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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 6. Nr. 66. Der JSraeltt 3 September 1308. 3. <8 ische, vom Gros des jüdischen Stammes schon längst vergessen und seit Jahrtausenden fa't nur als eine gottesdienstliche und theologische lebt, und die andere nie die ursprüngliche Sprache unseres Volkes/ sondern stets die des „Golus" war. Vergebens wird wiederholt von gegnerischer Seite darauf hingewiesen, daß die Geschichte noch kein Beispiel kennt, daß ein Volk nach eigenem Belieben und wohlbedacht eine Volkssprache sich geschaffen und seiner nationalen Kultur einen neuen, ~ vorher nie gekannten und nie geahnten Inhalt gegeben. Nichtsdestoweniger hören Sch. I. Hurwitz, der Begründer der neuen Organisation „Sinai", und' seine Nachbeter unter der russischen jüdischen Jugend in frivoler Weise nicht auf, den Juden von der Alternative des Zionismus oder Taufe zu erzählen, welch letztere, wie sie erklären, der langen, qualvollen und zwecklosen Agonie des Judentums in der Diaspora allerdings ein rasches Ende machen würde. - Diese extravaganten Alternativen, gepaart mit den mißlichen Erfolgen des politischen Zionismus und mehr als bedenklichen Aussichten des realen Zionismns, mußten viele Adepten desselben zur Verzweiflung am Zionismus bringen und sie kehrten ihm den Rücken, aber die Wirkung dieser Verzweiflung war eine verschiedene. Die einen — und bei weitem niick die wenigsten — schüttelten mit dem Zionismus auch die ganze jüdisch--nationale Bewegung von sich ab und gingen in das Lager der Affimilanten über, gaben die Sache ihres Stammes als eine verlorene auf, wurden völlig indifferent gegen das Schicksal des letzteren, und wenn in ihnen ein Funke von Idealismus, wenn auch mißverstandenen, übrig blieb und nicht ganz in einem banausischen Strebertum versumpften, gesellten sie sich zu den ihnen.vorausgeeilten Affimilanten und füllten mit ihnen die Cadern der revolunären Propaganda verschiedener Schattierungendie anderen, bei denen die vererbte, angeborene und anerzogene Stammesanhänglichkeit stärker reagierte und von der nationalen Bewegung nicht laffen könnte, an der Zukunft des Zionismus verzweifelt, gaben sie ihrem Streben nach national-politischer Autonomie eine andere Richtung: „Müsse es denn durchaus Palästina sein, wo die jüdische nationale Autonomie sich realisieren sollte? Kann nicht viel rascher und viel leichter der Herzlsche „Judenstaat"'aus einem anderen Territorium ausgerichtet werden, das weniger von den Mächtigen umworben und von den unduldsamen Konfessionen beansprucht wird, als das petrifakte, seit Jahrtausenden verwahrloste, zum agrarischen, wie zum industriellen und kommerziellen Aufschwung so wenig geeigneten Palästina? So wurden denn die territoriale Bewegung geschaffen, welche unter der in Verzweiflung getriebenen die Bauern dem ihnen seit Jahrzehnten bekannten Retter und brachten den halb erstarrten Schläfer in Sicherheit. Seit jener Zeit ließ drr weingrüne Heinrich, wie er bei'allen Gelegenheiten sagte, für den „Jud" sein Leben, wozu sich aber bisher keine.Gelegenheit geboten batte. Heute wollt? -r gegen Zeugengebühr sein so oft gegebenes Wort einlösen. Mit den Riesen im Vordergrund des Gerichtssaals hatte es noch ein anderes Bewandtnis bei Awromchen. Zum Verständnis der Episode, bei der Awornichen hier als Lebensretter erschien, bedarf es einer kurzen Darlegung gewisser lokalen Verhältnisse und Gepflogenheiten der Rheinanwohner ejner Gegend, in der sich unsere Erzählung zutrug. Am Rheinufer war ein großer