex schwei- &teidf; tzini 61 der Jahr; ■. Die n der ttö seit nerzahl Juden, x etwa >läni)?r. Zürich : einem Juden Appeni% durch efaisung grgen dre in en, daß her und 3. September 1308. solches eine politische Partei und zudem eine äußerst radikale, oder gar partout revolutionäre sein muß? Daß der Jude dort, wo er mit zynischer B rhöhnung aller unveräußerlichen Menschenrechte unmenschlich verfolgt wird, sich derjenigen Partei anschkießt, welche die Sache der Gerechtigkeit zu der ihrigen machte, ist ebenso natürlich, wie seine entschiedene Abneigung gegen jede revolutionäre Strömung, welche durch anarchistische Gewalttätigkeiten, die Ochlogarchie, die Tyrannei des Pöbels, die schlimmste aller Tyranneien und für die Juden gefährlichste anstrebt. Aber unsere heißblütigen, jugendlichen Umstürzler, wie die „Bundisten", „Zionisten-Sozialisten" nnd Konsorten, behaupten bei ihrem revolutionären Vorgehen eben als Juden die russische Revolution schüren zu müffen, weil der historische Beruf des Judentunis wäre: die Autokratie der Monarchen zu stürzen und den Bölker-„Demos" zur Herrschaft zu verhelfen, ohne dabei zu bedenken, daß wenn letzteres in Rußland gelingen würde, die Juden am schlimmsten daran wären. Vonseiten des rohen fanatischen Pöbels, welcher seine instinktive Feindseligkeit der Juden, noch unlängst in hunderten mörderischen, blutrünstigen „Pogromen" betätigt hat, haben wir Juden, als kraft- und machtlose Minorität im Lande, die wir ausschließlich auf die Herrschaft der Vernunft und der Zivilisation, des Rechts und der Gerechtigkeit angewiesen sind, nichts Gutes zu erwarten. Noch weniger, womöglich können wir Juden uns von einer Revolution versprechen, die in eine rebellische, ja kanibalische Anarchie ausartet, wie gegenwärtig die russische, und daher nie und nimmer der Sache der Freiheit und Gerechtigkeit dienen kann und wird. Allein das geht jene irregeleiteten, von der russischen revolutionären Strömung mit sortaerissene jugendlichen Tollköpfen nichts an und hören sie nicht auf die tölpelhaftesten Rodomontaden von den Juden als von prädestinierten Revolutionären zu schwatzen und danach zu handeln, und schrecken sie, zu unserer großen Schmach, von der Beteiligung an anarchistischen Ausschreitungen nicht zurück. Es hieße wohl Eulen nach Athen tragen, oder um mit dem Talmud zu sprechen, D'23D nn# pn DnoyS wollte ich in diesen Spalten den Beweis führen, Wie sehr die eben angeführten Ansichten unserer revolutionären Jugend dem Judentum und seiner Geschichte schnurstraks zuwiderlaufen. Es asnügt, auf die allbekannten religiösen Vorschriften hinzuweisen, an welchen unsere Gaubensgenossen zu allen Zeiten festhielten, welche hingebende Treue zu gesetzlichen Regierung zur heiligen unverletzlichen Pflicht des wahren Jehudi machen und besonders auf die weise Mahnung des Propheten Jeremias an die Juden in Babylonien. Ihre eigenartige Geschichte hat den Juden eine besondere Tätigkeitssphäre ausgezwungen. Verschiedene, die wirtschaftliche Produktivität einengende mit Konstantin dem Großen und Konstanzius ihren Anfang nehmende und bis auf die Gegenwart fortdauernde Ausnahmegesetze einerseits und die Zerstreutheit über der ganzen bewohnten Erde bei ungeschwächtem, Bewußtein ihrer glaubens- und stammesgenössischen Einheit andererseits, haben das Gedeihen und die Entwicklung gewisser Zweige erwerblicher Tätigkeit, die gewerbliche, kommerzielle und die finanzielle gefördert. Dem Landbau, welcher in ihrer alten' peimat ihr vorzüglicher Beruf gewesen ist, gewaltsam entrissen und entfremdet, widmeten sich die