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Der Israelit · 1908-08-27 · Heft 35 (27.8.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 35 (27.8.1908)
Date
1908-08-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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«r. 85. Sette 10. D« JSraeltt. 27. August 1908 erweckt. In der Synagoge entwarf OVerraVbiner Weil- Kalmar ein treffendes Lebensbild oeS Dahingegangenen. Auf dem Friedhofe rief Rabbiner Dr. Meyer-Thann als Schüler und Kollege dem Verblichenen einen warmen AvfchtedSaruß nach. Neustadt M. W. B., 15. Aug. Als älteste Bürgerin mlferer Stadt konnte heute Witwe Herz Lebt, die Mutter unseres Hemeindeältesten, Herrn A. Ledi, ihren vvjichrigen Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische feiern. Zu diesem seltenen Feste hatten fich viele Verwandte eingrfunben, um Persönlich ihre Glückwünsche darzubringen. Auch konnte die wohl pünkllichste Besucherin unserer Synagoge die Glückwünsche der Versammelten Gemeinde entgegennehmen, die ihr manche Trane der Ueberraschung und Rührung entlockten. L. Wien» 25. Aug. Das älteste Mitglied der Adaß JiSroel (Schiffschule), Herr Jakob Ehren reich y'tfl Ist im 98. Lebensjahre verschieden. Derselbe war ein streng frommer rnn'v der bis kurz vor seinem Tode täglich bei Wind und Wetter schon vor Beginn deS Morgengottesdienstes in der Synagoge anzutreffen war. Seine am nachmittag stattgefunbene war von zahlreichen Semetfidenlttglie^ern begleitet. Der ihm gebührende Nachruf müßte wegen der Abwesenheit unseres Rabbiners Fürst und auch wegen unterbleiben. Sein Anyenken wird bei uns nie erlöschen. Zprecbsaal. Die Konsul Simon-Stiftung. Sehr geehrter Herr Redakteur! Seit längerer Zeit wenden sich die jüdischen Blätter wieder der alljähruch mindestens einmal austauchenden Frage zu, ob sich die Juden der Bodenkultur zuwenben, UNd mehrmals seither sich als Landwirte betättgen sollen. Auch der „Israelit" hat schon öfters diese Frage von verschiedenen Gesichtspunkten aus beleuchtet, und haben die Wer diesen Gegenstand veröffentlichten Änfichten stets die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise auf sich gelenkt, die fich mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Juden permanent beschäftigen. Es dürste daher den Lesern des ^Israelit" nicht unwillkommen sein zu hören, baß sich gegenwärttg einige Zeitungen in Berlin, gleichfalls mit der LandwirtschastSfrage beschäftigt haben. Allerdings «ehr in scharfen Kritiken, alS in rein fachlichen Darlegungen. Jedoch nicht obgleich, fande n weil diese Polemiken fich in so scharfen Urteilen 'ergehen, verdienen fie Beachtung. Man kann aus ihnen ersehen, daß mm einmal ein wachsendes Interesse für eine so eminent wichttge wie die Bodenkultur, die Juden Deutschlands So lenkt ein kurzer, schneidiger Arttkel in einer jüdtchen Wochenschrift die Aufmerkamkeit des Publikums auf die Konsul Simon-Stiftung in Hannover, die alS die größte, mit ihrem vier Millionen Mark betragenden Grundkapital, zu bettachten ist. Nicht mit Unrecht fragt der Berfaffer des erwähnten Artikels, was denn eigentlich bis jetzt, bald vier Jahre nach dem Tobe deS SttsterS, in dessen Sinne getan worden ist. Soweit bÄarmt ist, ist btS zu dieser Stunde von dem in jeder Großgemeinde verttetenen Kuratorium dieser Stiftung gar nichts geschehen, waS die Aufmerksamkeit auf fich gelenkt oder besondere Beachtung verdient hätte. Ohne-hter untersuchen zu wollen, ob die vorwurfsvolle Kritik doch nicht allzu streng fei, so kann man mit dem Berfaffer besagten Artikels doch darin überetnsttmmen, baß die Oeffentlichkett ein unbestrittenes Recht hat, zu erfahren, was denn eigentlich die Männer, die durch daS Vertrauen eines SttsterS zur Verwaltung seines Vermächtnisses für die Juden deS gesamten Reiches berufen wurden, leisten. Das Publikum hat auch daS Recht, einen Bericht darüber zu lesen, ob auch daS geschieht, waS der Stifter geplant h.t. ES darf doch unmöglich heutigen TageS mehr, ohne Rückficht auf die