Rasenplatz angelegt, der den Einwohnern des Städtchens zum Bleichen der Wäsche diente. Zwischen der mit mehreren breiten an den Strom führenden Treppen der Böschung, und einem dicht am Ufer erbauten großen bäude, lag ein breiter Streifen Fahrweg, der über einen steilen Stich in die Straße führte. An dieser flachen Wasserstelle, pflegten dir Fuhrleute, die Wasser fahren wollten, ihre Pferde zu baden, auch von dem hier angehäusten Rheinsand abznfahren, die inmitten des Stromes reichlich Treibkräfte zur Verfügung hatten, das Mehl aus den hier landenden Kähnen rin- und die zur Mühle gehende Frucht abzuladen. An der dem Bleichplatz gegenüber liegenden hohen Mauer, welche die Front eines großen Gartens bildete, lag das ganze Jahr hindurch vielerlei Gebälk, das von alten Schiffen herrührte. .Hier wurden auch die Flösse angelegt, die dann auseinandergenommen, und deren Balken zu dem übrigen Gebälk gelegt wurden. Hier arbeiteten auch, sobalo es warm wurde, Zimmerleute, und die großen Drumm^ägrn begleiteten wie ein verabredetes Konzert die klingenden Schläge der Zimmermannsäxte. Es konnte ryeinauf und rheinab keinen Idealeren Spielplatz für Kinder geben wie an dieser jüdischen Jugend viele Tausende Anhänger hat und bemüht ist, dem Zionismus den Rang abzulaufen, was ihr, wenn die Bemühungen des „Jlo" auch nur mit halbwegs günstigen Erfolgen gekrönt werden, ohne Zweifel gelingen wird. Dies umsomehr, als der territorialen Bewegung sich auch solche Elemente anschließen, welche auch nicht nach dem problematischen „Judenstaate" streben und in einem zu erringenden Territorium bloß einen neuen, besser situierten Landungsplatz für die unvermeidliche, immer zunehmende jüdische Emigration,, und teilweise die Lösung der so brennenden Judenfrage erblicken. Allein außer den sehr schwachen Aussichten auf Erreichung des Zieles, welche die territoriale Bewegung sich gesetzt hat, nagt an ihrem Mark, wie an dem des Zionismus, der Wurm der inneren Zersetzung, die revolutionären Fraktionen, welche in ihrer Mitte Hausen. Wie innerhalb des Zionismus die Fraktionen „Poale Zion" und „Zeire Zion" mit ihren äußerst radikalen „sozialdemokratischen" Programmen und Doktrinen wühlen, so wüten innerhalb der territorialen Partei die „Zionisten- Sozialisten" mit ihren „sozial-rcoolutionären" Bestrebungen. Diese wie jene Fraktionen sind im Grunde nichts als Zersetzungs- und Zerstörungs- Elemente, welche in ihrer fluchwürdigen Tätigkeit miteinander wetteifern und an^ brutaler Rücksichtslosigkeit den „Bund" womöglich noch überbieten und unterscheiden sich von ihm nur darin, daß er nach keiner national-politischen Autonomie strebt, eine solche sogar als seiner sozialdemokratischen Klaffenkampfdoktrin und seiner kosmopolitischen Tendenz schnurftrakts zuwiderläuende perborresziert. Die bezeichneten Fraktionen untergraben somit die zionistische wie die territoriale Bewegung und tragen wesentlich zur Ernüchterung und Enttäuschung ihrer Adepten bei. 'Die zweifelhaften Aussichten auf dem Wege des Zionismus und Territorialismus nationalpolitische Autonomie zu erlangen, haben unter den jüdischen Nationalisten das Streben nach national-politischer und national-kultureller Autonomie in Rußland selbst gezeitigt. Die Partei der „Seimisten" sieht in der Bildung eines jüdischen „Seims", welcher über alleinneren Angelegenheiten der russischen Judenheit walten soll, die Betätigung der von ihnen gewünschten und unter den obwaltenden Verhältnissen — nach ihrer Ansicht — einzig zu wünschenden jüdischen nationalpotitischen Autonomie,welche geeignet wäre, die