Juden schon früh dem Gewerbe (worauf chon die talmudische Sentenz: nv^v UW nuniK 122 ntt hinweist) und nach und nach dem Betriebe des Handels, der ihnen durch die Unterlaltung beständiger Beziehungen und regen Verkehrs mit ihren Glaubensbrüdern nah und fern wesentlich erleichtert wurde und schließlich durch die privilegia odiosa der kanonischen Wuchergesetze begünstigt — auch dem Wuchergeschäfte. So kam es denn, daß sie bald hier, bald dort, e nach dem, einen erheblichen Prozentsatz der kapitalistischen Klasse, aber auch des Proletariats bilden. Aber ist etwa aus dieser Tatsache zu schließen, daß das Judentum, als solches eine snziale Klasse ausmacht und im Klassenkampfe eine besondere Stellung einzunehmen hätte? Wohl hat das mosaische Agrargesetz indirekt zur modernen sozialen Frage Stellung genommen und soll sogar ihr zuvorgekommen sein und, indem der Judaismus bekanntlich die Arbeit sehr hoch stellt, hat er im gewissen Sinnen und Grade auch der Arbeiterfrage vorgeböugt, allein all die Gesetze und Satzungen, Lehren und Sentenzen sozialistischer und politisch-ökonomischer Natur, wie sehr sie auch unserem Bekenntnis zum Ru m gereichen und ihren göttlichen Ursprung bezeugen, stempeln noch lange nicht das heutige Judentum, welches die verschiedensten Zweige ökonomischer Tätigkeit betreibt, weder nach seiner Lehre, noch nach seinem praktischen Leben zu irgend einer bestimmten sozialen Klasse. (Fortsetzung folgt.) orrespondenzen und Eachrichten. Deutsche» Deich. 8.8. Berlin, 30. August. Um einem Werke edelster Menschenliebe die Weihe zu geben, hatten sich am heutigen Tage angesehene Glaubensgenossen, die Behörden, die evangelische und katholische Geistlichkeit in Pankow versammelt. Ter Hilfsverein für die jüdischen Taubstummen in Deutschland hat dort in der Schloßstraße 8 ein Altersheim gründet. Nach Absingung des Matowu begrüßte Herr Löwenberg mit herzlichen Worten die Erschienenen. — Hieraus hielt Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher eine in Form und Inhalt gleichvollendete Rede. Anknüpfend an das Wort des Psalmisten „Von Dir ist alles und aus Deiner Hand haben wir es empfangen", führte er ungefähr Folgendes aus: „Nicht die Empfindungen der vollen Freude, die Empfindungen der Wehmut beschleichen uns. Wir stehen in einem Menschenkreise, dem das Ohr verschlossen ist. Die Worte des Vaters und der Mutter hat er nicht gehört, Gesang und muntere Spiele der Jugend sind ihm fremd, fern steht er der Welt gegenüber, eng ist seine Welt, nur mühevoll kann er seinen Wünschen Ausdruck geben. 2lber es ist keine vereinzelte Erscheinung. Uns liegt es ob, uns in die Welt zu finden, im Glauben und in der Hoffnung an die vollkommene Welt, die sich über dieser erhebt, der Geist Gottes verkündet seine Güte, er weckt die Schlafenden und macht redend die Stummen. Es ist eine der edelsten Erfindungen der Neuzeit, den Stummen ihre Sprache wiedergegeben zu haben." Mit Gebet für das Kaiserhaus schloß Redner seine eindrucksvollen Worte. Ein Taubstummer sprach darauf seinen Dank aus. Berlin, 31. August. