Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1908)
- Date
- 1908-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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wrzid^uiig and Le(i Verein Ser jUdifchen Lehrer Ser Rabbtnafsbejirhe kmSen-oiSenburs-vremen. Gi«lad««g ■■■ - zu der Mittwoch, den 2. September d. Js., vormittags 9 Uhr zu Emden im Nordheimer'schen Gafthofe stattfindenden vtrvnrrdrwanrisste« Korrfeve«;. Tagesordnung: 1. Lehrprobe: „Samuels Geburt und Weihe" und im Anschluß daran „Das Gebet". — Herr Lev r-Bentheim. 2. Begrüßung, Berichterstattung und Rechnungsablage. 8. Das Wirken des gesetzestreuen Lehrers in neologen Gemeinden in und außerhalb der Schule. — Herr Meyberg - Oldenburg. 4. Borstandswahl und Wahl eines Delegierten in den Vorstand des Bundes g. j. L. in Deutschland. 5. Anträge und freie Besprechungen. Jever, den 11. August 1906. Der z. Vorsitzende: H. Löwenstein. NacbMngr ans Oer Leneralversammlnng des bayerischen Cebrer-Uereins in Rothenburg. Bon G. ) * Die offiziellen Begrüßungen sind erledigt, die Beifallsstürme, die jeder Rede folgten, sind verrauscht. In gedrärmter Kürze und gewohnter Sachlichkeit folgt der Bericht des Vorstandes — es strebt die Verhandlung mit wachsender Spannung dem Dingfelderschen Referate zu. — Dingfelder hat gesprochen. Es waren Blitze in dunkler Nacht, die das Elend des Religionslehrerstandes grell erleuchten, es waren wuchtige Donnerschläge, die das Gewiffen der jüdischen Gesamtheit aus dem tiefsten Todesschlafe wecken müßten . . . Stürmischer Beifall! Die Temperatur der Gemüter hat die Siedehitze erreicht. Es wogt und drängt die Redestut der Debatte mit ungewohnter Heftigkeit. Die Wellen verschlingen sich — langsam wogt es ab, es glättet sich die See. Und wie der ragende Fels aus den Wassern, steht am Schluffe unberührt von der Brandung der stürmischen Meinungen — die Denkschrift. „Die Debatten haben nichts Neues zu Tage gefördert, alles, was vorgebracht wurde, hat die Kommission auch schon erwogen, es bleibt bei den Vorschlägen der Denkschrift." So etwa lautete die vom Vorstände abgegebene Schlußbemerkung, der noch hinzugefügt wurde, daß die Verwaltung trotzdem mit keinem Worte die Debatten abgekürzt, vielmehr in loyaler Weise die Redefreiheit ' und Meinungsäußerung ungehindert habe sich , ergehen lassen, Gewitterwolken hatten sich aufgetürmt, als ich im Bahnwagen der Heimat zueilte. Ich nahm es kaum wahr, daß wolkenbrucharttge Regengüsse über die Fluren niedergingen, so sehr war ich mit meinen Gedanken noch in der Versammlung. Zwei Gesichtspunkte, die in der Debatte aufgetaucht waren, standen mir fortwährend vor Augen und je mehr ich sie verfolge, desto klarer wurde es mir, daß sie tatsächlich doch etwas wesentlich Neues vorgebracht und neue gangbare Wege gezeigt, die aber in der Versammlung keine Beachtung gefunden hatten. Woran lag das? Nicht Anklage zu erheben ist der Zweck dieser Zeilen, sondern Vorschläge zu machen zu einer nutzbringenderen Gestaltung künftiger Generaldebatten, und im vorliegenden Falle die nichtbeachteten Vorschläge nochmals zu eingehender Erwägung dem ganzen Verein zu unterbreiten. Die beiden in der Debatte gegebenen Anregungen, die ich im Auge habe, sind: 1. der Vorschlag Levy-Willmars: mit den Landtagsabgeordneten Fühlung zu suchen, um sie für die Sache der jüdischen Lehrer zu interessieren und 2. der Antrag Anfänger-Würzburg: zunächst dahin zu wirken, daß die leistungsfähigen aber nicht „leistungsunwilligen"Gemeinden einmal gezwungen werden, die geforderten Minimalgehälter für ihre Lehrer aufzubringen. Daß beide Wege gangbar sind und der Erfolg mindestens ein wahrscheinlicher sein würde, soll im weiteren eingehend klar gelegt werden. Was den Weg an die Abgeordneten betrisst, so ist derselbe in zweckdienlicher Weise von uns noch kaum beschrttten