jüdische Nationalität zu wahren und zu erhalten,' die „Volkspartei" sieht ein, daß die Bildung eines solchen „Seims", wenn derselbe — der doch im Grunde genommen ein „atatas in 8tatu" in optima forma gewesen wäre — sich möglich erweisen sollte, was wohl kaum anzu- Stelle, wo lose angekettet? Kähne, - leicht erreichbar für die Kinder im flachen Wasser schaukelten, der große Bleichrasen, zum Umhertummeln, die an hie, Mauer gelagerten langen Mastbalken zum Sitzen einluden, und der blanke, feuchte Rheinfand die Keinen Fischbruten weithin beobachten ließ und zu andern Spielen Gelegenheit bot. Und nicht nur Kinder dielten sich mit Vorliebe an dieser zum müssigen Sehen, Sitzen und Spielen so geeigneten Stelle auf; aucfy Erwachsene setzten sich nicht selten aus .das zum Schwatzen, Träumen und Beschauen einladende Plätzchen hin, wo es ohne viel Aussehens so viel zu sehen gab. Das Arbeiten der Zimmerleute, das Auslesen der Holzspähne, das rührige Waschen der Wäscherinnen, das Besprengen der reinen Wäsche, das Hin- und Herfahren der Wassersuhrleute, das Aus- und Einladen der Müllerkähne, das Vorübergleiten drr Segel- und Dampfschiffe lud besonders alte Leute zum beschaulichen Ruhen ein. Hier Pflegte auch Awromchen des Nachmittags sich auf die Balken zu setzen und die Umgebung zu betrachten, bis die Zeit gekommen war, wo er, seiner seit vielen Jahren geübten Gepflogenheit folgend, eine Stunde bevor der Abendgottesdienjt in der Synagoge begann, sich dahin begab, und sein: Psalmen so laut hersagte, daß man ihn schon vor der Türe hören ronnre; eine Gepflogenheit, dir er auch im Winter nicht anfgab, wenn es im Gotteshause eisig kalt war. Nur. kürzte er dann sein: Gelb etzeit um die Halste und kam natürlich nicht erst dann vom Rhein, wo man sich im Sommer ja auch nur des Nachmittags hinsetzt, um sich von der Sonne etwas Wärme in den Kauf geben zu lassen. .(Fortsetzung folgt.) nehmen ist, schon deswegen keine national-politische Autonomie bedeutet, weil feine Beschlüsse im besten Falle nur einen moralischen, aber keinen juridischen Wert haben könnten, da ihnen die zwingende Gewalt fehlen würde. Seine Beschlüsse würden somit bloße pia äesiäeria, ohne jede praktische Bedeutung und ohne die mindeste Wirksamkeit bleiben, er könnte somit unmöglich der Wahrung und Erhaltung der jüdischen Nationalität erhebliche Dienste leisten. Man müsse daher von national-politischer Autonomie gänzlich absehen und ausschließlich nach national-kultureller Autonomie streben, was durch die Autonomie der jüdischen Schule, der jüdischen Gemeinde, des Mischen Jargons als jüdische Volkssprache zu erlangen sei. Die jüdische nationale Gruppe begnügt sich mit noch wenigerem, sie strebt nur nach „jüdischer, nationaler Selbstbestimmung", worunter sie versteht: die Erhaltung und Pflege der jüdischen Ethik, der jüdischen Literatur und Kunst, übersieht dabei, daß die jüdische Ethik auf der jüdischen Religion fußt, 'daß die jüdische Literatur und Geschichte hauptsächlich die jüdische Relig on zum Inhalte haben, welche sie, die nationale Gruppe ja ignoriert, und daß es wohl jüdische Künstler, aber keine jüdische Kunst gibt. Im Obigen habe ich die Leitmotive, Bestrebungen und Ziele der verschiedenen Parteien und Fraktionen der jüdischen, nationalen Bewegung gekennzeichnet, welche aber nur ein Element der innerhalb der russischen Judenheit vor sich gehenden Gärung ausmacht, ein anderes nicht minder wichtiges Element der letzteren bilden die politischen Strömungen und Bestrebungen eines beträchtlichen Teiles der jüdischen Jugend. Auch die