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat einen Berichterstatter nach Telschi entsandt, um genaue Informationen über den Umfang des Brandunglücks zu erhalten. Tie Bezirksstadt Telschi, so lautet nun der eingetroffene Bericht, wurde zweimal, am 21. und 23. Juli, von einer Feuersbrunst heimgesucht. Der erste Brand zerstörte 70, der zweite 250 Häuser. Ter Gesamtschaden wird auf 1200000 Rubel geschätzt. Tie Stadt zählt 7000 Einwohner, 5500 Juden und 1500 Christen. Das Feuer hat an den genannten Tagen so furchtbar gewütet, daß 4 498 Personen von der Katastrophe in Mitleidenschaft gezogen worden sind Und zwar 4073 Juden und 425 Christen. Von Gebäuden der jüdischen Gemeinde sind abgebrannt: die Hauptsynagoge, zwei Bethäuser, eine „Klaus", das Rabbinatshaus und die Jeschiwah. Die Juden in Telschi gehören zum größten Teile dem Handelsstande an und waren verhältnismäßig gut situiert. Im Gegensätze zu vielen „jüdischen" Städten des Änsiedlungsrayons hatte Telschi nur einen kleinen Prozentsatz armer Juden. Das lokale Unterstützungskomitee richtet sein Augenmerk vorzugsweise aus die Rehabilitierung der geschädigten Kausleute. Von Bedeutung dürften die Informationen sein, welche der Berichterstatter bezüglich des Verhaltens der Behörde während und nach der Feuersbrunft erlangte. Er hat durch mehrere Zeugen festgestellt, daß der Jsprawnik, namens Peschkow, die Löschapparate oft in sehr kritischen Momenten ohne ausreichenden Grund den Juden verweigerte. So nahm er zunächst die Feuerwehr für die Reichsbank in Anspruch, obwohl bereits alle Wertsachen aus ihr entfernt und in Sicherheit gebracht waren; später, als aus der 'benachbarten Stadt Plungjan mehrere Löschapparate eintrafen, verhinderte der Jsprawnik ihre Anwendung bei brennenden Häusern und ließ sie um sein Haus aufstellen/das ganz außer Gefahr war. Ms einige Juden sich um Hilfe an ihn wandten, wies er sie schroff ab. Ms er einen abgebrannten Juden weinen sah, ahmte er ihm nach, und belustigte sich über ihn in rohester Weise. Das Stadthaupt, an das sich der Berichterstatter um Auskunft wendete, bestätigte, daß der Jsprawnik ein ausgesprvchner Jndenhasser sei, der nach seinen eigenen Worten in diesem schrecklichen Brande einen Ersatz für einen Pogrom erblickt. In Rußland sind beträchtliche Summen für die „gewesene" Stadt gesammelt worden, größere Sammlungen stehen noch bevor. Auch ans Amerika wird gemeldet, daß die dortigen zahlreichen Juden ans Telschi eine größere Aktion zu Gunsten ihrer Heimatstadt einleiten. Ter Hilssverein der deutschen Juden hat in Gemeinschaft mit dem Frankfurter Hilfskomitee für die notleidenden o st p r e u ß i s ch e n Juden unter Hinzufügung des Ergebnisses einer Spezial-Sammlung für Telschi in Königsberg vorerst 7000 Mark nach Telschi gesandt, und die weitere Beschaffung von Mitteln für die schwer heimgesuchte Stadt gemeinsam mit der Großloge für Deutschland, die gleichfalls bereits 1500 Mark für Telschi zur Verfügung gestellt hat, in die Hand genommen. Berlin, 31. August. Die furchtbare Feuersbrunst, die am 23. August in Stambul gewütet und ein ganzes Viertel im Centrum der Stadt in Ascke gelegt hat, hat die zum grösten Teil muselmanische Bevölkerung aufs Schwerste betroffen. In dankbarer Erinnerung an die tatkräftige Hilfe, die die türkischen Behörden den Juden bei der großen Brandkatastrophe in Konstantinopel- Haskieu erwiesen, hat der Hilfsverein der deutschen Juden Frcs. 2500. — für die Opfer des Brandunglücks in Stambul telegraphisch angewiesen. Berlin, 31. Augusts Wie dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelite Universelle mitgeteilt wird, fand am 28. August im Ministerium des Innern eine Konferenz der beteiligten preußischen Behörden und Vertreter der deutschen Schiffahrtsgesellschaften statt, die sich mit der Abänderung der Bestimmungen für den Durchzug russischer Auswanderer durch Deutschland beschäftigte. Es ist beschlossen worden, eine neue Betriebsordnung für die Auswanderer-Kontrollstationen längs der preußisch-russischen Grenze

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