worden. Mit Recht hat der Antragsteller — wenn die Aeußernng überhaupt ein Antrag sein sollte — auf das Beispiel in Meiningen hingewiesen. Wir hörten im Vorjahre in Aschaffenburg von einem hessischen Kollegen, wie der hessische Lehrerverein mit fast jedem einzelnen der Abgeordneten in Verbindung getreten ist und eben dadurch einen Erfolg bei der Regierung erzielt hat, auf den er anfänglich selbst garnicht gehofft hatte. Und wer hat in Preußen die Bereitstellung von 40000 Mk. für den jüdischen Religionsunterricht durchgesetzt? Eine einfache Petitton an die Staatsregierung hätte ohne die Agitation, die von verschiedenen Seiten her hinter den Kulissen der Oeffentlichkeit bei den ausschlaggebenden Landtagsparteien inszeniett wurde, auch dort nicht das mindeste , erwirkt. Es ist also nichts mit dem ewigen Leisetreten, mit dem bloßen Pettttonieren bei der Regierung und dem verttauens- und geduldvollen Harren und Hoffen, daß man uns vom Staatstifche auch einmal gnädigst einen Brocken zuwerfen werde. Dem Kuttusminister gegenüber | .hält her Finanzminister schon immer die Hand fest auf dem Säckel, kein Wunder, wenn man sich im Kultusministerium dann nicht beeilen wird, zugunsten der jüdischen Religionslehrer das Kultusbudget zu erhöhen! Aber der Landtag hat schon öfter noch ein kräftiges Ja gesagt, wo der Minister aus finanziellen Gründen schon mit Nein votiert hatte. Erst vor kurzem erlebte sogar eine jüdische Angelegenheit, die Petition des Würzburger Lehrerseminars um Staatszuschuß, dieses Schicksal. Der Minister hatte sich im Finanzausschuß dagegen ausgesprochen, das Plenum beschloß einstimmig „Würdigung". Es kommt also sehr viel darauf an, daß die Abgeordneten, insbesondere natürlich die der Mehrheitspartei, einmal unsere Schmerzen und Wünsche kennen lernen, wenn sie eine verständnisvolle Teilnahme für dieselben empfinden und bekunden sollen. Freilich dürfen wir hier nicht zu viel erwarten: Wir sind und bleiben zunächst gegenüber den staatlich anerkennten Kirchen nur eine eduldete Privatreligionsgesellfchatt. Wir können arum bei der heute herrschenden Anschauung für jüdische Interessen nicht auf ein Recht pochen. Aber Billigkeitsgründe hat man schon öfter auch in Bayern gegenüber der jüdischen Schule walten lassen, gerade von Seiten der Zentrumspartei, wenn es galt, damit das Prinzip der Konfessionsschule zur Geltung zu bringen. Man vergleiche hierzu die Stellungnahme des terrn Dr. Schädler zu der eben genannten Würzburger Petttion! Und jüdischen Konfesfionsschulen droht die Gefahr der Auflösung, wenn sie mtt einem Verweser besetzt sind und die Kinderzahl zurückgeht. Sollte da ein Wunsch der Mehrheitspartei, trotz der gegenwärtig wenig wohlwollenden Stellungnahme des Ministerialreferenten, nicht ausreichen, daß wie bisher, auch weiterhin den jüdischen Verweserstellen die staatliche Subventton zuteil wird? Ich kann nicht glauben, daß die bayerische Kammermehrheit, wenn sie um Fürsprache in dieser Sache ange- B wird, versagen würde. Und dann: Im . erium erklärt man uns, daß zugunsten der jüdischen Schulen in die Autonomie der Landräte nicht eingegriffen werde/ haben wir selbst denn schon einmal versucht, einen der Landtagsabgeordneten dafür zu gewinnen, daß er sich der jüdischen Berweserstellen annehme? Sicher würde manches Landtagsmitglied für die paritättsche Behandlung jüdischer Schulstellen eintreten, wenn es nur eine Ahnung davon hätte, daß diese von der Kreisregierung ignoriert werden. Darum also in Zukunft etwas weniger Lamento in unseren Versammlungen und in der jüdischen Presse, dagegen etwas mehr persönliche Agitation bei Landtags- und Landratsmitgliedern! Wir selbst wissen, wo uns der Schuh drückt, aber jene, die uns helfen könnten und vielleicht helfen würden, erfahren nichts davon. Eine Agitatton, die etwas erreichen will, muß klare Ziele vor