jüdische, politische Bewegung, insofern dieselbe als eine echt jüdische auf tritt | und im Interesse und im Geiste des Judentums vorzugehen sich ausgibt, beruht auf einer falschen, ja verkehrten Auffaffung des Judentums, auf die j ich in gedrängter Kürze eingehen möchte. Das historische Schicksal des Juden, noch mehr! dessen Religion, haben ihn für Recht und Freiheit besonders empfänglich gemacht. Vielleicht kein Volk hat so lange und so hart unter dem Druck der Ungerechtigkeit und Willkür geschmachtet, tt)te| das jüdische, welches um so tiefer die Schmach und die Äual der Bedrückung empfand und empfindet, als sein Sinn für Gerechtigkeit und! Freiheit schon früh durch seine Religion erschlossen wurde, welche vor Jahrtausenden ihm die erhabensten Gesetze des Menschen, als Ebenbildes' Gottes einimpfte. Es ist mithin ganz natürlich wenn der Jude gemeiniglich mit derjenigen politischen Partei am meisten sympathisiert, welche! für Gerechtigkeit und Freiheit mutig einschreitet. Aber folgt etwa daraus, daß das Judenrum als solche, äußer sein j scher i rechte Parte keit z wie s, lutior Gewa des % für d heißbl „Bari forter gehen schüre Judei zu st schaft wenn Judei des inftin unlän rünsti wir £ im La der 2 und Gutei könne verspi Anav und l beit v Allein fchen jugen nicht den I zu sch sie, i Beteil zurücl E Hunderts durch den von ihr gewünschten Abschluß eines Handels- und Niederlassungsvertrages mit Frankreich gezwungenerwcäse den' .französischen Juden, das Aufenthalts- und Niederlassungsrecht gewährt, da Frankreich eine differentielle B-handlung seiner Staats- ] angehörcgen nicht zugeftehen wollte. Da aber biefe§ j Recht einmal den in oer Schweiz ansässigen Juden bis dahin nicht zustand, so mußte man schließlich, 'mußt: man glicht eine Kategorie von Ausländern g?g müder] Landesangehörigen in Vorteil setzen, auch den schweizerischen Juden die vollen Bürgerrechte geben. Gleichwohl ist die Zahl der Juden in der Schweiz keiinj große. Sie belief sich 1850 auf 3145, 1860 aus 4216, 1870 „ 6996, 1880 „ 7373, 1890 „ 8069, 1900 „ 12264. Im Verhältnis der Gssamteinwvhn erzähl der! Schweiz machte die jüdische Bevölkerung im Jahr; 1850 0,2 o/o und im Jahre 1900 0,4o/o aus. Die! beiden alten israelitischen Bürgergemeinden d?r> Schweiz, Neu-Endingen und Neu-Lengnau lind seit« 1850 auf ein Drittel ihrer damaligen Einwohnerzahl (1515) zurückgegangen. Bon den zwölftausend Juden,! die in der Schweiz leben, sind übrigens nur etwa 5000 Schweizerbürger, die anderen sind Ausländ?.-.! Die größte Zahl von Juden weist der Kanton Zürich auf mit 2933, die kleinste der Kanton Uri mit einem! Juden, der noch dazu Ausländer ist. Gar keine Juden! haben die Kantone Ob- und Nidwalden sowie Appen-i zell-Jnnerrhoden. --- Bekanntlich hat dis Schweiz durch! >as infolge einer Volksabstimmung in die Verfassung! um tr Dnoy führei unser« und s Es g. schrift genoß geben! heilig, mache des P lonien I' eine Versö engen' stanzi Geger seits wohni sein Einhe Entw keit, f zielle ulten gewal die £ aufgenommene Schächtverbot, durch Gesetze gegen! ftmtfWsi* urtK A.n.» S,« jjt| (Die Juden in der Schweiz.) Wie immer noch sehr wenig bekannt ist, hat dir als „frei" gepriesene Schweiz erst Mitte der sechziger Jahre drs 19. Lahr¬ Hausierer und Kleingewerbetreibende, gegen btc T>er Schweiz studierenden „Russen" usw. bewiesen, daß! der Antisemitismus der Schweizer zwar kein roher undj und gemeiner ist, dafür aber um so tiefer steckt. schon nwou Betri haltm kehrs wesen die i gesetzt So k je na kapito m

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