öffentliche Metmmg, nach Willkür und rein persönlichen Ansichten und am Ende gar unter Ausschluß der Oeffentlichkett verwaltet werden. > ■ v Der Einsender dieser Zeilen ist persönlich fest üherzeugt davon, daß daS Kuratorium der Konsul Gftnon- Sttstung nur deshalb eine ersprießliche Tättgkett nicht entölten konnte, well der Boden nicht genug für seine Wirksamkeit vorberettet ist. Ohne Zweifel fehlten bislang die Pioniere für die Ausführung der Idem, dmm die Simon-Stiftung zugrunde liegt. Dann liegt der Fehler aber nicht am jmratorium der Simon-Sttftung allein, smibem auch zum Teil an den allgemeinen Verhältnissen jener Vereine, die in der gleichen Richtung tätig sind. Seit hundert Jahren machen die größtm Männer der deutschen Judenhett die energischsten Anstrengungen, ihre Brüder aus dm Banden einseitiger Gewerbstätigkeit zu besreim und fie zu Besitzern von ländlichem Boden und. fie selbst zu Ackerbürgern zu machm. ES existiert in Posen einBereinzur Förderung deS Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden, ein gleichnamiger Verein in Berlin, außerdem einige noch in einigen Gemeinden Süddeutschlands, und, als bekanntester, ber Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands. Keiner der genanntm Vereine besitzt Mittel genüg, um wirklich Ersprießliches fördern zu können. Keiner dieser Vereine, zu denen jetzt auch in allerletzter Zeit die „Gustav Tuch- Stiftung hinzugetreten ist, wird mtt seinen bescheidmm Einkünften auch nur einm kleinen Teil der vorgestecktm Ziele' erreichen können. Warum verschmelzm sich alle diese Vereine nicht zu einem großen Ganzen? Warum ttttt nicht bet allen diesm bereits bekannten und einm großen Mitglitderkreis zählenden Institutionen die Simon- Stiftung tMkrästig ein? I Jedenfalls darf man aber darauf gespannt sein, wenn eS nicht in den Jntenttonm des Vorstandes der Simon- Stiftung liegt, alle gmannten Vereine zu unterstützen, was der Endzweck der besagten Stiftung eigentlich ist. Vielleicht erfährt man recht bald über die fruchtbringende Tätigkeit des ZkuratoriumS etwas von dem, was in andem Blätttern laut angefragt worden ist. Hochachtungsvoll H.J. Uerein$kalender. Verein Mekor-Chajtm, SamStag, 39. August, Nachmittags Uhr, Mikro-Vortrag des Herrn Julius L e w i n. Briefkasten. A. W in G. Versuchen Eie es mit einem Inserate. U. K. Soviel uns bekannt, hat die Gemeinde eine solche Institution. Jnwiewett sie auf NNV2 Anspruch machen kann, wissen wir nicht. Darüber kann wohl der dorttge Rabbiner am besten Auskunft geben. Dr. W. K. 1. Darüber gehen die D*0n3D auseinander und so tuen Sie am besten, wmn Sie die Frage einem Rabbiner vorlegen. 2. Herr Dr. Rosenbaum, Frankfurt a. M., Hanauerlanistr. 36. M. T. in St. I. 1. Der^Grund liegt im Anhalte des ersten. Sie das s , flSxrwmdung. - S. D. in M. Besten Dank für die Mitteilung. Wir werben die Sache prüfen. R. F. in Trier. Stellenvermittlungs-Verein „Schomre-Schabbos" in Frankfurt a. M., Schützenstr. 14. Drnckfehler-Berichtiguug. Im Arttkel „Vom Htstorikerkongreß" im Kl. Feuilleton der letzten Nummer soll eS im ersten Satze statt „Auf dem Histortkerkongreß in London", „Auf dem Historikerkongreß in Berlin" heißen. m SA-* minberecfe. Freitagabend in 9er Sremöe. Stumm und ernst saß Bella inmitten der andächttg Betenden da. Die Andacht der Frauen bewahrte sie wenigstens vor deren kritischen Blicken und ließ sie in ihrem Kummer allein. Es war Freitag Abendder weihevolle heilige Schabbos brach herein, der Spender der Ruhe und des Friedens. Auch Bella hatte die fegenfpendende FreitagabeNd-Sttmmung kennen gelernt, sie war es gewohnt, den' heiligen Schabbos mit festlicher Freude zu empfangen. Doch heute fehlte ihr die echte Schabbosstimmung. Die Weihe des einkehrenden Schabbos erweckte heute statt der gewohnten Fröhlichkeit, ernste trübe Gedanken in ihr. Es war heute der erste Freitagabend, den sie fern vom Elternhause in fremder Umgebung begehen sollte, und eS wollte ihr nicht gelingen, hier die richtigen, weihevollen Sabbathgefühle zu finden. Die Eindrücke erschienen ihr zu fremd, zu neu, und ein heftiges Heimweh hatte sie plötzlich erfaßt. Ihre Gedanken trugen sie heim in die festliche Stube, wo der Schabbos von Eltern und Geschwistern feierlich begrüßt wurde. Sie sah die beiden Leuchter blicken, die Sabbathlichter aufstammen, sah auch im Geiste die Mutter mit ausgebreiteten Händen die Berocho darüber sprechen und dann später dieselben Hände sowie die des von der Synagoge heimgekehrten Vaters segnend auf den Häuptern der Geschwister ruhen. Doppelt fühlte sie jetzt den Wert dieser Berochauth und sehnte sich heiß nach ihnen. Wohl winkten ihrauch hier leuchtende Schabboslichter entgegendoch sie waren nicht von geliebter Mutterhand im trauten Heim entzündet. Sie waren es gerade, die in Bella die Sehnsucht nach der Heimat, nach dem Ellernhause, wachriefen. Man begab sich unter allgemeiner „Gut Schabbos"-Begrüßung zu Tisch. Es fehlte nicht an heiterer Stimmung, und Bella suchte sich inmitten der fröhlichen Gesellschaft zu zerstreuen, sich die trüben Gedanken wegzufcheuchen. Wohl dachte sie beim Kidduschgebet wieder an den ergreifenden Kiddufch zu Hause/ doch sie drängte die trübe Stimmung zurück und war fröhuck mit den Fröhlichen. Und doch war sie no nicht ganz gewichen. — Die Stunde war vorgerückt und man verabschiedete sich kurz. Nun allein gab sie sich gerne noch einmal den Gedanken hin, die sie heimwärts lenkten. Diese Gedanken geleiteten fie auch in den Schlaf, und nun erlebte sie im Traume das, wonach sie wachend sich so heiß gesehnt, sie verbrachte wieder einen Freitagabend im unerjetzlichen Elternhause.- Als sie erwachte, da war es wohl nur ein Traum gewesen. Doch ergab sie sich bald zufrieden der Wirklichkeit, die sie auf mehrere Jahre dem Elternhause fern halten soll. Sie wollte gern und geduldig diese Jahre ausharren. Konnte sie doch dann doppelt gestärkt und gekräfligt den' Eltern und Geschwistern wieder zujubeln und in diesen Jahren mittelst des erworbenen Wissens dienen. Sie gedachte derer, die genötigt find, immeo das geliebte Elternhaus zu vermissen und pries sich glücklich im Gedanken mit ihren Lieben verbunden zu sein und einem frohen Wiedersehen entgegenharren zu dürfen. M. Sabbat-Anfang u. Ausgang. OBI: Anfang Datum AuSgang UhrlMm. 1908 5668 UhrlRiu. w.Aug. 2. Elul Snwffmü a. M. 6 40 8 — »erlitt .... — — 7 46 München . . . 6 45 7 41 Strafibrrrg . 6 30 8 — Stuttgart. . . 7 — 7 53 Pose« .... — — 7 45 Nürnberg . . — — 7 47 Hamburg. . . — —* 8 10 Prag. — — 7 85 5a«Me«»acbttchte>. Geburten: Eine Tochter: Emil Tarlebach (Carlebach) Frankfurt a. M., Obermain-Anlage 12. Verlobte: Sophie Dülken. Dr. Goldschmidt, Cöln a. Rh.-Frankfurt a. M. Verm fehlte: Hermann Eschwege, Paula geb. Wertheimer» Frankfurt a. M-München. — S. L. Epstein. Louise geb. Baer, Freiburg i. B.-Halberstadt. $abtjßar anch wirklich nichts vergessen? Wenn wir dann in unserem stillen Bergnest fitzen, dann fällt euch wieder allerlei ein, was man nöttg hätte und doch nicht haben kann Wahrhaftig, Fays ächte Sodener Mineralfeil in dem nicht vor zwei Jahren die böse Erkältung weltfernen Nest durchgemacht habe. Wenn ich Fays ächte Sodener habe, weiß ich wenigstens, daß ich keine Erkältung zu fürchten brauche — Fays ächte Sodener kosten nur 85 Pfennig die Schachtel und find in;eder Apotheke, Drogerie ober Mineraltvasserhandlung zu haben. Achten Sie aber darauf, daß Sie keine Nachahmung erhalten. die ihren Sitz in Frankfurt a. Wt* $at und aus der Vereinigung der Schomre Echabbolh-Bereine in Frankfurt a. M.» Berlin und Breslau besteht, hat trotz der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse auch im -1. Semester dalaufenden Jahres mit gutem. Ertzlg gearbeitet, mdemsie gegen 100 Stellen (fast auSschlMtch kaufmännische Gehilfin- Stellen) zur Besetzung brachte. Daneben wurden emer Anzahl Stellenloser vorübergehende Beschäftigung nachgermesen. Die Jnstwition verdient daher die lebhafteste Unterstützung aller Mischen Kresse. UB&f

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